Die Nachbehandlung
Kontrolle der Osteoporose
In unserem Zentrum wird großer Wert darauf gelegt, dass die Knochen- und Calcium-Stoffwechselstörung der Patienten langfristig weiterbehandelt wird, die ja durch die lokal schmerzreduzierende Maßnahme der Kyphoplastie nicht behoben wird. Durch die richtige medikamentöse Therapie wird die Knochenfestigkeit verbessert, wodurch weiteren Wirbelbrüchen wirksam vorgebeugt wird.
Hierfür steht eine ganze Palette individuell einsetzbarer Medikamente zur Verfügung: Calcium, Vitamin D, Bisphosphonate, Raloxifen, Parathormon, Strontiumranelat und Fluorid. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich belegt. Dennoch muss in jedem Einzelfall ein Spezialist für den Knochenstoffwechsel (Endokrinologe / Osteologe) entscheiden, welches medikamentöse Therapiekonzept bei dem jeweiligen Patienten am ehesten zum Erfolg führen wird.
Die Einnahme von Calcium und Vitamin D ist und bleibt die Grundlage jeder Osteoporose-Therapie. Vor allem ältere, nicht mehr sehr bewegliche Patienten, die selten an die frische Luft kommen, sind insbesondere im Winterhalbjahr hiermit unterversorgt.
Die anderen genannten Medikamente stimulieren in unterschiedlichem Maß den Knochenaufbau bzw. hemmen den Knochenabbau. So soll der durch die Osteoporose verursachte Verlust an Knochensubstanz und Knochenstruktur zumindest aufgehalten und möglichst allmählich wieder aufgefüllt werden. Im Idealfall wird sogar ein leichter Anstieg der Knochenfestigkeit erreicht.
Außerdem wird die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung der Knochenstoffwechselstörung bei jedem Patienten geprüft. Bei allen Nachsorgeterminen wird sowohl die klinische Situation im kyphoplastierten Bereich, aber auch der Knochen- und Calciumstoffwechsel kontrolliert. Knochendichtemessungen werden jährlich durchgeführt. Sie lassen Rückschlüsse auf den Erfolg der begleitenden medikamentösen Therapie zu oder zeigen an, dass eventuell weitere Maßnahmen veranlasst werden müssen. Im Rahmen der Nachkontrollen wird auch sichergestellt, dass die verordneten Medikamente für die Patienten verträglich sind.
Wie erheblich der menschliche Knochenumbauprozess ist, und warum daher die medikamentöse Therapie langfristig auch guten Erfolg haben wird, zeigen folgende Beispiele:
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In zehn Jahren wird unser gesamtes Skelettsystem einmal ersetzt.
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Um die Knochensubstanz zu ersetzen, die von einer knochenabbauenden Zelle (= Osteoklast) in 14 Tagen abgebaut wird, müssen 100 andere knochenaufbauende Zellen (= Osteoblasten) drei Monate "arbeiten".
Kontrolle der kyphoplastierten Wirbel
Zur Kontrolle der kyphoplastierten Wirbelkörper und der Wirksamkeit der medikamentösen Therapie sind ambulante Nachkontrollen im Abstand von 1, 3, 6 und 12 Monaten nach der Kyphoplastie erforderlich. Danach sollte sich der Patient dann einmal jährlich in der Sektion Osteologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg vorstellen.
Bei diesen Terminen ist es zunächst wichtig, sich zu vergewissern, dass es dem Patienten gut geht und die Schmerzen verschwunden sind oder zumindest erheblich gelindert werden konnten.
Dann wird das Operationsergebnis klinisch und radiologisch untersucht. Hat sich der Wirbel aufgerichtet? Ist der Zement verrutscht? Gibt es Zementaustritte, die während der Operation übersehen wurden, eventuell auf Nerven oder Rückenmark drücken und auf diese Weise Beschwerden verursachen könnten? Erwähnt werden sollte noch, dass bei der Operation in sehr seltenen Fällen etwas Zement in den Wirbelkörpervenen abgeschwemmt werden und in die Lunge gelangen kann, was eine Lungenembolie zur Folge haben könnte. Ist der Verdacht auf einen Zementaustritt und ein Abschwemmen des Zementes gegeben, wird am Tag nach der Operation immer auch die Lunge im Rahmen der röntgenologischen Nachkontrolle der Kyphoplastie untersucht.
Bei den späteren Nachkontollterminen wird die Wirbelsäule geröntgt und geprüft, ob es in der Zwischenzeit zu weiteren Wirbelkörperbrüchen gekommen ist. Die Heidelberger Studien konnten erfreulicherweise zeigen, dass sich nach einer Kyphoblastie das Risiko für weitere Wirbelkörperbrüche weiter verringert. Die Schmerzlinderung führt zu einer besseren Beweglichkeit des Patienten, wodurch Knochenbrüche provozierende Fehlhaltungen vermieden werden (Kasperk et al. 2005, Grafe et al. 2005).





