Presse
BioRN Jahrestagung thematisiert Innovationspotenziale in den Gesundheitswissenschaften
Unter dem Motto „Wissen schafft Werte“ hat das BioRN Cluster Management die diesjährige Jahrestagung des Biotechnologie-Clusters Rhein-Neckar (BioRN) ausgerichtet. In der Print Media Academy in Heidelberg kamen rund 180 Teilnehmer zusammen und diskutierten über die Möglichkeiten in den Gesundheitswissenschaften Forschungsergebnisse in Innovationen zu überführen.
Heidelberg (D) | Zum Auftakt der Tagung überreichte Peter Hassenbach, Leiter des Referats Gesundheitswirtschaft im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), nachträglich den Spitzenclusterpokal an den BioRN Cluster. Der Biotechnologie-Cluster war bereits im September 2008 vom BMBF als Spitzencluster „Zellbasierte & Molekulare Medizin in der Metropolregion Rhein-Neckar“ ausgezeichnet worden; die Idee des Spitzencluster-Pokals hingegen entstand erst mit der zweiten Runde des Wettbewerbs, im Jahr 2010.
Dr. Christian Tidona, Geschäftsführer des BioRN Cluster Managements, hob die Bedeutung der Auszeichnung hervor: „Die Konzentration der politischen Aufmerksamkeit und Finanzkraft auf wenige, international herausragende Cluster ist für die deutsche und europäische Volkswirtschaft absolut notwendig. Unser Biotech-Standort hat stark von der Auszeichnung profitiert und ist nun auf dem besten Weg, sich im internationalen Wettbewerb deutlich zu positionieren.“
Im Anschluss an mehrere Vorträge zum Thema Biobanken diskutierten Experten aus Wissenschaft und Pharmaindustrie über die Bedeutung von Biobanken bei der künftigen Entwicklung von Arzneimitteln und Diagnostika. Für Prof. Dr. Peter Schirmacher, Ärztlicher Direktor des Pathologischen Instituts der Universität Heidelberg und Sprecher der Gewebebank des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, sind Biobanken die entscheidende, zentrale Ressource der biomedizinischen Forschung, insbesondere der Tumorforschung. Der Wissenschaftler wies darauf hin, dass ein qualitätsgesichertes Biobanking eine zentrale Aufgabe jedes biomedizinisch forschungsaktiven Standortes sei. Als künftiges Kooperationsmodell zwischen Akademia und Industrie, über das es sich nachzudenken lohne, werteten die Podiumsteilnehmer eine erweiterte Art des „Sample-Sharings“, das auch Proben aus industriellen Biobanken mit einbezieht.
Podiumsteilnehmer waren − neben Peter Schirmacher − Prof. Dr. Dr. H. Erich Wichmann, Direktor des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München, Prof. Dr. Hartmut Juhl, Gründer und Geschäftsführer von Indivumed und Vertreter von Roche (Dr. Susanne Arbogast), Abbott (Dr. Dieter Ziegler) und Merck Serono (Prof. Dr. Ilhan Celik).
In einer weiteren Podiumsdiskussion wurde über die wirtschaftlich notwendige Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte diskutiert sowie über Maßnahmen, die diese Umsetzung in Deutschland in den letzten Jahren verbessert haben und künftig noch verbessern könnten. Teilnehmer dieser Diskussionsrunde waren Peter Hassenbach vom BMBF, Prof. Dr. Thomas Rausch, Prorektor für Forschung und Struktur der Universität Heidelberg, Dr. Manfred Baier, Senior Vice President bei Roche Diagnostics sowie Christian Tidona.
In einer Posterausstellung konnten sich die Gäste über die Inhalte der Projekte informieren, die im Rahmen des BioRN Spitzenclusters gefördert werden. Auskunft erhielten sie außerdem über den benachbarten Cluster für Individualisierte Immunintervention (CI3): Dr. Rainer Wessel gab in seiner Funktion als Direktor des CI3 Clustermanagements einen kurzen Überblick über den Medizincluster im Raum Mainz. − Mit einer Netzwerkveranstaltung endete die dritte Jahrestagung des BioRN Clusters. |
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Peter Hassenbach, Christian Tidona und der |
Über die BioRN Cluster Management GmbH
Die BioRN Cluster Management GmbH ist eine Public Private Partnership zwischen der BioRegion Rhein-Neckar, dem Technologiepark Heidelberg, der IHK Rhein-Neckar und der Metropolregion Rhein-Neckar. Die Aufgabe des Cluster Managements besteht in der Koordination, Vernetzung, Vermarktung und Weiterentwicklung des Biotech-Clusters Rhein-Neckar (BioRN), einem der führenden Life-Science-Cluster Europas. Neben Forschungseinrichtungen wie der Universität Heidelberg, dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) sind rund 80 Biotech-Unternehmen im Cluster vertreten. Starke Bündnispartner sind außerdem die globalen Unternehmen Roche Diagnostics (Mannheim), Merck Serono (Darmstadt) und Abbott (Ludwigshafen). Das BioRN Cluster Management wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Land Baden-Württemberg unterstützt.Kontakt
BioRN Cluster Management GmbH
Dr. Stephanie Konle
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Im Neuenheimer Feld 582, 69120 Heidelberg
Tel.: +49 6221 655 78 16
E-Mail: sk@BioRN.org
Web: www.BioRN.org

- Das neue Pathologie-Gebäude, das im nächsten Jahr bezogen werden soll, beherbergt Labors und Diensträume für 200 Mitarbeiter.
Richtfest für Pathologie-Ersatzbau
Am 11. April hat das Klinikum Richtfest für das neue Gebäude des Pathologischen Instituts gefeiert, das im nächsten Jahr bezogen werden soll. An den baulich intakten Flachbau, in dem die Hörsäle und der Sektionsbereich untergebrachtsind, schließt sich nun der sechsstöckige Neubau an. Auf über 3.000 Quadratmetern Fläche wird er Labors und Diensträume, die sich bislang noch in dem sanierungsbedürftigen sechsgeschossigen Hochhaus nebenan befinden, für die etwa 200 Mitarbeiter beherbergen.
Die Gesamtkosten in Höhe von 19,5 Millionen Euro übernimmt das Land Baden-Württemberg, 75 Prozent der Mittel stammen aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm. „Mit dieser Baumaßnahme
sichert das Klinikum einmal mehr seine Spitzenposition in Deutschland“, sagte die Kaufmännische Direktorin Irmtraut Gürkan. Die Pathologie ist das bundesweit größte Universitäts-Institut seiner Art und in der molekularen Gewebediagnostik von Erkrankungen bundesweit führend.
Für das Nationale Centrum fürTumorerkrankungen (NCT) betreibt die Pathologie die zentrale Gewebebank des Standortes.
Quelle: Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg
Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter http://www.klinikum.uni-heidelberg.de
Alarmprotein brennt Löcher in den Tumor
| Im Interview: |
Welche Möglichkeiten gibt es generell für den Organismus, Zellen zum Absterben zu bringen?
Dr. Roth: Wir kannten bislang mindestens vier verschiedene Mechanismen für das Absterben von Zellen. Das sind die Nekrose, die Apoptose, die Autophagie und die Seneszenz. Allerdings gibt es nach unseren Untersuchungen offenbar einen weiteren Mechanismus, der über das Protein HMGB1 vermittelt wird.
Wie unterscheiden sich die verschiedenen Mechanismen?
Dr. Roth: Die einzelnen Zelltodesarten laufen unterschiedlich ab und zeigen auch ein verschiedenes morphologisches Bild. Bei der Nekrose stirbt die Zelle zum Beispiel, weil sie keinen Sauerstoff mehr erhält. Dabei zerfällt zunächst die Zellmembran und der Zellkern löst sich auf. Bei der Apoptose kommt es über Todessignale aus dem Organismus zum programmierten Zelltod, wobei die Zelle fragmentiert und der Zellkern kondensiert.Bei der Autophagie verdauen sich die Zellen zum Beispiel bei einem anhaltenden Nährstoffmangel praktisch selbst. Solche Zellen fallen morphologisch durch große Zellvakuolen auf. Bei der Seneszenz schließlich kommt es zum Anhalten des Zellzyklus, sodass die Zellen sich nicht mehr teilen und sich nicht mehr vermehren können und schließlich altern und zugrunde gehen.
Wie läuft der neu entdeckte durch HMGB1 vermittelte Mechanismus ab?
Dr. Roth: Das Protein HMGB1 scheint von außen in die Zellen und dort in die Mitochondrien einzuwandern. Dies führt zum massiven Anschwellen der Mitochondrien, zum Abbau der mitochondrialen DNA und der mitochondrialen Proteine und in der Folge zum Zelltod. Dadurch wird vermutlich weiteres HMGB1 freigesetzt, das wiederum weitere Tumorzellen attackiert und zu Tode bringt. Das würde Beobachtungen erklären, wonach in vielen Tumoren Areale zu finden sind, in denen der Tumor sich offensichtlich auflöst, sodass regelrechte „Tumorlöcher“ entstehen. Dieses Phänomen wurde bislang als „Tumornekrose“ bezeichnet. Wir gehen davon aus, dass keine richtige Nekrose abläuft, sondern dass dieses Phänomen HMGB1-ver-mittelt ist.
Was ist das besondere an diesem Mechanismus?
