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Einseitige Flankenschmerzen


Symptome:     

Plötzlich aufgetretene oder sich langsam entwickelnde  überwiegend ein-seitige Schmerzen in der Flankengegend (Rücken, unterhalb des Rippenbogens). Die Symptome können sehr stark variieren.

 


Begleitsymptome:   

  • weitere Schmerzen (Unterbauch auf derselben Seite, über der Blase oder Penisspitze,     Hoden oder Schamlippen)
  • Übelkeit und/oder Erbrechen bei starkem Schmerzreiz
  • Blut im Urin
  • Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, häufiger Drang
  • Fieber (in der Armbeuge >37,5oC; im Ohr erst ab 38,4oC) und/oder Schüttelfrost

 

Mögliche Ursachen:    

 

1.    Nierenkolik:

 

  • Nierensteine können starke Schmerzen verursachen, wenn die Steine vom Nierenbecken in den Harnleiter wandern. Diese stechenden Schmerzen, die eine wellenartige Ausprägung haben und bis zu 60 Minuten oder mehr anhalten können werden (Nieren)Koliken genannt.
  • Die Schmerzlokalization  kann sich ändern (Steinwanderung im Harnleiter führt zu einer typischen Veränderung des Schmerzbildes). Rutscht der Stein tiefer, kommt es zu einer Verlagerung des Hauptschmerzes von der Flanke in die Leiste, bis in den Hodensack bzw. in die grossen Schamlippen. Die Schmerzen verschwinden typischerweise, wenn der Nierenstein die Blase erreicht hat.
  • Die Reibung des Steines an der Schleimhaut des Harnleiters kann leichte Blutungen verursachen, die dann schon bei nur geringen Mengen im Urin als rötliche Färbung sichtbar werden.
  • Sind die Schmerzen sehr heftig kommt es nicht selten begleitend zu Übelkeit und Brechreiz bzw. Erbrechen.

 

Ernste Komplikationen:

  • Nierensteine können von schweren Harnwegsentzündungen begleitet werden, die bis in die Niere aufsteigen und zur massiven Bakterienausschwemmung in den Kreislauf führen können (Urosepsis). Eine Urosepsis ist akut lebensbedrohlich!
  • Ist der Harnleiter durch einen Stein komplett blockiert, staut sich der Urin in der Niere (Hydronephrose). Chronische Folge ist eine zunehmende Schädigung der Niere mit Verlust ihrer Funktion.

 


Diagnose

  • Die Diagnose eines Harnsteines wird durch den Urologen durch die Krankengeschichte, die körperliche Untersuchung, die Urinanalyse, den Ultraschall und ggf. das Röntgenbild bestätigt.
  • Wichtig ist der gleichzeitige Ausschluß anderer Krankheitsbilder, die die Symptome eines Steines vortäuschen können. Dazu gehören z.B.: eine akute Zerreissung der Wand der großen Bauchschlagader (dissezierendes Aortenaneurysma), akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis), Blinddarmentzündung, Stieldrehung von Eierstock (Ovar) oder einer Ovarialzyste, Dickdarmdurchbruch (perforierte Sigmadivertikulitis), Hodentorsion, Epididymitis.

 

 

Therapie

  • der Hausarzt oder Notarzt verabreicht bei einer Nierenkolik zunächst krampflösende und schmerzstillende Medikamente.
  • Der Urologe wird auch entscheiden, ob ein konservativer Therapieversuch möglich ist (spontaner Abgang des Steines gefördert durch entsprechende Medikamente) oder ob der Stein durch eine externe Stoßwelle zertrümmert bzw. instrumentell minimal-invasiv entfernt werden sollte.
  • Bei wie oben beschriebenen ernsten Komplikationen sind sofortige weitere Maßnahmen erforderlich. Dazu gehört vor allem die Ableitung des Urins und die Behandlung einer etwaigen Entzündung.

 

2.    Akute Nierenbeckenentzündung:

  • Meist als Folge einer nicht behandelten Blasenentzündung (aufsteigend) die oft mit Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und kleine Urinportionen einhergeht.
  • Der Flankenschmerz über der betroffenen Niere entwickelt sich langsam, ist dumpf, kann aber auch krampfartig sein. Die Flanke der betroffenen Niere ist meist bei Bewegungen äußerst schmerzhaft oder v.a. wenn man sie mit den Handkanten beklopft.
  • Die Erkrankte (meist junge Frauen) entwickelt meist im Verlauf Fieber und Schüttelfrost, zum Teil mit nicht klar abzugrenzenden Bauchschmerzen. (Typischerweise tritt plötzlich ein schweres Krankheitsgefühl auf mit Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit).
  • Die Nierenfunktion ist bei der akuten Nierenbeckenentzündung zunächst nicht eingeschränkt.

 

Komplikationen:

  • Eine akute Nierenbeckenentzündung muss ernst genommen werden, da sich die Erkrankung ausweiten und chronisch werden kann. Eine Ausweitung der Entzündung kann zur Streuung von Bakterien über das Blut und zu einer Urosepsis (Blutvergiftung) führen.
  • Als weitere Komplikation kann sich ein Abszess bilden, der mit starkem Flankenschmerz und hohem Fieber einhergeht und zum Verlust der Niere führen kann.
  • Der Verlauf der chronischen Entzündung kann bis zum Nierenfunktionsverlust (Niereninsuffizienz) führen.

 


Diagnose

  • Die Diagnose einer Nierenbeckenentzündung wird durch den Urologen durch die Krankengeschichte, die körperliche Untersuchung, die Urinanalyse, den Ultraschall und das Blutlabor bestätigt. Ggf., insbesondere bei Verdacht auf einen Nierenabszess, kann auch eine erweiterte Bildgebung - vorzugsweise durch Magnetresonanztomographie - notwendig werden.
  • Wichtig ist der gleichzeitige Ausschluß anderer Krankheitsbilder, die die Symptome einer Nierenbeckenentzündung vortäuschen können. Dazu gehören z.B.: eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis), Blinddarmentzündung, Dickdarmdurchbruch (perforierte Sigmadivertikulitis).


Therapie

  • der Hausarzt oder Notarzt verabreicht bei einer Nierenbeckenentzündung zunächst antientzündliche und schmerzstillende Medikamente.
  • Der Urologe wird die antibiotische Therapie während des stationären Krankenhausaufenthaltes an die individuele Keimsituation anpassen. Ergänzt wird die antibiotische Therapie durch eine Infusionstherapie und ggf. durch eine vorübergehende Ableitung des Urins über einen Katheter.
  • Gleichzeitig werden regelmäßig die Blutwerte und ggf. der Ultraschallbefund der Niere überprüft.

 


Was tun?    

  • Leichte Flankenschmerzen werden häufig primär durch den Hausarzt untersucht, der dann die weiteren diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen einleitet.
  • Das Auftreten von Blut im Urin, schmerzhaft oder nicht, sollte unbedingt urologisch abgeklärt werden, da es manchmal erstes Zeichen für einen bösartigen Tumor im Bereich des Harntraktes sein kann.

 

 

Bei Flankenschmerzen in Kombination mit:

  • Fieber oder Schüttelfrost (Bakterieneinschwämmung in der Blutbahn)
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Veränderung des Wachzustandes (ausgeprägte Schläfrigkeit, Delirium usw.)
  • Starke Blutung im Urin (d.h. sehr dunkle Verfärbung und v.a. Abgang kleiner Bröckchen – Blutgerinsel)

ist - ggf. über den Notarzt – unverzüglich eine Vorstellung in einem Krankenhaus notwendig, das nach Möglichkeit eine urologische Abteilung führt.