Erstprojekt im BMBF-geförderten Forschungsverbund "Psychosomatische Diagnostik und Beratung/Therapie bei Fertilitätsstörungen" (Koordinator: Prof. Dr. Strauß, Jena). Förderkennzeichen: 01 KY 9305
Projektleitung: Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Rolf Verres, Dr.sc.hum. Dipl.-Psych. Tewes Wischmann (Psychosomatische Universitätsklinik Heidelberg, Abt. für Medizinische Psychologie) und Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard (Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Abt. Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen)
Dauer des Vorhabens: 1. April 1994 - 31. Mai 1997
Zusammenfassung
Sterilität wird hier als Ausdruck eines multifaktoriell bedingten Geschehens verstanden, welches das Paar mit unerfülltem Kinderwunsch (i.F. Kinderwunsch-Paar) in seiner Gesamtheit betrifft. In dem Vorhaben sollte dieser Ansatz in Diagnostik, Paarberatung und gegebenenfalls Paarpsychotherapie durch Fokussierung auf das Kinderwunsch-Paar und seine Beziehung verwirklicht werden.
Im diagnostischen Teil der Studie (Stufe I) wurde eine unausgelesene Stichprobe von Kinderwunsch-Paaren hinsichtlich sozialer, psychologischer und medizinischer Merkmale untersucht. Die psychologische Diagnostik umfaßte primär die Bereiche Paarinteraktion, Affektivität, Lebenszufriedenheit, Kinderwunschmotivation sowie Beziehungskonflikte. Damit sollten Grundlagen für eine Überprüfung der Frage geschaffen werden, ob sich "Paartypen" identifizieren lassen, anhand derer prognostische Kriterien des Behandlungsablaufs und eine differentielle Indikation zur psychosomatischen Beratung erfaßt werden können.
Im Interventionsteil der Studie wurde das von uns entwickelte zweistufige Konzept der "Heidelberger Kinderwunsch-Sprechstunde" an einer Gruppe von Kinderwunsch-Paaren systematisch evaluiert: zweistündige Paarberatung (Stufe II) und gegebenenfalls nachfolgende zehnstündige Paarpsychotherapie (Stufe III). Die in den Beratungsgesprächen gewonnenen diagnostischen Informationen wurden unter Einbeziehung psychodynamischer Einflußfaktoren und des Beziehungserlebens über ein standardisiertes Auswertungsraster ausgewertet, weiterhin wurde ein inhaltsanalytisches Auswertungsverfahren (ZBKT) eingesetzt. Zur Überprüfung der Interventionseffekte wurden Paare der Beratungsgruppe und Paare, die zusätzlich das Angebot der fokalen Paarpsychotherapie annahmen verglichen mit Paaren einer Kontrollbedingung (Eigenwarteliste). Die Interventionseffekte wurden katamnestisch zu zwei Zeitpunkten im Prä-Post-Vergleich überprüft, als Vergleichsgruppe wurde eine parallelisierte Gruppe von Paaren ohne Paarberatung bzw. Paarpsychotherapie hinzugezogen
Es wurde ein Beratungsmanual entwickelt (Strauß, Bernhard (Hrsg., 2000): Ungewollte Kinderlosigkeit. Psychologische Diagnostik, Beratung und Therapie. Hogrefe, Göttingen), in welchem spezifische Konfliktsituationen und Paardynamiken sowie ein geeignetes psychosomatisches Beratungsangebot dargestellt werden sollen. Damit sind die Ergebnisse des Vorhabens den mit diesem Problemfeld befaßten Personen praxisnah zugänglich gemacht worden. Aufgrund dieser anwendungsorientierten Ausrichtung des Vorhabens ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Kinderwunsch-Sprechstunden gegeben.
Anschlußvorhaben im BMBF-geförderten Forschungsverbund "Psychosomatische Diagnostik und Beratung/Therapie bei Fertilitätsstörungen" (Koordinator: Prof. Dr. Strauß, Jena). Förderkennzeichen: 01 KY 9606
Projektleitung: Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Rolf Verres, Dr.sc.hum.Dipl.-Psych. Tewes Wischmann (Psychosomatische Universitätsklinik Heidelberg, Abt. für Medizinische Psychologie) und Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard (Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Abt. Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen)
Dauer des Vorhabens: 1. Juni 1997 - 30. November 2000
Zusammenfassung
Das Folgeprojekt gliederte sich in zwei Teile: Teilprojekt "Fortbildung" und Teilprojekt "; Beratung". Im Teilprojekt "Fortbildung" wurde nach Abklärung des Beratungsbedarfs sowie Fortbildungsbedarfs ein Fortbildungskonzept psychosomatischer Beratung von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch für Behandler von Fertilitätsstörungen (Gynäkologen, Andrologen, psychosozialen Berater und Psychotherapeuten) über einen Zeitraum von zwei Jahren implementiert und evaluiert.
Im Teilprojekt "Beratung" wurde das innerhalb des Erstprojektes entwickelte Konzept der psychosomatischen Beratung und Kurzpsychotherapie von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch an zwei verschiedenen Patientengruppen überprüft und weiterentwickelt:
a) Kinderwunsch-Paare, die sich bei niedergelassenen Gynäkologen/Andrologen oder psychosozialen Beratern in Fertilitätsbehandlung bzw. -beratung befinden und
b) Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, die sich aufgrund eindeutiger organischer Verursachung der Fertilitätsstörung vor reproduktionsmedizinischer Behandlung wie IVF oder ICSI befinden. Zur Information dieser Patientengruppen über unterschiedliche Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten sowie über psychosomatische Zusammenhänge bei Fertilitätsstörungen wurde ein Patientenratgeber entwickelt.
Die Ergebnisse dieses Anschlußvorhabens finde Sie hier.
Copyright © für den Text: Dr. T. Wischmann 1999-2002