Dr. Roth: Das Besondere daran ist, dass die Wirkung vermutlich tumor-spezifisch ist, dass also das Alarmsignal bei gesunden Zellen kein Zellsterben auslöst, während Tumorzellen und insbesondere Hirntumorzellen sehr sensitiv auf das Protein reagieren.
Verbindet sich damit die Hoffnung auf neue Therapieoptionen gegen Hirntumoren?
Dr. Roth: Es ist noch zu früh, um abschätzen zu können, ob sich aus den Befunden eine neue Behandlungsoption ergeben wird. Ungewöhnlich wäre dies nicht, weil ja auch daran gearbeitet wird, Substanzen zu entwickeln, die gezielt Tumorzellen zur Apoptose und somit über diesen Weg zum Absterben bringen. Ebenso ist es denkbar, Strategien zu entwickeln, mit denen sich die Tumorzellen in den HMGB1-vermittelten Zelltod treiben lassen. In der Zellkultur und auch im Tierexperiment sind solche Versuchebereits erfolgreich gewesen. Ob sich die Strategie auch für die Tumorbekämpfung beim Menschen erfolgreich entwickeln lassen wird, müssen wir abwarten. Der jüngst entdeckte Mechanismus könnte aber möglicherweise bei der sehr selten zu beobachtenden Spontanheilung bei Tumorerkrankungen eine wichtige Rolle spielen.
Quelle: Medical Tribune Nr. 8 Dezember 2010
Todessignal für Hirntumorzellen
Ein Protein, das als körpereigenes Alarmsignal wirkt, löst in bösartigen Hirntumorzellen eine noch unbekannte Art des Zelltods aus. Charakteristisch daran ist, dass die sterbenden Zellen riesige Mitochondrien bilden. Dies entdeckten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Instituts für Pathologie der Universität Heidelberg. Gesunde Gehirnzellen dagegen sind resistent gegen diese Form des Zelltods – das Alarmprotein könnte daher möglicherweise die Behandlung gefährlicher Hirntumoren verbessern.
Elektronenmikroskopische Aufnahme von sterbenden Hirntumorzellen: Riesenmitochondrien erscheinen als weiße runde Strukturen - Wilfried Roth, Deutsches Krebsforschungszentrum
Entdecken Ärzte im Blut ihres Patienten hohe Konzentrationen des Proteins HMGB1, so bedeutet dies normalerweise nichts Gutes: Der körpereigene Alarmstoff weist auf ernste Erkrankungen hin wie etwa eine Blutvergiftung oder Malaria im Endstadium. Absterbende Zellen setzen HMGB1 frei. Das Protein kann an verschiedene Rezeptoren von Immunzellen andocken und setzt so entzündliche Prozesse in Gang oder aktiviert die Immunabwehr.
Privatdozent Dr. Wilfried Roth, der eine Nachwuchsgruppe im Deutschen Krebsforschungszentrum und im Pathologischen Institut der Universität Heidelberg leitet, entdeckte nun eine bisher unbekannte Wirkung des Alarmstoffs: Werden bösartige Hirntumorzellen mit gentechnisch hergestelltem HMGB1 behandelt, so sterben sie ab – und zwar auf eine Weise, die Wissenschaftler bislang noch nie beobachtet hatten1: Typisches Kennzeichen dieses neu beschriebenen Zelltods ist ein enormes Anschwellen der Mitochondrien. Diese kleinen Zellorgane versorgen normalerweise die Zelle mit Energie. Im Verlauf des HMGB1-ausgelösten Zelltods zersetzen sich sowohl die Proteine der Mitochondrien als auch deren eigenes Erbmaterial.
Besonders aufmerksam wurden die Forscher, als sie entdeckten, dass gesunde Gehirnzellen (Astrozyten) resistent gegen den HMGB1-bedingten Zelltod sind. HMGB1 wirkt darüber hinaus nicht nur in der Kulturschale: Bei Mäusen, denen Hirntumoren übertragen worden waren, ließ eine Behandlung mit HMGB1 den Krebs schrumpfen. Wissenschaftler waren bislang davon ausgegangen, dass HMGB1 durch seine immunstimulierende Wirkung dem Körper bei der Krebsbekämpfung helfen könnte. Eine direkte tödliche Wirkung auf Krebszellen war aber noch nicht bekannt.
„Wir haben noch viele offene Fragen zur Wirkungsweise von HMGB1“, sagt Wilfried Roth. So können die Wissenschaftler noch nicht erklären, warum eine äußerliche Gabe von HMGB1 das Absterben der Hirntumorzellen bewirkt – nicht aber das HMGB1, das jede Zelle ohnehin selbst bildet. „Besonders interessant erscheint uns, dass der HMGB1-ausgelöste Zelltod tumorspezifisch ist. Wir prüfen nun, ob das Alarmprotein die Behandlung der gefährlichen Glioblastome verbessern kann. Gerade bei diesen Hirntumoren stehen bis heute kaum wirksame Therapien zur Verfügung.“
1 Bisher unterschieden Wissenschaftler vier Arten des Zellsterbens: Die Nekrose entsteht durch unphysiologische Bedingungen wie pH-Wert oder Nährstoffmangel. Sie betrifft in der Regel ganze Populationen von Zellen und geht mit Membranschäden einher. Die Apoptose dient der Aufrechterhaltung von Gleichgewichtszuständen in einem Organismus (Homöostase). Sie betrifft einzelne Zellen und ist charakterisiert durch eine typische Fragmentierung der DNA. Die Seneszenz (Zellalterung) bewirkt, dass sich Zellen nicht weiter teilen können. Bei der Autophagie verdaut die Zelle eigene Bestandteile, was manchmal mit dem Zellsterben einhergeht.
Georg Gdynia, Martina Keith, Jürgen Kopitz, Marion Bergmann, Anne Fassl, Alexander N.R. Weber, Julie George, Tim Kees, Hans-Walter Zentgraf, Otmar D. Wiestler, Peter Schirmacher und Wilfried Roth: Danger signaling protein HMGB1 induces a distinct form of cell death accompanied by formation of giant mitochondria. Cancer Research 2010, DOI: 10.1158/0008-5472.CAN-10-0204
Quelle: Wilfried Roth, Deutsches Krebsforschungszentrum
Legende:Elektronenmikroskopische Aufnahme von sterbenden Hirntumorzellen: Riesenmitochondrien erscheinen als weiße runde Strukturen.
Neue Forschung zum Leberkrebs
Wie entwickelt sich aus einer chronischen Lebererkrankung schließlich ein Krebsleiden mit Metastasen? Ein neuer Transregio-Sonderforschungsbereich (SFB/TRR 77) „Leberkrebs – von den molekularen Entstehungsmechanismen bis zur gezielten Therapie“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft soll ab Januar 2010 die molekularen Mechanismen der Leberkrebsentstehung untersuchen und dazu beitragen, neue präventive, diagnostische und therapeutische Maßnahmen umzusetzen. Es gibt bisher nur wenige Behandlungsmöglichkeiten: Kann der Tumor nicht vollständig entfernt werden, gibt es keine Heilung. Der Forschungsverbund aus 40 Wissenschaftlern der Universität Heidelberg, des Deutschen Krebsforschungszentrums, der Medizinischen Hochschule Hannover und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, Braunschweig wird von der DFG für zunächst vier Jahre mit insgesamt 12 Millionen Euro gefördert. Sprecher ist Professor Dr. Peter Schirmacher, Direktor des Pathologischen Instituts. Der Verbund kann auf bereits langjährig bestehenden, erfolgreichen Forschungsprojekten an den Standorten Heidelberg und Hannover aufbauen
Erforschung von Leberkrebs gestärkt
| sal. Das Leberkarzinom ist weltweit der fünfthäufigste bösartige Tumor und die dritthäufigste tumorbedingte Todesursache. Seine Erforschung und Behandlung wird durch die Einrichtung eines neuen überregionalen Sonderforschungsbereiches vorangetrieben, bei dem die Medizinische Fakultät Heidelberg die Federführung hat. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ab Januar 2010 den Transregio-Sonderforschungsbereich „Leberkrebs – von den molekularen Entstehungsmechanismen bis zur gezielten Therapie“ für zunächst vier Jahre mit insgesamt 12 Millionen Euro. Sprecher des Sonderforschungsbereichs ist Professor Dr. Peter Schirmacher, Direktor des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg. Foto: Uni-Klinikum |
Quelle 15.Dezember 2009 RNZ
Zusammen gegen den Hirntumor
Dietmar-Hopp-Stiftungfördert Laborversuche mit 255 000 Euro
at. Sehr bösartige Hirntumore, so genannte Glioblastome, haben nach wie vor eine sehr schlechte Prognose, da sie gegenüber Bestrahlung und Chemotherapie nicht sensibel sind. Einen innovativen Therapieansatz die Kombination von Chemotherapie mit einer Schwerionenbestrahlung erforschen jetzt Wissenschaftler des Universitätsklinikums und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Das Forschungsprojekt wird von der Dietmar-Hopp-Stiftung mit 255 000 Euro unterstützt.
Glioblastome sind die häufigsten und bösartigsten Hirntumore von Erwachsenen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Patienten beträgt nur ein biszwei Jahre. „Durch die Kombination von Chemotherapie mit einer Schwerionenbestrahlung erhoffen wir uns, dass wir in der Behandlung von Glioblastomen einen Schritt weiter kommen“, so Dr. Stephanie Combs, Wissenschaftlerin in der Klinik für Radioonkologie und Strahlen¬therapie, die gemeinsam mit Dr. Wilfried Roth, der am Pathologischen Institut des Universitätsklinikums und am DKFZ tätig ist, das Forschungsprojekt leitet.
