Projektleitung: Prof. Dr. Rolf Verres und Dr. Dietrich Klusmann
Projektlaufzeit: 1990 bis 1995 am UniversitätskrankenhausHamburg-Eppendorf, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung,Wissenschaft, Forschung und Technologie
In diesem Forschungsprojekt wurde die geistig-seelische Dimensionder Strahlentherapie bei Krebserkrankungen als Thema einer ganzenKlinik erforscht. Eine fünfköpfige Arbeitsgruppe ausMedizinpsychologen, einer Medizinsoziologin und einer Musiktherapeutinhatte 51/2 Jahre lang unter Leitung von Prof. Dr. Rolf Verres dieAufgabe, in der Abteilung Strahlentherapie desUniversitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf mit vorwiegend qualitativenForschungsmethoden ein möglichst umfassendes Bild der psychologischenDimension der Strahlentherapie aus der Sicht der Patienten und auch derBehandler zu gewinnen und zugleich psychologische Hilfen für alleBeteiligten zu entwickeln.
Neben semi-strukturierten Interviews und standardisierten Fragebögenwurden in erster Linie qualitative Feldnotizen der Forschungsgruppeausgewertet. Im Mittelpunkt stand die Bedeutung der"Atmosphäre" bei der Mensch-Technik-Interaktion.Gruppendynamische Prozesse der professionellen Kooperation wurdenexemplarisch am Beispiel der Bedeutung von Arbeitszufriedenheit vs.Unzufriedenheit, Hierarchie und Atmosphäre erforscht.
Am Beispiel von Medizinisch-technischen Assistentinnen konntegezeigt werden, wie der Umgang mit Gefühlen und mit Grenzerfahrungenein Betriebsklima erzeugen kann, welches sich unmittelbar auf diePatienten auswirkt. Auch ärztliche Aufklärungsgespräche wurden unterdem Aspekt der "Gefühlsarbeit" analysiert: neben dermedizinischen Problemlösung geht es zugleich um die existentielle Sorgedes Patienten. Der ärztliche Handlungsdruck, der auch zur Übertherapieführen kann, wurde daraufhin untersucht, wie er in Richtung auf mehrinnere Ruhe und Gelassenheit verändert werden kann, so daß diePatienten ein Gefühl von Aufgehobensein und Vertrauen entwickeln können.
Im "Mikrokosmos" der strahlentherapeutischenKrankenstation sowie bei der ambulanten Patientenbetreuung wurdenpsychodiagnostische Kategorien dargestellt (beispielweise zurUnterscheidung von Traurigkeit, Trauer und Depression), um einmöglichst differenziertes psychologisches Hilfsangebot auszuarbeiten.So kann beispielsweise die Strahlentherapie auch ein Anlaß zuassoziativen Erinnerungen sein und frühere Traumata reaktivieren, wennetwa bei den Bestrahlungen Angst vor räumlicher Enge auftritt.Ausführlich wurde erforscht, wie Entspannungs- und Imaginationsübungenzur Bewältigung von Nebenwirkungen und Spätfolgen der Therapieeingesetzt werden können.
Sehr ausführlich wurde auch untersucht, inwieweit Musiktherapie undHigh-Tech-Medizin miteinander vereinbar sind. Die ganz konkretemusiktherapeutische Arbeit mit schwerkranken und sterbenden Patientenbis in den Tod hinein wurde detailliert erforscht. Musiktherapie wurdehier eingesetzt zur Unterstützung der seelischen Lebenskräfte vonPatienten, aber auch zur Begleitung von Patienten in die innere Ruhe.
Projektbezogene Publikationen: Insgesamt gingen aus diesemForschungsprojekt etwa 50 wissenschaftliche Publikationen hervor, diezusammenfassend in dem Buch "Strahlentherapie im Erleben derPatienten" von R. Verres und D. Klusmann aufgeführt sind(Barth/Hüthig, Heidelberg 1997).
Projektleitung: Prof. Dr. E. Breitbart, Hamburg, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. R. Verres, Heidelberg
Projektlaufzeit: September 1992 bis August 1995; gefördert von der Deutschen Krebshilfe
Zieldieses Projekts war die Entwicklung eines psychosozialenBetreuungsmodells für Hautkrebspatienten unter besondererBerücksichtigung der besonderen Merkmale dieser Krebsart im Sinnespezieller Psychoonkologie. Gemeinsam mit der DeutschenDermatologischen Gesellschaft und der Deutschen Krebshilfe waren vorhervon Prof. Breitbart, Hamburg, und Prof. Verres bundesweiteAufklärungskonzepte für die Prävention und Früherkennung vonHautkrebserkrankungen entwickelt und evaluiert worden (z.B. dieBroschüre "Achtung Sonne"). In diesem Projekt wurdendie folgenden Fragestellungen wissenschaftlich bearbeitet:
a) Welchespezifische psychosoziale Unterstützung benötigen Melanompatienten? Essollten nicht nur Belastungen analysiert werden, sondern es solltenauch Interventionen entwickelt werden. Das Projekt diente derEntwicklung eines spezifischen psychosozialen Betreuungskonzepts fürden Umgang mit Belastungen vor, während und nach der dermatologischenBehandlung von Hautkrebserkrankungen.
b) Wie können wir diesenBedürfnissen institutionell gerecht werden? Die zu entwickelndenpsychosozialen Hilfestellungen richteten sich nicht nur auf dieKrebspatienten selbst, sondern gleichermaßen auf deren Angehörige, diebetreu-enden Ärzte, Krankenpflegepersonen und dasmedizinisch-technische Personal sowie die Therapeut-Patient-Beziehung.
c)Wie kann die Unterstützung optimal in die Präventionskonzepte, dieFrüherkennung und bereits die erste Behandlungsphase integriert werden?Die beiden Projektmitarbeiterinnen (Dr. med. Ina Lopau und Dipl.-Psych.Barbara Schulte-Karrasch) entwickelten Beratungskonzepte, diegleichzeitig in Form von Fortbildungsangeboten in der Dermatologie andie zuständigen Multiplikatoren weitergegeben wurden.
