Behandlungsalternativen

Etwa die Hälfte aller Wirbelkörperbrüche verursacht heftige Schmerzen, weil z.B. Knochensplitter oder Bandscheiben sich verschieben und auf Nerven oder Rückenmark drücken können. Oder aber, weil der Wirbelkörper immer weiter einbricht (=sintert) und dadurch die Knochenhaut des Wirbelkörpers und das Knochenmark ständig gereizt bzw. komprimiert werden.

Patienten, die an einem schmerzhaften Wirbelbruch leiden, werden mit Schmerzmitteln behandelt. Durch eine Linderung der Schmerzen kann bei manchen Patienten eine Bettlägerigkeit verhindert werden. Dadurch wiederum werden schmerzverstärkende Fehlhaltungen des Körpers vermieden.

Glücklicherweise kommt es bei der Hälfte der schmerzhaften Wirbelbrüche nach einigen Wochen zu einem Rückgang der Beschwerden, wodurch dann bei dieser Hälfte der schmerzhaften Wirbelbrüche die schmerzreduzierenden Mittel meist abgesetzt werden können.

Bei der anderen Hälfte der Patienten mit schmerzhaften Wirbelbrüchen sind längerfristig Schmerzmedikamente erforderlich. Eingesetzt wird ein schmerztherapeutisches Stufenschema gemäß den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zunächst kommen Aspirin und Paracetamol zum Einsatz, dann Anti-Rheumatika, schließlich Opiate bis hin zu Morphium.

Bei langfristiger Anwendung von Schmerzmitteln können natürlich Nebenwirkungen auftreten. Das ist individuell verschieden. Hier müssen Arzt und Patient gemeinsam beraten, was und wie viel einer Substanz notwendig und verträglich ist.

Wichtig ist auch die unterstützende Behandlung durch krankengymnastische Übungen. Manchmal können auch stabilisierende Maßnahmen wie Mieder oder Korsetts hilfreich sein, die individuell angepasst werden müssen und die Wirbelsäule entlasten. Dadurch erfährt sie in manchen Fällen weniger Bewegung, die Schmerzen gehen zurück und die Muskulatur entspannt sich.

Als weiteres operatives Verfahren steht die Vertebroplastie zur Verfügung.


Unterschied zwischen Kyphoplastie und Vertebroplastie

Ein weiteres operatives Verfahren zur Therapie von Wirbelkörperbrüchen ist die sogenannte „Vertebroplastie“. Sie ist ein Vorläuferverfahren der Kyphoplastie und wird seit ca. 20 Jahren vor allem in Frankreich praktiziert.

Wie bei der Kyphoplastie wird auch bei einer Vertebroplastie Zement in einen schmerzhaft eingebrochenen Wirbelkörper gespritzt, wobei der Patient auf dem Bauch liegt.

Die Unterschiede zur Kyphoplastie:
  • Die Vertebroplastie wird meist in Lokalanästhesie von Radiologen vorgenommen.
  • Der Arzt sticht mit einer dickeren Spritze direkt in den eingebrochenen Wirbelkörper.
  • Der Wirbel wird bei der Vertebroplastie nicht mit einem Ballonkatheter aufgerichtet, sondern der Zement wird direkt in die Bruchstellen des eingebrochenen Wirbelkörpers gespritzt.
  • Anders als bei der Kyphoplastie wird bei der Vertebroplastie kein Hohlraum für den Zement vorbereitet. Daher muss der Zement dünnflüssig sein und unter hohem Druck eingebracht werden, damit er sich in den Wirbelbruch "hineinwühlt". Dadurch kommt es bei ca. 30 bis 70 Prozent der Patienten zu Zementaustritten in die Wirbelkörperumgebung hinein. Das ist deutlich häufiger als bei einer Kyphoplastie, bei der in den Hohlraum recht dickflüssiger Zement unter geringem Druck eingefüllt werden kann.
  • Da bei der Vertebroplastie häufiger Zement austritt, ist das Risiko hier größer, dass er auf Nerven oder Rückenmark drückt und Beschwerden verursacht. Auch kann abgeschwemmter Zement in manchen Fällen eine Lungenembolie verursachen.
  • Bei einer Vertebroplastie verwendet man als Zement fast ausschließlich Kunststoff, nämlich Polymethylmetacrylat, besser bekannt als Plexiglas. Da dieses Material unter Hitzebildung aushärtet, ist eine Schädigung der benachbarten Knochenzellen möglich. Allerdings hat man gute Erfahrungen gemacht. Selbst wenn es zu Schäden kommt, wird der geschädigte Knochenbereich ab- und wieder neu aufgebaut.
  • Die Vertebroplastie ist mit ca. 300 € deutlich kostengünstiger als die Kyphoplastie mit ca. 3000 €.

Sowohl durch die Kyphoplastie als auch durch die Vertebroplastie lassen sich die durch eingebrochene Wirbelkörper verursachten Schmerzen verringern. Bei frischen Brüchen können die Wirbelkörper aber nur durch die Kyphoplastie wieder etwas aufgerichtet werden.

Sowohl für die Kyphoplastie als auch für die Vertebroplastie liegen kontrollierte Studien vor, die einen Langzeitnutzen über mehr als ein Jahr für beide Verfahren belegen (Opens internal link in current windowKasperk et al. 2005, Grafe et al. 2005). Allerdings sind für die Vertebroplastie zwei Studien durchgeführt worden, die überrschenderweise keinerlei Nutzen einer Vertebroplastie zur Behandlung schmerzhafter Wirbelkörperbrüche zeigen (Opens external link in new windowA Randomized Trial of Vertebroplasty for Osteoporotic Spinal Fractures, New England Journal of Medicine 2009 - Kallmes, Opens external link in new windowA Randomized Trial of Vertebroplasty for Painful Osteoporotic Vertebral Fractures - Buchbinder, ). Weitere shamkontrollierte randomisierte Studien sind daher weiterhin erforderlich um den definitiven Nutzen dieser Verfahren endgültig beurteilen zu können.


Kyphoplastie und Vertebroplastie im Vergleich


Vertebroplastie

Der Wirbel wird bei der Vertebroplastie nicht mit einem Ballonkatheter aufgerichtet, sondern der Zement wird direkt in die Bruchstellen des eingebrochenen Wirbelkörpers gespritzt.

Print Diese Seite per E-Mail weiterempfehlen

Ärztlicher Direktor

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Peter Nawroth
Zentrum für Innere Medizin (Krehl-Klinik)
Klinik für Endokrinologie, Stoffwechsel und Klinische Chemie

Sekretariat:
Tel.: 06221 56-8601
Fax: 06221 56-5226

Opens internal link in current windowzum Kontaktformular

Adresse

Zentrum für Innere Medizin (Krehl-Klinik)
Klinik für Endokrinologie, Stoffwechsel und Klinische Chemie (Innere Medizin I)
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg

Opens internal link in current windowzur Anfahrtsbeschreibung

15. Stoffwechseltage

05. - 06.02.2016
15. Heidelberger Stoffwechsel- und Hormontage


Opens internal link in current windowweitere Veranstaltungen