Die Wissenschaftler wollen zunächst in Laborversuchen, die zum Teil in der Beschleunigeranlage der Gesellschaft für Schwerionenforschung GSI in Darmstadt durchgeführt werden, testen, ob die kombinierte Behandlung Vorteile hat.
Quelle 24.Juli 2009 RNZ
Virchow-Preis für Dr. Wilfried Roth
at. Mit welchen molekularen Botschaften kann man Tumorzellen zum Rückzug bewegen? Forscher des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben Signalketten entschlüsselt, die das Selbstmordprogramm von Tumorzellen beeinflussen und neue Ansatzpunkte für eine Therapie aufzeigen. Für seine Arbeiten dazu erhielt Dr. Wilfried Roth, Leiter einer
von der Deutschen Krebshilfe geförderten Nachwuchsgruppe am DKFZ und Pathologischen Institut, den mit 5000 Euro dotierten Rudolf-Virchow-Preis. Die Auszeichnung wurde jetzt bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie verliehen.
Quelle 17.Juli 2009 RNZ
Tumorzellen zum Selbstmord überreden
Heidelberger Pathologe Privatdozent Dr. Wilfried Roth mit dem Rudolf-Virchow-Preis ausgezeichnet
Mit welchen molekularen Botschaften kann man Tumorzellen zum Rückzug bewegen? Forscher des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben Signalketten entschlüsselt, die das Selbstmordprogramm von Tumorzellen beeinflussen und neue Ansatzpunkte für eine Therapie aufzeigen. Für seine Arbeiten zu diesem Thema erhielt Privatdozent Dr. Wilfried Roth, Leiter einer von der Deutschen Krebshilfe geförderten Nachwuchsgruppe am DKFZ und Pathologischen Institut, den mit 5.000 Euro dotierten Rudolf-Virchow-Preis. Die Auszeichnung wurde bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie vom 4. - 7. Juni 2009 in Freiburg verliehen.
Apoptose heißt das Zauberwort: Normalerweise besitzt jede Zelle ein Programm, das unter entsprechenden Bedingungen den Tod der Zelle auslöst (Apoptose). Eine elegante Methode, Tumorzellen zum Verschwinden zu bringen, ist die Möglichkeit, dieses Selbstmordprogramm in Gang zu setzen. Die molekularen Abläufe der Apoptose sind jedoch äußerst komplex und können an vielen Stellen gestört sein. Besonders Tumorzellen entwickeln zahlreiche Strategien, um sich dem Zelltod zu entziehen.
Im Pathologischen Institut und im DKFZ tätig
Bereits während seines Studiums in Tübingen beschäftigte sich Wilfried Roth in seiner Doktorarbeit mit dem Thema Apoptose. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsaufenthaltes in den USA (Burnham Institute, San Diego) konnte er seine Kenntnisse hierzu weiter vertiefen. Seit 2004 ist er am Pathologischen Institut des Universitätsklinikums Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Peter Schirmacher) tätig, wo er sich auch habilitierte. Neben seiner Arbeit als Oberarzt leitet der 39-jährige exzellente Forscher seit 2005 die von der Deutschen Krebshilfe geförderte Max-Eder-Nachwuchsgruppe am Deutschen Krebsforschungszentrum.
„Forschung ist natürlich Teamwork“, sagt Wilfried Roth, „und da ich mich für den Virchow-Preis mit mehreren Veröffentlichungen beworben habe, ist die Arbeit zahlreicher Personen in diese Forschungsergebnisse geflossen.“ Seine Mitarbeiter arbeiten sowohl am Pathologischen Institut als auch am Deutschen Krebsforschungszentrum.
Neue Therapieansätze durch Eingreifen in die Signalketten
Die Wissenschaftler um Roth versuchen, entscheidende Regulationsschritte im Ablauf des Zelltodes ausfindig zu machen, um dort mit neuen Wirkstoffen das Tumorwachstum zu bekämpfen. Dabei kann bei jeder Tumorart ein anderer Schritt verändert sein. Hirntumoren zum Beispiel produzieren ein Protein, das den Zelltod hemmt. Dadurch sind sie schwerer zu therapieren. Verhindert man die Bildung dieses Proteins, so kann die Zelltodkaskade wieder ablaufen.
In Nierentumoren ist dagegen ein bestimmter, den Zelltod auslösender Rezeptor, vermehrt vorhanden. Roth und seine Mitarbeiter sehen hier die Möglichkeit, mit Wirkstoffen, die gezielt an diesem Todesrezeptor angreifen, die Therapie wirksamer zu machen.
Aussagekräftige Prognosefaktoren für die Therapieentscheidung
Patienten mit einem voraussichtlich schwereren Verlauf der Krebserkrankung können von zusätzlichen, z.T. neuen Therapien profitieren. Unabhängige Prognosefaktoren helfen, sich für solche adjuvante Therapiestudien zu entscheiden. Die Forschergruppe um Roth identifizierte bei Patienten mit einem Nierentumor Faktoren in der Apoptose-Signalkette, die den Verlauf und die Sterblichkeit anzeigen können: Das Protein DcR3 (Decoy Receptor 3) bindet und inaktiviert dadurch einen Botenstoff, der den Zelltod auslöst. DcR3 kann im Blut gemessen werden und weist bei erhöhten Werten auf eine ungünstige Prognose hin. Ähnliches gilt für einen Todesrezeptor und den an ihn bindenden Botenstoff, deren Vorkommen im Tumorgewebe überprüft wird.
Rudolf-Virchow-Preis: Höchste Auszeichnung für Pathologen
Der Rudolf-Virchow-Preis ist nach dem Gründer der Pathologie benannt. Er wird seit 1980 jährlich von der Deutschen Gesellschaft für Pathologie an einen Pathologen unter 40 Jahren verliehen und stellt die höchste Auszeichnung für Pathologen in Deutschland dar.
Literatur:
Macher-Goeppinger S, Aulmann S, Tagscherer KE, Wagener N, Haferkamp A, Penzel R, Brauckhoff A, Hohenfellner M, Sykora J, Walczak H, Teh BT, Autschbach F, Herpel E, Schirmacher P, Roth W Prognostic value of Tumor Necrosis Factor-Related Apoptosis-inducing ligand (TRAIL) and TRAIL receptors in renal cell cancer. Clinical Cancer Research 15, 650-659, 2009.
Tagscherer KE, Fassl A, Campos B, Farhadi M, Kraemer A, Boeck BC, Macher-Goeppinger S, Radlwimmer B, Wiestler OD, Herold-Mende C, Roth W Apoptosis-based treatment of glioblastoma with ABT-737, a novel small molecule inhibitor of Bcl-2 family proteins. Oncogene 27, 6646-56, 2008.
Ansprechpartner:
PD Dr. med. Wilfried Roth
Pathologisches Institut
Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 220/221
69120 Heidelberg
Tel: 06221 / 56-26 47
Email: Wilfried.Roth(at)med.uni-heidelberg.de
Oder:
Molekulare Neuro-Onkologie
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008) www.klinikum.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg Im Neuenheimer Feld 672 69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de
Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter http://www.klinikum.uni-heidelberg.de
Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg
Nr. 105 / 2009 9. Juli 2009
Jetzt kann die Universitätsklinik auch ihre Gebäude sanieren
Bund und Land schieben mit Spezialprogrammen Konjunktur an –13,3 Millionen für Psychiatrie, Kopfklinik, alte Kinderklinik – Studentenwerk bekommt 1,78 Millionen
Für das Heidelberger Universitätsklinikum ist das Konjunkturpaket, das von Bund und Land per Zukunftsinvestitions- und Infrastrukturprogramm geschnürt wird, ein Segen.
Nicht nur die Pathologie kann neu gebaut werden, auch in der Psychiatrie und der alten Kinderklinik starten Sanierungsmaßnahmen, und in der Kopfklinik wird umgebaut.
Der größte Brocken mit 16,9 Millionen Euro wird in den Bau der Pathologie gesteckt. Vorgesehen, so die Kaufmännische Direktorin des Uniklinikums, Irmtraut Gürkan, ist ein Neubau direkt neben dem in die Jahre gekommenen Gebäude im Neuenheimer Feld.
Voraussichtlich werde man dieses in einem zweiten Bauabschnitt sanieren und dann die Rechtsmedizin dort ansiedeln, die bisher in Bergheim untergebracht ist. Doch das ist Zukunftsmusik – in den knapp 17 Millionen ist die Erneuerung jedenfalls nicht drin. Bis zu sechs Millionen Euro soll der Umbau der nicht mehr genutzten Stockwerke im alten Gebäude der Kinderklinik kosten. Angesiedelt wird dort dann die Abteilung für Medizinische Biometrie und Informatik, die beengt im Theoretikum sitzt. Platz bekommt auch das Koordinierungszentrum für die Klinischen Studien, die im Universitätsklinikum laufen. Und auch der Betriebsarzt aus dem Altklinikum erhält neue Räume im Turm.
