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Forschungsstelle für Psychotherapie
ZPM

Versorgungsforschung

 

Projekt "Integrierte Versorgung" - Verbesserung der psychosozialen Versorgung durch ein Netzwerk für Psychotherapie

 

K. Lindenberg, H. Kordy in Kooperation mit B. Krähmer und L. Cichella, Panorama Fachkliniken Scheidegg für Psychosomatik, psychotherapeutische Medizin, Naturheilverfahren und Traditionelle Chinesische Medizin

 

Das Angebot "Integrierte Versorgung" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Techniker Krankenkasse, den Panorama Fachkliniken Scheidegg, niedergelassenen Psychotherapeuten aus der Region Allgäu / Schwaben und der Forschungsstelle für Psychotherapie Heidelberg.

Dahinter verbirgt sich ein einfaches Konzept, dessen Effektivität überprüft werden soll: die drei Leistungsbereiche des Gesundheitswesens - die ambulante, die stationäre und die rehabilitative Versorgung von Patientinnen und Patienten- sollen besser vernetzt werden. Durch den verbesserten Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten und der gemeinsamen Arbeit an klar definierten Therapiezielen soll die Versorgung effizienter werden.

Teilnehmende TK-Versicherte profitieren durch eine schnellere Aufnahme zur stationären Behandlung mit kürzerer Aufenthaltsdauer, eine Lückenlose ambulante Weiterbehandlung sowie eine kürzere Behandlungsdauer. Für die beteiligten ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten der Panorama Fachklinik Scheidegg sowie niedergelassenen Psychotherapeuten der Region Allgäu / Schwaben ergibt sich ein einfacher Dokumentationstransfer für Vor- und Nachbehandlung sowie regelmäßige Qualitätssicherung und Fallseminare. Der gesamte therapeutische Prozess wird von der Forschungsstelle für Psychotherapie Heidelberg begleitet und evaluiert. Die Behandler erhalten eine Rückmeldung über den Gesundheitszustand der Patienten und den Therapieverlauf. Die internet-gestützte Kommunikationsplattform umfasst ein Dokumentenmanagementsystem, ein Forum und die Möglichkeit, z.B. Fallbesprechungen mittels Chatraum zu veranstalten. Die gesamte Behandlung orientiert sich an den qualitätsgesicherten Leitlinien. Das Projekt läuft seit Anfang 2008 und wird 3 Jahre dauern.

 

 

 

Inanspruchnahme psychotherapeutischer Behandlungen im Anschluss an eine stationäre Behandlung

 

S. Bauer, M. Wolf, V. Golkaramnay, S. Haug, C. Gallas & H. Kordy

 

Im Rahmen des Projektes "Internet-Brücke" wurden die Chatteilnehmer und die Vergleichsgruppe 12 Monate nach Ende der stationären Therapie mit dem LIFE (Longitudinal Interval Follow-up Evaluation) interviewt. Ausgehend von zeitlich datierbaren biografischen und psychopathologischen Veränderungspunkten (change points), erlaubt dieses semi-strukturierte Interview eine wöchentliche Bestimmung des Schweregrades der Psychopathologie nach DSM-IV. Darüber hinaus ermöglicht das LIFE die Erfassung der Inanspruchnahme psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlungen nach der stationären Behandlung.

191 (n = 97 Chatteilnehmer, n = 94 Kontrollgruppe) von insgesamt 228 Probanden (n = 114 Chatteilnehmer, n = 114 Kontrollgruppe) wurden telefonisch von geschulten Interviewern mit dem LIFE befragt. Während die Inanspruchnahmerate verschiedener Psychotherapieformen bei den Chatteilnehmern bei 53,6% liegt, liegt sie bei der Vergleichsgruppe bei 62,8%. Darüber hinaus unterscheiden sich die beiden Gruppen bezüglich des Medikamentengebrauches. Dieser wurde bei 55,9% der Chatteilnehmer und bei 60,4% der Probanden der Vergleichsgruppe festgestellt. Vergleicht man die beiden Gruppen im Hinblick auf ihren Gesundheitszustand (Auffälligkeitsrate) und ihre Therapieinanspruchnahme ein Jahr nach der Entlassung, zeigt sich ein positives Bild für die Chatteilnehmer. Während die Quote der Probanden mit einer zusätzlichen Psychotherapie und einem relativ zur Aufnahme in der Klinik verbesserten Gesundheitszustand ein Jahr nach der Entlassung bei den Chatteilnehmern leicht höher liegt (77,5%) als in der Vergleichsgruppe (75,8%), ist eine Verbesserung ohne zusätzliche Psychotherapie bei 65,4% der Chatteilnehmer und 41,7% der Vergleichsgruppe zu verzeichnen. Offensichtlich profitieren besonders die Patienten ohne eine zusätzliche Psychotherapie von der Teilnahme an der Internetbrücke.

 

 

 

Zufriedenheit mit dem Versorgungssystem bei ambulanten Psychotherapiepatienten

 

B. Puschner, S. Kraft, S. Bauer & H. Kordy

 

Im Zuge der wachsenden Patientenorientierung findet die  Patientenzufriedenheit im Bereich der Qualitätssicherung und Versorgungsforschung zunehmend Beachtung. Ihr Stellenwert als Qualitätsindikator bleibt jedoch strittig. Generell berichten bisherige Studien sehr hohe Zufriedenheitsraten für den Bereich der Psychotherapie. Sowohl Prädiktoren der Zufriedenheit als auch ihr longitudinaler Verlauf sind jedoch weitgehend unklar.

Unter Verwendung der Daten der TRANS-OP Studie wurden die Ausprägung, der Verlauf und mögliche Prädiktoren der Patientenzufriedenheit im ambulanten Setting analysiert. Zufriedenheit wurde mittels der acht Items des ZUF-8 erfasst (Min = 8, Max = 32).

