Schulkonzept
Stand Juli 2002
Albert Schweitzer
Die Klinikschule Heidelberg unterrichtet Schülerinnen und Schüler während ihres Aufenthalts in der Universitätsklinik Heidelberg. Unterrichtet werden alle Schularten und Klassenstufen.
Rahmenbedingungen
Die Klinikschule Heidelberg ist eine öffentliche Schule des Landes Baden-Württemberg mit dem zuständigen Regierungspräsidium Karlsruhe und dem staatlichen Schulamt Heidelberg.
Sie hat zwei Abteilungen und Förderschwerpunkte:
- Unterricht und individuelle schulische Betreuung körperlich kranker Schülerinnen und Schüler auf verschiedenen Stationen der Universitäts-Kinderklinik und der Chirurgischen Klinik
- Unterricht und individuelle schulische Betreuung für die Schülerinnen und Schüler der Psychiatrischen Klinik.
Die Unterrichtsituation
Unsere Unterrichtssituation ist gekennzeichnet durch
- Schulpädagogik innerhalb der medizinischen Vorgaben
- Berücksichtigung des Patientenstatus unserer Schüler und Schülerinnen
- Störungen des Unterrichts durch klinische Unterbrechungen
- Zusammenarbeit mit den Heimatschulen
- relativ kurze Zeiträume der unterrichtlichen Förderung
- hohe Schülerfluktuation
- Konzentration auf ein ausgewähltes Fächerangebot
- individuelle bzw. sonderpädagogische Förderbedürfnisse
- Räumliche Trennung der Klinikschule
- Kooperation mit außerschulischen Systemen
Die Unterrichtsituation in der Kinderklinik/Chirurgischen Klinik
Im Gebäudekomplex der Chirurgischen Klinik und der Kinderklinik werden die Kinder und Jugendliche unterrichtet, die aufgrund einer akuten oder chronischen körperlichen Erkrankung stationär behandelt werden.
Das Lehrerkollegium setzt sich aus Lehrerinnen und Lehrern aller Schularten zusammen. Für einzelne oder mehrere Stationen ist eine Stationslehrerin/ein Stationslehrer zuständig. Die Stationslehrerin / der Stationslehrer widmet sich allen auf den Stationen anfallenden unterrichtlichen, kommunikativen und organisatorischen Aufgaben.
Abhängig vom Stationsablauf findet der Unterricht vor- und nachmittags statt. Der Klinikunterricht findet entweder in den Schulzimmern, die - soweit vorhanden - den Stationen angegliedert sind, oder direkt in den Krankenzimmern statt. Dadurch wird für die Schülerinnen und Schüler eine Trennung zwischen Therapie und Unterricht nicht immer erfahrbar.
Sofern eine Gruppenbildung möglich ist, soll der Unterricht in kleinen Gruppen von Schülerinnen und Schülern stattfinden. Die Schulräume sind mit den notwendigen Arbeits- und Unterrichtsmaterialien einschließlich Computern ausgestattet; außerdem besteht Zugang zum Internet. Für den Unterricht am Krankenbett stehen z.T. Laptops zur Verfügung.
Die Unterrichtsituation in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Kinder und Jugendliche, die sich aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung oder schwerwiegenden Schwierigkeiten im Lern- und Sozialverhalten in stationärer Behandlung befinden, werden in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie unterrichtet. Der Unterricht findet in einem separaten Schulgebäude statt. Durch den Weg von Station zur Schule wird für die Kinder und Jugendlichen die Trennung zwischen Therapie und Unterricht erfahrbar.
Unser Leitbild
Wir wollen durch unsere pädagogische Arbeit die schulischen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schülerinnen und Schüler verbessern sowie deren Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein stärken und damit zum Gesundungsprozess beitragen.
Schulische Förderung verstehen wir als Begleitung und Beratung unter Akzeptanz individueller Lernwege der Schülerinnen und Schüler.
Durch Beobachtung und Beratung wollen wir dazu beitragen, neue Optionen in schwierigen schulischen Situationen zu ermöglichen und dadurch die schulische und soziale Integration zu fördern.
Unsere pädagogischen Leitlinien
Unsere Schülerinnen und Schüler haben sich krankheitsbedingt von der schulischen Normalität entfernt. Es ist unser Ziel, auch in der Klinik den Lebensbereich Schule nach den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zum Förderschwerpunkt Unterricht kranker Schülerinnen und Schüler aufrecht zu erhalten (vgl. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 20.03.1998). Der Unterricht stellt im Klinikalltag für die Kinder und Jugendlichen einen stabilisierenden Teil der kindlichen „Alltagsnormalität" dar, bietet aber darüber hinaus einen speziellen Rahmen, der die Schülerinnen und Schüler trotz krankheitsbedingter Auffälligkeiten und Belastungen zum Lernen motiviert und Ihre Reintegration vorbereitet. Dabei werden die aktuelle Krankheitssituation, daraus resultierende Einschränkungen, die aktuellen Probleme, Bedürfnisse und Vorlieben der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Ziel ist es, den Anschluss an den Leistungsstand der Stammschule zu halten. Unser pädagogischer Auftrag der Ganzheitlichkeit erfordert die erzieherische Auseinandersetzung mit (krankheitsbedingten) Auffälligkeiten des Lernens und Verhaltens und strebt eine umfassende Bildung der Persönlichkeit an. Lernen soll in einem möglichst angstfreien und von guter Beziehung geprägten Lernklima stattfinden. In offenen Unterrichtsformen sind weniger die quantifizierbaren Lernergebnisse von Interesse als die Wahrnehmung individueller Lernwege. Lernfortschritte können individuell ermittelt und verfügbar gemacht werden ohne störende Gruppenvergleiche einer regulären Klasse.
Lehr- und Lernstrategien und die Vermittlung von Arbeitsweisen zur systematischen Beschaffung, Strukturierung und Nutzung von Informationen und Materialien unterstützen Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit, Kommunikationsfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit und die Fähigkeit zur realistischen Einschätzung der eigenen Kompetenzen und Möglichkeiten.
Eine den Lernprozess begleitende Beobachtung bildet die Grundlage für umfassende Beratung und vielfältige Hilfen zur schulischen und sozialen Integration.
Der Unterrichtsablauf
Der Unterricht findet nach Möglichkeit in Absprache der jeweiligen Stammschule statt und richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen und Befindlichkeiten der erkrankten Schülerinnen und Schüler. Der Unterricht verläuft entsprechend den Klinikabläufen und interdisziplinären Absprachen (Physiotherapie, medizinische Maßnahmen, psycho-soziale Betreuung, Besuch von Angehörigen und Freunden). In den Unterrichts- und Krankenzimmern ist es oft nicht leicht, eine konzentrierte Lernatmosphäre herzustellen, da der Unterricht wegen des Vorrangs der medizinischen Maßnahmen häufig unterbrochen oder verschoben werden muss. Die Schulzimmer werden häufig wegen Raummangels in der Klinik von mehreren Berufsgruppen gleichzeitig genutzt. Daher ist von allen am Unterricht Beteiligten ein hohes Maß an Flexibilität und Einfühlungsvermögen erforderlich. Die Klinikschullehrer/innen begegnen häufig belastenden Situationen von Angst, Schmerz, Tod und Trauer.
Die Aufgaben der Kliniklehrer/innen
Die Aufgaben der Kliniklehrer/innen sind:
- Organisation und Durchführung des Unterrichts in den einzelnen Klinikstationen
- Individuelle pädagogische Betreuung
- Kontakte mit den Stammschulen
- Organisation von Hausunterricht sowie Stütz- und Fördermaßnahmen nach der akuten Erkrankung
- Hilfen zur Integration in die Stammschulklasse nach dem Klinikaufenthalt
- Beratung der Eltern
- Beratung zur weiteren Schullaufbahn
- Kollegiale Zusammenarbeit und Absprachen
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern medizinisch-pflegerischer und psycho-sozialer Berufe und anderer Fachbereiche der Klinik
- Teilnahme an interdisziplinären Sitzungen und Dienstbesprechungen
- Weiterbildung in pädagogischen und medizinischen Fachgebieten
Das Unterrichtsangebot
Der Stundenplan der Schülerinnen und Schüler richtet sich nach ihrem individuellen Befinden und den Stationslabläufen. Der Unterricht umfasst 5 - 20 Wochenstunden. In Einzelfällen, vor allem zu Beginn des Klinikaufenthalts, kann der Unterrichtsumfang aus therapeutischen Gründen auf ein geringeres Unterrichtsmaß eingeschränkt werden.
