Erkrankungen des Kehlkopfes und der Trachea

Für Patienten mit Erkrankungen des Kehlkopfs (insbesondereorganische Dysphonien) und der Luftröhre (insbesondere Stenosen) bietet die "Laryngologische Sprechstunde" eine eigene Anlaufstelle.

 

Termine können unter der Telefonnummer 06221/ 56 6710 vereinbart werden.

 

 

 

Die wichtigsten Krankheitsbilder

 

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen funktionellen und organischen Stimmstörungen.

Bei den funktionellen Stimmstörungen zeigt die einfache Untersuchungdes Kehlkopfs keine anatomischen Veränderungen. Erst die Stroboskopie ermöglicht es, einen eventuell fehlerhaften Ablauf der Stimmbandschwingungen zu erkennen. In der Mehrzahl der Fälle sind funktionelle Stimmstörungen durch eine Stimmübungsbehandlung(Logopädie) gut zu beeinflussen. Funktionelle Stimmstörungen werden in der Abteilung für Stimm- und Sprachstörungen diagnostiziert und behandelt.

 

 

Bei organischen Stimmstörungen sind strukturelle Veränderung im Bereich des Kehlkopfs sichtbar. Die Stroboskopie ist hier eine wichtige Untersuchung, um die genaue Art und das Ausmaß der Schädigung vor der Einleitung einer geeigneten Therapie exakt festzulegen. Für eine stroboskopische Untersuchung wird das Kehlkopfinnere mit Hilfe eines Endoskops auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. Durch ein speziell gesteuertes Blitzlicht kann die Schwingung der Stimmbänder in einer Art Zeitlupe studiert werden. Dies ist notwendig, da die menschlichen Stimmbänder so schnell schwingen, dass sich die einzelnen Bewegungen der Betrachtung mit dem normalen Auge entziehen. Die Untersuchung gleicht einer ganz normalen Kehlkopfspiegelung und ist nicht schmerzhaft. Eine moderne digitale Videoarchivierung erlaubt jederzeiteinen raschen Vergleich mit früher erhobenen Vorbefunden. Im folgenden sollen typische Beispiele für organisch bedingte Dysphonien vorgestellt werden.

 

 

 

Die einseitige Stimmbandlähmung

 

Die einseitige Lähmung eines Stimmbands führt zu Heiserkeit, da sich die Stimmbänder nicht mehr vollständig in der Kehlkopfmitte aneinanderlagern können. Durch diesen Restspalt entweicht unkontrolliert "wilde Luft", die Stimme ist verhaucht und der Patient neigt zu Kurzatmigkeit. Ursache ist ein Nervenschaden, der zunächst durch eine elektrophysiologische Untersuchung genauer abgeklärt werden sollte. Wenn nach 6-9 Monaten keine ausreichende Erholung eingetreten ist sollte eine stimmverbessernde Operation erwogen werden. Hier stehen zwei unterschiedliche Operationstechniken zur Verfügung. Bei der endoskopischen Stimmband-Augmentation wird eine Substanz in das gelähmte Stimmband eingespritzt, dadurch wird der Restspalt zur gesunden Gegenseite verkleinert.

Der Eingriff ist nur in einer kurzen Vollnarkose möglich, dafür kann der Patient am ersten Tag nach der Operation die Klinik verlassen. Bei der Thyroplastik wird über einen Hautschnitt am äußeren Hals das knorpelige Skelett des Kehlkopfs eröffnet. Dann wird ein Implantat ausTitan eingesetzt, welches das gelähmte Stimmband in die Mitte verlagert. Auch hier wird also der Restspalt verkleinert. Dieser Eingriff kann in örtlicher Betäubung erfolgen. Wegen der größeren Wundfläche und der Gefahr einer Schwellung im Bereich der Atemwege ist jedoch ein stationärer Aufenthalt von etwa einer Woche erforderlich. Welcher der genannten Eingriffe für den jeweiligen Patienten am besten geeignet ist kann nur im Einzelfall und in enger Abstimmung mit dem Betroffenen entschieden werden. Im Regelfall führen beide Verfahren zu einer praktischen Normalisierung der Stimmfunktion.

