COMM Intervention
Titel: Meta-Analytische Verfahren zur Auswertung gemeindebezogener Interventionsstudien: Methodische Entwicklungen und Überprüfung von Anwendungsmöglichkeiten
Projektleitung: Prof. Dr. T.L. Diepgen, Prof. Dr. M. Blettner (Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Bielefeld)
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Inhaltsangabe:
Im Rahmen des vorliegenden Forschungsprojektes wurden statistische Verfahren der Meta-Analyse an die Auswertung von gemeindebezogenen Interventionsstudien angepasst. Die Möglichkeit der Anwendung wurde an einer Beispielstudie, der Deutschen Herz-Kreislauf-Präventionsstudie überprüft. Zur Validierung der Meta-Analytischen Verfahren wurden parallel Auswertungen mit gemischten Modellen vorgenommen.
In der Meta-Analyse werden üblicherweise Schätzer für den Interventionseffekt aus Untereinheiten (Studien, Zentren) erhoben, die Homogenität dieser Einzelschätzer untersucht und diese gegebenenfalls in fixed oder random effect Modellen zu einem Gesamteffekt zusammengeführt. In ungematchten Gemeindestudien kann aus einer einzelnen Gemeinde kein Schätzer des Interventionseffektes erhoben werden, hier muss als Effektschätzer ein Parameter geschätzt werden, der sich in Interventions- und Kontrollgemeinden unterscheiden soll. Im Rahmen einer Meta-Regression, die „Interventionsgruppe“ als festen Effekt enthält, kann dann überprüft werden, ob die ein signifikanter Interventionseffekt besteht. Generell sollte für Gemeindestudien das random effects Modell gewählt werden, da dieses in der Lage ist, Heterogenität zwischen Gemeinden zu berücksichtigen. Diese Heterogenität ist die Kehrseite der Korrelation, wie sie im gemischten Modell unter Verwendung von Originaldaten beschrieben werden kann. Aufgrund der üblicherweise sehr niedrigen Zahl an Gemeinden sollte die Teststatistik aus der Meta-Analyse mit einer t-Verteilung verglichen werden.
Als Anwendungsbeispiel wurden für die Deutsche Herz-Kreislauf-Präventionsstudie die Interventionseffekte auf Herz-Kreislauf-Risikofaktoren bestimmt. Hierbei bestätigte sich die Übereinstimmung zwischen den Meta-analytischen Verfahren und dem gemischten Modell, das als statistisches Verfahren für gemeindebezogene Studien als adäquat angesehen wird. In der fixed effects Meta-Regression wurde die Varianz des Interventionseffektes in gleicher Weise unterschätzt wie in einer Auswertung von Originaldaten ohne Berücksichtigung der Korrelationen. In der Meta-Analyse wurde eine extreme Heterogenität besonders bezüglich der Änderungen im Blutdruck beobachtet, die eine Zusammenfassung der gemeindespezifischen Ergebnisse sinnlos erscheinen lassen. Die Identifikation von auffälligen Gemeinden, die explizite Darstellung von Variabilität zwischen Gemeinden und die Entscheidung über die Zusammenfassung von Gemeinden sind Komponenten der Meta-Analyse, die im Vergleich zu dem gemischten Modell zusätzliche Informationen zu dem Interventionserfolg bringen. Eine Auswertung von gemeindebezogenen Interventionsstudien mit Meta-analytischen Verfahren zusätzlich zur Anwendung des gemischten Modells erscheint daher empfehlenswert.
Laufzeit: 2000-2002
Mitarbeiter/innen der Abteilung: Twardella, Kuss, Scheuermann, Diepgen, Bruckner.
Externe Kooperationspartner: Prof. Blettner, Prof. Wahrendorf (DKFZ Heidelberg)
Publikationen:
(1) Kuss O, Twardella D, Blettner M, Diepgen TL: Effektschätzung in Cluster-Randomized Trials mit binären Zielgrößen: Eine Sensitivitätsanalyse mit numerischer Integration, MCMC und NPMLE am Beispiel der DHP. Informatik, Biometrie und Epidemiologie in Medizin und Biologie 32 (2-3):211-212, 2001 [Abstract].
(2) Twardella D, Bruckner T, Blettner M: Estimating intervention effects in community-based trials using meta-regression – the German Cardiovascular Prevention Study as an example (wird bei Epidemiology zur Publikation eingereicht).
(3) Twardella D, Bruckner T, Kuss O, Diepgen TD, Blettner M: Eignen sich Meta-Analytische Verfahren für die Auswertung gemeindebezogener Interventionsstudien? Informatik, Biometrie und Epidemiologie in Medizin und Biologie 32 (2-3):318-319, 2001 [Abstract].
Dissertationsarbeit (Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld)
(4) Twardella D: Meta-Analytische Verfahren zur Auswertung gemeindebezogener Interventionsstudien am Beispiel der Deutschen Herz-Kreislauf Präventionsstudie.
Vorträge aus diesem Projekt:
(5) Kuss O, Twardella D: Statistische Auswertung von gemeindebezogenen Interventionsstudien am Beispiel der Deutschen Herz-Kreislauf-Präventionsstudie (DHP). "Metabolisches Syndrom und Herz-Kreislauf-Krankheiten" Gemeinsamer Workshop der AG Herz-Kreislauf-Epidemiologie und der AG Ernährungsepidemiologie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (DAE) und der AG Klinische Epidemiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Halle/Saale, 17.-18. 5. 2001.
(6) Twardella D: Neue statistische Verfahren zur Auswertung gemeindebezogener Interventionsstudien am Beispiel der Deutschen Herz-Kreislauf-Präventionsstudie. Heidelberger Kolloquium Medizinische Biometrie, Informatik und Epidemiologie, 18. Juni 2001.
(7) Twardella D, Bruckner T: Eignen sich meta-analytische Methoden zur Auswertung von gemeindebezogenen Interventionsstudien? Workshop der AG Statistische Methoden in der Epidemiologie und der AG Krebsepidemiologie, Bielefeld, 5. März 2001.
(8) Twardella D, Kuss O: Using mixed models for the analysis of community-based trials. Euroworkshop on Statistical Modelling – Mixed Models. Schloss Höhenried, 2.-5. November 2000, (http://www.stat.uni-muenchen.de/euroworkshop/2000.html).





