Immunologie

Diagnostische Leistungen der AG Immunbiologie

 

Im folgenden finden Sie nähere Informationen zu den von uns angebotenen Testmöglichkeiten und -verfahren, sowie benötigten Materialien.

 

       


      Granulozytenfunktionsanalyse im Rahmen der Immundefektdiagnostik

      Hintergrund

      Genetische oder erworbene Defekte neutrophiler Granulozyten können zu einem Verlust oder einer Reduktion Infektabwehr-relevanter Funktionen führen und damit zu einem erheblichen Risiko, vor allem an bakteriellen Infektionen zu erkranken. Granulozytenfunktionen sind sehr gut untersucht und lassen sich auch ex vivo unter Laborbedingungen reproduzieren. in den letzen Jahren ist es auch gelungen, einige der genetischen Defekte auf molekularer Ebene aufzuklären, so dass bei Verdacht auf eine Funktionsstörung eine weitgehende Analyse möglich ist.

       

      Genetische Granulozytendefekte

       

      Das Leukozytenadhärenzdefekt (LAD) Syndrom

       

      Um aus dem Blutgefäß emigirieren zu können, binden Granulozyten über spezialisierte Adhärenzproteine an das Endothel, verformen sich und zwängen sich schliesslich zwischen den Endothelzellen hindurch, um dann aktiv zu dem Infektionsherd zu wandern. Zu diesen Adhärenzproteine zählen die Selektine und das ß2-Integrin CD11b/CD18. Defekte des CD18-Gens sind beschrieben, Punktmutationen oder auch Deletionen, die entweder zu einer Reduktion der CD18 Expression oder zu einem völligen Fehlen des Proteins führen. Fehlt CD18 wird auch CD11b nicht exprimiert und entsprechend können Granulozyten nicht adhärieren, nicht emigrieren und so eine lokale Infektion nicht abwehren.

       

      Außer dem LAD-Syndrom, das auf einem Fehlen des CD18 beruht, gibt es weitere, sehr seltende Adhärenzdefekt-Syndrome, sowie funktionelle Migrationsdefekte anderer bzw. unbekannter Ursachen (z.B. "Lazy Leukocyte Syndrom").

       

       Chronische Granulomatose (CGD Syndrom)

       

      Die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, die durch stufenweise Reduktion von Sauerstoff entstehen, sind im wesentlichen die bakteriziden Entitäten der Granulozyten. Defekte von Enzymen/Koenzymen innerhalb dieses Kaskade führen zu einem Verlust der Bakterizidie, wobei genetische Defekte für verschiedene Enzyme beschrieben sind. Defekt der Abtötung kann zur lokalen Granulombildung führen, die typisch für dieses Krankheitsbild sind.

       

      Eworbene und passagere Granulozytendefekte

      Verschiedene Erkrankungen gehen mit inem Funktionsverlust der Granulozyten einher, wobei der Zusammenhang auf molekularer Ebene meist nicht geklärt ist. Von klinischer Bedeutung sind die passageren Störungen, die durch Virusinfekte, Mangelernährung oder Immunsuppresiva hervorgerufen werden oder durch Antibiotika.

       

      Diagnostische Möglichkeiten

       

         1. Bestimmung der Wanderungsfähigkeit und der Chemotaxis (funktionell) sowie Bestimmung der Adhärenzproteine CD11b/CD18 (Durchflusszytometrie) zur Diagnose eines Leukozytenadhärenzdefekt (LAD) Syndroms

       

         2. Quantifizierung der Sauerstoffradikalproduktion (funktionell) zur Diagnose einer chronischen Granulomatose (CGD) Syndroms

       

         3. Phagozytose Antikörper-besetzter Bakterien zur Diagnose von Phagozytosedefekten unklarer Genese.

      Weiterführende Untersuchungen (Rezeptoranalysen, Nachweis von Protein-/Enzymdefekten etc) sind bei begründetem Verdacht möglich.

       

      Testanförderung und benötigtes Material

       

      Da alle Tests sehr zeit-und arbeitsaufwändig sind und die Granulozyten als kurzlebige Zellen nicht gelagert werden können, führen wir die Untersuchungen nur nach Terminvereinbarung (Frau Prior, Telefon: 06221 - 56 - 40 25) durch.

      Benötigt werden - je nach Anforderungsumfang - 7 - 10 ml Heparin-Blut.