 

Reinke-Ödem

 

Bei diesem Krankheitsbild kommt es zu einer Verdickung der Stimmbänder durch Einlagerung einer wasserartigen Substanz. Die Stimme wird tiefer und rauer, in ausgeprägten Fällen kann eine Atmungsbehinderung hinzutreten. Es sind fast immer Frauen betroffen. Ursachen sind zumeist jahrelanges Rauchen in Verbindung mit einer stimmlichen Überlastung/Fehlbelastung. Die Erkrankung ist gutartig. Die Behandlung besteht üblicherweise in einer Stimmübungsbehandlung (Logopädie). Bei weiter fortgeschrittenen Fällen ist eine endoskopische mikrochirurgische Operation an den Stimmbändern erforderlich, die in einer kurzen Vollnarkose stattfindet.

 

Polyp

Unter Stimmbandpolypen versteht man gutartige Gewebeneubildungen. Sie stören den Ablauf der Stimmbandschwingungen und führen deshalb zu Heiserkeit. Eine konservative Therapie ist nur im Ausnahmefall erfolgreich. Die Therapie der Wahl ist daher die endoskopische mikrochirurgische Operation zur Abtragung des Polyps. Je nach Art des Polyps wird dieser Eingriff auch unter Einsatz des Operations-Lasers durchgeführt.

 

Zyste

Wenn sich eine kleine Drüse in der Schleimhaut eines Stimmbands verschließt sammelt sich ihr Sekret an und bildet eine Zyste. Dadurch wird die Schwingungsfähigkeit des Stimmbands eingeschränkt, die Stimme wird heiser. Eine Zyste ist nur durch eine Operation zu behandeln. Dabei wird unter hoher mikroskopischer Vergrößerung im Rahmen eines endoskopischen Eingriffs die Zyste so ausgeschält, dass die Schleimhaut des Stimmbands möglichst vollständig erhalten bleibt.

 

Knötchen

Stimmbandknötchen treten typischerweise in Folge einer übermäßigen Stimmbelastung auf. Sie sind nahezu immer an beiden Stimmbändern zu beobachten. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. Eine chirurgische Abtragung ist nur im Ausnahmefall sinnvoll. Die Therapie der Wahl ist die intensive Stimmübungsbehandlung (Logopädie).

 

Granulom

Oft werden Granulome nur zufällig im Rahmen einer allgemeinen HNO-ärztlichen Untersuchung entdeckt, da sie meist keine Heiserkeit verursachen. Ursächlich ist häufig ein Rückfluss von saurem Magensaft über die Speiseröhre in den Kehlkopf. Diese Überproduktion von Magensäure muss daher im Rahmen weiterer Untersuchungen gesichert und behandelt werden. Dies ist der wichtigste Teil der Behandlung. Dennoch ist es sinnvoll, zumindest einmal mikrochirurgisch im Rahmen eines endoskopischen Eingriffs ein Granulom zu entfernen, um die Diagnose zu sichern. Die stroboskopische Untersuchung allein kann nämlich nicht mit letzter Sicherheit einen bösartigen Tumor ausschließen. Granulome haben allerdings eine starke Neigung, nach einer chirurgischen Abtragung erneut aufzutreten. Wiederholte Abtragungen sind bei gesicherter Diagnose daher nicht sinnvoll.

 

 

 

Eine Auswahl endoskopischer Befunde des Kehlkopfs

 

 

 

Endoskopischer Blick in einen gesunden menschlichen Kehlkopf
Stimmbandknötchen beidseits
Kontaktgranulom
Submuköse Zyste
Stimmbandpolyp
Reinke-Ödem beidseits

 

Stenosen des Kehlkopfs und der Luftröhre

 

Eine Verengung des Atemwegs im Kehlkopf oder in der Luftröhreführtzur Atemnot beim betroffenen Patienten. Abhängig vom Grad derStenoseist bereits in Ruhe eine Atemnot spürbar, teilweise isteineausreichende Atmung durch Mund und Nase überhaupt nicht mehrmöglich.Dann muss ein Luftröhrenschnitt angelegt werden. EinsolchesTracheostoma stellt für den betroffenen Patienten jedoch stetseinHandicap dar. Die Gefahr für Infekte im Bereich der Lunge istdeutlicherhöht, die sprachliche Kommunikation ist stark eingeschränktund auchFunktionen wie das Riechen sind nicht mehr möglich. Zudembesteht eineerhebliche soziale Stigmatisierung. Wenn Kinder betroffensind, führendiese Einschränkungen zu erheblichen Störungen derallgemeinenEntwicklung und des Spracherwerbs.

