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Medizin am Abend

Warum Krankheit zum Leben gehört

Ob nun als Folge ungünstiger „Designkompromisse“ der Evolution, der stetigen Auseinandersetzung mit einer Übermacht an Mikroben, Schreibfehlern im genetischen Bauplan oder schlicht Materialverschleiß – Krankheit und Schmerzen werden sich niemals ganz verhindern lassen. Womit wir uns arrangieren müssen und wie wir unsere Gesundheit trotz aller Widrigkeiten fördern können, erläutert der erfahrene Mediziner Professor Dr. Guido Adler bei Medizin am Abend am 17. Mai 2017.

 

Seit genau fünf Jahren und 37 Vorträgen geht es bei Medizin am Abend, jedenfalls meistens, um Erkrankungen und die Frage, wie man sie erkennt, behandelt und, wenn möglich, vorbeugt. „Soweit so richtig“, meint Professor Dr. Guido Adler, scheidender Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg. „Dabei vergisst man aber gerne, dass Krankheit und Schmerzen eine Selbstverständlichkeit des Lebens sind. Sie werden sich trotz Hochleistungsmedizin nie ganz verhindern lassen.“ Denn viele Krankheitsursachen lassen sich schlicht nicht kontrollieren: Auch in Zukunft werden Menschen mit Infektionen durch die extrem anpassungsfähigen Krankheitserreger konfrontiert sein und sich damit arrangieren müssen, dass der Körper nach jahrzehntelangem Gebrauch verschleißt und sich immer schlechter regenerieren kann. „Trotzdem kein Grund, die eigene Gesundheit dem Zufall zu überlassen“, betont Professor Adler. In seinem Vortrag bei Medizin am Abend am Mittwoch, 17. Mai 2017, wird er daher nicht nur über die allgemeine Unvermeidlichkeit der Krankheit sprechen, sondern auch aufzeigen, was jeder selbst für Gesundheit und ein langes Leben tun kann. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Universitätsklinikum und Rhein-Neckar-Zeitung laden alle Interessierten herzlich ein.

 

Krankheiten und Schmerzen können zahlreiche verschiedene Ursachen haben – manche sind gewissermaßen eingebaut, wie Professor Adler in seinem Vortrag erläutern wird. Während der menschlichen Entwicklungsgeschichte hin zum modernen Homo sapiens sapiens, oder teils noch früher, haben sich Schwachstellen in der Gesamtkonstruktion eingeschlichen, „Designkompromisse“ zwischen den anatomischen Gegebenheiten und der Anpassung an neue Umweltbedingungen. „Unser Skelett hat sich zwar im Laufe von Jahrmillionen an den aufrechten Gang angepasst, das Ergebnis ist aber längst nicht optimal. Viele bekommen das in Form von Bandscheiben- oder Gelenkproblemen zu spüren“, erklärt Adler. Ebenfalls wenig ändern können wir an unserer genetischen Ausstattung. Schreibfehler im Erbgut können über Generationen weitergegeben werden oder bei der Bildung von Eizellen und Spermien neu entstehen. Die Folge sind angeborene Erkrankungen wie z.B. Blutgerinnungsstörungen, Mukoviszidose oder die Stoffwechselstörung Phenylketonurie, für die dank des Engagements des Heidelberger Kinderarztes Horst Bickel 1963 das erste Neugeborenenscreening eingeführt wurde.

 

Schreibfehler in den Genen sind übrigens auch schuld an einer der häufigsten Alters-erkrankungen, dem Krebs. Vor jeder Zellteilung im Körper wird das Erbgut verdoppelt; bei mehreren Millionen Zellteilungen sind Fehler während dieses komplexen Prozesses schon eine Frage der Statistik. Wird dabei zufällig ein Bereich umgeschrieben, der die Vermehrung und Lebensdauer der Zellen kontrolliert, beginnen diese zu wuchern. Da das häufig passiert, ist der Körper darauf vorbereitet und verfügt über effektive Abwehrmechanismen. „Im Alter lassen diese aber nach“, sagt Adler. „Daher tritt beispielsweise Darmkrebs überwiegend in der zweiten Lebenshälfte auf und die Erkrankungswahrscheinlichkeit nimmt dann dramatisch zu.“ Ob und an welchem Krebs man allerdings erkrankt, ist häufig reiner Zufall: Bei rund der Hälfte der Patienten lässt sich keine konkrete Ursache, wie etwa Zigaretten- oder übermäßiger Alkoholkonsum, Kontakt zu Umweltgiften oder eine familiäre Vorbelastung ausmachen. 

 

Daraus folgt zwar einerseits, dass selbst der gesündeste Lebenswandel keinen hundertprozentigen Schutz vor Krebs bieten kann. „Andererseits kann man sein Risiko doch deutlich senken“, wie der Internist im Vortrag weiter ausführen wird. „Vor allem“, das ist ihm ganz wichtig“, sollte man die Möglichkeiten der Krebsvorsorge nutzen. Früherkennung leistet einen entscheidenden Beitrag zu einem langen und gesunden Leben.“ Abschließend wird Professor Adler seinen Zuhörern noch weitere konkrete Gesundheitstipps mit auf den Weg geben, darunter z.B.: „Verzichten Sie einmal in der Woche auf das Mittagessen, das wird Ihrem Blutzuckerspiegel hervorragend bekommen.“

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Termin

Mittwoch, 17. Mai
19 Uhr

Hörsaal Kopfklinik
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg

Eintritt und Parken frei.

Referent

Prof. Dr. Guido Adler
Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg