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Medizin am Abend

Urologie aktuell in Klinik und Forschung

Prof. Dr. Markus Hohenfellner, der Ärztliche Direktor der Urologischen Klinik, gibt am Mittwoch, 18. Februar, einen verständlichen Einblick in den Forschungsstand der Urologie.


Tumoren an Prostata, Niere und Blase: Urologie aktuell in Klinik und Forschung

Vom OP-Roboter bis zum Operieren mit virtueller Realität – moderne Behandlungsverfahren bei urologischen Tumoren klingen für manchen mehr nach Science Fiction als nach Klinikroutine. Welche technischen Möglichkeiten der urologischen Onkologie heute zur Verfügung stehen und was sich damit bewirken lässt, erklärt Professor Dr. Markus Hohenfellner, Ärztlicher Direktor der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg, bei "Medizin am Abend" am 18. Februar 2015.

 

 

 

Das Ärzteteam der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg setzt seit Jahren auf innovative OP-Technik - mit Erfolg: So erlauben OP-Roboter, Navigations­systeme und 3D-Darstellungen in Echtzeit die präzise Operation ansonsten schwer zugänglicher Tumoren. "Es ist erstaunlich, was die Technik im OP heute alles möglich macht. Trotzdem ist die bestmögliche Therapie immer ein Gemeinschafts­werk mehrerer Disziplinen und ineinander­greifender Behandlungskonzepte, wie es in Heidelberg am Nationalen Centrum für Tumor­erkrankungen NCT umgesetzt ist", sagt Professor Dr. Markus Hohenfellner, Ärztlicher Direktor der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg. Am Mittwoch, 18. Februar 2015, gibt er bei "Medizin am Abend" einen Einblick, wie aktuelle Therapien bei Tumoren an Niere, Blase und Prostata aussehen und was die innovativen HighTech-Verfahren der Heidelberger Urologie leisten können. Außerdem wird er neue Studien zum viel diskutierten Biomarker PSA vorstellen.

 

Der Vortrag dürfte nicht nur Medizin-Interessierte, sondern auch Technik- und Computerfans ansprechen, denn seit 2013 operiert das Team Urologischen Universitätsklinik bestimmte Nierentumoren mit virtueller Realität. Die Arbeitsgruppe Navigierte Chirurgie entwickelte gemeinsam mit Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungs­zentrums (DKFZ) und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ein System, das Daten aus der Computer­tomographie (CT) mit den Bildern einer winzigen Kamera verknüpft, die bei der minimal-invasiven Operation bis zur Niere vorgeschoben wird. Das ist bislang weltweit einzigartig.

 

Operation an gläserner Niere: Organ kann trotz komplexem Tumor erhalten werden

Und so funktioniert es: Zu Beginn der Operation wird eine CT durchgeführt. Während des minimal-invasiven Eingriffs, bei dem mit speziellen Instrumenten durch wenige, nur zentimetergroße Schnitte in der Haut operiert wird, orientieren sich die Operateure allein am Bild einer Kamera, die ebenfalls durch eine kleine Hautöffnung eingeführt wird. Diese "Live-Schaltung" aus dem Körperinneren ergänzt das neue System um das dreidimensionale CT-Bild mit Tumor, Blutgefäßen und Harnleitern. Der Operateur kann daher sehr gut erkennen, wo genau er sich in der Niere befindet, wie weit es zum Tumor ist und ob er sich in unmittelbarer Nähe von Blutgefäßen oder Harnwegen bewegt. "Bei komplexen Tumoren innerhalb der Niere setzen wir dieses Verfahren inzwischen routinemäßig ein. Wir können damit Nierentumore minimal invasiv operieren, die ansonsten nur, wenn überhaupt, über einen offenen Zugang organerhaltend hätten entfernt werden können", so Hohenfellner.

 

Eine weitere Heidelberger Entwicklung verbessert die Aussagekraft der Diagnose bei Verdacht auf Prostatakrebs. Bisher werden meist zwölf Gewebeproben unter Ultraschallkontrolle aus verdächtigen Arealen und statistisch verteilten Punkten über den Enddarm entnommen. "Rund die Hälfte der Tumoren wird bei dieser Untersuchung in ihrer Gefährlichkeit zu gering eingestuft, weil man beispielsweise weniger aggressive Bereiche des Tumors punktiert hat", erklärt der Experte. Ein Team aus Klinik, DKFZ und der Firma MedCom entwickelte eine neue Technik der Prostatabiopsie. Dazu werden die Daten einer vorangegangen Magnetresonanztomographie (MRT) mit dem Ultraschallbild fusioniert. So können die Entnahmeorte der Gewebeproben punktgenau ausgewählt werden. Ein weiterer Vorteil für die Patienten: Die Proben werden nicht mehr durch den Enddarm sondern durch den Damm entnommen. Das senkt das Infektionsrisiko. Hohenfellner erklärt: "Durch den häufigen Einsatz von Antibiotika finden sich heute immer mehr resistente Problemkeime im Darm, die bei der Biopsie verschleppt werden können. Dieses Risiko umgehen wir nun."

 

Angst vor unnötigen Operationen oder Bestrahlungen heute unbegründet

Insgesamt hat sich die Diagnostik bei urologischen Tumoren in den letzten Jahren stetig verbessert. "Wir können Tumoren inzwischen sehr gut einschätzen. Gering aggressive Tumoren werden z.B. zunächst gar nicht mehr behandelt, sondern nur aktiv überwacht", erklärt der Urologe. "Es muss also niemand aus Angst vor einer unnötigen Operationen oder Bestrahlungen auf die Vorsorge verzichten." Ist allerdings eine Behandlung nötig, profitieren die Patienten von der interdisziplinären Betreuung im NCT, die Professor Hohenfellner beim Vortrag vorstellen wird. "Durch die sehr gute Zusammenarbeit mit den anderen Fachdisziplinen sind für unsere Patienten die effektivsten diagnostischen Verfahren und alle derzeit gängigen Therapien verfügbar. Die einzelnen Komponenten wie Operation, System- und Strahlentherapie werden dabei optimal aufeinander abgestimmt."


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Termin

Mittwoch, 18. Februar,
19 Uhr, Hörsaal Kopfklinik,
Eintritt und Parken frei.

Referent

Prof. Dr.
Markus Hohenfellner

Ärztlicher Direktor der Urologischen Klinik

 

Tel.: 06221 56-8820

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RNZ-Nachbericht vom 20. Februar 2015