Rund vier Millionen lässt sich die Uniklinik die Sanierung der letzten zwei Stationen in der Psychiatrie kosten. Dank Konjunkturpaket können dort moderne Zweibettzimmer mit Nasszellen für etwa 30 Patienten entstehen.
Die Kopfklinik bekommt nach Angaben der kaufmännischen Chefin für 1,5 Millionen Euro eine Intensivüberwachungsstation mit zwölf Betten. 1,2 Millionen Euro wird der Umbau der Archivräume für das Medienzentrum kosten. „Wenn wir noch Geld übrig haben, müssen wir beginnen, die Haustechnik in diesem Gebäude zu ertüchtigen“, unterstrich Irmtraut Gürkan.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) installiert voraussichtlich im Herbst für rund vier Millionen Euro ein nagelneues „PET-CT“, eine Kombinati¬on aus Positronen-Emissi¬ons-Tomograph (PET) und Röntgen-Com¬putertomograph (CT). Kleinste Tumorherde und deren Stoffwechsel können damit genau beobachtet werden. Das Gerät kommt von Siemens – mit dem Kauf wird also die deutsche Wirtschaftskraft angekurbelt. Voraussichtlich 1,3 Millionen Euro bekommt das Heidelberger Max¬Planck-Institut für Astronomie.
Nach dem Willen des Ministerrats sollen zehn Millionen Euro als Investitionszuschüsse in die Studentenwerke im Land fließen, die damit ihre Wohnheime energetisch sanieren können. Rund ein Drittel der Kosten werden dabei aus dem Konjunkturprogramm finanziert, für die anderen 70 Pro¬zent muss jeweils das Studentenwerk aufkommen.
Die Heidelberger haben vier Projekte angemeldet: Im Fremerey- und Jellinekhaus in der Hauptstraße sollen Fenster getauscht, Fassaden und Dächer gedämmt und die Elektroversorgung modernisiert werden. In der Wohnanlage INF 686-696 im Neuenheimer Feld an der Berliner Straße müssen die Häuser isoliert und die Flachdächer gedämmt werden. Die Kinderkrippe soll ebenfalls einen Vollwärmeschutz erhalten, im Gustav-Berger-Haus in Heilbronn – die Fachhochschule dort wird vom Heidelberger Studentenwerk betreut – sollen die Fenster aus getauscht werden. Insgesamt wildas Studentenwerk 1,78 Millionen Euro investieren und damit deutlich weniger als andere Werke in Baden-Württemberg. „Durch unsere Neubauprojekte von Wohnheimen am Klausenpfad und am Neckar sowie die Sanierung des Commeniushauses am Bunsengymnasium ist unser finanzieller Rahmen ausgeschöpft“, so Geschäftsführerin Ulrike Leiblein. Man freue sich über die Zuschüsse, weil das Land sonst nur Geld für Neubauten, nicht für Sanierungen zur Verfügung stel¬le. Man habe aber bei den Sanierungen immer die Hausaufgaben gemacht, und so konnten nur die jetzt bewilligten Projekte angemeldet werden. Den Eigenanteil werde das Studentenwerk vermutlich durch Kreditaufnahmen finanzieren.
Quelle 21.JMärz 2009 RNZ
55 Millionen Euro gehen nach Heidelberg
Landeskabinett verabschiedet heute das Konjunkturprogramm – Geldregen vor allem für die Uni
Heute ist der große Tag. Denn am Vormittag wird das Kabinett in Stuttgart über die Konjunkturpakete von Bund und Land entscheiden. Der Landtagsabgeordnete Werner Pfisterer (CDU) übergab der RNZ vorab eine Liste, aus der hervorgeht, welche Heidelberger Projekte vom warmen Geldregen profitieren werden. „Es wird nur kleine Änderungen geben“, glaubt Pfisterer. Er habe mit Finanzminister Willi Stächele gesprochen, und die Botschaft sei klar: Die Liste steht. Und Heidelberg bekommt das Meiste.
55 Millionen Euro werden demnach in Heidelberger Projekte fließen. Für den Neubau eines Besucherzentrums im Schloss und die Sanierung und Erweiterung der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau sind jeweils drei Millionen Euro reserviert. Der Löwenanteil der Konjunkturprogramme, die zu 75 Prozent vom Bund und zu einem Viertel vom Land Baden-Württemberg gestemmt werden, kommt aber der Universität und den Kliniken zu Gute. Von den 49 Millionen Euro werden allein 17 Millionen für den Neubau der Pathologie ausgegeben. Das alte Gebäude im Neuenheimer Feld, in der Nachbarschaft des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), sei marode, erklärte Klinikumssprecherin Annette Tuffs auf Anfrage der RNZ. Ein Neubau sei rentabler als eine Sanierung des alten Gebäudes.
Der zweitgrößte Posten über 12 Millionen Euro ist für einen „Verfügungsbau für die exzellente Forschung“ der Universität im Neuenheimer Feld vorgesehen. Laut Uni-Sprecher Michael Schwarz steht der künftige Standort für dieses viergeschossige Gebäude mit großzügigen Laborflächen noch nicht endgültig fest. Der Neubau werde, so Pfisterer, aber für aktuelle Forschungsprojekte zur Verfügung stehen.
Das restliche Geld aus dem Konjunkturpaket wird für die Sanierung der alten Universitätsgebäude dringend benötigt. Dächer müssen repariert, Lüftungssysteme ausgetauscht werden. Im Institut für Sportwissenschaften und in der Triplex¬Mensa werden zum Beispiel endlich die einfach verglasten Fenster ersetzt. Größere Summen fließen in den Brandschutz der Universitätsbibliothek (1,25 Millionen Euro) und des Rechenzentrums im Neuenheimer Feld: Mit der Erneuerung der Klimaanlage schlägt dieser Posten mit weiteren 1,25 Millionen Euro zu Buche.
„Alle diese Projekte können schnell umgesetzt werden“, freut sich Pfisterer: „Sie erfüllen somit den Zweck des Konjunkturpakets, schnell und zuverlässig die lokale Wirtschaft anzukurbeln.“ Im regulären Landeshaushalt nehme im Übrigen die Universität Heidelberg auch zu Recht eine Spitzenposition ein. Allein für den Klinikneubau seien 167,8 Millionen Euro und für die Sanierung des Altklinikums 25,34 Millionen Euro vorgesehen
Quelle 17.JMärz 2009 RNZ
Patienten mit Hepatitis und Lebertumoren profitieren von der Forschung
Internationale Experten für Lebererkrankungen vom 29. bis 31. Januar 2009 in Heidelberg zu Gast
Aktuelle Ergebnisse aus Forschung und klinischer Praxis rund um Leberkrebs, Hepatitis und Leberzirrhose sind Themen zweier hochkarätiger Expertentreffen in Heidelberg: Am 29. und 30. Januar 2009 finden sich die weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Leberforschung zu einem Workshop „Translational Research in Chronic Liver Diseases“ zusammen. Am 30. und 31. Januar treffen sich mehr als 400 Wissenschaftler und Ärzte aus dem deutschsprachigen Raum zur 25. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft zum Studium der Leber (GASL). Beide Veranstaltungen finden im Hörsaalzentrum Chemie, Im Neuenheimer Feld 252, 69120 Heidelberg, statt.
An Lebererkrankungen leiden schätzungsweise 3,5 Millionen Menschen in Deutschland. Die Ursachen sind vielfältig: Übermäßiger Alkoholkonsum, falsche Ernährung oder angeborene Stoffwechselstörungen, insbesondere im Fett- oder Eisenstoffwechsel, können die Auslöser sein. Auch chronische Virushepatitis B oder C, Erkrankungen des Immunsystems sowie Umweltgifte und Medikamente schädigen die Leber. Aggressive Lebertumoren können die Folge sein; die bisherigen Behandlungsmöglichkeiten sind noch begrenzt.
Ein Schwerpunkt der Vorträge, Posterpräsentationen und Diskussionen ist die Frage, wie neue Erkenntnisse aus der Leberforschung möglichst schnell in die Versorgung der Patienten Eingang finden. „Ziel des Kongresses ist, aktuelle Entwicklungen in der translationalen Forschung vorzustellen, die weltweit führenden Vertreter der Leberforschung zur Diskussion zusammen zu führen und neue Kooperationen zu stiften“, erklärt Professor Dr. Peter Schirmacher, Geschäftsführender Direktor des Pathologischen Instituts der Universität Heidelberg und Präsident der GASL.
Neue Medikamente hemmen Tumorwachstum
Besonders Patienten mit Lebertumoren oder chronischer Hepatitis B und C profitieren von einer schnellen Anwendung aktueller Forschungsergebnisse: „In diesen Bereichen ist viel in Bewegung“, so Professor Schirmacher. Hier schafft die Grundlagenforschung ein genaueres Verständnis der Stoffwechselvorgänge in der Tumorzelle oder bei der Vermehrung der Hepatitis-Viren und identifiziert Ansatzpunkte für neue Therapien. So ist mit dem Wirkstoff Sorafenib seit 2008 das erste Medikament auf dem Markt, das Tumorwachstum auf molekularer Ebene gezielt hemmt; weitere Präparate befinden sich in der präklinischen Testphase und in klinischen Studien. Auch maßgeschneiderte Wirkstoffe, die die Vermehrung von Hepatitis-Viren an exakt bestimmter Stelle blockieren, sind im Kommen. Das weite Spektrum der neuen Medikamente erlaubt heute zunehmend individuell auf den Patienten abgestimmte Therapien und damit höhere Chance auf Heilung bei geringerer Belastung.
