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Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg

Nr. 120 / 2009
30. Juli 2009

Ein international renommierter Experte für Behandlung und Rehabilitation bei Querschnittlähmung

Professor Dr. Hans Jürgen Gerner, Ärztlicher Direktor an der Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg, geht in den Ruhestand

Professor Dr. med. Hans Jürgen Gerner, international anerkannter Experte für die Behandlung und Rehabilitation von querschnittgelähmten Patienten, geht zum 1. August 2009 in den Ruhestand. 1995 war er dem Ruf auf die Professur für Orthopädie Schwerpunkt Rehabilitationsmedizin der Universität Heidelberg gefolgt und hatte die Leitung der Abteilung Orthopädie II als Ärztlicher Direktor übernommen.

 

 "In dieser Zeit ist es ihm gelungen, die Orthopädische Klinik zum renommierten Behandlungs- und Forschungsschwerpunkt für Querschnittlähmung (Paraplegie) auszubauen und als einziges universitäres Zentrum dieser Art in Deutschland zum Erfolg zu führen", erklärt Professor Dr. J. Rüdiger Siewert, Vorstandvorsitzender der Stiftung Orthopädische Universitätsklinik und des Universitätsklinikums Heidelberg. Für sein großes Engagement war Professor Gerner im Mai 2007 von Bundespräsident Köhler mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Am 22. September 2009 findet seine offizielle Verabschiedung in der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg statt.

 

Innovationspreis des Bundesforschungsministeriums

 

Das Heidelberger Zentrum für Querschnittlähmung hat Maßstäbe für die Behandlung und Rehabilitation querschnittgelähmter Patienten in Deutschland gesetzt. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1966 wurden dort rund 12.000 querschnittgelähmte Männer, Frauen und Kinder versorgt. Dazu gehören auch Kinder, die an einem "offenen Rücken" (Spina bifida) leiden. Meist ist die Querschnittlähmung jedoch  erworben, etwa nach einem Unfall (70 Prozent). Entzündliche Erkrankungen und Tumorleiden sind mit rund 30 Prozent die zweithäufigste Ursache.

 

Weitere Schwerpunkte der Abteilung Orthopädie II sind die konservative und spezielle operativ-chirurgische Behandlung von spastischen Lähmungen bei Kindern sowie der Bereich Technische Orthopädie, in dem mechanische, zunehmend auch elektronisch gesteuerte  Prothesen entwickelt werden. Weiteres Forschungsziel ist die Entwicklung technischer Geräte zur Stimulierung von Restfunktionen bei querschnittgelähmten Patienten. Ein Heimtrainer, dessen Effektivität die Heidelberger Wissenschaftler in klinischen Studien belegen konnten, wurde 2006 mit dem Innovationspreis des Bundesministeriums für Forschung und Wissenschaft ausgezeichnet.

 

International gefragter Experte auf dem Gebiet der Paraplegiologie

Professor Gerner wurde 1941 in Kaiserslautern geboren. Nach seinem Studium in Marburg, Innsbruck, Wien und Göttingen absolvierte er seine Weiterbildung zum Orthopäden an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg und der BG-Unfallklinik in Ludwigshafen, wo er auch die Zusatzbezeichnung Sportmedizin erwarb. Prägend war für ihn ein Gastaufenthalt im Juli 1974 am "National Spinal Injuries Centre" des Stoke Mandeville Hospital in Aylesbury, England. Diese Erfahrungen setzte er zunächst in Ludwigshafen und dann am Zentrum für Rückenmarkverletzte in Bad Wildungen um. Für das Rote Kreuz war er immer wieder als Spezialarzt unterwegs, z.B. nach den schweren Erdbeben in Armenien. Seine wissenschaftliche Beschäftigung mit neuen Therapieansätzen bei Querschnittlähmung führte 1990 zur Habilitation an der Universität Gießen.

 

Der Ruf von Professor Gerner als Kapazität auf dem Gebiet der Paraplegiologie reicht weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Zahlreiche Verbände, Stiftungen und Organisationen, die die Behandlung der Querschnittlähmung vorantreiben, haben ihn in führende Funktionen gewählt. So wirkte Professor Gerner als Vorsitzender des Stiftungsrates der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung (DSQ), als Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation, des Stiftungsrates der Internationalen Stiftung für Forschung in Paraplegie (IFP) Zürich sowie als Vorsitzender der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e.V. und Wissenschaftlicher Beirat der Stiftung Deutscher Schlaganfall-Hilfe. Die Deutschsprachige Medizinische Gesellschaft für Paraplegie e.V. ernannte ihn 2007 auf ihrer 20. Jahrestagung in Wien zum Ehrenmitglied.

 

Wissenschaftlicher und klinischer Schwerpunkt bleibt erhalten

Der wissenschaftliche Schwerpunkt Paraplegiologie und Rehabilitationsmedizin, in seiner Ausprägung einmalig in Deutschland, bleibt erhalten; die Besetzung der Abteilungsleitung und die Nachfolge auf den Lehrstuhl ist derzeit in Vorbereitung. Bis dahin wird die Abteilung kommissarisch vom Ärztlichen Direktor der Abteilung Orthopädie Professor Dr. Volker Ewerbeck geleitet.

 

Die Orthopädische Universitätsklinik, das Universitätsklinikum und die  Medizinische Fakultät Heidelberg laden herzlich zur Verabschiedung von Professor Dr. Hans Jürgen Gerner am 22. September 2009 um 17.30 Uhr im Hörsaal der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg ein.

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