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Endokrinologie & Klinische Chemie
Kyphoplastie

Der Behandlungsablauf

 

Diagnose und Therapie der Osteoporose

 

Da die der Osteoporose zugrunde liegende Störung des Calciumstoffwechsels auch zu einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose ("Arterienverkalkung") und damit für Herzinfarkte und Schlaganfälle führt, werden bei uns alle Patienten zunächst internistisch auf bereits erkennbare Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Dabei werden auch die hormonellen Regulationssysteme überprüft, die den Knochen- und Calciumstoffwechsel steuern. Auch zusätzliche Risikofaktoren für eine Knochenstoffwechselstörung werden erfasst (Magen-, Darm-, Nieren- und Lebererkrankungen), um ggf. gezielte Behandlungen einzuleiten.

 

Wir stellen uns stets die Frage, ob ein Patient wirklich an einer sogenannten primären Osteoporose leidet oder ob die Osteoporose Folge einer ganz anderen zugrunde liegenden Erkrankung ist. Eine solche sekundäre Osteoporose kann beispielsweise durch eine Darmerkrankung oder eine erhöhte körpereigene Produktion der Hormone Cortison oder Parathormon verursacht werden. Sogar eine bösartige Erkrankung könnte zugrunde liegen. In manchen Fällen ist daher auch die Entnahme einer kleinen Knochenprobe aus dem Beckenkammbereich erforderlich.

 

Ist die Ursache der Osteoporose erkannt, wird die Behandlung zielgerichtet und nach den heute geltenden medizinischen Standards begonnen. Bei den Patienten, die schmerzhafte Wirbelkörperfrakturen haben, wird entsprechend der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit einer medikamentösen Schmerztherapie begonnen, die unverzichtbarer Teil der Therapie ist.

 

Vorstellung beim Kyphoplastie-Team

 

Gleichzeitig wird der Patient unserem interdisziplinären Behandlungsteam  vorgestellt, bestehend aus Endokrinologen, Osteologen, Hämatologen, Radiologen und Unfallchirurgen. Anhand der vorliegenden Röntgenbilder der Brust- und Lendenwirbelsäule und der Computertomografie- und Magnetresonanztomografie-Bilder dieses Bereiches wird die Situation jedes einzelnen Patienten individuell beurteilt und diskutiert und eine Therapieempfehlung erarbeitet. Es muss sicher gestellt werden, dass die Schmerzen tatsächlich von den gebrochenen Wirbelkörpern herrühren, denn nur dann kann eine Kyphoplastie schmerzlindernde Wirkung haben.

 

Ist ein Bandscheibenvorfall, ein eingeklemmter Nerv oder ein eingeklemmtes Knochenfragment die Ursache des Schmerzes, müssen andere Therapien gewählt werden.

 

Weiterhin ist zu diskutieren, ob eine Kyphoplastie technisch möglich und sinnvoll ist. Dies ist insbesondere auch bei unfallbedingten Wirbelkörperbrüchen notwendig, weshalb die Beratung mit Unfallchirurgen so wichtig ist.

 

Bei den Tumor- und Myelompatienten muss besprochen werden, in welchem Stadium der Mylombehandlung und an welchen Wirbelkörpern eine Kyphoplastie sinnvoll erscheint.

 

Therapieempfehlung

 

Da für die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten der Kyphoplastie noch nicht ausreichend viele und aussagekräftige klinische Studien vorliegen, ist diese gewissenhafte interdisziplinäre Diskussion unabdingbare Voraussetzung, um jedem einzelnen Patienten die individuell beste Therapie anbieten zu können.

 

Die empfohlene Medikation der Osteoporose und des Schmerzes sowie das Ergebnis unserer interdisziplinären Begutachtung durch das Kyphoplastie-Team erhalten Patient und Hausarzt schriftlich als Arztbrief. Der Patient kann sich dann gemeinsam mit seinem Hausarzt beraten und entscheiden, ob er sich einer Kyphoplastie unterziehen möchte, um seine Rückenschmerzen zu lindern und die Wirbelkörperbrüche zu stabilisieren.

 

Entscheidet sich ein Patient für die Kyphoplastie, so sollte er sich schnellstmöglich wieder in der Sektion Osteologie melden und den stationären Aufnahmetermin vereinbaren. Sofern die Operations- und Narkosevorbereitungen am Tag der Aufnahme komplett vorliegen, wird der Patient schon am nächsten Morgen in die Chirurgische Klinik zur Durchführung der Kyphoplastie verlegt. Eine genaue Beschreibung der Operationstechnik steht im Kapitel "Der operative Eingriff". Meist werden die Patienten schon am zweiten Tag nach der Kyphoplastie ohne Korsett oder Mieder nach Hause entlassen.

 

 

Behandlungsablauf

 

Patienten, die an einem Wirbelkörpereinbruch leiden, stellen sich in der Osteoporose-Ambulanz der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 672, Tel: 06221 / 56 87 87 oder 8605 vor. Dort wird die Krankengeschichte erhoben und der aktuelle medizinische Befund.  

