Allgemeine Innere Medizin & Psychosomatik

Behandlungsprogramm für Ess-Störungen

Gesamtbehandlungsplan

 

Allgemeines

Ess-Störungen sind zumeist komplexe, multifaktorielle Störungen, die typischerweise in der Jugend beginnen. Bedeutsam in dieser Entwicklungsphase sind die Auseinandersetzung mit der körperlichen Reifung und Identitätsbildung sowie die Lösung von primären Bezugspersonen und die Entwicklung eines autonomen, erwachsenen Selbst. Zentraler Pfeiler in der Behandlung von psychogenen Ess-Störungen ist daher eine psychotherapeutische Behandlung.

Ess-Störungen können  zugleich je nach Ausprägung und Stadium eine massive körperliche Erkrankung darstellen, bei denen durch das Fasten, übermäßiges Essen sowie assoziierte gewichtsregulatorische Massnahmen (z.B. Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln) schwerwiegende medizinische Komplikationen auftreten, die regelmäßige Verlaufsuntersuchungen erfordern.



» Ziele der Behandlung von Ess-Störungen sind

» Erstellen eines Gesamtbehandlungsplans

» Der initiale Ambulanzkontakt

» Behandlungsstufen

 

 


 

 

Ziele der Behandlung von Ess-Störungen sind

  • Normalisierung des Essverhaltens
  • Beeinflussung zugrunde liegenden Schwierigkeiten auf emotionaler, geistiger und zwischenmenschlicher Ebene (z.B. Selbstwertproblematik, Beziehungserleben, Körpererleben)
  • Behandlung von körperlichen Folgen des gestörten Essverhaltens und des Unter-/ Übergewichts
  • Anorexie-Patientinnen: Förderung der sozialen Integration, welche oft mit einem “Nachholen“ verpasster Entwicklungsschritte verbunden ist (weibliche Identität, Ablösung vom Elternhaus).

 

 


 

 

Erstellen eines Gesamtbehandlungsplans

 

Die Erstellung eines Gesamtbehandlungsplanes ist von grundlegender Bedeutung für den Erfolg einer Therapie. Dieser wird basierend auf einem ausführlichen Erstinterview zur Erfassung der Hintergründe und Bedingungen der Erkrankung sowie einer körperlichen Diagnostik zur Abschätzung körperlicher Folgeprobleme entwickelt. Essstörungen weisen nach einer erfolgreichen Behandlung eine erhebliche Rückfallrate auf (insbesondere Magersucht).

 

Dieser Umstand verdeutlicht die Notwendigkeit, eine Nachsorge sowie den Umgang mit Rückfällen im Gesamtbehandlungsplan zu berücksichtigen und Übergänge zwischen Behandlungskontexten gut zu planen. Therapieziele, Art der therapeutischen Intervention und Wahl des Behandlungskontext hängen ganz wesentlich davon ab, in welcher Phase der Erkrankung eine Behandlung erwogen wird. Die Behandlung von Essstörungen involviert in der Regel mehrere Behandlersysteme (u.a. Hausärzte, Fachärzte, Psychotherapeuten), so dass eine enge Absprache und Kooperation zwischen diesen erfolgen sollte.

Der Entwurf eines Gesamtbehandlungsplanes sollte daher auf Grundlage einer detaillierten und standardisierten Initialdiagnostik vor Therapiebeginn konzipiert werden. Diese ist eine zentrale Voraussetzung für die weitere Therapieplanung und sollte allem anderen vorangestellt werden.

 

 


 

 

Der initiale Ambulanzkontakt

 

Eine störungsorientierte Diagnostik sowie die Erstellung eines Gesamtbehandlungsplanes erfolgt im Rahmen eines Gespräches in unserer Psychosomatischen Ambulanz. Diese arbeitet eng mit unserer allgemein-internistischen Ambulanz zusammen, so dass gegebenenfalls eine differentialdiagnostische Abklärung bezüglich einer möglichen körperlichen Grunderkrankung oder körperlichen Begeleiterkrankungen stattfinden kann.


Die Aufgabengebiete der Ambulanzen umfassen:

 

  • Diagnoseklärung und Diagnosestellung bei einem Verdacht auf das Vorliegen einer Ess-Störung
  • Ausschluss von körperlichen Ursachen
  • Beratung über Behandlungsmöglichkeiten
  • Festlegung der notwendigen Behandlungsintensität (ambulante, tagesklinische oder stationäre Behandlung)
  • Vermittlung ambulanter, tagesklinischer oder stationärer Therapieplätze
  • Diagnostik und Behandlung von körperlichen Folgeerkrankungen
  • Beratung bei medizinischen Komplikationen

 


Die Gespräche und Interviews werden von einem ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten bzw. Internisten geführt. Eine begleitende Fragebogendiagnostik ergänzt den Ambulanzkontakt und bietet den Behandlern weitere wichtige Informationen.



Bitte melden Sie sich unter folgender Kontaktadresse zu einem Erstgespräch in unserer Psychosomatischen Ambulanz an:

Leitstelle, Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin
Medizinische Klinik, Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Telefonnummer: . 06221 / 56- 87 74 (vormittags bis 12.30 Uhr)



Bitte bringen Sie zum vereinbarten Termin den Überweisungsschein und gegebenenfalls medizinische Vorbefunde mit.

 

 


 

 

Behandlungsstufen

Aufgrund der genannten Komplexität von Ess-Störungen bieten wir ein bedarfsangepasstes Versorgungskonzept mit aufeinander aufbauenden Behandlungsstufen an.

 

Übergänge zwischen den einzelnen Stufen sind innerhalb der gleichen Abteilung möglich und bei einem Wechsel zwischen Psychotherapiestation und der angeschlossenen Tagesklinik sogar unter gleichbleibendem Behandlungsteam und gleichbleibender Patientengruppe möglich.

 

In der Mehrzahl der Fälle ist eine ambulante oder teilstationäre (tagesklinische) Behandlung ausreichend. Das fehlende Ansprechen einer ambulanten Behandlung sowie medizinische und psychische Komplikationen begründen die Notwendigkeit für eine stationäre Behandlung. Diese kann je nachdem ob körperliche oder psychische Probleme im Vordergrund stehen auf einer internistisch-psychosomatischen oder psychotherapeutischen Station stattfinden.

 

 

 

Behandlungsstufen

Diagramm der Behandlungsstufen
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