Journalisten sind herzlich eingeladen!
Ansprechpartner:
Professor Dr. Peter Schirmacher
Pathologisches Institut der Universität Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 26 01 (Sekr.)
E-Mail: Peter.Schirmacher@med.uni-heidelberg.de
Programme im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pathologie/pdf/25JT_GASL_Einl09_08Ans.pdf
www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pathologie/pdf/Inhalt_Heidelberg_Progr__e_.pdf
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de
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Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg
Nr. 9 / 2009 26. Januar 2009
Einblicke bis in Millionstel Millimeter
Universität Heidelberg gründet High-Tech-Imaging-Center „TIGA“ /
Roboter „NanoZoomer“ liefert hochauflösende Bilder von Zellen und Geweben
Tiefe Einblicke gewährt das neue High-Tech-Imaging-Center „TIGA“ der Universität Heidelberg, das gemeinsam mit der japanischen Firma Hamamatsu gegründet wurde: Ein High-Tech-Roboter ermöglicht es erstmals,
Gewebeschnitte vollautomatisch im Millionstel-Millimeter-Bereich abzubilden und auszuwerten – eine wichtige Unterstützung für Forscher, um z.B. Krebserkrankungen zu verstehen oder detailliert zu verfolgen, wie sich
Therapien auf Zellen und Gewebe auswirken.
Das Hamamatsu Tissue Imaging and Analysis (TIGA) Center ist eine Kooperation zwischen den Instituten für Pathologie und Medizinische Informatik und Biometrie am Universitätsklinikum Heidelberg sowie der japanischen
Firma Hamamatsu Photonics. Darüber hinaus gehört es zu BIOQUANT, dem Forschungszentrum für quantitative Biologie an der Universität Heidelberg. Herzstück ist der Imagingroboter „NanoZoomer“ der Firma
Hamamatsu Photonics: Er scannt die Gewebeschnitte ein und macht sie für den Wissenschaftler in höchster Auflösung und in verschiedenen Schnittebenen auf dem Bildschirm sichtbar.
„Die vollautomatische Auswertung von Gewebeveränderungen und Angriffspunkten für neue Therapien ist damit technisch in greifbare Nähe gerückt“, erklärt Professor Dr. Peter Schirmacher, Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Dies wäre ein neuer Meilenstein in der Pathologie.
Detaillierte Schnittbilder helfen beim Verständnis von Erkrankungen
Welche Proteine werden in Krebszellen verstärkt gebildet? Wie verändert sich Tumorgewebe im Verlauf einer Strahlenbehandlung? Dank hochauflösender Bilder des NanoZoomers und Auswertung mit speziellen Programmenkönnen Forscher in Zukunft schneller und sicherer Gewebe und Zellpräparate beurteilen und wichtige neue Erkenntnisse für eine auf den einzelnen Patienten abgestimmte Therapie, z.B. bei Brustkrebs gewinnen.
Künftig soll der Roboter sogar selbst vollautomatisch Veränderungen an Zellen und Geweben bestimmen. „Der NanoZoomer stellt einen Quantensprung in der Forschung mit Geweben dar“, erklärt Dr. Niels Grabe, wissenschaftlicher
Leiter des TIGA Centers und Mitarbeiter des Instituts für Medizinische Informatik und Biometrie.
Virtuelle Gewebe werden aus Datenmengen erstellt
Die Medizininformatiker werten mit dem NanoZoomer riesige Datenmengen aus Geweben für die Grundlagenforschung aus. So nutzen Dr. Niels Grabe und sein Team die Daten, um ein virtuelles Hautgewebe zu erstellen.
„Am Computer-Modell eines menschlichen Hautgewebes können wir z.B. testen, ob bestimmte Stoffe giftig sind“, erklärt Dr. Grabe. „Dies könnte in Zukunft die Suche nach potentiellen Wirkstoffen erleichtern.“
Die Firma Hamamatsu hat die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten früh erkannt, so dass sich damit nun auch neue technologische Märkte eröffnen. „Wir freuen uns mit dem Heidelberger Institut für Pathologie und dem Institut
für Medizinische Biometrie und Informatik zwei Partner gefunden zu haben, mit denen wir nun gemeinsam konkrete klinische Einsatzmöglichkeiten und neuartige Anwendungen in der Forschung erarbeiten können,“
sagt Hideo Hiruma, Managing Director von Hamamatsu Photonics, Japan.
Kontakt:
Dr. Niels Grabe
Wissenschaftlicher Leiter des TIGA Centers
Tel.: 06221 / 56 5143
E-Mail: niels.grabe@med.uni-heidelberg.de
Professor Dr. Peter Schirmacher
Direktor des Instituts für Pathologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 2601
E-Mail: peter.schirmacher@med.uni-heidelberg.de
High-Tech Roboter wertet Gewebeschnitte vollautomatisch aus (rechts: Dr. Niels
Grabe, Leiter des TIGA Centers).
Foto: Rothe
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
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69120 Heidelberg
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Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg
Nr. 107 / 2008 18. Juni 2008
Gütesiegel für Uni-Klinikum
at. Das Pathologische Institut, Abteilung für Allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie unter Leitung von Professor Dr. Peter Schirmacher, hat als erstes pathologisches Institut an einem baden-württembergischen Universitätsklinikum und als viertes in ganz Deutschland für seine diagnostischen Leistungen die Akkreditierung erhalten. Damit wurde dem Institut und seinen Mitarbeitern vom Deutschen Akkreditierungsrat offiziell eine sehr hohe Kompetenz bei der Beurteilung von Gewebe- und Zeilmaterial sowie bei Obduktionen bescheinigt: Das Heidelberger Institut liefert den behandelnden Ärzten zeitnah zuverlässige Informationen zu Art und Ausdehnung der Erkrankung und zum Krankheitsverlauf.
"Die Akkreditierung geht über eine Zertifizierung hinaus". erklärt Dr. Christa Flechtenmacher, die als Qualitätsbeauftragte des Instituts das Verfahren begleitet hat. Denn anders als bei der Zertifizierung wird nicht nur bescheinigt. dass die Arbeitsabläufe stimmen, sondern auch, dass die Arbeitsergebnisse sehr hohen Ansprüchen genügen. Die Ergebnisqualität wird durch Gutachter geprüft, die neben ihren Kenntnissen über Qualitätsmanagement-Prozesse und -Systeme ihre spezifische Fachkenntnis in die Prüfung einbringen.
Das Pathologische Institut des Universitätsklinikums ist die größte universitäre Einrichtung dieser Art in Deutschland. Schwerpunkte des Instituts in der Krankenversorgung ist die diagnostische Beurteilung von Gewebs- und Zeltmaterial, das im Rahmen von Untersuchungen oder Operationen dem Patienten entnommen wurde. Jährlich mehr als etwa 60 000 Eingänge von Gewebematerial aus allen Bereichen der Medizin, einschließlich der Zahnheilkunde und der neurowissenschaftlichen Fachgebiete, werden hier mit modernsten Methoden untersucht. Darüber hinaus ist das Institut in mehreren Spezialgebieten bundesweit und international beratend tätig, besonders in der Tumordiagnostik und der hepatogastroenterologischen Pathologie.
Quelle 15.Januar 2008 RNZ
Ein Lexikon über die "Wegweiser" für die moderne Forschung
(RNZ) Herausgegeben vom Heidelberger Pathologen Prof. Klaus Goerttler Biographien von Wissenschaftlern und Ärzten zwischen 1850 und 1920
Ein neues Internet Lexikon stellt Biographien von Wissenschaftlern und Ärzten aus der Phase des wissenschaftlichen Aufbruches zwischen 1850 und1920 vor und möchte über das historische Wissen neues Verständnis bei Schülern und Studenten fördern. Die Biographien und ihre historisch fundierte Betrachtung sollen das Verständnis für die Gegenwart und die naturwissenschaftliche und medizinische Moderne.
Der emeritierte Pathologe Professor Klaus Goerttler hat in den Jahren 2003 und 2004 die Biographien und Portraits von 219 bzw. 139 Medizinern und Naturwissenschaftlern vorwiegend aus der Zeit zwischen 1850 und 1920 publiziert. Er nutzte dabei ein ihm als Erbe zugefallenes Portrait Album des Anatomen Robert Wiedersheim sowie weitere als„ Wegweiser in dieser Zeitspanne“ erachtete Naturwissenschaftler und Mediziner, die vorwiegend aus vorklinischen Fachdisziplinen stammen. Diesem Grundstock sind als Ergebnis einer weiteren Recherche 250 Personen mit Portraits aus allen Bereichen der Medizin als Repräsentanten für die Abkehr der Medizin aus ihrer ursprünglich geisteswissenschaftlich spekulativen Zuordnung hin zu einer naturwissenschaftlichen Orientierung hinzugefügt. Sichtbar wird auch die Neuerfassung des Menschen als genetisch unverwechselbares Individuum und über die psychosomatische Medizin und Psychoanalyse die Akzeptanz der Eigenständigkeit der Person in der modernen Medizin. Dieses Wissen beeinflusst zunehmend unser tägliches Leben. Im Lexikon werden die großen Umwälzungen und Herausforderungen in derzeitlich umgrenzten Periode sichtbar, auch die gesellschaftlichen Veränderungen im Zusammenhang mit der Theorie von Charles Darwin. Anstellevon Spekulationen werden experimentelle Ergebnisse in die Analyse der menschlichen Natur einbezogen, ebenso wie die Neuerfassung des Menschen als genetisch unverwechselbares Individuum. Lange vor unserer Gegenwart wird eine zunächst auf die Zelle und ihre Pathologie bezogene Einschätzung unseres Lebens in Gesundheit und Krankheit durch Neuorientierung unter Einbeziehung psychologischer und physischer Faktoren neu geordnet. Die Historie erweise sich als unschätzbare Lehrerin für unsere Gegenwart und Zukunft, sind die Herausgeber um Prof. Goerttler überzeugt.