Die Ergebnisse zeigten, in Übereinstimmung mit früheren Studien, hohe Zufriedenheitsraten: Zu den neun Erhebungszeitpunkten äußerten sich lediglich zwischen 10 und 17% der Patienten unzufrieden mit der erhaltenen ambulanten Therapie. Über den zweijährigen Erhebungszeitraum zeigte sich praktisch keine Veränderung in den Zufriedenheitswerten: Für ein unbedingtes hierarchisch lineares Modell der Entwicklung der Zufriedenheit über die Zeit (N = 654 Patienten) ergaben sich Schätzwerte von 26,94 Punkten für das Ausgangsniveau (vier Wochen nach Therapiebeginn) und –0,00046 Punkte für die monatlichen Änderungsrate (Steigung). Weder soziodemografische Merkmale noch die Therapieart oder die Diagnose erwiesen sich als prädiktiv für das Zufriedenheitsniveau nach den ersten vier Wochen der Behandlung. Das Zufriedenheitsurteil wurde hingegen von der initialen psychischen Beeinträchtigung und der Beziehungszufriedenheit bedeutsam beeinflusst: Patienten, die sich weniger beeinträchtigt beschrieben, gaben höhere Zufriedenheitswerte an. Ferner ging eine positive Einschätzung der Beziehung zum Therapeuten mit höheren Zufriedenheitswerten einher. Keiner der untersuchten Prädiktoren konnte einen Beitrag zur Vorhersage des Verlaufs der Zufriedenheitsscores über die Zeit leisten.

Insgesamt erweist sich die Patientenzufriedenheit als ein zeitlich stabiles Phänomen, für dessen Ausprägung die psychische Beeinträchtigung und die Qualität der therapeutischen Beziehung Vorhersagewert besitzen.

 

Literatur:

Puschner, B., Bauer, S., Kraft, S. & Kordy, H. (2005). Zufriedenheit von Patienten und Therapeuten mit ambulanter Psychotherapie. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 55, 517-526.

 

 

 

TK-Beratungschat und TK-Expertenchats

 

M. Wolf, V. Golkaramnay & H. Kordy  in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse

 

Der freie Zugang zum Internet begünstigt die rasche Verbreitung von Online-Angeboten im medizinischen und psychosozialen Bereich, deren Seriosität und Motivation nicht immer klar sind. Auf Seiten der Ratsuchenden ist daher Vorsicht bei der Nutzung solcher Angebote angebracht. Ziel eines Gemeinschaftsprojekts der Forschungsstelle mit den Panorama Fachkliniken Scheidegg und der Techniker Krankenkasse (TK) war daher die Entwicklung und Erprobung eines Online-Beratungsportals, über das die TK ihren Versicherten eine individuelle, fachkompetente psychosoziale Beratung anbieten kann.

Die Online-Beratung erfolgte in zwei Stufen: In einem offenen Chat konnten allgemeine Fragen zur psychosozialen Versorgung geklärt werden. Bei Bedarf wurden für die Klärung individueller Fragen, die in der Regel einen geschützten Raum verlangt, individuelle Chats angeboten. Eine offene Chat-Sitzung dauert 90 Minuten, eine individuelle Chat-Sitzung bis zu 15 Minuten. In der Studie wurden insgesamt vier offene und 38 individuelle Chat-Sitzungen durchgeführt. 60 Versicherte nahmen an einem der vier offenen Chats teil. 22 Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, in den angebotenen individuellen Chats ihre persönlichen Fragen zu klären. Für etwa zwei Drittel (n = 14) genügte eine Sitzung. Die übrigen nahmen an 2-4 Sitzungen teil. Von 26 Teilnehmern liegen Angaben über Geschlecht und Alter vor. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 37,6 Jahre alt (SD = 11,6). Der Frauenanteil betrug 65%, der Männeranteil 35%. Die Akzeptanz des Beratungsangebots wurde anhand von 6 Fragen eingeschätzt. Die Idee des Chats wurde von der überwiegenden Mehrzahl der Teilnehmer der offenen und allen Teilnehmern der individuellen Chats positiv beurteilt. Immerhin ein Drittel der Teilnehmer ist der Meinung, dass der offene Chat geholfen hat, bestimmte Fragen zu klären. Mit gut der Hälfte sind deutlich mehr der Ansicht, dass dies in den individuellen Chats gelingt. 67% der Teilnehmer gaben an, dass sie ihre Fragen sonst vermutlich keinem anderen Experten gestellt hätten. Knapp zwei Drittel (64%) der Teilnehmer äußern sich insgesamt zufrieden über das Angebot. Mit einem kurzen Fragebogen zum aktuellen Befinden (KPD-38) wurde die körperliche und psychosoziale Beeinträchtigung der Teilnehmer erfragt. Die überwiegende Anzahl derer, die den Fragebogen ausgefüllt haben, sah sich körperlich und psychisch beeinträchtigt. Lediglich in Bezug auf soziale Probleme und hinsichtlich der sozialen Unterstützung war die Beeinträchtigung weniger ausgeprägt.

Die positiven Erfahrungen aus diesem Projekt haben die Partner dazu bewogen, das Online-Beratungsangebot unter dem Titel „TK-Expertenchats“ auf andere Gesundheitsthemen auszuweiten. Mittlerweile wurden mit Unterstützung ausgewiesener Experten Chats zu den Themen „Haut & Hauterkrankungen“, „Arzneimittelsicherheit für Kinder“, „Selbstmedikation & Hausmittel“, „Asthma bei Kindern“, „Stillen“, sowie „Rückengesundheit“ angeboten.  

 

 

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