Grundlagenwaren Längsschnittuntersuchungen aufgrund persönlich geführterInterviews mit Melanompatienten unter Einbeziehung standardisierterErhebungsmethoden zur Lebenszufriedenheit, zur Krankheitsverarbeitung,zur erlebten Unterstützung und zur Lebensqualität. Ferner wurde einDokumentations- und Auswertungssystem für die psychologische Diagnostikund Interventionsplanung entwickelt. Zusätzlich wurden Experten ausdermatologischen und psychoonkologischen Tätigkeitsfeldern über ihreErfahrungen zum Erleben der Behandlung von Melanomkranken interviewt.
Abschlußbericht
Projektleitung: Prof. Dr. H-D Basler, Marburg
Projektmitarbeiterin: Dipl.-Psychologin Karin Peters, Heidelberg
Projektlaufzeit: Unsere Abteilung war in diesem multizentrischen Forschungsprojekt von 1990 bis 1994 Kooperationspartner.
Das Forschungsvorhaben wurde vom Bundesministerium für Forschung und Technologie (FKZ 0701508 9) mit einer halben BAT IIa-Stelle (190.000 DM) finanziert.
In vier schmerztherapeutischen Einrichtungen (Göttingen, Heidelberg, Frankfurt, Fredeburg) wurde Überprüft, ob ein standardisiertes kognitiv-behaviorales Gruppenprogramm zur ambulanten Behandlung chronischer Kopf- und Rückenschmerzen, das in Kombination mit medizinischen Behandlungsmaßnahmen durchgeführt wird, günstigere Effekte hinsichtlich der Reduzierung des Schmerzes, und der Verbesserung von Befinden, Beeinträchtigungen und Copingkompetenzen hervorbringt, als medizinische Behandlung allein. In diesem Rahmen wurden in unserer Abteilung von Frau Dipl.- Psych. Karin Peters und unter der Supervision von Frau Dipl.-Psych. Hanne Seemann jeweils 12-wöchige Therapiegruppen für Kopf- bzw. Rückenschmerzpatienten durchgeführt und mit Evaluationsforschung bis zur 6-monatigen Katamneseerhebung begleitet.
Projektbezogene Publikationen
Projektleitung: Prof. Dr. Dipl. Psych. Rolf Verres und Dipl. Psych. Hanne Seemann, in Zusammenarbeit mit der Universitäts-Frauenklinik, der Medizinischen Klinik, der Kopfklinik der Universität und der Schmerzambulanz der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg
Projektlaufzeit: 1992 bis 1995
Das Forschungsteam bestand aus einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin, zwei halben Methoden-Hilfskräften, 6 Doktoranden der Medizin und 2 Psychologie-Diplomanden.
Das Forschungsvorhaben wurde vom BMBF gefördert; Gesamtvolumen DM 325.509
Auf der Grundlage von Forschungsergebnissen eines vorausgegangenen zweijährigen Pilotprojektes über Krebsschmerzen wurde in diesem Forschungsvorhaben versucht, unzutreffende Vorbehalte von Patienten gegenüber der ärztlichen Schmerzbehandlung zu beeinflussen und die Eigenaktivität der Patienten zu stärken. Zwei Interventionen wurden angeboten: Eine Patientenbroschüre "Was Tumorpatienten über Schmerzen wissen sollten", die für das Projekt eigens entwickelt wurde und Patienteneinstellungen und Ängste thematisierte, die im Pilotprojekt als objektiv falsch bzw. subjektiv behindernd für die Schmerzbehandlung und Schmerzbewältigung gefunden worden waren; des weiteren ein ausführliches Anamnesengespräch über die Schmerzen des Patienten.
Die Studie wurde in einem Prä-Post-Design mit zwei Meßzeitpunkten im Abstand von 4-6 Wochen durchgeführt, mit drei verschiedenen Interventionen verteilt auf drei Patientegruppen, die entweder nur eine Patientenbroschüre erhielten, oder ein ausführliches schmerzanamnestisches Gespräch, oder beides. Als abhängige Variablen wurden untersucht: Einstellungen der Patienten zu ihren Schmerzen und der Schmerzbehandlung, Schmerzcoping, Selbstwirksamkeits- und Kontrollerwartungen, Depressivität, emotionale Beeinträchtigung, Schmerzbelastung, Schmerzbehandlung, Behandlungszufriedenheit. Es wurden insgesamt 193 Tumorpatienten einbezogen, in den Interventionsgruppen befanden sich 143 Patienten, zu 2/3 in einem späten Erkrankungsstadium und mit Schmerzen seit durchschnittlich mehr als zwei Jahren. Die verschiedenen Interventionen brachten differentielle Effekte hervor. Die Patientenbroschüre verbesserte den Kenntnisstand und konnte ablehnende Einstellungen zur Schmerzbehandlung verringern. Das anamnestische Interview verringerte die Schmerzbelastung und die Depressivität der Patienten und verbesserte ihre Zufriedenheit mit der Schmerzbehandlung, die sich in der "Broschürengruppe" verschlechtert hatte. Interaktionseffekte zwischen den beiden Interventionsarten traten kaum auf. Die therapeutischen Wirkungen des Anamnesengesprächs erscheinen uns beachtenswert. Als Ertrag des Projektes liegt eine hochgradig akzeptierte Patientenbroschüre vor, die inzwischen in hoher Auflage publiziert wurde (Titel: "Was Patienten mit einer Tumorerkrankung über Schmerzen wissen sollten").
1995 wurde der Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes einer Arbeit aus dem Projekt "Die Schmerzanamnese als therapeutisches Instrument" dem Projektteam (Hanne Seemann, Mechthild Hartmann und Friedhelm Topp) zuerkannt.
