Mit großem Interesse verfolgen wir die öffentlichen Diskussionen zum Einsatz von grünem Tee in der Behandlung der Amyloidose, die durch einen in einer Fachzeitschrift veröffentlichten Selbstversuch angestoßen wurden: Nach regelmäßigem Trinken von grünem Tee sei es bei einem Patienten mit Leichtketten-Amyloidose zum Rückgang der Herzmuskeldicke gekommen.1
Grüner Tee enthält eine Vielzahl chemischer Substanzen. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass die gesundheitsfördernden Effekte am ehesten durch EGCG (Epigallocatechin-3-Gallat) hervorgerufen werden. In einem Liter Tee sind ca. 200 - 400 mg EGCG enthalten. Ergebnisse klinischer Studien mit der reinen Substanz EGCG sind bislang nicht bekannt. Allerdings wurde beobachtet, dass EGCG im Reagenzglas ein spezielles Amyloid, das im Gehirn abgelagert wird, zur Auflösung bringen kann.2 Ob der Wirkstoff auch in der Lage ist, in ähnlicher Weise Leichtketten-Amyloid aufzulösen, wurde bisher noch nicht untersucht, soll aber in Zukunft experimentell geprüft werden.
Eine gemeinsame Studie der Abteilungen für Hämatologie und Kardiologie der Medizinischen Klinik der Universität Heidelberg ist geplant, in der Patienten mit Leichtketten-Amyloidose des Herzens mit EGCG behandelt werden.
Bis das Ergebnis dieser Studie vorliegt, ist es noch zu früh, jedem Patienten mit AL Amyloidose den Genuss von grünem Tee als Therapie zu empfehlen. Basis der Behandlung der Leichtketten-Amyloidose bleibt die Chemotherapie, die das Ziel hat, die Leichtketten-bildenden Plasmazellen im Knochenmark zu zerstören und somit die weitere Amyloidbildung und –ablagerung zu unterbinden.
Dr.Reinhard Singer Dr. Ute Hegenbart Dr. Stefan Schönland
1 W. Hunstein, Blood 20072 E.E. Wanker, Max-Delbrück-Zentrum, Berlin, persönliche Mitteilung
Eine Erfahrung an einem einzigen Zentrum mit 11 Fällen
A. Kashfi, A. Mehrabi, P. Schemmer, J. Schmidt, H. Friess, M. W. Büchler, P. Sauer, Th. Kraus, R. Singer
Phase I/II-Studie zum Einsatz von Bortezomib bei behandlungsbedürftigen Patienten mit AL-Amyloidose (Ansprechpartner: Dr. U. Hegenbart; Dr. S. Schönland, Medizinische Klinik V der Universität Heidelberg, Abt. Hämatologie/Omkologie/Rheumatologie, Tel: 06221-568009)
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