 

1. Internistische Untersuchung

Vielen Patienten mit Knochenschwund (Osteoporose) haben - wegen des gestörten Calciumstoffwechsels - ein erhöhtes Risiko für eine Arteriosklerose und damit für einen Herzinfarkt und Schlaganfall. Vor einem Eingriff müssen folgende Begleiterkrankungen abgeklärt werden:

 

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Hormonstörungen
  • Erkrankungen vom Magen-Darm-Leber, Niere
  • einer sekundären Osteoporose)

 

Weiterhin sollte geklärt sein, ob die Osteoporose die Folge einer anderen Erkrankung, z.B. eines Tumorleidens, ist. In manchen Fällen ist daher die Entnahme einer Knochenprobe aus dem Beckenkamm erforderlich.

 

2. Medikamentöse Behandlung

 

Ist die Ursache der Osteoporose erkannt, wird die Behandlung mit den  wissenschaftlich erwiesenen, besten Therapiekonzepten zum Erhalt und Wideraufbau der Knochensubstanz begonnen. Bei schmerzhaften Wirbelkörperbrüchen wird, in Anlehnung an die Empfehlungen der WHO, mit einer medikamentösen Schmerztherapie begonnen.

 

3. Röntgenuntersuchungen

Vorteilhaft ist es, wenn der Patient die jeweils aktuellsten Röntgen- CT- und MRT Befunde in Form der tatsächlichen Bilder gleich mitbringt. Liegen noch keine Röntgenbilder oder andere bildgebende Voruntersuchungen vor, werden  im Rahmen der Erstvorstellung auch zumindest Röntgenaufnahmen der Brust- und Lendenwirbelsäule oder ggf. weiterer schmerzhafter Skelettregionen angefertigt, sofern dies erforderlich erscheint.

 

4. Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie im Team

Die Patientin/der Patient werden dem interdisziplinären Kyphoplastie-Team mit allen Unterlagen (Klinisches Beschwerdebild, Laborbefunde, Röntgen, CT-Bildern etc.) vorgestellt. Traumatologen, Radiologen, Hämatologen und Hormon- und Stoffwechselspezialisten (Endokrinologen/Osteologen) besprechen, ob eine Kyphoplastie technisch möglich ist und welche Aussichten auf Schmerzreduktion durch den Eingriff bestehen. Es werden auch mögliche chirurgische Alternativverfahren besprochen, die in manchen Fällen in Frage kommen.

 

5. Empfehlung und Arztbrief

Die medikamentöse Behandlungsempfehlung von Osteoporose und Schmerz sowie das Ergebnis der  interdisziplinären Begutachtung erhalten Patient und betreuender Arzt im Arztbrief. Bei einer Empfehlung können sie gemeinsam entscheiden, ob zusätzlich zur unverzichtbaren medikamentösen Behandlung auch eine Kyphoplastie zur Beseitigung der Rückenschmerzen und Stabilisierung der eingebrochenen Wirbelkörper durchgeführt werden soll.

 

6. Anmeldung in der Klinik

Hat sich der Patient für den Eingriff entschieden, sollte er sich schnellst möglich in der Sektion Osteologie (Tel: 06221 / 56 8605) melden, um den stationären Aufnahmetermin zu vereinbaren. Die Patienten werden stationär in der Medizinischen Klinik aufgenommen,  dort von dem interdisziplinären Ärzteteam betreut und für den Eingriff in die Chirurgische Klinik verlegt. Meist können sie bereits am 2. Tag nach dem Eintritt entlassen werden.

 

7. Vorbereitung der Operation  

Die Vorbereitung auf die Operation wird in der Regel ambulant vor der stationären Aufnahme vorgenommen. Für die Voruntersuchungen wird der Patient gebeten, die Blutgerinnung beeinflussende Medikamente wie z.B. Aspirin, Paracetamol, und sogenannte Nicht-steroidale-Antirheumatika eine Woche vor der Kyphoplastie abzusetzen. Die Scgmerzmedikation ist dann ggf. auf Opiatderivate umzusetzen. Sind die OP- und Narkosevorbereitungen am Tag der Aufnahme abgeschlossen und der Patienten ist dem Narkosearzt vorgesetllt worden, wird der Patient am nächsten Morgen in die Chirurgische Klinik, IM Neuenheimer Feld 120, zur  Kyphoplastie verlegt.

 

8. Die Operation

Der stationär durchgeführte Eingriff wird von einem spezialisierten Ärzteteam aus Hormonexperten (Endokrinologen), Radiologen und Unfallchirurgen in Vollnarkose und unter Röntgensichtkontrolle vorgenommen. Der Patient liegt dabei auf dem Bauch. Der Eingriff dauert pro Wirbelkörper etwa 20 Minuten. (Link zu: Der operative Eingriff).

 

9. Nachsorge

Die Patienten werden meist am 2. Tag nach der Kyphoplastie ohne Korsett oder Mieder entlassen. Ambulante Kontrollen im Abstand von 1 , 3 , 6 und 12 Monaten in der Sektion Osteologie erforderlich (Tel: 06221 56 86 05). Danach sollte sich der Patient einmal jährlich in der Sektion Osteologie zur Kontrolle der Wirksamkeit der medikamentösen Therapie und zur Kontrolle der wieder aufgerichteten Wirbelkörper erneut vorstellen. Besonderen Wert wird darauf gelegt, dass die Patienten langfristig hinsichtlich ihrer Knochen- und Calcium-Stoffwechselstörung betreut werden.