Projektbezogene Publikationen
Projektleitung: Prof. Dr. Thomas Fydrich, Psychologisches Institut der Universität Heidelberg und Dr. Bernt Schmitz, Abteilung für Medizinische Psychologie
Projektdauer: 1992–1994
Die Bad Dürkheimer Komorbiditätsstudie wurde in der Psychosomatischen Fachklinik Bad Dürkheim durchgeführt und verfolgte drei hauptsächliche Fragestellungen:
1. Untersuchung der Prävalenz und Komorbidität von Achse I Störungen (Syndrome) und Achse II Störungen (Persönlichkeitsstörungen) nach DSM-III-R bei 442 Patienten der Psychosomatischen Fachklinik Bad Dürkheim mit dem „Strukturierten Klinischen Interview für DSM-III-R“ SKID-I für die Achse der Syndrome und SKID-II für die Achse der Persönlichkeitsstörungen.
2 Untersuchungen zur Reliabilität und Validität des „Strukturierten Klinischen Interviews für DSM-III-R“: Interrater-Reliabilität des SKID-I, Interrater- und Retestreliabilität des SKID-II, gegenseitige Validierung des SKID-II und des Beckschen Fragebogens zur Diagnostik von kognitiven Schemata von Persönlichkeitsstörungen.
3. Untersuchung des Einflusses von komorbiden Achse I und Achse II Störungen auf den Behandlungserfolg bei ausgewählten Störungsbildern bzw. -gruppen (Angststörungen, depressive Störungen, somatoforme Formen und chronische Schmerzen, Bulimia nervosa, Adipositas). Zur Erfassung des Therapieerfolgs wurden spezifische symptomorientierte standardisierte Fragebögen zu verschiedenen Messzeitpunkten (Prae-Therapie, Post-Therapie, ½-Jahres-Katamnese) vorgelegt einschließlich eines speziell entwickelten Katamnesefragebogens.
Projektbezogene Publikationen
Projektleitung: Dr. sc. hum. Hiroshi Oda, M.A., Dr. sc. hum. Horst Scherg (Tel. 568143) und Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Rolf Verres.
Projektdauer: 1995 bis 1999
Das Projekt wurde durch ein Stipendium des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes sowie aus Stiftungsmitteln im Bereich der Krebsforschung der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg gefördert.
Die Spontanremission ist ein äußerst seltenes Phänomen bei Krebserkrankungen. Bisher wurde dieses Phänomen kaum wissenschaftlich untersucht. Eine systematische Erfassung der psychologischen Verarbeitung von Spontanremission kann subjektive Aspekte von Genesungsprozessen aufzeigen, die zur Hypothesenbildung für künftige Grundlagen- sowie Interventionsstudien dienen können. Unser Forschungsziel war es, anhand subjektiver Erzählungen von Krebspatienten, bei denen es zu einer unerwarteten Remission kam, den von ihnen erlebten Genesungsprozess und die begleitenden subjektiven Theorien zur eigenen Genesung zu rekonstruieren.
Die menschliche Fähigkeit zur Wahrnehmungsverfeinerung körperinnerer Vorgänge – Interozeption genannt – ist bisher wenig erforscht. Hierzu kann auch die Fähigkeit zur Wahrnehmung psychoneuroimmunologischer Prozesse gehören, die während des Verlaufs einer Krebserkrankung eine wichtige Rolle spielen. Es ist prinzipiell denkbar, dass sich durch subjektive Äußerungen von Remissionspatienten Merkmale der Spontanremission erschließen lassen, und seien es auch „nur“ deren psychologische Korrelate.
Bei der Rekrutierung der Probanden galten folgende Einschlusskriterien:
Zur Probandenrekrutierung richteten wir Anfragen an verschiedene medizinische Personengruppen und Organisationen. Ebenfalls wurden Kontakte mit anderen Wissenschaftlern geknüpft, die seit vielen Jahren Fallberichte dokumentieren. Aus insgesamt 101 Kandidaten mit angeblicher Spontanremission wurden anhand einer zweistufigen Überprüfung der Aktenlage durch erfahrene Onkologen in Heidelberg und Nürnberg schließlich zwölf Personen ausgewählt, welche die Kriterien einer Spontanremission erfüllten.
Die Interviews wurden nach dem Verfahren des narrativen Interviews zu Hause bei den Patienten durchgeführt, auf Tonband aufgenommen und nach festgelegten Transkriptionsregeln wörtlich transkribiert. Die Datenauswertung orientierte sich an der von Strauss und Corbin entwickelten Grounded-Theory-Methode. Bei der Auswertung wurden die Schwerpunkte erstens auf die Kategorisierung der Ressourcen und zweitens auf eine Typenbildung der Genesungsgeschichten gelegt. Die Typenbildung wurde wiederum in zwei Schritte unterteilt: Fallrekonstruktion auf Einzelebene und Typisierung auf fallübergreifender Ebene.
Das Forschungsprojekt stellt eine Fortsetzung und Erweiterung der von Prof. Verres durchgeführten Projekte über subjektive Krankheitstheorien bei Krebs dar. Unabhängig davon, ob die von unserer Arbeitsgruppe erforschten subjektiven Theorien Krebsbetroffener im Einklang mit wissenschaftlichen Theorien über Verläufe von Krebserkrankungen stehen, erschien eine möglichst differenzierte Darstellung und Typisierung dieser Patienten-Theorien in jedem Fall nützlich, da aus ihnen einige psychologisch begründbare Richtlinien für ein adäquates ärztliches Kommunikationsverhalten gegenüber Krebsbetroffenen abgeleitet werden können.
