Prostatakrebs

Active Surveillance – Active Protection
Durch zunehmend verfeinerte Untersuchungsmethoden wird bei immer mehr Männern ein Prostatakrebs diagnostiziert. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit, ob tatsächlich alle diese Tumore, von denen die meisten keinerlei Beschwerden verursachen einer invasiven Therapie wie u.a. Operation, externe Bestrahlung, Brachytherapie oder HIFU bedürfen.


Alternativ können bestimmte Patienten mit einem gesicherten Prostatakarzinom engmaschig überwacht werden (Active Surveillance) um erst bei einem erkennbaren Fortschreiten des Tumors (Progression) invasiv behandelt zu werden. Active Surveillance bedeutet wahrscheinlich für viele Männer nicht nur den Aufschub einer invasiven Behandlung, sondern macht diese gänzlich überflüssig.
Das Prostatazentrum an der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg führt daher eine Spezialsprechstunde durch, die im Rahmen der Active Surveillance gezielt mit modernsten Methoden untersucht und entsprechend berät. Zusätzlich werden hierbei auch die Möglichkeiten der Progressionshemmung durch Lebensführung, Ernährung und ggf. unterstützende medikamentöse Maßnahmen erläutert (Active Protection).

 

Active Surveillance bedeutet zuerst die Bewertung der bereits erhobenen Befunde. Eine besondere Bedeutung haben in diesem Zusammenhang die aktuellen und älteren Laborwerte inkl. dem PSA (Prostata-spezifisches Antigen), der sog. Gleason Score, sowie die Gesamtzahl und Lokalisation der entnommenen Gewebeproben mit dem jeweiligen Prozentsatz des befallenen Gewebes. Die sorgfältige körperliche Untersuchung und Laboranalytik wird dann durch die Bildgebung erweitert. Hierzu steht, Dank einer großzügigen Spende der Dietmar-Hopp-Stiftung, in der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg ein spezielles Ultraschallgerät, zu Verfügung. Dieses SIEMENS Acuson S2000 hat nicht nur eine herausragende Bildqualität im Normalbetrieb, sondern erlaubt auch die Untersuchung der Prostata mit speziellen Kontrastmitteln und der sog. Elastographie. Sowohl bei der initialen als auch während der wiederholten Befundung, lassen sich Ausdehnung und ggf. Progression eines Tumors mit diesen Techniken in aktuellster Qualität darstellen. Bei speziellen Fragestellungen kann zusätzlich eine MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) und eine MRS (Magnet-Resonanz-Spektroskopie) durchgeführt werden.


Der Verzicht auf eine invasive Therapie im Rahmen der Active Surveillance sollte dennoch nicht auf Abwarten und Kontrollieren beschränkt sein. Die Urologische Universitätsklinik Heidelberg hat daher das Konzept der ActiveSurveillance-ActiveProtection entwickelt. Entsprechend dem aktuellstem Stand der Wissenschaft und ihrem individuellen Befund werden hierbei Männer mit dem Ziel beraten, bei Erhalt der normalen Lebensqualität die Tumorprogression zu hemmen. Anpassung des Lebensstils, Ernährung, Zusatzstoffe und ggf. unterstützende medikamentöse Maßnahmen stehen dabei in erster Linie zur Verfügung.


Die sorgfältige Nachbeobachtung unserer Patienten wird durch die seit 1993 prospektiv geführte Tumordatenbank ermöglicht. Hier werden die Daten aller unserer Tumorpatienten kontinuierlich aktualisiert und ausgewertet. Auf Wunsch werden Erinnerungsschreiben zur Nachuntersuchung versandt und ggf. Tumorgewebe in flüssigem Stickstoff und/oder Paraffin auf unbestimmte Zeit gelagert. Diese Tumorgewebebank ermöglicht jederzeit wiederholte oder vergleichende Gewebeuntersuchungen zur Evaluation von Progressionsparametern.


Ein Termin kann unter 06221 56-8820 vereinbart werden.