Medizinische Psychologie
Zentrum für Psychosoziale Medizin

Forschungsbereich Ayahuasca / Santo Daime

Ayahuasca ist eine pflanzliche Substanz, welche als Trank in Form einer eingedickten Abkochung zubereitet wird. Sie stammt aus den Wäldern des Amazonas. Ayahuasca ist jedoch keine einzelne Substanz, sondern setzt sich aus den Stängeln, Blättern und Wurzeln der Ayahuasca-Liane (Banisteriopsis caapi), des Chacruna-Strauches (Psychotria viridis, mit dem Wirkstoff DMT) und anderen, oft variablen pflanzlichen Zusätzen zusammen. Der Begriff Ayahuasca leitet sich aus der peruanischen Quechua-Sprache ab und bedeutet soviel wie "Liane der Geister" oder "Ranke der Seelen". Der natürliche Lebensraum dieser Pflanzen befindet sich in südamerikanischen Ländern wie Kolumbien, Peru, Brasilien und Ecuador. Dementsprechend wurde in diesen Ländern Ayahuasca traditionell möglicherweise seit ca. 5000 Jahren von indigenen Volksgruppen genutzt. In indianischen Mythen gilt "madre ayahuasca" auch als die Mutter aller Pflanzen und ihr werden Heilkräfte nachgesagt. Für Schamanen dieser Region ist die Substanz eine wichtige Medizin. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden in Brasilien Ayahuasca-Kirchen (z.B. die Santo Daime Kirche), welche traditionell-indianische und christliche Einflüsse miteinander kombinierten. In den letzten Jahren haben solche spirituell-religiösen Bewegungen auch in Europa und Nordamerika Einzug gehalten. In Europa bildeten sich dabei auch Gruppen, die Ayahuasca ohne direkte Anbindung an den schamanischen oder christlichen Hintergrund einnehmen (Do-it-yourself-Rituale).

Ayahuasca ist ein starkes Halluzinogen. Die Wirkungen reichen von visuellen
Vorstellungen bis zu Out-of-body-Erlebnissen. Bekannte und häufige Nebenwirkungen sind Schwindel, heftiges Erbrechen und Diarrhöe.
In unserem Projekt soll der Gebrauch von Ayahuasca bei verschiedenen europäischen Gruppen erforscht werden, sowohl im relativ streng ritualisierten Rahmen religiöser Gruppierungen (z.B. Santo-Daime-Kirche) als auch bei schamanischen und Do-It-Yourself-Gruppen. Dabei ist geplant, anhand von Beobachtungsdaten, Interviews und einem Minimaleinsatz von Fragebögen besonders die Fragen der Ritualdynamik und des Ritualtransfers von Südamerika nach Europa zu bearbeiten. Wird die Substanz auch außerhalb von geplanten Zeremonien eingenommen? Wie schaffen oder verfehlen es diese Rituale einen vertrauensbildendenden "Container" herzustellen? Von welchen biographischen "Wandlungen" berichten die Ayahuasceros? Führt die Substanz nach subjektiver Auffassung der Ritualteilnehmer zu einer psychischen Veränderung oder Heilung? Hat Ayahuasca für die Teilnehmer auch eine schädliche Wirkung? Wie verbreitetet ist der Konsum anderer psychoaktiver Substanzen unter Ayahuasca-Teilnehmern? Diese und weitere Fragen bearbeiten wir zusammen mit Janine Schmid und Lisa Fiedler. Wir werden in nächster Zeit weitere Informationen zu diesem Forschungsbereich hier veröffentlichen.

 

 

 

Print Mail