Ergebnisse: In der Auswertung der subjektiv genannten Genesungsressourcen wurden insgesamt 36 Kategorien gebildet. Die von den Probanden als am wichtigsten eingeschätzten Kernressourcen waren insgesamt neun. „Naturheilkunde“ wurde am häufigsten genannt. Es folgen die Kategorien „an Gott bzw. an das Göttliche glauben“ und „spirituelle Behandlung“. Als Ergebnis der Narrativen Typenbildung wurden drei Typen der Genesungsgeschichten formuliert: Typ 1 als Geschichte des Abwehrkampfes (6 Patienten), Typ 2 als Geschichte der Gottesgnade (3 Patienten) und Typ 3 als Geschichte der Selbsttransformation (3 Patienten). Aus der Analyse der Sinnzusammenhänge zwischen den erlebten Kernressourcen und den typischen Genesungsgeschichten resultieren folgende Erkenntnisse: Von den meisten Interviewten des ersten Typs (Abwehrkampf) wurde eine bestimmte Heilmethode als Kernressource bezeichnet. Diese Kernressource hatte die subjektive Bedeutung einer Maßnahme zur Stärkung der Abwehrkräfte. Die Wirkungen der Kernressourcen bei Typ 2 (Gottesgnade) wurden alle von den Betroffenen auf göttliche Instanzen zurückgeführt. Der Selbstbezug der Kernressourcen bei Typ 3 (Selbsttransformation) war wesentlich höher als bei den anderen Typen.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen die Vielfalt des Erlebens von Spontanremissionen. Dies stellt die populäre Tendenz in Frage, die darin besteht, einen singulären Bewältigungsstil (wie z.B. Kampfgeist oder Autonomie) zu idealisieren. Aus den Ergebnissen kann keine Schlussfolgerung über eine kausale Beziehung zwischen dem subjektiven Erleben und der objektiv festgestellten Spontanremission gezogen werden. Die untersuchten Patienten überwanden in seelischer Hinsicht subjektiv lebensbedrohliche Situationen durch kämpferische Haltung, Glaube, Spiritualität, Transzendenz oder Selbsterkenntnis und fanden damit zu einer eigenen Lebensqualität. Eine Aufgabe der psychosozialen Onkologie ist es, Krebspatienten bei der Krankheitsbewältigung zu helfen, um deren Lebensqualität zu verbessern. Die in dieser Studie beobachteten Bewältigungsprozesse könnten hierzu wertvolle Denkanstöße geben.
Projektbezogene Publikationen
Projektleitung: Dipl.-Psych. Dr. sc.hum. Markus Risch, Musiktherapeut und Prof. Dr. Rolf Verres
Zwischen 1995 und 1999 wurden neben den Einzeltherapien musiktherapeutische Kopfschmerzgruppen durchgeführt. Es handelte sich dabei um ein gut angenommenes zeitlich begrenztes multimodales Angebot verschiedener Therapiebausteine (freie Improvisation, Bewegungs- und Körperwahrnehmungsübungen, musiktherapeutische Entspannung, Klangtrance, freies Malen, Gesprächsrunden). Das Angebot richtete sich an Patienten, von denen die meisten schon viele Jahre an chronischen Kopfschmerzen litten. Vier Kopfschmerzgruppen mit insgesamt 34 Teilnehmern wurden in einer kontrollierten Therapiestudie untersucht. Mit Hilfe von Interviews und Fragebögen wurde eine Bewertung der Wirkungen und des Therapieprozesses aus der Nutzerperspektive vorgenommen. Außerdem wurde der Frage nachgegangen, inwieweit dieses Angebot zu einer Verminderung der Schmerzaktivität sowie zur Verbesserung des Befindens, der Lebensqualität und der Schmerzbewältigung beitragen kann.
Insgesamt haben die Teilnehmer die musiktherapeutische Behandlung gut angenommen. Sie berichteten von einer Vielzahl bedeutsamer Therapieerfahrungen, die in dieser Studie dokumentiert und analysiert wurden. In einer Bewertung der Therapiebausteine schätzten die Teilnehmer rezeptive Therapiebausteine insgesamt hilfreicher ein als die Therapiebausteine, bei denen aktives Verhalten gefordert wurde.
Ergebnisse: In Einzelfallbeschreibungen wird deutlich, dass das Erleben von (partiellem) Kontrollverlust bzw. von Reduzierung der Affektkontrolle vor allem während einer Klangtrance therapeutisch wirksame Erfahrungen und kreative Lösungsansätze anstößt, die erst langfristig schmerzlindernde Wirkung entfalten.
Im Prä-Post-Vergleich ergaben sich zunächst nur wenige statistisch bedeutsame Therapieeffekte. Im Vergleich zu einer kleinen Kontrollgruppe (n = 9) reduzierten sich nach der Gruppentherapie die Schmerztage und die Depressivität tendenziell, während das Copingverhalten „Suche nach sozialer Unterstützung“ tendenziell zunahm. Im Einklang mit den Ergebnissen der Einzelfallbeschreibungen deutete sich als langfristiger Therapieeffekt an, dass bei den Teilnehmern der Therapiegruppen 6–12 Monate nach der Behandlung die Kopfschmerztage signifikant abnahmen und die Selbstwirksamkeitserwartung zur Schmerzkontrolle signifikant anstieg.
Die Studie liefert Hinweise darauf, dass eine auch kurzzeitige musiktherapeutische Gruppenbehandlung bei Patienten mit chronischen Kopfschmerzen langfristige wohltuende seelische und körperliche Wirkungen haben kann.
Dr. Markus Risch erhielt für diese Arbeit im Jahre 2000 den 2. Ascona-Preis der Internationalen Gesellschaft für Kunst, Gestaltung und Therapie.
Projektbezogene Publikationen
Pilotstudie zur Effektivität einer musiktherapeutisch orientientierten
Gruppenpsychotherapie und zur Erforschung struktureller und
prozessualer Aspekte vokaler Kommunikation in der Psychotherapie
Projektleitung: Sabine Rittner, Musiktherapeutin (Tel. 568140)
Projektmitarbeiter: Dipl.-Psych. Michael Wolfart, Abteilung für
Stimm- und Sprachstörungen; Dr. sc. hum. Dipl.-Musiktherapeut Henrik
Jungaberle; Christine Klaar (M.A.), Doktorandin; Simone Kühn,
Doktorandin; Ulrike Seifert, Doktorandin.