 

 

Aus diesem Grund wird von jeher versucht, einenLuftröhrenschnittmöglichst zu vermeiden bzw. einen Atemweg inausreichendem Durchmesserauf operative Weise wieder herzustellen.Abhängig von Ausmaß undLokalisation der Stenose gibt es hierzuverschiedene Möglichkeiten.

 

 

 

Glottische Stenosen

 

Bei glottischen Stenosen liegt die Engstelle im NiveauderStimmlippen. In der Mehrzahl der Fälle wird dies verursacht durcheinebeidseitige Lähmung der Stimmbandnerven, wie sie etwa nachOperationenan der Schilddrüse in seltenen Fällen auftreten kann. DieStimmbänderstehen dauerhaft eng zueinander, so dass eine ausreichendeAtmung nichtmehr möglich ist. Die Stimmfunktion ist hingegen recht gut.

 

 

Heute kann bei einer glottischen Stenose in nahezu allen FälleneinLuftröhrenschnitt vermieden werden. Zur Erweiterung desKehlkopfesstehen endoskopische, minimal-invasive Verfahren zurVerfügung, dieeinen guten Kompromiss zwischen Erhalt der StimmfunktionundVerbesserung der Atmung erlauben. Diese Eingriffe werden mitdemCO2-Laser unter Einsatz von Spezialinstrumenten durchgeführt.

 

 

 

Subglottische Stenosen

 

Nach längerer Intubation mit einem Beatmungsschlauch, etwa imRahmeneiner intensivmedizinischen Behandlung, kann es zu einernarbigenVerengung im Bereich der oberen Luftröhre kommen. Grund dafürsindmeist chronische Entzündungen, die aufgrund von Verletzungen durchdenDruck des Beatmungstubus ausgelöst wurden. Kleinkinder sindhierbesonders gefährdet und stellen einen verhältnismäßig großenAnteilaller Betroffenen dar.

 

 

Hat sich eine solche narbige Stenose entwickelt, muss in allerRegelzunächst ein Luftröhrenschnitt vorgenommen werden. EineendoskopischeUntersuchung in Narkose erlaubt dann eine gründlicheEinschätzung desgenauen Ausmaßes und der genauen Lokalisation derStenose. DieEngstelle wird vermessen, gemeinsam mit anderen Befundenkann dann einegeeignete Technik zum Wiederaufbau eines ausreichendweiten Atemwegsgewählt werden.

 

 

In seltenen, ausgewählten Fällen kann eine endoskopischeErweiterungmit dem CO2-Laser sinnvoll sein. Allerdings ist hier dieGefahr einererneuten und dann oft schlimmeren Stenosierung hoch. Geradebei Kindernsollte daher der Einsatz des CO2-Lasers auf absoluteEinzelfällebeschränkt bleiben.

 

 

In aller Regel wird es notwendig, eine aufwendigere Operationvonaußen vorzunehmen. Dabei wird ein Stück patienteneigenerRippenknorpelverwendet, um den Atemweg durch den Einsatz eines stabilenKnorpelspanszu erweitern. Alternativ ist es möglich, die Stenosevollständig zuresezieren und die Luftröhre neu an den Kehlkopfanzuschließen. BeideVerfahren haben ihre spezifischen Vor- undNachteile, welches zumEinsatz kommt, ist von vielen Faktoren abhängig,die auf denindividuellen Einzelfall abgestimmt werden müssen.

 

 

Generell gilt jedoch, dass Rekonstruktionsverfahren im BereichderLuftröhre komplexe Operationen darstellen, die nicht seltenmehrereSchritte erfordern. Regelmäßig wird eine postoperativeÜberwachung aufeiner Intensivstation notwendig. Häufig muss über einegewisse Zeit dasTracheostoma noch belassen werden und ein Platzhaltergetragen werden.Insgesamt ist es jedoch heute in weit über 90 % derFälle möglich, denAtemweg so zu rekonstruieren, dass derLuftröhrenschnitt nach erfolgterAusheilung wieder verschlossen werdenkann.

 

 

 

 

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