Ein aus der ersten Monographi (2003) übernommenes Kapitel „Begriffserklärungen“ soll auch dem Schüler, Studenten und Laien einen Überblick verschaffen. Ein Quellenverzeichnis liefert publizistische Hinweise sowohl für die Texte wie auch für die Herkunft der Portraits. Die Herausgeber des Lexikons haben sich das Ziel gesetzt, den historischen Zugang zur Erfassung der modernen Naturwissenschaft und Medizin zu erleichtern. In einer kurzen Einführung wird die Entstehungsgeschichte des Lexikons dargestellt. Alle Portraits mit Biographien sind alphabetisch geordnet, gegliedert nach gleichen Prinzipien. Geburts und Sterbedaten, verwandtschaftliche Beziehungen, eine oder mehrere Berufsbezeichnungen werden genannt, geben mitunter Hinweise auf Spezialisierungen oder Änderungen der beruflichen Ausrichtung. Die kalendarische Anordnung gibt Auskunft über Orte und Karrieren, Schüler und Lehrerbeziehungen. Im weiteren Text folgen Kurzbeschreibungen von Arbeitsgebieten, Forschungsergebnisse und deren Publizistik. Querverbindungen werden über farbliche Unterlegungen erkennbar. Im Anschluss an die Biographien bietet ein Berufsgruppenverzeichnis eine Übersicht über die Einordnung der Repräsentanten, zeigt Unterteilungen in Spezialfächer. Durch die Einordnung vieler Personen in mehrere Gruppen ergeben sich Hinweise auf die Entstehung von Teildisziplinen. Das Lexikon wurde von einemMediziner angelegt und wird nur den mit der Medizin in Verbindung stehenden Naturwissenschaften hinreichend gerecht. Zwischen den stärker naturwissenschaftlich ausgerichteten „vorklinischen Fächern“ dient die Pathologie als Vermittlerin zu den klinischen Fächern.
Info:
www.naturwissenschaftler_lexikon.de,
www.mediziner_biographien.de und
www.naturwissenschaftler_biographien.de
Quelle 22.August 2007 RNZ
Ehrungen und Ernennungen
Prof. Dr. Peter Schirmacher, Pathologisches Institut der Universität Heidelberg,
wurde in den Vorstand und zugleich zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaftzum Studium der Leber gewählt.
Antidiabetikum schickt Tumorzellen in den programmierten Zelltod
In vielen Fällen wird der programmierte Zelltod, die Apoptose, ausgelöst, indem ein so genannter "Todesligand" TRAIL an die Zellen, die zugrunde gehen sollen, andockt. Diesen Weg der Selbstzerstörung nutzen Forscher gezielt aus, um Krebszellen zu bekämpfen. Einige Tumorzellen sind jedoch weniger empfänglich für dieses Signal und entziehen sich so ihrer Vernichtung. Ein Forscherteam um Dr. Wilfried Roth aus der Nachwuchsgruppe Molekulare Neuro-Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum hat jetzt entdeckt, dass ein Antidiabetikum bestimmte Tumorzellen für die TRAIL-vermittelte Apoptose sensibilisieren kann.
Troglitazon ist ein Wirkstoff, der als Antidiabetikum eingesetzt wird. Kerstin Schultze et al. entdeckten jedoch eine weitere Eigenschaft dieser Substanz: Sie behandelten menschliche Gliom- und Neuroblastomzellen mit Troglitazon und stellten fest, dass diese Tumorzellen viel empfindlicher gegenüber der TRAIL-induzierten Apoptose werden. TRAIL steht für "Tumor necrosis factor-related apoptosis-inducing ligand" und ist ein sog. "Todesligand", d.h. er bindet an auf der Zelloberfläche befindliche Rezeptoren und leitet auf diese Weise den programmierten Zelltod ein.
Zur Bekämpfung von Krebszellen nutzen Wissenschaftler diese Tatsache aus, indem sie die Zellen mit TRAIL behandeln und so die Selbstzerstörung auslösen. Bei bestimmten Hirntumoren funktioniert diese Methode jedoch nicht. Hier sind die Krebszellen resistent gegen diese Behandlung, weil sie intrazelluläre Signalkaskaden blockieren, die zur Apoptose führen. Die Behandlung mit Troglitazon löst dieses Problem, indem es die Zellen für den Zelltod sensibilisiert und die Resistenzmechanismen umgeht.
In den Zellen fungieren bestimmte Proteine wie Survivin und FLIP als Apoptose-Gegenspieler, indem sie andere Enzyme hemmen, die letztlich zum Zelltod führen. Roth und seine Gruppe konnten zeigen, dass durch Behandlung der Tumorzellen mit Troglitazon die Konzentration dieser antiapoptotischen Proteine signifikant zurückgeht. Das Antidiabetikum hemmt die Expression von Survivin und FLIP, die ihrerseits dafür verantwortlich sind, dass die Signalkaskade der Apoptose zum Erliegen kommt. Weiterhin fanden die Wissenschaftler heraus, dass Troglitazon die Bildung der TRAIL-R2-Rezeptoren stimuliert, also genau der Komplexe an der Zelloberfläche, die den "Todesliganden" binden und so den Startschuss zur Selbstzerstörung der Zelle geben.
Im Hinblick auf eine mögliche Therapie von Gliomen und Neuroblastomen ist Troglitazon ein vielversprechender Kandidat, um die Krebszellen in einer Kombinationsbehandlung zusammen mit TRAIL abzutöten, auch weil der Wirkstoff keine gesunden Körperzellen für die Apoptose sensibilisiert.
Kerstin Schultze, Barbara Böck, Anika Eckert, Lena Oevermann, Dirk Ramacher, Otmar Wiestler, Wilfried Roth: Troglitazone sensitizes tumor cells to TRAIL-induced apoptosis via down-regulation of FLIP and Survivin. Apoptosis, 27 June 2006, DOI: 10.1007/s10495-006-8896-3
Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.
Diese Pressemitteilung ist abrufbar unter
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Dr. Julia Rautenstrauch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2854
F: +49 6221 42 2968
Nr. 58 11. Juli 2006 (Jow)
Im Interview
Die molekularpathologische Analyse spielt heute bei allen wichtigen Tumorerkrankungen eine entscheidende Rolle
Erste Bilanz des Geschäftsführenden Direktors des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg
Seit knapp zwei Jahren leitet er die Geschäfte des Pathologischen Instituts sowie die Abteilung für Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie am Universitätsklinikum Heidelberg. Der frühere Leitende Oberarzt und stellvertretende Direktor des Instituts für Pathologie der Universität zu Köln, Professor Dr. Peter Schirmacher, hat im Juni 2004 die Nachfolge von Professor Dr. Dr. h.c. Herwart F. Otto angetreten.
Seine medizinische Ausbildung, Facharztweiterbildung und Habilitation absolvierte Professor Schirmacher an der Universität Mainz. Ein Forschungsaufenthalt führte ihn für zwei Jahre an das Albert Einstein College of Medicine nach New York; seit 1998 war er als Universitätsprofessor am Institut für Pathologie der Universität zu Köln tätig.
Wissenschaftliche Schwerpunkte sind die molekulare Pathologie und Morphologie von Erkrankungen, insbesondere Tumoren, der Leber und des Magen-Darm-Trakts - beste Voraussetzungen, um auch die Aufbauarbeit des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) zu unterstützen. In einem Interview zieht Professor Schirmacher eine erste Zwischenbilanz seiner Tätigkeit in Heidelberg.
Was waren die wichtigsten Projekte, die Sie bislang in Heidelberg umgesetzt haben?
Diese zwei Jahre sind äußerst erfolgreich verlaufen. Es ist durch den beispiellosen Einsatz aller Mitarbeiter gelungen, das Institut in allen Bereichen führend zu positionieren. Wir haben die Diagnostik modernisiert, und die Kompetenz in vielen Bereichen (z.B. Leberpathologie, Knochenerkrankungen, Hämatopathologie) erheblich ausgebaut. Die große Akzeptanz kann man an den deutlich steigenden klinikinternen und auch externen Zusendungen ablesen. Mit unserer neu aufgebauten Molekularpathologischen Diagnostik haben wir schon erhebliche Akzente gesetzt.
Die klinische Anbindung konnten wir durch zahlreiche neue klinisch-pathologische Konferenzen enger und effektiver gestalten. Weiterhin zählen wir zu den wichtigen Promotoren des Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen, sind in allen Klinisch-Onkologischen Gruppen vertreten, stützen wesentlich die AG Datenpool und haben die Tumorbank des NCT aufgebaut.
Was sind die wissenschaftlichen Schwerpunkte?
