Medizinische Psychologie


Organisationsentwicklung in Psychiatrischen Einrichtungen


 

Projektleitung: Prof. Dr. Jochen Schweitzer (Tel. 568152) und Dr. med. Gunthard Weber

 

Projektmitarbeiterinnen: Dipl.-Psych. Dr. Elisabeth Nicolai und Dipl.-Psych. Dr. Nadja Hirschenberger

 

Laufzeit des Projektseminars: Februar 1997 bis Februar 2000

 

Laufzeit der Begleitforschung: September 1997 bis April 2001

 

Förderung durch Stiftung für Bildung und Behindertenförderung, Stuttgart.

 

Ziel dieses Projektes war die Entwicklung und Evaluation neuer Prozessqualitäts-Stategien in psychiatrischen Einrichtungen, die ein hohes Maß an Autonomie, Partizipation und Selbstreflektion bei Mitarbeitern, Patienten, Angehörigen und externen Kooperationspartnern fördern. Konzeptionelle Basis war die Systemische Beratung von Familien, Angehörigen, Führungskräften, Teams und Organisationen. Das Projekt praktizierte „Forschung als Intervention“: alle einzelnen Forschungstudien wurden aus Fragen der Praxis heraus entwickelt und nach Abschluss möglichst umgehend in die Einrichtung zurückgemeldet. Die Auswirkungen dieses Feedbacks wurden evaluiert.

 

Beteiligt waren im ersten Projektjahr 17 psychiatrische Einrichtungen zwischen Berlin und Bern, im zweiten und dritten Projektjahr 12 Einrichtungen zwischen Bielefeld und Heidenheim/Brenz. Je eine Leitungskraft nahm an vier jährlichen Projekttreffen teil. Wir führten jeweils dreitägige Besuche mit einer selbst entwickelten, differenzierten „Reflexionsliste“ in allen Einrichtungen durch sowie spezielle Fragebogen- und Interviewerhebungen von Überweisern, Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern in einzelnen Einrichtungen. In allen Fällen gaben wir ausführlich Rückmeldung über unsere Ergebnisse.

 

Methodischer Hauptertrag sind einerseits die Einrichtungsbesuche mit der „Reflexionsliste Systemische Prozessgestaltung“ – ein breit verwendbares Beobachtungs-, Interview- und Feedbackverfahren und ein Indikationskatalog für den Einsatz von Umfragen in der klinischen Organisationsentwicklung. Inhaltlich konnte eine für den deutschen Sprachraum wohl repräsentative Best-Practice-Studie über die Alltagsprozeduren einer systemisch arbeitenden Psychiatrie vorgelegt werden. Für die sich als kritisch erweisenden Themen „Führen und Leiten“, „Multiprofessionelles Team“, „Familienberatung als Standardangebot“, „Kundenorientiertes Verhandeln mit desorientierten Patienten“ und „Basale Voraussetzungen anspruchsvoller Organisationsentwicklungs-Methoden“ konnten neue Wege aufgezeigt werden.

 

Eine Tagung mit 60 Fachleuten aus dem deutschen Sprachraum schloss im Februar 2000 das Projekt ab. Projektergebnisse wurden auf Kongressen in Jena, Frankfurt, Aachen, Dresden, Berlin, Hamburg , Zürich und Kunming (VR China) vorgestellt. Aus dem Projekt sind sechs Dissertationen entstanden. Neben den bereits erschienen Artikeln sind zwei Buchpublikationen mit den Arbeitstiteln „Psychiatrische Organisationsentwicklung“ und „Wie funktioniert eine systemische Psychiatrie?“ in Vorbereitung.

 

 

Projektbezogene Publikationen

 

  • Herrmann-Woitas E, Speicher J, Schweitzer J (2000) Personenorientierung im Psychiatrischen Wohnverbund – Was nutzt der Integrierte Behandlungs- und Rehabilitationsplan? Sozialpsychiatrische Information 3: 22–30
  • Hirschenberger N, Nicolai E, Schweitzer J, Weber G (1998) Das Projekt „Organisationsentwicklung in psychiatrischen Einrichtungen“ – Zielsetzung, Geschichte und Forschungsansatz. In: Brunner, E J, Bauer P, Volkmar S (Hrsg) Soziale Einrichtungen bewerten. Lambertus, Freiburg i. Br., 188–207
  • Nicolai E, Schweitzer J, Weber G, Hirschenberger N, Verres R (2001) Woran erkennt man, dass psychiatrische Organisationen „systemisch arbeiten“? Familiendynamik 26: 117–134
  • Scheidt P, Schweitzer J, Maischein L, Tebbe B, Hirschenberger N, Enßle M, Krause U, Voigtländer W (2001) „Wenn ich hier der Chefarzt wäre…“– Interventive Interviews mit Patienten und Mitarbeitern einer Psychiatrischen Abteilung. Psychiatrische Praxis 28: 158–162
  • Schweitzer J, Weber G, Nicolai E, Hirschenberger N, Verres R (2000) Besuche mit der Reflexionsliste: Ein Instrument systemischer Organisationsentwicklung in psychiatrischen Einrichtungen. Organisationsentwicklung 19(4): 40–49


 

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