Orthopädie und Unfallchirurgie

 

Pseudarthrose


Aus einer gestörten Knochenbruchheilung kann ein Falschgelenk (eine sogenannte Pseudarthrose) entstehen. Vor Behandlungsbeginn müssen wir bei allen Patienten mit einem Falschgelenk eine Knocheninfektion als Ursache für die Knochenbruchheilungsstörung sicher ausschließen, da in einem solchen Falle ein anderes Operationsverfahren gewählt werden müsste. Die häufigste Ursache für eine gestörte Knochenbruchheilung ist unter anderem eine Durchblutungsstörung des gebrochenen Knochens. Je früher die Durchblutungsstörung der Knochenbruchstelle erkannt wird, desto früher kann man sich dafür entscheiden, mit knochenstimulierenden oder operativen Maßnahmen einzugreifen. Trotz Behandlung gelingt die Heilung von Falschgelenken allerdings nicht immer. Dazu wenden wir neben Röntgen- und CT-Untersuchungen auch die Kernspin-Untersuchung (MRT, Magnet-Resonanz-Tomographie) mit Kontrastmittelgabe an. Uns stehen in der Orthopädie MRT-Geräte der neuesten Generation zur Verfügung, die trotz Metallimplantaten im Knochen exzellente Bilder produzieren. Mit Hilfe eines neuen Messverfahrens, der sogenannten Kontrastmittel Dynamik Messung, können wir nicht nur einen möglichen Infekt nachweisen oder ausschließen, sondern auch gleichzeitig die Durchblutung ihres Knochens beurteilen. So ist es uns möglich, schon vor der Operation das Ausmaß des erkrankten bzw. nicht durchbluteten Knochens zu erkennen und die Operation besser zu planen.


Während der Operation werden routinemäßig bei allen Patienten Gewebeproben aus dem Bereich des Falschgelenkes entnommen und zur feingeweblichen und bakteriologischen Untersuchung eingesendet. Nur ein Teil des entnommen Gewebes wird für Studienzwecke verwendet. Im Labor werden dann verschiedene Botenstoffe nachgewiesen, die die Durchblutung bei der Knochenbruchheilung beeinflussen.


Hypertrophe Pseudarthrosen werden zumeist mit Hilfe eines stabilen intramedullären Krafträger versorgt. Wir planen in der Regel bei jedem Patienten nach der Resektion einer atrophen Pseudarthrose mit winkelstabiler Re-Osteosynthese auch die Anwendung und Implantation eines biochemischen Stimulators für das Knochenwachstum (=Eptotermin alfa 3,3 mg: 6-000.53 und 5-828). Vermutlich muss auch als Knochenleitstruktur resorbierbarer Knochenersatz implantiert werden. Über den sogenannten "Off-label"-Einsatz des Medikamentes OSIGRAFT (=BMP-7 bzw. Eptotermin alfa ) klären wir jeden Patienten auf, wenn wir eine Pseudarthrose ausserhalb des Unterschenkels behandeln.

 

Postoperativ ist von einem mehrtägigen stationären Aufenthalt des Versicherten auszugehen. Bei großen Knochendefekten und bei Pateinten mit Osteitis wenden wir zur Knochendefektauffüllung die Technik nach Masquelet an. Hierbei wird eine Art von "Neoperiost" induziert. Das wird durch die Applikation eines Knochenzementplatzhalters erreicht. Diese Technik ist in der Literatur mittlerweile auch als Konkurrenzverfahren für die Kallusdistraktion etabliert. Im Rahmen einens zweiten operativen Eingriffes wird dann der Zementplatzhalter entfernt, ohne die MASQUELET Membran zu schädigen. Der Knochendefekt (auch größer als 5-8 cm) wird dann aufgefüllt mit einem Gemisch aus BMP-7, Trikalziumphosphat und körpereigenem Knochen. Den körpereigenen Knochen gewinnen wir wie üblich aus dem Beckenkamm. Viel häufiger und eigentlich auch fast immer verwenden wir Bohrmehl aus dem Femurschaft. Dieses Bohrmehl gewinnen wir mit Hilfe des sogenannten "Reamers Irrigator Apsirator" der Fa. Synthes, Umkirch-Deutschland. Trotz bester operativer Behandlung gelingt die Heilung von Falschgelenken allerdings nicht immer.

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