Im Wissenschaftsbereich haben wir drei Hauptschwerpunkte definiert: Hepato-gastroenterologische Pathologie, molekulare Tumorpathologie und Immunpathologie, und diese mit mittlerweile zehn selbständigen, drittmittelgeförderten Forschergruppen allein in der Abteilung für Allgemeine Pathologie mit Leben gefüllt. Zur ihrer Unterstützung haben wir einen Plattformtechnologiebereich geschaffen, der bundesweit in der Pathologie beispiellos ist. Die Publikationszahl konnten wir in den letzten 2 Jahren um mehr als 100 Prozent steigern und die Einwerbung kompetitiv begutachteter Drittmittel hat sich vervielfacht.
Gab es auch neue Entwicklungen in der Lehre?
In der Lehre haben wir neue, freiwillige Lehrveranstaltungen eingerichtet, darunter auch ein institutseigenes PhD-Programm. In HeiCuMed werden wir seit mehreren Jahren mit Bestnoten bewertet und im neuen HeiCuDent-Programm (Lehrprogramm der Zahnmediziner) haben wir uns maßgeblich eingebracht.
Viele weitere Initiativen finden Sie auch auf unserer Homepage, die sicher einen Besuch lohnt. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass wir mittlerweile dort angelangt sind, wo wir hin wollen, an der Spitze der deutschen Universitätspathologien und deshalb möchte ich auch an dieser Stelle allen Mitarbeiter für ihren außergewöhnlichen Einsatz danken.
Welche wissenschaftlichen Fragenstellungen können schon mit Hilfe der Tumorbank beantwortet werden? Welche Perspektiven gibt es?
Die Tumorbank selbst bearbeitet keine wissenschaftlichen Fragen, aber sie ist für einen europaweit führenden Standort der Krebsforschung, der Heidelberg zweifelsohne ist, eine unverzichtbare Voraussetzung. Mit Unterstützung des NCT konnten wir seit letztem Jahr eine in Deutschland neue Struktur schaffen, die man jetzt an mehreren Standorten versucht zu kopieren. Mit Hilfe der Ethikkommission konnten alle Rechtsfragen im Sinne der Forschung geklärt werden; wir haben Standardverfahren, sog. SOPs erstellt. Mittlerweile beteiligen sich alle Kliniken und auch die Thoraxklinik Rohrbach und die Orthopädie Schlierbach tatkräftig.
Die Gewebebank bietet den Forschern gut charakterisiertes Material für ihre Untersuchungen, erstellt sog. Multi-Tissue-Arrays für Gewebsreihenuntersuchungen und vermittelt Projekte zwischen Grundlagenforschern, Klinikern und Pathologen. Kein universitärer Standort in Deutschland bietet seinen klinischen und experimentellen Forschergruppen eine vergleichbare Voraussetzung und wir freuen uns dass dies auch so gut angenommen wird. Bereits in der kurzen Zeit haben wir fast 30 Projekte in der Betreuung und die Zahl ist rasch steigend. Die Gewebebank ist mittlerweile also den Kinderschuhen entwachsen und in den Regelbetrieb übergegangen. Hauptziel ist es, ihre Finanzierung, die zunächst nur für 3 Jahre gewährt wurde, langfristig zu sichern.
Bei welchen Krebserkrankungen spielen heute molekularpathologische Methoden eine wichtige Rolle?
Es gibt heute keine wichtige Tumorerkrankung mehr, bei der die molekularpathologische Analyse keine Rolle spielt. Sie steht im Zentrum der pathologischen Forschung und ist zum Beispiel auch das Hauptthema unseres diesjährigen Jahreskongresses. Wir haben auf diesem Feld dramatische Fortschritte gemacht; viele Untersuchungen sind heute bereits Teil der Krankenversorgung und es werden monatlich mehr. Besonders häufig brauchen wir sie bei malignen Lymphomen, bösartigen Tumoren der Weichgewebe (Sarkome), erblichen Tumorerkrankungen und der Bestimmung von Angriffspunkten für gezielte Therapien, unabhängig von der Tumorart. Auf diese neue Form der Gewebsanalyse, die sogenannte prädiktive Pathologie, haben wir ein besonderes Augenmerk gerichtet.
Welchen Stellenwert ordnen Sie der klinischen Obduktion zu?
Die klinische Obduktion hat auch heute noch ihren Stellenwert v.a. in der Qualitätssicherung sowie der Aus- und Weiterbildung und ist daher in der verantwortungsvollen universitären Krankenversorgung unverzichtbar. Wir Pathologen werden nicht müde, auf die Bedeutung der Sektion und die Gefahren, die mit ihrem Verschwinden verbunden sind hinzuweisen. Leider kämpfen wir auf verlorenem Posten, denn überall sind die Obduktionszahlen im Sinkflug begriffen. Uns ist es in Heidelberg zumindest gelungen, sie auf niedrigem Niveau zu stabilisieren.
Gründe für die Abnahme der Obduktionszahlen sind die abnehmende gesellschaftliche und auch klinische Akzeptanz und die heutzutage geringere Zahl der im Krankenhaus verstorbenen Patienten. Heute stehen in Heidelberg den knapp 300 Obduktionen weit über 50.000 Untersuchungen an Geweben von lebenden Patienten (Biopsien, Operationspräparate und Zytologien) gegenüber. Angesichts dieser Rahmenbedingungen für die klinische Obduktion, die wir sehr bedauern, ist es für uns jedoch zwingend, die Akzente in anderen Bereichen zu setzen.
Wo konnten Sie weitere Akzente bei der Krankenversorgung setzen?
In der Leberpathologie sind wir eines von zwei Zentren in Deutschland und erhalten hier in erheblichem Umfang Konsilanfragen aus dem gesamten Bundesgebiet. In der Knochendiagnostik sind wir z.B. auf dem Gebiet der morphometrie-gestützten Osteoporose-Diagnostik konkurrenzlos und in der Hämatopathologie haben wir uns durch die Berufung von Prof. Greiner zum Jahreswechsel erheblich verstärken können. Wir haben in 2005 auch ein standardisiertes Qualitätsmanagement eingerichtet und mit der Akkreditierung des Instituts begonnen; wir hoffen, dass wir diese bald als erste Klinikspathologie im Südwesten erfolgreich abschließen.
Man darf auch nicht vergessen, dass die Pathologie einen erheblichen Teil ihres Eingangs von auswärtigen Kollegen und Krankenhäuser erhält. Wir versorgen 15 Kliniken in der näheren und weiteren Umgebung und sind damit der wichtigste Partner auf Seiten der Uniklinik bei Kooperationen nach außen. Auch mit den auswärtigen Kollegen funktioniert die Zusammenarbeit ganz ausgezeichnet. Nicht vergessen möchte ich in diesem Zusammenhang auch unsere Außenstellen in der Frauenklinik und in der Thoraxklinik Rohrbach.
Das Pathologische Institut ist nach wie vor an mehreren Standorten tätig?
Wir betreiben zwei Außenstellen, in der Frauenklinik an der Bergheimer Strasse und in der Thoraxklinik Rohrbach. Beide sind mit jeweils zwei Kollegen besetzt und arbeiten hervorragend. Die räumliche Trennung ist eine erhebliche Belastung für das Institut, und ich bin den Kollegen in der Gynäkologie und der Thoraxklinik sehr dankbar, dass wir fachübergreifende Kooperationsmodelle gefunden haben, die vor Ort die Krankenversorgung und gemeinsame Forschungsinitiativen tragen. Nicht zu vergessen den wesentlichen Beitrag, den beide Standorte zur NCT-Gewebebank leisten. Mittelfristig hoffen wir mit dem geplanten Umzug der Frauenklinik an das Neuenheimer Feld diesen Standort wieder in das Haupthaus integrieren zu können.
Wie hat sich Ihr Institut wissenschaftlich positionieren können?
Die Pathologie hat neben der eigenen wissenschaftlichen Profilbildung den Auftrag die Grundlagenforschung und klinische Forschung kooperativ zu unterstützen. Unsere wissenschaftlichen Schwerpunkte, Hepatogastroenterologische Pathologie, molekulare Tumorpathologie und Immunpathologie gedeihen auf dem Boden von 10 wissenschaftlichen Arbeitsgruppen. Wir haben zahlreiche neue Projektförderungen, u.a. durch DFG, Krebshilfe und EU, an das Institut geholt und mittlerweile auch ein Verbundprojekt zum Leberkrebs, meinem Spezialgebiet eingeworben. An weiteren Verbundanträgen und Initiativen z.B. zu Weichteil-, Pankreas- und Lungentumoren sowie zur Stammzellforschung sind wir beteiligt. Bespielhaft für unsere Kooperationen mit der Grundlagenforschung möchte ich unsere zahlreichen Projekte mit dem DKFZ hervorheben. So werden allein sechs gemeinsame Projekte vom Tumorzentrum Heidelberg-Mannheim gefördert und eine gemeinsame Nachwuchsgruppe ist sowohl am DKFZ als auch an unserem Institut angesiedelt. In der klinischen Forschung sind wir an zahlreichen Studien beteiligt und wir erhoffen uns von der Aufnahme eigener Studien durch das NCT und neuen Initiativen des Koordinationszentrums für Klinische Studien (KKS) einen weiteren Zuwachs.
Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?