      Achtung! Sekundär wird die Granulozytenfunktion durch zahlreiche Medikamente, vor allem Antibiotika, beeinflusst. Empfohlen wird daher die Untersuchung der Zellfunktion im therapiefreien Intervall.

       

       

      Weitereführende Literatur

      Alon R, Etzioni A (2003) LAD-III, a novel group of leukocyte integrin activation deficiencies. Trends Immunol 24: 561-566.

       

      Brenneis H, Schmidt A, Blaas-Mautner P, Wörner I, Ludwig R, Hänsch GM (1993) Chemotaxis of polymorphonuclear neutrophils (PMN) in patients suffering from recurrent infection. Eur J Clin Invest 23: 693-698.

       

      Brenneis H, Hänsch GM (1993)  Granulozyten-funktionsstörungen: Formen und Diagnostik. Dtsch. med. Wschr. 118, 1117-1120.

       

      Dinauer MC, Orkin SH (1992) Chronic granulomatous disease. Annu Rev Med 43: 117-124.

       

      Hänsch GM (2008) Granulozytenfunktionsprüfung. In: Labor und Diagnose. 7te Auflage.; L.Thomas Ed. TH-Books Verlagsgesellschaft. 1030-1038

       

      Marshall D, Haskard DO (2002) Clinical overview of leukocyte adhesion and migration: where are we now. Semin Immunol 14: 133-140.

       

       

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      Labordiagnostik der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie (PNH)

      Hintergrund

      Die PNH ist eine erworbene Anämie, die durch Komplement-vermittelte Lyse peripherer Erythrozyten entsteht. Ursache ist der Verlust von Oberflächenproteinen, die als "homologe Restriktionsfaktoren" körpereigene Zellen gegen den Komplementangriff schützen. Zu diesen Proteinen gehören CD55 ("decayaccelerating factor, DAF) und CD59 ("homologous restriction factor"). Beide Proteine sind über Glykosylphosphatidylinositol (GPI) an die Membran gebunden. Solche GPI-Anker sind auch für andere Proteine beschrieben (z.B, CD14,CD16, CD66b). Bei der PNH tritt ein Defekt bei der GPI-Verankerung hämatopoietischer Zellen auf, der zunächst nur einzelne Zellklone betrifft, in der Regel aber immer mehr Klone umfasst. Unserer Erfahrung nach sind zuerst Granulozyten und Erythrozyten betroffen, weshalb der Nachweis GI-geankerter Proteine auf diesen Zellen für die Diagnose besonders geeignet ist. 

      Diagnostik 

      Wir bestimmen durchflusszytometrisch die Expression der GPI-geankerten Proteine CD16 und CD66b auf Granulozyten, sowie CD55 und CD59 auf Erythrozyten. Parallel dazu führen wir einen funktionellen Lysetest durch. 

      Testanförderung und benötigtes Material 

      Da alle Tests sehr zeit-und arbeitsaufwändig sind und die Granulozyten als kurzlebige Zellen nicht gelagert werden können, führen wir die Untersuchungen nur nach Terminvereinbarung (Frau Prior, Telefon: 06221 - 56 - 40 25) durch. Benötigt werden - je nach Anforderungsumfang - 7 - 10 ml Heparin-Blut. Achtung! Sekundär wird die Granulozytenfunktion durch zahlreiche Medikamente, vor allem Antibiotika, beeinflusst. Empfohlen wird daher die Untersuchung der Zellfunktion im therapiefreien Intervall.

      Weiterführende Literatur

      Blaas P, Weber S, Hänsch, GM, Peter HH (1990) Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie. Klin Wochenschrift 68:247-255

      Takada J, Miyata T, Kawagoe K, Iida Y, Endo Y, Fujita T, Takahashi M, Kitani T, Kinoshita T (1993) Deficiency of the GPI anchor caused a somatic mutation of the PIG-A gene in paroxysmal nocturnal hemoglobinuria. Cell 73:703-711

      Kraus JS (2003) Laboratory dianostic of paroxysmal nocturnal hemoglobulinuria. Ann Clin Lab Sci 33:401-406

      Rosse WF, Nishimura J (2003) Clinical manifestations of paroxysmal nocturnal hemoglobinuria: present state and future problems. Int Hematol 77:113-120

      Meyers G, Parker CJ (2003) Management issues in paroxysmal nocturnal hemoglobinuria. Int J Hematol 77:125-132

      Young NS (2002) Acquired aplastic anemia. Ann Intern Med 136:534-546