Kooperationspartner: Abteilung für Stimm- und Sprachstörungen sowie Pädaudiologie der
Universitätsklinik Heidelberg (Prof. Dr. Ute Pröschel); Institut
für Musiktherapie der Universität Witten/Herdecke (Prof. Dr. David
Aldridge); Beratungsstelle für Studenten der Universität Heidelberg
(Prof. Dr. Rainer Holm-Hadulla)
Laufzeit der Patientengruppen: September1997 bis Dezember 1998
Laufzeit des Projektes: November 1996 bis Dezember 1999
Förderung: Die Stiftung Krebs- und Scharlachforschung ermöglichte mit 24.000 DM die Anschaffung eines Bechstein-Klaviers.
Die Stimme ist ein Phänomen, das als primäre Expressivform des Menschen
den logisch-rationalen Sprachinhalt an die emotionale Bedeutungsgebung
koppelt. Prismengleich kristallisieren sich in ihr sowohl vielfältige
Persönlichkeitsaspekte als auch vorübergehende Stimmungen. Über den
interpersonellen Aspekt der nonverbalen Kommunikation hinaus kann
speziell das Singen intrapersonell komplexe psychophysiologische und
emotionale Veränderungsprozesse bewirken. Ziel dieser Pilotstudie war
es, Wirkfaktoren herauszuarbeiten, in denen sich die (bislang in der
Psychotherapieforschung unterschätzte) Bedeutung des stimmlichen
Ausdrucks in der therapeutischen Beziehung verdichtet.
Drei Funktionsebenen der Stimme fanden in diesem Forschungsprojekt
Berücksichtigung:
Durchgeführt wurden mit insgesamt 32 Patienten drei
Kurzzeit-Gruppentherapien über jeweils zwölf Sitzungen à drei Stunden.
Zwei dieser Gruppen richteten sich an Psychotherapiepatienten mit
psychosomatischen Symptomen, eine der Gruppen wurde speziell für
Patienten mit funktionellen und psychogenen Stimmstörungen angeboten.
Die Evaluation erfolgte mit einem standardisierten, quantitativen
Messinstrumentarium als auch mit vielfältigen qualitativen
Untersuchungsmethoden. Darüber hinaus kamen bildgebende Verfahren der
Stimmanalyse zum Einsatz. Zusätzlich wurden im Kontext einer
Doktorarbeit Fragestellungen zur metaphorischen Kommunikation in der
Therapeut-Patient-Beziehung bearbeitet. Die Studie wurde aus
abteilungsinternen Mitteln finanziert.
Projektbezogene Publikationen
Projektleitung: Dr. hum. biol. Eva Sabine Saalfrank, M.A., Kulturanthropologin (Tel. 568145) und Prof. Dr.med. Dipl.-Psych. Rolf Verres
Projektdauer: September 1998 bis September 2000
Gefördert von der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg mit einer halben Wissenschaftlerstelle (BAT IIa) für 2 Jahre: 105.000 DM
Im interkulturellen Vergleich mit der alltagspraktischen Anwendung der im Westen als „Tibetisches Totenbuch“ bekannten Tradition des tibetischen Buddhismus sollte die Sterbekultur innerhalb unserer eigenen Gesellschaft auf latente Heil- und Symbolgehalte hin untersucht werden. Das Fremde diente als Reflexionsfläche für die Wahrnehmung (sub-)kultureller Unterschiede beim Umgang mit Sterben und Tod. Es entstand eine qualitative Handlungsforschung mit der Intention:
Mit qualitativen Methoden vergleichender Feldforschung wie fokussierten Interviews und teilnehmender Beobachtung wurden die drei Felder Sterbealltag in Deutschland, Hospizbewegung/Palliativmedizin und Tibetisch-buddhistischer Kulturkreis untersucht. In Interviews, Gruppendiskussionen und Lehrveranstaltungen mit Medizinern, Pflegepersonal, Hospizmitarbeiterinnen wurde nach heilwirksamen Strategien gefragt, wie der Sterbealltag in Kliniken, Seniorenheimen oder zu Hause aus der Sicht von Betroffenen, Angehörigen, Arzt- und Pflegepersonal oder der Klinikseelsorge positiver zu gestalten sei. In Bodnath, Nepal, und in Deutschland wurden Interviews mit tibetischen Lamas, Ärzten und Angehörigen zu entsprechenden Ritualen geführt. Praxisnah wurde in Heidelberg mit der „Ambulanten Hospizhilfe“ der Diakonie, dem stationären „Hospiz Luise“ und mit Klinikseelsorgern zusammengearbeitet. Lehrveranstaltungen zum Thema wurden konzipiert, durchgeführt und evaluiert.
Ergebnisse
Es wurden die wichtigsten Probleme einer adäquaten medizinischen und zwischenmenschlichen Betreuung Sterbender und ihrer Angehörigen, einer adäquaten Aus- und Weiterbildung sowie unterstützender berufsbegleitender Angebote definiert. Das ärztliche Selbstverständnis oder der Stress auf Station lassen eine sensible, intensive, personenbezogene Hinwendung oftmals nur in so unbefriedigendem Umfang zu, dass nicht selten die engagiertesten Vertreter aus Pflege und Medizin in alternative Bereiche des Gesundheitswesens abwandern. Tiefergehende Gespräche, Gebete und Rituale werden gern der Klinikseelsorge oder ehrenamtlichen Mitarbeitern überlassen oder fehlen ganz. Der propagierte Wunsch, zu Hause in Würde sterben zu dürfen, scheitert oft an mangelnden offenen Gesprächen und an ungenügender Kooperation.
Die Hospizbewegung propagiert unter dem Motto „Leben bis zuletzt“ seit ca. 20 Jahren auch in Deutschland einen sanften und gut elaborierten Ansatz zu einer menschenwürdigen Sterbebegleitung. In interdisziplinärer Zusammenarbeit ist man in der Palliativmedizin bestrebt, durch empathische Versorgung sterbender Menschen menschenunwürdiges Sterben unter Schmerzen und in Einsamkeit zu verhindern bzw. unumgängliches Leiden so weit wie möglich zu lindern. Diese Konzepte sind auch für die universitäre Lehre sehr gut brauchbar und direkt umsetzbar; viele Studierende sind interessiert.
