"Organtransplantation: fast schon ein normaler Eingriff?"
Vor und nach Transplantationen kooperiert die Psychosomatik eng mit der Herz- und Viszeralchirurgie
Dieses Jahr wurden in Heidelberg etwa 40 Herz- und 110 Lebertransplantationen vorgenommen. Die Organ-Transplantation stellt für die betroffenen Patienten mit schweren angeborenen oder erworbenen Erkrankungen die einzig mögliche Therapie zur Lebensverlängerung dar und kann in vielen Fällen die Lebensqualität gegenüber der Zeit vor der Transplantation erheblich verbessern.
Die besonderen Umstände der Transplantation, insbesondere die Abhängigkeit von einer Warteliste und die damit verbundenen regelmäßigen, teilweise invasiven diagnostischen Maßnahmen, stellen schon vor der Transplantation hohe Anforderungen an die Belastbarkeit der Patienten und ihrer Angehörigen. Die unabdingbar erforderliche Zuverlässigkeit der Einnahme immunsuppressiver Medikamente und mögliche, in etwa 10% der Fälle auftretende Komplikationen erfordern auch nach der Operation eine stabile Kooperationsfähigkeit der Patienten. Deshalb werden alle Patienten vor der Transplantation in einem Evaluationsgespräch in Bezug auf mögliche Risiken für eine postoperative, den Operationserfolg gefährdende psychische Destabilisierung untersucht, die Angehörigen werden mit einbezogen.
Im Bereich Herztransplantation gibt es bereits seit 1991 eine monatlich stattfindende Transplantationsgruppe, an der Patienten vor und nach Transplantation zusammen mit ihren Angehörigen teilnehmen können und neben medizinischen Informationen auch den Umgang mit möglichen Ängsten im Umfeld der Transplantation erlernen können.
Erstmals wird in diesem Jahr die Wirksamkeit einer interdisziplinären Stationskonferenz auf einer Transplantationsstation erprobt. Dort beraten sich Transplantationsärzte, Pflegekräfte und Psychosomatiker gemeinsam, wie Patienten nach der Transplantation Schritt für Schritt wieder zu körperlicher und psychischer Stabilität zurückfinden.Durch die Teilnahme der Klinikethikerin finden auch ethische Aspekte Berücksichtigung.
Ansprechpartner im ZPM:
OÄ Dr. Dipl.-Psych. Brigitte Schlehofer, 56-8679, Brigitte.Schlehofer@med.uni-heidelberg.de
OA Dr. Bernhard Hain, 56- 8652, Bernhard.Hain@med.uni-heidelberg.de




