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Medizinische Psychologie
Zentrum für Psychosoziale Medizin


Psychologische Beratung bei Nierentransplantation und Nierenlebendspende


 

 

Arbeitsgruppe: Prof. Dr. J. Schweitzer, Dr. med. M. Seidel-Wiesel, Prof. Dr. med. Dipl.Psych. R. Verres

 

 

Kooperationspartner: Prof. Dr. Zeier, Abt. Nephrologie/Dialyse, Innere Medizin I; Prof. Dr. med. J. Schmidt, Sektion Nierentransplantation Chirurgische Klinik, seit 1996 (ohne Fremdmittel).

 

 

1. Das Heidelberger Beratungskonzept:

Medizinpsychologische Evaluation vor Nierenlebendspende und psychologische Betreuung nach Transplantation.

Gute Ergebnisse und wachsende Akzeptanz der Lebendspende, steigender Spenderbedarf und mehr Rechtssicherheit durch das Transplantationsgesetz von 1997 haben zur vermehrten Anwendung der Nierenlebendspende beigetragen. Die Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass neben medizinischen auch psychologische Aspekte bei der Vorbereitung und Betreuung von Empfängern und Spendern im Rahmen der Lebendspende von Bedeutung sind. Auf Initiative der Heidelberger Nierentransplantationsmediziner (Nephrologen und Urologen) haben wir seit 1996 ein Beratungskonzept entwickelt, das die psychosozialen, medizinischen, ethischen und rechtlichen Aspekte der Lebendnierenspende berücksichtigt und im Klinikalltag gut umsetzbar ist. Das Konzept umfasst die Vorbereitung von Empfänger und Spender auf die Transplantation und seit 2000 auch die Nachbetreuung für Nierentransplantierte und Lebendspender. Unsere Aufgabe besteht dabei sowohl in der psychologischen Entscheidungsberatung vor als auch in der ressourcenorientierten Intervention nach Transplantation. Von Juni 1996 bis Juli 2002 führten wir mit 69 Spender-Empfänger-Kandidatenpaaren ein Gespräch vor der Lebendspende. Das Vorbereitungsgespräch ist verbindlich für alle Spender-Empfänger-Paare und findet zeitlich etwa in der Mitte der medizinischen Abklärungsphase statt. Am Gespräch nehmen Medizinpsychologen und Organmediziner teil (dichte medizinisch-psychologische Kooperation), sowie auf Wunsch weiter Familienangehörige (Familienberatungsansatz). Inzwischen bieten wir Empfängern und Spendern die Möglichkeit der postoperativen psychologischen Betreuung an. Von 1999 bis 2002 wurde dieses Angebot 7 mal in Anspruch genommen. (davon eine Lebendspende). Hauptprobleme waren Angstanfälle und Depressionen. Vier mal bestand vor der Lebendspende der Wunsch nach einem zusätzlichen Beratungsgespräch vor der Transplantationsentscheidung.

 

 

2. Forschungsprojekte zum Heidelberger Beratungskonzept:

In einer Vorstudie werteten wir zunächst die Vorbereitungsgespräche aus, die wir seit 1996 bis März 2001 mit Empfängern und Spendern geführt hatten. Hierzu lagen Gesprächsprotokolle der Psychologen und prognostische Verlaufseinschätzungen der teilnehmenden PsychologInnen und MedizinerInnen vor. Erste Ergebnisse haben wir auf dem 10. Kongress der Deutschen Transplantationsgesellschaft in Heidelberg (11/01) und der 6. Arbeitstagung Transplantationsmedizin in Essen (12/02) vorgestellt. In einer weiteren Studie, zu der vier psychologische Diplomarbeiten vergeben wurden, wollen wir die folgenden Fragen beantworten: Wie erleben Spender und Empfänger die medizinische und psychologische Betreuung? Wie geht es Spendern und Empfängern nach einer Nierenlebendspende? Lassen sich Voraussagen über den medizinischen und psychologischen Verlauf bei Nierenlebendspende machen? Wie können wir unser Beratungsmodell optimieren? Stichprobe: alle Empfänger-Spender-Paare, die seit Juni am psychologischen Vorbereitungsgespräch teilgenommen haben und die vor mindestens einem Jahr operiert wurden (N=45). Erhebungsinstrumente: ein halbstandardisiertes, videografiertes Interview mit Spender und Empfänger gemeinsam. Fragebogen: ESRD-SCLtm (Franke), Veränderungsfragebogen nach Lebend-Tx (Schneewind), FB-Z ( Cierpka), BSI (Franke), SF-36 (Bullinger) F-Sozu (Fydrich), subjektive Verlaufskurven zur Selbsteinschätzung (Schweitzer, Seidel-Wiesel). Die Auswertungen werden voraussichtlich im Oktober 2002 abgeschlossen sein. Aufgrund der Ergebnisse der Vorstudie konnten wir unser Beratungskonzept weiter optimieren und beginnen zur Zeit mit einer Follow-up-Studie im Rahmen der aktuellen Vorbereitungsgespräche.

Zur homepage der Nierenspende-Beratung geht es hier.

 

Projektbezogene Publikationen:

 

  • Zeier M, Wiesel M, Schweitzer-Rothers J, Seidel-Wiesel M, Hergesell O, Ritz E, (2002), “Nierenlebendspende” Cir Gastroenterol 2002; 18 (Suppl): 1-5.
  • Schweitzer J, Seidel-Wiesel M, Verres R, Wiesel M: Psychological consultation before living kidney donation: finding out and handling problem cases. Transplantation. 2003 Nov 27;76(10):1464-70.
  • Seidel-Wiesel M, Schweitzer-Rothers J: Das Heidelberger Beratungskonzept zur Nierentransplantation: Medizinpsychologische Evaluation vor Lebendnierenspende und psychologische Betreuung nach Transplantation. In: Beiträge der Psychosomatik zur Transplantationsmedizin” Essener Tagungsdokumentation Nr. 4. Erim, Schulz (Hrsgb.) Pabst  Science Publishers, Lengerich 2003.
  • Schweitzer J, Seidel-Wiesel M, Verres  R: Donor-recipient interaction: the Heidelberg model of evaluation and consultation. Nephrol Dial Transplant. 2004 Jul;19 Suppl 4:iv75-8.
  • Heck G, Schweitzer J, Seidel-Wiesel M: Psychological effects of living related kidney transplantation - risks and chances. Clin Transplant. 2004 Dec;18(6):716-21.
  • Seidel-Wiesel M: Nierentransplantation und Lebendspende- Medizinpsychologische Aspekte. Dialyse aktuell. 2005; 1: 38-42.

 

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