Ein spezieller Entwicklungsbedarf besteht vor allem zur Frage, wie Studierende der Medizin, Pflegende und Ärzte persönlich mit diesen Konzepten in Kontakt gebracht werden können, und wovon es abhängt, ob diese Personenkreise neben ihren sonstigen Anforderungen eine Motivation zur ganzheitlichen Sterbebegleitung aufrecht erhalten. Hierzu ist eine besondere Didaktik für die Lehre und die Weiterbildung auszuarbeiten, die zeigt, dass ganzheitliche menschliche Zuwendung nicht unbedingt immer mit noch mehr Zeitaufwand verbunden sein muss, sondern von Prioritäten und Haltungen gekennzeichnet ist.
Im tibetisch-buddhistischen Kulturkreis ist die „spirituelle“ Begleitung Sterbender, wie auch der Tod selbst, noch ganz selbstverständlich als natürlicher Bestandteil des Lebens in ein den Lebensalltag bestimmendes kosmologisches Weltbild und Glaubenssystem eingebettet. Gerade die Kontrastierung dieser „fremden“ Wertsysteme mit dem Sterbealltag in unseren Kliniken und auch mit dem Christentum hat sich für die Lehre als sehr ergiebig erwiesen, da Horizonte geweitet werden.
Heilsam ist es, Sterbenden und ihren Angehörigen die für diesen oft sehr aufwühlenden, beängstigenden Lebensabschnitt gebührenden Rahmenbedingungen zu geben, die in Kooperation mit anderen gestaltet werden können: z.B. Besprechungszimmer für schwerwiegende Diagnose- und Therapiemitteilungen; helle, persönlich gestaltete Einzelzimmer; Förderung von Gesprächen, Gebet, Musik zur Unterstützung der Lebensrückschau und Schmerzbewältigung; Hilfestellung zur Konfliktlösung in den Familien und bei der Aufarbeitung unerledigter Angelegenheiten; Aufbahrung und Zeit für das Abschiednehmen vom Verstorbenen, Abschieds- und Aussegnungsrituale; Angebote für Trauerarbeit. Heilsam für die Begleiter und das medizinische Personal sind: Geleitete Selbsterfahrung, Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit, interkulturelle Reflexion der eigenen Glaubensgrundsätze auch im Umgang mit ausländischen Patienten; Kommunikationstraining, Supervision; Spirituelle und künstlerische Angebote; Wiedererlernen von „gut zu sich selbst“ zu sein, hierarchienüberschreitende Team-Kommunikation, multidisziplinäre Zusammenarbeit . Die mit einem solchen Konzept einhergehende Befriedigung, sterbenskranke Menschen gut begleitet zu haben, sollte in einer künftigen Unternehmensphilosophie des Großklinikums expliziter als bisher gewürdigt werden.
Aufgrund der vergleichenden Feldanalyse lassen sich kulturübergreifende anthropologische Konstanten feststellen, deren Be- oder Missachtung die jeweiligen Sterbekulturen prägend beeinflussen. Sie stellen in ihrer Einfachheit gleichzeitig positive Maximen eines würdigen Umgangs mit Sterben und Tod in Ausbildung, Praxis und Lehre dar:
Sterbebegleitung braucht Beistand. Die Konfrontation von Medizinern, Pflegepersonal und anderen begleitenden Menschen mit dem Leid Sterbender und ihrer Angehörigen verlangt eine spezifische Vorbereitung, Supervision, Verarbeitung, Entlastungsangebote und gesunden Ausgleich. Grundsätze hierfür werden von uns fortlaufend weiterentwickelt und evaluiert.
Sterbende sind Lebende. Diese banale Feststellung ist nicht immer selbstverständlich. Als innere Haltung fördert sie Würde, Kommunikation und Empathie im Prozess der Sterbebegleitung. Sie verbindet Lebende und Sterbende in ihrer Sorge und in ihrer Spiritualität/Religiosität. Eine solche Einstellung führt zu aktiver Mitmenschlichkeit. Sie lässt palliative Bedürfnisse gleichwertig zum kurativen Auftrag gelten. Auch nicht religiös gebundene Ärzte und Pflegende sollten zumindest offen sein für einen Respekt vor subjektiven spirituellen Dimensionen des Erlebens Sterbender.
Der Tod ist kein Feind, sondern Teil des Lebens. Wird der Tod als Feind bekämpft oder die Auseinandersetzung mit ihm vermieden, können daraus Ablehnung, Zynismus, Berührungsängste, Ekel, Vermeidungsrituale, Sterilität und schließlich Entfremdung resultieren. Akzeptanz des Todes und Integration des Sterbens in das ärztliche Menschenbild lassen die damit verbundenen Ängste und Leiden kommunizierbar werden, erlauben Trauer und Tränen, ermöglichen die Entwicklung individueller Hilfepläne.
Der Tod birgt Lebenskraft. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit intensiviert und vertieft das Leben im Hinblick auf Diesseits- und Jenseitsvorstellungen. Achtsamkeit lässt tröstende Bilder und Rituale entstehen. Jeder Augenblick kann als kostbar empfunden werden, wenn sich zwei Seelen berühren (Patientenzitat).
Der Tod bleibt ein Mysterium. Es sollte in der Lehre stärker darauf geachtet werden, den Eintritt des Todes von Angehörigen oder Hospizbegleiterinnen als spürbar besonderen Moment zu beschreiben, als erhaben, fast majestätisch selbst dann, wenn er mit Leid verbunden ist. Sowohl die christliche Ars moriendi als auch der Buddhismus und andere Religionen ehren den Todesaugenblick, in dem sich grundlegende Gesetze des Seins offenbaren.
Projektbezogene Publikationen
Projektleitung: Dipl.-Psych. Dr. Tewes Wischmann und Dipl.-Psych. Claudia Maier-Kirstätter.
Zeitraum: 1991-1992
In dieser durch die Breuninger-Stiftung Stuttgart mit 11.000.- DM geförderten explorativen Studie wurde mittels der inhaltsanalytischen Methodik zum Konzept des „zentralen Beziehungskonflikts“ (ZBK, Luborsky & Kächele) die Interaktionsdynamik von Paaren mit bisher unerfülltem Kinderwunsch analysiert. Dazu wurden 20 Paarinterviews transkribiert und nach der ZBK-Methodik ausgewertet.