Der Unterrichtsvormittag muß nicht in 45-Minuten-Einheiten gegliedert sein, sondern wird durch die verschiedenen Unterrichtsarrangements rhythmisiert.
Vorrangig werden die Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen unterrichtet. Pädagogisches Arbeiten in den Schulen für Kranke beinhaltet Diagnostik und Beratung.
Die pädagogische Diagnostik stützt sich vorwiegend auf die Beobachtung der Schülerin/des Schülers während des Unterrichts in bezug auf Selbstkonzept, Stärken, Kenntnisse, Sozialkompetenz, Lernverhalten, Leistungsvermögen, Förderbedarf.
Formen der Kooperation
Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern, den Therapeuten und Klinikmitarbeitern aus dem psycho-sozialen Dienst soll der Anschluss der Schülerinnen und Schüler an ihre Stammschule erhalten werden oder ein adäquater Wechsel der Schullaufbahn eingeleitet und ein geeigneter Lernort gefunden werden. Die Lehrerinnen und Lehrer reflektieren täglich das Geschehen im Unterricht. Einmal wöchentlich findet eine Lehrerkonferenz statt. Während des Klinikaufenthalts wird regelmäßiger Kontakt mit den Erziehungsberechtigten gehalten. Dies fördert eine gemeinsame Verantwortung für den Schüler.
Bei längerem Aufenthalt in der Klinik wird telefonischer Kontakt mit den Lehrern der Stammschule gehalten, sodass nach Möglichkeit Anschluss der Leistungsstand der Klasse erhalten werden kann. Je nach Bedarf werden von der Klinikschule Schulberichte oder Notenvorschläge erstellt.
Einmal wöchentlich findet eine Besprechung im Rahmen des psycho-sozialen Dienstes statt. Hier werden die Beobachtungen von Klinikschule und Stammschule, die aktuelle Krankheitssituation und das Verhalten der Kinder bzw. Jugendlichen auf Station besprochen.
Die Schulleiterin trifft sich in regelmäßigen Abständen mit dem Leitungsteam der Klinik, um aktuelle Themen zu besprechen.
Die örtlichen Selbsthilfegruppen und der Förderverein Klinikschule Heidelberg unterstützen die Klinikschule Heidelberg in ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag. Auf diesem Weg erhalten private Förderer (Spender, Sponsoren, Eltern, Betroffene u.a.) die Möglichkeit, die Bildungsarbeit der Klinkschule finanziell und ideell zu unterstützen.
Unser Medienentwicklungsplan
Die Vision
Schüler und Lehrer der Klinikschule Heidelberg nehmen am Wandel zur Wissens- und Informationsgesellschaft teil und gestalten ihn zum Wohle aller Beteiligten.
Unser Leitbild
Wir verpflichten uns, die Schülerinnen und Schüler in den neuen Medienwelten nicht allein zu lassen.
Wir wollen verhindern, dass unsere Schüler/Innen in der Flut interessengeleiteter Informationen versinken.
Wir stellen uns der medienpädagogischen Herausforderung, unseren Schüler/Innen einen verantwortungsvollen Umgang mit neuer Medientechnik zu vermitteln.
Wir wollen sie stark machen gegen multimediale Verführungen.
Wir verstehen dies als aktive pädagogische Medienarbeit verbunden mit der Hoffnung auf eine Demokratisierung des Wissens.
Unsere strategischen Ziele

- Wir wollen unseren Schüler/Innen neben Rechnen, Schreiben und Lesen als vierte Kulturtechnik und den Umgang mit Informationstechnologien vermitteln.
- Wir wollen vernetztes, entdeckendes Lernen fördern.
- Wir wollen durch den Einsatz neuer Medien das Verstehen, das Einordnen in Zusammenhänge und problemorientiertes Lernen verbessern.
- Vor dem Hintergrund zunehmender Kommerzialisierung und Trivialisierung des Internets wollen wir die Schüler/Innen unterstützen, sich in der Flut an Informationen zu orientieren. Wir helfen ihnen die „Datenautobahnen" zu nutzen, die für ihre Entwicklung förderlich sind.
- Wir wollen in einer vernetzten Klinikschule das Intra- und Internet als Arbeitsgrundlage nutzen und von ihren Kommunikations-, Kooperations- und Lernmöglichkeiten Gebrauch machen.




