Klang und Trance im EEG – Brainmapping verschiedener Tranceinduktionsmethoden im rituellen Setting, Pilotstudie
Projektleitung:
Sabine Rittner, Musikpsychotherapeutin sowie Prof.Dr.Rolf Verres und Dr. Horst Scherg, Universitätsklinik Heidelberg, Abt. für Medizinische Psychologie. Dr. Dipl. Päd. Jörg Fachner sowie Prof. Dr. David Aldridge, Universität Witten/Herdecke, Institut für Musiktherapie. Das Forschungsteam besteht des weiteren aus einer Diplomandin/Psychologie sowie zwei Praktikanten/Musiktherapie.
Projektdauer: 2002-2003
Der Studie liegt die Annahme zugrunde, daß verschiedene mentale Phänomene, die unter den Begriffen "Trance" und "Vigilanz" subsummiert werden, sowohl unabhängig voneinander variieren können, als auch gleichzeitig induziert werden können. Untersucht werden die Zusammenhänge zwischen subjektivem Tranceerleben, objektivierbarer Trancetiefe, meßbarer Vigilanz und lokalisierbarer Gehirnaktivität im topographischen Elektroenzephalogramm. Zum Einsatz kamen vier verschiedene erprobte rezeptive Verfahren, deren tranceinduzierende Wirkung auf die Versuchspersonen gemessen und miteinander verglichen werden:
1. Körpermonochord ("Somasandawa" nach H.P.Klein)
2. monochrome Stimmklänge
3. peruvian whistling vessels (trad. nach D.Statnekov)
4. eine "Rituelle Körperhaltung" mit Rassel-Stimulation (trad. nach F.Goodman).
Mit diesen Verfahren können sowohl primär trophotrope als auch primär ergotrope veränderte Wachbewußtseinszustände ausgelöst werden. Die Messungen wurden im Rahmen eines dem Forschungsgegenstand angemessenen rituellen Gruppensettings an einem Tag im September 2002 an der Abteilung für Medizinische Psychologie der Universitätsklinik Heidelberg durchgeführt.
Neben der systematischen Variation der oben genannten Induktionsmethoden werden schriftliche Spontanäußerungen der Versuchspersonen und Gruppenteilnehmer mit den objektivierbaren physiologischen Parametern korreliert. Es handelt sich um einen multiperspektivischen Forschungsansatz, in dem drei verschiedene methodische Zugänge zum Forschungsgegenstand gewählt und in der Auswertung miteinander in Beziehung gesetzt werden:
1. Bildgebendes Verfahren
Mit Hilfe eines topographischen quantitativen Spontan EEGs (EEG-Brainmapping) wurde die topographische Veränderung von Vigilanzzuständen bei 2 Versuchspersonen gemessen. Diese Einbettung der Messungen mit Hilfe eines transportablen EEG-Meßgerätes in ein nicht-artifizielles, vertrautes, rituelles Setting im Rahmen einer den Versuchspersonen bekannten Gruppe erscheint besonders wichtig. Anders als eine isolierte Laborsituation gewährleistet diese Vertrautheit der Gruppensituation den erlebnisunterstützenden soziophysiologischen Einfluß auf die klanginduzierten Tranceerfahrungen aller Beteiligten. Auf diese Weise können verfremdende Einflüsse des Settings (Labor-Artefakte) vermieden werden.
2. Quantitative Untersuchung
Es kamen zwei verschiedene Fragebogenbatterien zum Einsatz: "5D-APZ" von Dittrich, Lamparter und Maurer, Zürich 1999 und "Phenomenology of Consciousness Inventory" (PCI) von Pekala, 1982, 1991 in der deutschen Fassung von Dr. Ulrich Ott, Universität Giessen.
3. Qualitative Untersuchung
Die schriftlich fixierten persönlichen Erlebnisse der Versuchspersonen und der Gruppenteilnehmer werden in Form einer qualitativen Exploration inhaltsanalytisch ausgewertet, miteinander verglichen und mit den Ergebnissen der Auswertung von 1. und 2. in Beziehung gesetzt.
Ziel dieser Pilotstudie ist die wissenschaftliche Überprüfung und Fundierung rezeptiv musiktherapeutischer und aus dem Kontext der Anthropologie stammender Behandlungsverfahren zur Tranceinduktion sowie deren Einbettung in Erkenntnisse aus der Bewußtseinsforschung.
Die Pilotstudie wird aus abteilungsinternen Mitteln finanziert.





