Das Profil des Instituts
Die 1974 gegründete Abteilung "Psychoanalytische Grundlagenforschung und Familientherapie" wurde als Abteilung für "Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie" innerhalb der Psychosomatischen Klinik 1998 wiederbesetzt und in ihrer Struktur ausgebaut. Seit 2004 ist die Abteilung ein Institut im Zentrum für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg. 2005 wurde die Forschungsstelle für Psychotherapie der Abteilung zugeordnet. Das Institut hat die folgenden Arbeitsschwerpunkte:
1. Beziehungsorientierte Interventionen
Die Paar- und Familientherapie
Die Paar- und Familientherapie ist eine psychotherapeutische Methode, die den Beteiligten in Beziehungssystemen hilft, die Interaktion in diesen Systemen zu verändern. Ziel ist es, die zwischenmenschlichen Störungen so zu bearbeiten, dass sich Symptome verbessern oder gar auflösen. Ziel des Instituts ist es, durch einzel-, paar- und familientherapeutische Behandlung Patienten mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen möglichst wirksam unter Einbeziehung ihres relevanten Bezugssystems zu funktionsfähigeren Beziehungen zu verhelfen.
Interdisziplinäre „Sprechstunde für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern“
Ein weiterer Schwerpunkt des Instituts betrifft die frühe Eltern-Kind-Beziehung. Die Belastungen junger Familien werden von Betroffenen und Helfern oft unterschätzt und von der Gesellschaft nicht adäquat gewürdigt. Zunehmend rücken frühe Störungsbilder des Säuglings und Kleinkindes in den therapeutischen Blickwinkel. Die Schwierigkeiten des jungen Kindes, sein Verhalten ausreichend gut zu regulieren, sind häufig Ausdruck einer Interaktionsproblematik zwischen Eltern und Kind und können i. S. einer Spirale negativer Gegenseitigkeit zu einer schwerwiegenden und lange anhaltenden Belastung der Beziehung zwischen allen Familienpartnern führen.
Folgende frühkindliche Symptome führen junge Familien in unsere Sprechstunde: das exzessive Schreien, Schlafstörungen, Fütter- und Essverhaltensstörungen, Bewegungs-unruhe und Spielunlust, vermehrte Trennungsängste und anklammerndes Verhalten, verstärkte Trotzreaktionen und beginnendes aggressives Verhalten. Studien belegen, daß diese Konstellationen einen Grundstein für spätere beziehungsbedingte körperliche und seelische Störungen des Kindes legen können.
Die Sprechstunde bietet Eltern und ihren Kindern unter 3 Jahren Beratung und Therapie an. Ziel ist es, die sich entwickelnden Teufelskreise in der Interaktion zwischen Eltern und Kind und in der Beziehung der Familienmitglieder auch im Sinne der Prävention frühzeitig zu unterbrechen und damit mittel- und längerfristig körperlichen und seelischen Störungen vorzubeugen.
Die Familienmedizin
In der familienmedizinischen Konzeption geht es um eine Synchronisierung der Ressourcen von Behandlungssystem und Angehörigen. Die Familienmedizin widmet sich der Behandlung von Patienten mit schweren körperlichen und chronischen Erkrankungen. Aktuell beschäftigt sich die Familienmedizin auch mit den Auswirkungen der Fertilitätsmedizin und der Pränataldiagnostik.
2. Förderung der Beziehungskompetenzen in der Prävention
Frühe Präventionsmaßnahmen
Die Erarbeitung weiterer präventiver Konzepte zum Schutz des Kindes in der frühen Kindheit und zur Unterstützung der Eltern sind dringend angezeigt. Das Konzept der "Elternschulen" oder die Fortbildung der Kinderärzte in diesem Bereich sind aktuell geförderte Projekte. Die geplanten Projekte werden so gestaltet, dass auch Hoch-Risiko-Familien erreicht werden.
Prävention bei Gewalt
Ein langfristiges Ziel ist die Prävention von Gewalt in der Kindheit, weil Misshandlung, Vernachlässigung oder sexueller Missbrauch Risikofaktoren für die Entstehung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen sind. In der bisherigen Gewaltforschung des Instituts wurden z.B. Unterrichtsmaterialen wie FAUSTLOS für Kindergarten und Grundschule entwickelt. Ein Curriculum für die Sekundarstufe soll 2007 veröffentlicht werden.
3. Beziehungsdiagnostik
Mit wissenschaftlich fundierten Methoden lassen sich heute Beziehungen in unterschiedlichen Beziehungssystemen wie der Partnerschaft, der Eltern-Kind-Beziehung oder der Familie erfassen und reliabel beurteilen, sowohl mit Fragebogen (z.B. die „Familienbögen“) als auch mit Beobachtungsinstrumenten. Methoden zur Einschätzung der Qualität der Partnerschaft oder der Funktionalität von Familien werden im Institut entwickelt. Die technischen Neuerungen, z.B. die Videodokumentation und die mikroanalytischen Möglichkeiten, führten zur Entwicklung neuer Methoden, die in der psychosozialen Medizin zur Erfassung von Beziehungsstörungen und -ressourcen eingesetzt werden. Das Institut entwickelte in Kooperation mit anderen Wissenschaftlern die Beziehungsachse der "Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik". Mit diesem Instrument können gestörte zwischenmenschliche Beziehungen der Patienten valide und reliabel erfasst werden.
4. Brückenbildungen mit Hilfe der Neuen Technologien
Die Forschungsstelle für Psychotherapie (FOST) ist auf die Beforschung der Möglichkeiten der neuen Technologien in der Psychotherapie spezialisiert. Die MitarbeiterInnen unter der Leitung von Dr. Hans Kordy untersuchen z.B."Internet-Brücken": Brücken zwischen Fachklinik und Alltag mit oder ohne ambulante Psychotherapie, z.B. Internetgestützte Intervisionsgruppen bei Essstörungen, E-Mail Brücken, den Einsatz des Short Message Services bei Patientinnen mit einer Essstörung oder in der Prävention und Behandlung von Adipositas im Grundschulalter. In der Versorgungsforschung wird mit PC- und internetbasierten Dokumentationssystemen die Inanspruchnahme psychotherapeutischer Behandlungen im Anschluss an eine stationäre Behandlung und die Zufriedenheit mit dem Versorgungssystem bei ambulanten Psychotherapiepatienten untersucht.
Einen Überblick über die Organisation unseres Instituts erhalten Sie hier.