Wir haben mit enormen Anstrengungen innerhalb kurzer Zeit einen Spitzenplatz in der deutschen Pathologie erreicht. Diesen dauerhaft zu halten ist eine große Herausforderung, die wir nur dann meistern können, wenn dieses Ziel auch von Klinikum und Fakultät gestützt und in das Institut investiert wird. Erfreulich aber auch eine besondere Beanspruchung sind unsere beständig steigenden Einsendezahlen, z.B. 10 Prozent im letzten Jahr bei den klinikinternen Fällen, und der zunehmende Zeitdruck durch die kurzstationäre Patientenversorgung; hier ist unser Institut mittlerweile an seiner personellen Belastungsgrenze angelangt. Mittelfristig streben wir den Aufbau eines Molekularpathologischen Zentrum an; dies ist eines der wichtigen Entwicklungsfelder der Pathologie und wir arbeiten hier bereits gut mit unseren auswärtigen Kollegen zusammen. Die bereits hervorragende Kooperation mit dem NCT und mit Forschungsgruppen im Klinikum und DKFZ werden wir weiter ausbauen. Auf wissenschaftlichem Gebiet werden wir den eingeschlagenen Weg weiter fortsetzen und ein besonderes Augenmerk auf die Unterstützung und Initiierung von Verbundforschungsinitiativen legen. Schließlich hoffen wir, dass in diesem Jahr die Leitung der Abteilung Neuropathologie neu besetzt werden kann. Von ihrer Besetzung hängt nicht nur der Wiederaufbau der Abteilung in Krankenversorgung und Forschung, sondern auch die wichtige Zusammenarbeit mit dem NCT und dem DKFZ auf diesem Gebiet ab. Gelöst werden muss die Gebäudesituation. Trotz aller Renovierungsbemühungen ist unser Institutsgebäude hoffnungslos veraltet und genügt modernen Funktions- und Sicherheitsansprüchen nicht mehr. Wenn nicht innerhalb kurzer Frist Abhilfe in Form einer Neubaulösung oder Grundsanierung geschaffen wird, ist eine Weiterentwicklung aus räumlichen und technischen Gründen ausgeschlossen. Auch unsere EDV ist veraltet; hier sind erhebliche Verbesserungen möglich, die jedoch nicht in unserer Macht stehen sondern von der weiteren Entwicklung des Klinik-Informationssystems abhängen. (at)
Ein-Euro-Jobber in der Pathologie
Als erste Forschungseinrichtung in Deutschland hat das Heidelberger Uniklinikum den Einsatz von Ein-Euro–Jobbern in der Wissenschaft geprobt – und für gut befunden: Drei Medizinisch-TechnischeAssistenten (MTA), berufserfahren, aber schon seit Jahren arbeitslos, haben so den Wiedereinstieg in die Berufstätigkeit geschafft. Am Pathologischen Institut haben sie sich für ihre weitere Zukunft fit gemacht. Sie wurden in Projekten beschäftigt, die sonst nicht so zeitig hätten anlaufen können. Die Ein-Euro-Jobber haben die Gelegenheit genutzt, ihr Wissen aufzufrischen und neue Arbeitstechniken im Labor zu erlernen. Sechs Monate lang waren sie maximal 30 Stunden wöchentlich beschäftigt und erhielten zu ihrem Arbeitslosengeld 120 Euro. „Wir sourcen keine Tätigkeiten der Grundversorgung oder gar Krankenversorgung aus“, betonte Professor Peter Schirmacher, Geschäftsführer des Pathologischen Instituts.
Quelle, Mannheimer Morgen 15. März 2006
Ein-Euro-Jobber bewähren sich in der Forschung
Echte Chance für einen Wiedereinstieg
Am Universitätsklinikum Heidelberg werden erstmals in Deutschland 1-Euro-Jobber in der Forschung eingesetzt / Medizinisch-Technische Assistenten konnten sich qualifizieren
Als erste Forschungseinrichtung in Deutschland hat das Universitätsklinikum Heidelberg
1-Euro-Jobs in der Wissenschaft erprobt - mit Erfolg: Drei Medizinisch-Technische Assistenten (MTA) berufserfahren, jedoch seit Jahren ohne Arbeit, konnten sich am Pathologischen Institut des Klinikums für ihre berufliche Zukunft fit machen und haben zum Teil den Einstieg in reguläre Arbeitsverhältnisse schon wieder geschafft. Sie wurden in Forschungsprojekten beschäftigt, die wegen der zeitaufwendigen Begutachtung durch die Förderorganisationen sonst nicht so zeitig hätten anlaufen können. Partner des Instituts sind die Heidelberger Dienste, eine Ausgründung der örtlichen Agentur für Arbeit.
"Ein-Euro-Jobber sind nicht immer Hilfskräfte, sondern mitunter auch gut motivierte Fachkräfte", erklärt Professor Dr. Peter Schirmacher, Geschäftsführender Direktor des Pathologischen Instituts. "Wir schauen uns die Bewerber vorher genau an und haben bisher gute Erfahrungen gemacht". Nach Jahren der Arbeitslosigkeit bietet ihnen der 1-Euro-Job die Chance, Wissen wieder aufzufrischen, neue Arbeitstechniken im Labor zu erlernen und damit für den Arbeitsmarkt wieder attraktiv zu werden. Die Rahmenbedingungen sind sechs Monate lang maximal 30 Stunden Arbeit wöchentlich und 120 Euro pro Monat zusätzlich zum Arbeitslosengeld.
Die Qualifizierung funktioniert, wenn die Mitarbeiter Engagement zeigen. Ein MTA konnte in einen regulären, befristeten Vertrag übernommen werden; ein zweiter fand selbst eine neue Arbeitsstelle. Auch im Bereich der Hilfsdienste konnte das Modell im Pathologischen Institut mit Erfolg umgesetzt werden: Ein 1-Euro-Jobber wurde bereits für ein weiteres Jahr regulär übernommen.
Mit dem Personalrat des Klinikums konnte Einvernehmen darüber erzielt werden, dass hier Arbeitssuchenden eine echte Perspektive geboten wird, die nicht auf Kosten der regulär beschäftigten Mitarbeiter geht. "Wir sourcen keine Tätigkeiten der Grundversorgung oder gar der Krankenversorgung aus", betont Professor Schirmacher. "Es handelt sich um Projekte , die sonst liegen bleiben müssten." Tätigkeiten in der Wissenschaft erfüllen oft alle Bedingungen, die an die Einstellung von Ein-Euro-Jobbern geknüpft seien, sagt der Heidelberger Pathologe und empfiehlt dieses Arbeitsmarktsinstruments zum Nutzen aller Beteiligten auch seinen Kollegen an anderen wissenschaftlichen Einrichtungen.
Rückfragen an:
Prof. Dr. Peter Schirmacher
Pathologisches Institut der Universität Heidelberg
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Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg
Nr. 54 / 2006
14. März 2006
Tumor-Genen auf der Spur
Bahnbrechende Forschungsergebnisse Heidelberger Pathologen
(RNZ) Wissenschaftlern des Pathologischen Instituts am Uniklinikum Heidelberg unter Leitung von Professor Peter Schirmacher ist es gelungen, die Bedeutung bestimmter Gene zu entschlüsseln, die das Wachstum und das Übergreifen von bösartigen Lebertu¬moren auf gesundes Gewebe steuern. Damit können diese Tumoren genauer charakterisiert werden und in Zukunft möglicherweise auch zielgerichteter behandelt werden.
Für ihre erfolgreichen Arbeiten wurden die Heidelberger Wissenschaftler in diesem Jahr mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von der Arbeitsgemeinschaft Gastroenterologische Onkologie (AGO), der Deutschen Ge¬sellschaft zum Studium der Leber (GASL) sowie der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP). In einer gerade publizierten Arbeit im „International Journal of Cancer" befassen sie sich zudem mit Aktivitäten von Genen in Lebermetastasen.
Leberkrebs entsteht häufig aus einer Leberzirrhose; dabei wird das Lebergewebe all¬mählich durch wucherndes Bindegewebe ersetzt. Dies kann Folge einer chronischen Infektion mit dem Hepatitis-B- oder C-Virus sein. Bösartige Lebertumoren sind aggressiv,die bisherigen Behandlungsmöglichkeiten dagegen nur begrenzt. Lebertumor ist jedoch nicht gleich Lebertumor: Bösartige Tumoren unterscheiden sich in der Aktivität von Genen, die ungebremstes Wachstum auslösen. Diese Gene sind deshalb wichtige Ansatzpunkte für neue, zielgerichtete Therapien, die das Wachstum des Tumors stoppen sollen. Insofern kann es als bahnbrechend angesehen werden, dass es dem Team von Professor Schirmacher gelang, verschiedene Subtypen von Lebertumoren mit Hilfe so genannter cDNA-Microarrays, die auch als Gen-Chips bekannt sind, zu unterteilen.„Dass die Gene bei Lebertumoren bzw. bei Lebermetastasen so unterschiedlich aktiv sind, bietet eine viel versprechende Grundlage für neue diagnostische und therapeutische Maßnahmen", erläutert Schirmacher. Denn wenn sich die Tumoren molekularbiologisch fundamental unterscheiden, könnte dies künftig ausschlaggebend für eine genspezifische Therapie sein. Die Wissenschaftler möchten nun spezifische auf die molekularen Entstehungsmechanismen abgestimmte Therapien entwickeln und diese in den nächsten Jahren in klinischen Studien testen.








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