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Medizin am Abend

Wie resistente Keime entstehen – Aktuelles zu Hygiene und Antibiotikagebrauch

Warum werden Bakterien resistent, lässt sich das überhaupt verhindern und wie geht man damit um? Am 21. Oktober 2015 spricht Hygieneexperte Professor Dr. Klaus Heeg bei Medizin am Abend über Bakterien, Antibiotika und deren verantwortungs-bewussten Einsatz.

Bakterien, denen die gängigen Antibiotika nichts anhaben können, sind inzwischen weit verbreitet und ein zunehmendes Problem in Kliniken. Doch wie gefährlich sind diese Keime für die gesunde Bevölkerung? Wie trägt der Umgang mit Antibiotika zur Entstehung von Resistenzen bei? In seinem Vortrag bei Medizin am Abend am Mittwoch, 21. Oktober 2015, informiert Professor Dr. Klaus Heeg, Ärztlicher Direktor der Abteilung Medizinische Mikro­biologie und Hygiene, Zentrum für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg, darüber, wie krankheitserregende Bakterien funktionieren, warum Resistenzen unvermeidbar sind, wie man ihnen begegnet und was jeder einzelne dazu beitragen kann, dass sie nicht überhand nehmen. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Universitätsklinikum und Rhein-Neckar-Zeitung laden alle Interessierten herzlich ein.
 
"90 Prozent aller Antibiotika werden außerhalb der Kliniken eingenommen. Leider zu häufig unnötig", bemängelt Professor Heeg. "Dass unkontrollierter und vor allem unsachgemäßer Antibiotika­gebrauch Probleme verursacht, sehen wir vor allem in Ländern, in denen Antibiotika nicht verschreibungspflichtig sind. Bei Patienten in Griechenland finden sich beispielsweise bis zu dreimal mehr resistente Keime als in Deutschland, in den arabischen Ländern ist der Anteil noch größer." In Spanien, wo Penicillin frei käuflich ist, sind rund 30 Prozent der Pneumokokken, die z.B. Lungen-, Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündungen verursachen, gegen dieses Antibiotikum resistent.  Spanienurlauber bringen solche Bakterien unbemerkt mit nach Deutschland.

Routine-Tests im Krankenhaus verhindern Ausbreitung

Ein Grund, den nächsten Spanienurlaub zu stornieren, ist das zunächst einmal nicht. Gefährlich werden resistente Bakterien vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Kleinkinder und Alte. Wenn sie schwer erkranken, weil ihr Körper selbst mit der Infektion nicht fertig wird, muss zunächst nach einem wirksamen Antibiotikum gesucht werden. "Es gibt in den meisten Fällen noch Reserve-Antibiotika, aber man muss wissen, gegen welche Mittel die Krankheitserreger resistent sind", erklärt der Mikrobiologe. "Wird erst mit einem unwirksamen Antibiotikum behandelt, verstreicht wertvolle Zeit für den Patienten."
 
Am Universitätsklinikum Heidelberg werden Patienten, bei denen mit resistenten Keimen gerechnet werden muss, routinemäßig gescreent: Abstriche aus Nase und Enddarm zeigen, welche Bakterien vorhanden sind und ob und gegen was sie resistent sind. Risikopatienten sind Patienten mit längerem Klinikaufenthalt, Bewohner aus Alters- und Pflegeheimen, Menschen von außerhalb Deutschlands, bestimmte Urlauber und Patienten der Intensivstation. Insgesamt sind das in Heidelberg rund 30.000 Screenings  im Jahr. Finden sich bei ihnen Resistenzen, müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. "Der beste Schutz davor, solche Keime weiterzugeben und geschwächte Menschen zu gefährden, ist nach wie vor die Händedesinfektion", sagt Heeg.
 

Gezielte Kurzzeittherapie beugt Resistenzen vor

Ursache für viele Resistenzen ist die Variabilität des bakteriellen Erbguts und die enorme Vermehrungsrate. Aus einem einzelnen Bakterium können innerhalb weniger Stunden mehrere Milliarden Zellen entstehen. Immer wieder treten dabei zufällig Veränderungen des Erbguts auf, die Widerstandskraft gegen ein Antibiotikum verleihen. Solange diese resistenten Bakterien nicht mit dem Antibiotikum konfrontiert werden, unterscheiden sie sich in nichts von ihren nicht-resistenten Artgenossen, sie sind wegen dieses unnötigen genetischen Ballasts sogar leicht benachteiligt. Sie reagieren ebenso empfindlich auf Umwelt­einflüsse und können ebenso gut vom Immunsystem vernichtet werden.

 
Sind Bakterien allerdings längere Zeit Antibiotika ausgesetzt, haben die resistenten Keime einen Vorteil - und vermehren sich stark. "Antibiotika sind eine Waffe für eine gezielte und genau dosierte Kurzzeittherapie (bis zu zwei Wochen). Die Bakterien müssen in kurzer Zeit soweit dezimiert sein, dass das Immunsystem ihnen wieder Herr werden kann", so Heeg. "Wo das nicht berücksichtigt wird, werden Resistenzen zum Problem." Nur in ganz wenigen Fällen ist eine antibiotische Langzeittherapie angezeigt. Patienten ist daher geraten, sich immer streng an die Vorgaben des Arztes zu halten - und vor allem die eigene Erwartungs­haltung gegenüber dem vermeintlichen Allzweckmittel Antibiotikum zu überdenken. Bei Virenerkrankungen wie grippalen Infekten helfen sie z.B. nicht. "Ein Arzt, der nur selten Antibiotika verschreibt, ist kein schlechter Arzt, sondern verantwortungsvoll", betont der Experte.

Impressionen des Abends

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Termin

Mittwoch, 21. Oktober,
19 Uhr, Hörsaal Kopfklinik, 
Eintritt und Parken frei.

Referent

Prof. Dr. med.

Klaus Heeg

Ärztlicher Direktor Medizinische Mikrobiologie und Hygiene,

Zentrum für Infektiologie

Tel. 06221/56-8311