Elektrophysiologische Diagnostik im HNO-Bereich

Unter elektrophysiologischer Diagnostik versteht man Verfahren,die von Nerven fortgeleitete elektrische Aktivitäten ableiten und damit der Diagnostik zugänglich machen.

 

Diese Untersuchungen erlauben differenzierte Aussagen über die Nervenfunktion bzw. deren Störungen.

 

Im Bereich der HNO-Heilkunde sind insbesondere der Gesichtsnerv (N.facialis), die Kehlkopfnerven (N. vagus und N.recurrens), der Zungennerv (N. hypoglossus) und der Schlundnerv (N.glossopharyngeus) von klinischem Interesse.

 

 

 

 

Die wichtigsten Krankheitsbilder

 

Lähmung des Gesichtsnerven

 

Die periphere Fazialisparese ist die häufigste aller Nervenerkrankungen. Die Erkrankung tritt in der Regel "aus heiterem Himmel" und bei völligem körperlichem Wohlbefindenauf. Die möglichen Ursachen dieser Erkrankung sind vielfältig. Der überwiegende Anteil der möglichen zugrundeliegenden Krankheitsbilder ist ausgesprochen selten, trotzdem bleibt ihr Ausschluss als Ursache im Rahmen der Differentialdiagnose notwendig. Kann eine definitive Ursache nicht gefunden werden spricht man von einer Bellschen oder idiopathischen Parese, die den größten Anteil aller Gesichtsnervenlähmungen ausmacht. Mittlerweile kann als wissenschaftlich nahezu gesichert gelten, dass diesen Lähmungen vermeintlich unbekannter Ursache in Wirklichkeit virale Entzündungen zu Grunde liegen.

Elektrophysiologische Untersuchungen erlauben eine Einschätzung der Nervenschädigung und damit eine recht zuverlässige Prognose der Ausheilungswahrscheinlichkeit. Die elektrophysiologische Untersuchung wird in der Regel zu Beginn der Lähmung erstmals durchgeführt, nach 14Tagen sowie nach 3 und 6 Monaten erfolgen weitere Kontrollen. Die elektrophysiologische Diagnostik kann das Heilungsergebnis mit einerZuverlässigkeit von 94% vorhersagen.

 

 

 

Lähmung des Kehlkopfnerven

 

Die Lähmung eines Kehlkopfnerven führt zum Stillstand eines Stimmbands. Der betroffene Patient bemerkt in erster Linie eine Heiserkeit und eine leisere Stimme. Sind beide Kehlkopfnerven betroffen können beide Stimmbänder nicht mehr bewegt werden. Die Stimme ist indiesem Fall fast normal, aber der betroffene Patient bemerkt eine ausgeprägte Luftnot. Häufig wird dann unter Umständen sogar ein Luftröhrenschnitt notwendig.

 

Die häufigste Ursache für Lähmungen der Kehlkopfnerven sind Operationen an der Schilddrüse. Aber auch andere Operationen im Bereichdes Halses, der Halswirbelsäule und des Brustkorbs können solche Nervenschädigungen verursachen. Selten kann auch ein Tumor im Verlauf des Nerven verantwortlich sein.

 

Die elektrophysiologische Untersuchung der Kehlkopfnerven erlaubteine Einschätzung der Nervenschädigung und damit eine rechtzuverlässige Prognose der Ausheilungswahrscheinlichkeit.Bei einseitigen Lähmungen hilft die elektrophysiologische Untersuchung zu entscheiden, ob eine stimmverbessernde Operation angezeigt sein könnteund wann der dafür am besten geeignete Zeitpunkt ist. Bei der beidseitigen Lähmung, die ja vor allem zu Atemnot führt, ist die elektrophysiologische Untersuchung eine wichtige Voraussetzung für einen operativen Eingriff zur Kehlkopferweiterung.

 

 

 

 

 

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