Orthopädie und Unfallchirurgie

Inhalt - Schienbeinkopfbruch

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterSchienbeinkopfbruch
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterDiagnostik
Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterTherapiemöglichkeiten

 

 

Schienbeinkopfbruch

Ein Schienbeinkopfbruch stellt eine schwerwiegende Verletzung des Kniegelenkes dar. Er entsteht meist als Folge von Verkehrsunfällen oder nach Stürzen auf das Kniegelenk. Die Einteilung der Schienbeinkopfbrüche erfolgt nach den Vorgaben der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen. Es werden Impressions-, d. h. Stanzverletzungen und so genannte Spaltbrüche sowie Kombinationen dieser beiden Formen unterschieden. Das Spektrum der Verletzungen reicht von der Beteiligung einer Schienbeinkopfgelenkfläche über eine Y- oder T-förmige Fraktur bis zur vollständigen Zertrümmerung des Schienbeinkopfes.

Sind auch die Bandverbindungen und der Meniskus verletzt, handelt es sich um eine Luxationsfraktur. Bei dieser Sonderform muss eine Beteiligung von Gefäßen und Nerven ausgeschlossen werden. Eine spezielle Begleitverletzung stellt das so genannte Kompartment-Syndrom (akute oder chronische Durchblutungsstörung) da, das schnellstmöglich behandelt werden muss. In Zweifelsfällen gewinnen wir hier durch eine Gewebsdruckmessung Klarheit über das Ausmaß der Verletzung.

 

 

Schienbeinkopfbruch - Diagnostik

Bei der klinischen Untersuchung zeigt sich meist eine erhebliche Schwellung der Weichteile, evtl. in Verbindung mit Schürfwunden oder Prellmarken. Das Knie ist außerdem durch einen blutigen Erguss stark angeschwollen.

Die Diagnose wird durch eine Röntgenaufnahme des Unterschenkels mit Kniegelenk in zwei Ebenen gestellt. Gegebenenfalls werden auch Spezialaufnahmen wie Computertomographie zur besseren Analyse der Gelenkfläche und zur genauen Planung der weiteren Therapie herangezogen. Behandlungsziel ist die möglichst stufenlose Wiederherstellung der Gelenkfläche, damit das Risiko einer späteren Gelenkverschleißerkrankung so gering wie möglich gehalten werden kann.

 

 

Abb. 1 AO-Klassifikation der Schienbeinkopffrakturen

 

 

 

Abb. 2: Klinisches Beispiel einer Schienbeinkopffraktur Typ 41B3 nach AO-Klassifikation

 

 



Schienbeinkopfbruch - Therapiemöglichkeiten

Die Therapie bei einem Schienbeinkopfbruch ist normalerweise operativ. Nur unverschobene Brüche ohne Gelenkstufe und Achsabweichung können konservativ im Oberschenkelgips behandelt werden.

Bei Stanzverletzungen werden die eingedrückten Gelenkanteile operativ angehoben. Die entstehenden Hohlräume füllt der Operateur mit Knochen auf, der normalerweise zuvor aus dem Beckenkamm des betroffenen Patienten entnommen wurde. Der Bruch wird anschließend über eine Schrauben- oder Plattenosteosynthese mit Metallverbindungen stabilisiert. Bestehen darüber hinaus Läsionen an den Bändern, rekonstruiert der Operateur diese am Schluss des operativen Eingriffes.

Ziel ist die stabile Versorgung mit Rekonstruktion der Gelenkflächen und Gelenkachsen. Im Regelfall schließt sich daran eine frühfunktionelle Therapie an, d.h. das Kniegelenk wird unmittelbar nach der Operation bewegt. Zunächst geschieht dies mit einer passiven Mobilisation auf einer Bewegungsschiene. Erst danach beginnt die aktive Bewegungstherapie. Behandlungen mit manueller Lymphdrainage helfen darüber hinaus, die meist bestehende Weichteilschwellung abzubauen und den Schmerz zu lindern.

Um ein gutes Ergebnis zu erreichen, sind umfangreiche physiotherapeutische Maßnahmen notwendig. Das Bein darf meist 8 bis 12 Wochen nach der Operation nicht voll belastet werden. Hierbei ist nach einer Teilbelastungsphase von 20kg für 6 Wochen eine stufenweise Belastungssteigerung vorgesehen. Die Vorgaben für die Nachbehandlung legt der Operateur fest. Die Metallentfernung wird frühestens nach einem Jahr empfohlen.