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Medizin am Abend

Wenn die Pfunde zu schwer wiegen: Personalisierte Behandlung bei Adipositas

Krankhaftes Übergewicht, die Adipositas, hat meist komplexe Ursachen. Entsprechend aufwändig und umfassend ist die Therapie – Schema F gibt es nicht. Wie die verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen für eine individuell passende Behandlung ineinander greifen, ist Thema von Professor Dr. Annette Grüters-Kieslich und Privatdozent Dr. Lars Kihm bei Medizin am Abend am 13. März.

Falsche Ernährung ist es meist nicht allein: Auch der sonstige Lebenswandel sowie die Psyche können einen entscheidenden Teil zu krankhaftem Übergewicht, der Adipositas, beitragen. Gängige Diäten helfen oft nicht mehr weiter. „Es gibt Betroffene, die dauernd hungrig sind oder von Heißhunger­attacken heimgesucht werden, gegen die sie nicht ankommen. Das ist ein enormer Leidensdruck, schon bei Kindern“, weiß Kinderärztin Professor Dr. Annette Grüters-Kieslich, Leitende Ärztliche Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg. Professionelle Hilfe ist dann unbedingt nötig, denn Adipositas schränkt nicht nur die Lebensqualität deutlich ein, sondern erhöht auch das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen wie Diabetes und Herzschwäche. In einem Vortrag am Mittwoch, 13. März 2019, wird sie bei Medizin am Abend gemeinsamen mit dem Stoffwechselexperten Privatdozent Dr. Lars Kihm vom Adipositaszentrum Heidelberg über Ursachen, Folgen für Körper und Psyche sowie Behandlungs­möglichkeiten von der Verhaltenstherapie, über neue und innovative Ansätze bei erblicher Adiposias bis hin zur Magen-OP sprechen. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Universitätsklinikum und Rhein-Neckar-Zeitung laden alle Interessierten herzlich ein.


Massives Übergewicht geht sehr häufig mit Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- und Lebererkrankungen sowie Gelenkproblemen einher. Mediziner halten kontrolliertes Abspecken daher ab einem Body-Mass-Index von 30 für dringend erforderlich. Wichtig ist dabei die Klärung der Ursachen: Liegt eine Hormonstörung oder eine genetische Ursache vor? Gibt es psychische Ursachen wie Depressionen oder Essstörungen? Leidet der Patient unter sozialen Problemen? Weiß er überhaupt, wie man sich vernünftig ernährt? Die umfassende Abklärung und die anschließende therapeutische Begleitung der Patienten ist am Heidelberger Adipositaszentrum daher immer interdisziplinäres Teamwork, wie Dr. Kihm, Oberarzt der Abteilung für Endokrinologie, Stoffwechsel und Klinische Chemie an der Medizinischen Universitätsklinik, erläutern wird.

Sehr selten kann ein genetischer Defekt die Ursache sein. „Wir kennen mehrere Gendefekte, die alle einen bestimmten Regelkreis im Gehirn betreffen, der für das Sättigungsgefühl zuständig ist“, erklärt Prof. Grüters-Kieslich. „Schon Kleinkinder leiden dann unter so übermächtigen Hungergefühlen, dass sie sich nicht mehr auf ihr Spiel konzentrieren können, wenn irgendwo etwas zu essen herumsteht.“ Für diese Patienten gibt es inzwischen Hoffnung. Neue Medikamente, die gezielt in den gestörten Regelkreis im Gehirn eingreifen und das Sättigungsgefühl wieder herstellen, werden derzeit noch in Studien getestet. „Es ist aber bereits absehbar, dass eines dieser Medikamente bald auch ausserhalb von Studien für diese Patientengruppe verfügbar sein wird, da der Behandlungserfolg in den Studien eindrucksvoll ist“, so die Expertin.


Umfassende Behandlung am Interdisziplinären Diabetes- und Adipositaszentrum
Rund 900 Patienten werden pro Jahr am interdisziplinären Diabetes- und Adipositaszentrum des Universitätsklinikums betreut: Ein Ärzteteam aus den Bereichen Endokrinologie, Psychosomatik und Sportmedizin klärt medizinische und psychische Ursachen der Fettleibigkeit individuell ab und bietet spezielle Abnehmprogramme, verbunden mit sportlichen Aktivitäten, Ernährungsberatung, psychologischer Betreuung, Verhaltenstherapie und bei Bedarf Medikamenten, an. Schlagen diese Konzepte nicht an, kommen verschiedene Magenoperationen wie Schlauchmagen und Magenbypass in Frage, die innerhalb von ein bis zwei Jahren zur erfolgreichen Gewichtsreduktion führen und teilweise auch eine begleitende Zuckerkrankheit (Diabetes) beheben können. Eine lebenslange Nachsorge ist nötig, die Patienten erhalten bei Bedarf Ernährungs- und psychosomatische Beratungen.

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Termin

Mittwoch, 13. März
19 Uhr

Hörsaal Kopfklinik
Im Neuenheimer Feld 400


Eintritt und Parken frei.

Referenten

Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich, Leitende Ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Heidelberg
Privatdozent Dr. Lars Kihm, Adipositaszentrum Heidelberg

Podcast

Ein paar Kilos mehr auf den Rippen, lassen sich leicht wieder mit Sport wegtrainieren. Anders sieht es bei Adipositas aus. Hier handelt es sich um eine ernstzunehmende Stoffwechselerkrankung, die man ärztlich behandeln lassen sollte. Wie genau Adipositas entsteht und welche Therapien es gibt, darüber spricht Prof. Annette Grüters-Kieslich, Ärztliche Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg, bei Medizin am Abend. Roman Jaburek berichtet:

 

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