Projektbezogene Publikation
Psychologische Beratung für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch
Projektleitung: Prof. Dr. med. Dipl.–Psych.Rolf Verres, Dr. sc.hum. Dipl.–Psych. Tewes Wischmann (Tel.06221-568137) und Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard (Universitäts–Frauenklinik Heidelberg, Abteilung Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen)
Dauer des Erstprojektes: 1. April 1994 bis 31. Mai 1997
Dauer des Anschlußprojektes: 1. Juni 1997 bis 30. November 2000
Projektmitarbeiter: Dr. sc.hum. Dipl.–Psych. Tewes Wischmann, Dr.
sc.hum. Dipl.–Psych. Heike Stammer
"Heidelberger Kinderwunsch-Sprechstunde"
Alle Paare, die die Kinderwunsch-Sprechstunde der Universitätsfrauenklinik Heidelberg wegen unerfüllten Kinderwunsches aufsuchen, haben seit 1990 die Möglichkeit, im Rahmen der ganzheitlichen Behandlung der Kinderlosigkeit psychologische Beratungsgespräche an unserer Abteilung wahrzunehmen. Diese Beratung kann auch von Paaren wahrgenommen werden, welche sich nicht an der Universitätsfrauenklinik in Behandlung befinden.
Die Ergebnisse der ersten Phase unseres Projektes "Heidelberger Kinderwunsch–Sprechstunde I" (im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, Forschung und Technologie geförderten Forschungsverbundes "Psychosomatische Diagnostik und Beratung/Therapie bei Fertilitätsstörungen") zeigen, daß es sich bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch und insbesondere bei Paaren mit idiopathischer Sterilität durchschnittlich nicht um eine spezifische psychologisch auffällige Gruppe handelt. Die entlastende Wirkung der psychologischen Beratung, unabhängig vom Eintritt einer Schwangerschaft, konnte in dieser Studie gezeigt werden. Die durchschnittlich etwas höhere Depressivität und Ängstlichkeit bei den Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch sind daher als Folge und nicht als ursächlich für die Fruchtbarkeitsstörung zu sehen. Für den größeren Teil der ungewollt kinderlosen Paare, die einen psychologischen Betreuungsbedarf hatten, war das Angebot der zweistündigen Beratung ausreichend. Die fokale Paartherapie wurde vorwiegend von den belasteteren Paaren wahrgenommen: die Frauen stellten sich depressiver dar, die Paare wirkten überfordert und gaben Probleme in der Partnerschaft, insbesondere im Streitverhalten und ihrer Sexualität an. Für den interventionsbezogenen Teil der Studie wurde ein differenziertes psychosomatisches Beratungs– und Paartherapiekonzept für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch entwickelt und publiziert (s. Publikationen). Der häufig geäußerte Wunsch, in einer psychologischen Beratung möglicherweise auch seelische Ursachen für die Kinderlosigkeit aufgezeigt zu bekommen, beinhaltet verständlicherweise oft auch die Befürchtung einer möglichen Pathologisierung und Stigmatisierung. Auch so kann in vielen Fällen die Diskrepanz zwischen dem eigentlich bestehenden Interesse an psychologischer Beratung und ihrer tatsächlichen Inanspruchnahme erklärt werden. Als Konsequenz aus diesen Überlegungen und den Ergebnissen des Erstprojektes war ein Arbeitsschwerpunkt des Folgeprojektes "Heidelberger Kinderwunsch–Sprechstunde II" eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, die sich an Behandler und Betroffene von Fertilitätsstörungen richtete und über unterschiedliche Medien interdisziplinäre Informationsveranstaltungen für betroffene Paare, Weiterbildungsveranstaltungen für Frauenärzte und psychosoziale Berater, Publikationen in Fachzeitschriften – aber auch in Frauen– und Elternzeitschriften verbreitet wurde.
Für weitere Informationen folgen Sie den Querverweisen:
Speziell für interessierte Paare:
Projektleitung: Prof. Dr. Jochen Schweitzer (Tel. 568152) und Dr. med. Gunthard Weber
Projektmitarbeiterinnen: Dipl.-Psych. Dr. Elisabeth Nicolai und Dipl.-Psych. Dr. Nadja Hirschenberger
Laufzeit des Projektseminars: Februar 1997 bis Februar 2000
Laufzeit der Begleitforschung: September 1997 bis April 2001
Förderung durch Stiftung für Bildung und Behindertenförderung, Stuttgart.
Ziel dieses Projektes war die Entwicklung und Evaluation neuer Prozessqualitäts-Stategien in psychiatrischen Einrichtungen, die ein hohes Maß an Autonomie, Partizipation und Selbstreflektion bei Mitarbeitern, Patienten, Angehörigen und externen Kooperationspartnern fördern. Konzeptionelle Basis war die Systemische Beratung von Familien, Angehörigen, Führungskräften, Teams und Organisationen. Das Projekt praktizierte „Forschung als Intervention“: alle einzelnen Forschungstudien wurden aus Fragen der Praxis heraus entwickelt und nach Abschluss möglichst umgehend in die Einrichtung zurückgemeldet. Die Auswirkungen dieses Feedbacks wurden evaluiert.
Beteiligt waren im ersten Projektjahr 17 psychiatrische Einrichtungen zwischen Berlin und Bern, im zweiten und dritten Projektjahr 12 Einrichtungen zwischen Bielefeld und Heidenheim/Brenz. Je eine Leitungskraft nahm an vier jährlichen Projekttreffen teil. Wir führten jeweils dreitägige Besuche mit einer selbst entwickelten, differenzierten „Reflexionsliste“ in allen Einrichtungen durch sowie spezielle Fragebogen- und Interviewerhebungen von Überweisern, Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern in einzelnen Einrichtungen. In allen Fällen gaben wir ausführlich Rückmeldung über unsere Ergebnisse.
Methodischer Hauptertrag sind einerseits die Einrichtungsbesuche mit der „Reflexionsliste Systemische Prozessgestaltung“ – ein breit verwendbares Beobachtungs-, Interview- und Feedbackverfahren und ein Indikationskatalog für den Einsatz von Umfragen in der klinischen Organisationsentwicklung. Inhaltlich konnte eine für den deutschen Sprachraum wohl repräsentative Best-Practice-Studie über die Alltagsprozeduren einer systemisch arbeitenden Psychiatrie vorgelegt werden. Für die sich als kritisch erweisenden Themen „Führen und Leiten“, „Multiprofessionelles Team“, „Familienberatung als Standardangebot“, „Kundenorientiertes Verhandeln mit desorientierten Patienten“ und „Basale Voraussetzungen anspruchsvoller Organisationsentwicklungs-Methoden“ konnten neue Wege aufgezeigt werden.
Eine Tagung mit 60 Fachleuten aus dem deutschen Sprachraum schloss im Februar 2000 das Projekt ab. Projektergebnisse wurden auf Kongressen in Jena, Frankfurt, Aachen, Dresden, Berlin, Hamburg , Zürich und Kunming (VR China) vorgestellt. Aus dem Projekt sind sechs Dissertationen entstanden. Neben den bereits erschienen Artikeln sind zwei Buchpublikationen mit den Arbeitstiteln „Psychiatrische Organisationsentwicklung“ und „Wie funktioniert eine systemische Psychiatrie?“ in Vorbereitung.
Projektbezogene Publikationen
FSP "Multidimensionalität des chronifizierenden Schmerzes" des Universitätsklinikums Heidelberg, Ruprecht-Karls-Universität
Teilprojekt E/3 Seemann / Schweitzer:
"Chronifizierungsprävention primärer Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen"
Projektleiter:Dipl.–Psych. Hanne Seemann (Tel. 568153)Prof. Dr. rer. soc. Dipl.–Psych. Jochen Schweitzer–Rothers (Tel. 568152)Prof. Dr. med. Dipl.–Psych. Rolf Verres (Tel. 568151)Das Forschungsteam:Dipl.–Psych. Matthias Ochs (Tel. 568148)Dipl.–Psych. Gideon Franck (Tel. 568148)Die Therapiegruppen werden geleitet von:Dipl.–Psych. Jutta SchultisDipl.–Päd. Babett Englertund den beiden oben genannten wissenschaftlichen Projektmitarbeitern
Primäre Kopfschmerzen stellen in den westlichen Industriestaaten die häufigste neurologische Erkrankung und häufigste chronische Schmerzstörung im Kindes- und Jugendalter dar. Die Punktprävalenz für Migräne liegt bei ca. 12%, diejenige für Spannungskopfschmerzen bei 12-50 %. Unbehandelte primäre Kopfschmerzen chronifizieren mit 50 % Wahrscheinlichkeit ins Erwachsenenalter hinein. Klinische Studien haben gezeigt, dass sowohl medikamentöse als auch psychologische Behandlung (vor allem Biofeedback, kognitive Verhaltenstherapie, Hypnotherapie) wirksame Hilfe sein kann, wobei es Hinweise dafür gibt, dass die Nachhaltigkeit psychologischer Behandlung insbesondere in präventiver Hinsicht größer ist. Zur Gruppentherapie liegen inzwischen Evaluationsstudien für verhaltensmedizinische Verfahren vor. Ein Hauptziel des Projektes ist, differentielle Wirksamkeitsnachweise für eine systemorientierte Gruppentherapie hypnotherapeutischer Ausrichtung zu erbringen. Ein weiteres Ziel des Projektes besteht darin, die Rolle der Familie bei der Entstehung, Aufrechterhaltung und Behandlung zu erforschen. Aktuelle Studien weisen auf die Bedeutsamkeit der Familie bei pädiatrischen Kopfschmerzen hin. Bisher wurden im Rahmen des Projekts 8 Gruppentherapien mit zusätzlichen Elternabenden und Familiengesprächen für 80 Kinder und Jugendliche durchgeführt. Außerdem wurden individuelle Anschluss- bzw. Alternativbehandlungen (Einzeltherapie, Familientherapie) durchgeführt.
Erste Ergebnisse auf der Basis von n = 50 Familien mit einem Kind bzw. Jugendlichen mit primären Kopfschmerzen:
Die Effektivität des Behandlungsprogramms zeigt sich bisher klinisch bedeutsam in der Selbsteinschätzung der Kinder bzw.Jugendlichen und deren Eltern bezüglich der globalen Symptombelastung des Kindes und der psychischen Belastung der Familie durch die Kopfschmerzen. Mittlere Effektstärken ergaben sich auch bei der mit Migränetagebüchern erfassten Kopfschmerzhäufigkeit und bei der Hauptskala Internalisierungsstörung der Child Behavior Check List (CBCL). Die Familien zeigen zudem im Durchschnitt eine hohe Behandlungszufriedenheit. Die Veränderung kopfschmerzassoziierter familiärer Beziehungsmuster stellt einen wichtigen Prädiktor für den Erfolg der Gruppentherapie dar. Kinder und Jugendliche profitieren deutlich stärker vom Behandlungsprogramm, wenn sich im Verlauf der Therapie auch kopfschmerzassoziierte Interaktionsmuster in ihrer Familie verändern. Erste empirische Hinweise zeigen außerdem, dass familiäre Körperkonzepte und Krankheitsvorstellungen sowie eine Unzufriedenheit mit der elterlichen Paarbeziehung kopfschmerzassoziiert und deshalb veränderungsrelevant sein können. Für die weitere Forschung ist geplant, die Responder/Nonresponder-Analysen auszudifferenzieren. Zusätzlich soll systemische Familientherapie als singuläre Behandlungsmethode klinisch erprobt und evaluiert werden. Kontrollierte klinische Studien zur systemischen Familientherapie bei pädiatrischen Kopfschmerzen fehlen bisher.
Projektbezogene Publikationen