PCa3

Ein neuer Marker des Prostatakarzinoms 1

Die Diagnostik und der Krankheitsverlauf des Prostatakarzinoms wurden durch die Entdeckung des PSA grundlegend verändert. Früher wurden Karzinome meist erst dann entdeckt, wenn Sie symptomatisch und damit fortgeschritten waren. Asymptomatische, lokal begrenzte Karzinome entzogen sich der Diagnosestellung.


Durch die Entdeckung des PSA und seiner routinemäßigen Bestimmung können heutzutage bis zu 90% der Karzinome in einem frühen, organbegrenzten Stadium entdeckt und somit kurativ therapiert werden. Diese Entwicklung ist deshalb erstaunlich, da PSA die Kriterien eines Tumormarkers nur bedingt erfüllt. Es wird von normalem Prostatagewebe produziert und dient der Verflüssigung des Samens. Gutartige Erkrankungen der Prostata wie BPH und Prostatitis resultieren in einer Erhöhung des PSA im Blut. Diese, zum Teil sehr hohen Spiegel, lassen sich von krebsbedingten Werten oft nicht oder nur mit einer zeitlichen Verzögerung erkennen. Für den Patienten ist es eine extrem belastende Situation, wenn trotz wiederholter Biopsien ein sicherer Karzinomausschluss nicht möglich ist. Ein weiteres Problem besteht darin, dass auch bei sehr niedrigen PSA – Werten dennoch ein Karzinom vorliegen kann. Auf Grund dieser Probleme wird dringend ein neuer Marker benötigt.


Die Bestimmung eines Prostatamarkers im Urin bietet sich an, da nach einer rektalen Untersuchung höhere Werte als im Serum zu erwarten sind.


Mehrere karzinomspezifische Substanzen konnten bisher identifiziert werden, die derzeit auf ihre Eignung als Tumormarker überprüft werden. PCa3 ist der Marker, bei dem die aktuelle Datenlage am viel versprechendsten ist. Weiterhin ist PCa3 der erste Marker, der als validierter Test routinemäßig angeboten werden kann. PCa3 ist ein prostataspezifisches Gen, das auf dem Chromosom 9 lokalisiert ist. Beim Prostatakarzinom kommt es zu einer 60-100 fachen Überexpression dieses Gens.2 Dies wird in 95% der Prostatakarzinome beobachtet.3 Da diese Werte allerdings von Patient zu Patient stark schwanken ist es für die klinische Diagnostik notwendig, einen Absolutwert zu bestimmen. Dies gelingt durch die Bildung eines Score. Hierfür wird die PCa3 - mRNA ins Verhältnis gesetzt zur PSA - mRNA und hieraus der PCa3 - Score errechnet. Untersuchungen konnten zeigen, dass bei einem Score größer 35 eine Rebiopsie sinnvoll ist. 4-6  Die Spezifität hierbei beträgt 72%, die Sensivität 58%, die Odds-Ratio 3,6.


PCa3 korreliert direkt mit dem Tumorvolumen, nicht aber mit dem Volumen der Prostata.7 Die Wahrscheinlichkeit einer positiven Rebiopsie korreliert deswegen direkt mit dem Score und beträgt 68% bei einem Score von > 100.4 PCa3 stellt aus diesem Grund eine wichtige Entscheidungshilfe bei dem Entschluss zu einer Rebiopsie dar.


Der PCa3 – Score steigt nicht nur mit dem Tumorvolumen sondern auch mit dem Tumorgrading. Der Score ist bei Tumoren mit einem Gleason Score ≥ 7 signifikant höher als bei solchen mit einem Gleason Score < 7. Daher ist vermutlich, auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt noch Langzeitdaten fehlen, eine Einschätzung der Prognose des Prostatakarzinoms auf Grund des PCa3 – Score möglich. Aus diesem Grund stellt der PCa3 – Score auch ein wichtiges Instrument in der Active Surveillance, Active Protection Therapie (ASAP) dar.


Der PCa3 - Test wird an der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg schon heute routinemäßig eingesetzt. Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Eine Terminvereinbarung in unserer Ambulanz ist jederzeit möglich unter 06221 - 56 6328.

 

 

Literaturverzeichnis

  1. Janetschek G H-BE. PCa3 - Ein neuer Marker des Prostatakarzinoms. NÖGU 2008:36 - 8.
  2. Bussemakers MJ, van Bokhoven A, Verhaegh GW, et al. DD3: a new prostate-specific gene, highly overexpressed in prostate cancer. Cancer Res 1999;59:5975-9.
  3. Hessels D, Klein Gunnewiek JM, van Oort I, et al. DD3(PCA3)-based molecular urine analysis for the diagnosis of prostate cancer. Eur Urol 2003;44:8-15; discussion -6.
  4. Deras IL, Aubin SM, Blase A, et al. PCA3: a molecular urine assay for predicting prostate biopsy outcome. J Urol 2008;179:1587-92.
  5. Haese A vPH, Marberger M, et al. The value of the PCa3 assay in guiding decision which men with a negative prostate biopsy need immediate repeat biopsy: preliminary European data. Urol Suppl 2007;6(2): 48 (Abstract 101).
  6. Haese A CF, de la Taille A, et al. PCa3 represents a clinically meaningful predictor of prostate cancer at repeat biopsy. Eur Urol Suppl 2008.
  7. Marks LS AS, Deras IL, et al. Specificity of the Aptima PCa3 assay for prostate cancer. J Urol 2006;175(4Suppl).