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Erkrankungen des Kehlkopfes und der Trachea

 

Die einseitige Stimmbandlähmung

 

Die einseitige Lähmung eines Stimmbands führt zu Heiserkeit, da sich die Stimmbänder nicht mehr vollständig in der Kehlkopfmitte aneinanderlagern können. Durch diesen Restspalt entweicht unkontrolliert "wilde Luft", die Stimme ist verhaucht und der Patient neigt zu Kurzatmigkeit. Ursache ist in den meisten Fällen ein Nervenschaden, der durch eine elektrophysiologische Untersuchung der Kehlkopfmuskulatur genauer abgeklärt werden kann. Besteht ein hoher Leidensdruck durch die Symptomatik sollte eine stimmverbessernde Operation erwogen werden. Hier stehen zwei unterschiedliche Operationstechniken zur Verfügung. Bei der endoskopischen Stimmband-Augmentation wird eine Substanz neben die gelähmte Stimmlippe eingespritzt, dadurch wird der Restspalt zur gesunden Gegenseite verkleinert.

Welche Substanz empfohlen wird, sollte individuell mit dem Patienten besprochen werden.

Der Eingriff ist nur in einer kurzen Vollnarkose möglich, dafür kann der Patient am ersten Tag nach der Operation die Klinik verlassen. Bei der Thyroplastik wird über einen Hautschnitt am äußeren Hals das knorpelige Skelett des Kehlkopfs eröffnet. Dann wird ein Implantat aus Silikon, Gore-Tex oder Titan eingesetzt, welches das gelähmte Stimmband in die Mitte verlagert. Auch hier wird also der Restspalt verkleinert. Dieser Eingriff kann in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose erfolgen. Wegen der größeren Wundfläche und der Gefahr einer Schwellung im Bereich der Atemwege ist jedoch ein stationärer Aufenthalt von etwa einer Woche erforderlich. Welcher der genannten Eingriffe für den jeweiligen Patienten am besten geeignet ist kann nur im Einzelfall und in enger Abstimmung mit dem Betroffenen entschieden werden. Im Regelfall führen beide Verfahren zu einer praktischen Normalisierung der Stimmfunktion.

 

Reinke-Ödem

 

Bei diesem Krankheitsbild kommt es zu einer Verdickung der Stimmbänder durch Einlagerung einer wasserartigen Substanz. Die Stimmlippen verdicken sich, die Stimme wird tiefer und rauer. In ausgeprägten Fällen kann eine Atmungsbehinderung hinzutreten. Fast immer sind Frauen betroffen. Ursachen sind zumeist jahrelanges Rauchen in Verbindung mit einer stimmlichen Überlastung/Fehlbelastung. Die Erkrankung ist gutartig. Die Behandlung besteht üblicherweise in einer endoskopisch / mikrochirurgischen Operation und Abtragung des Ödems. Dieser Eingriff sollte in einer kurzen Vollnarkose stattfinden.

 

Polyp

Unter Stimmbandpolypen versteht man gutartige Gewebeneubildungen. Sie stören den Ablauf der Stimmbandschwingungen und führen deshalb zu Heiserkeit. Eine konservative Therapie ist nur im Ausnahmefall erfolgreich. Die Therapie der Wahl ist daher die endoskopische mikrochirurgische Operation zur Abtragung des Polyps. Je nach Art des Polyps wird dieser Eingriff auch unter Einsatz des Operations-Lasers durchgeführt.

 

Zyste

Wenn sich eine kleine Drüse in der Schleimhaut eines Stimmbands verschließt sammelt sich ihr Sekret an und bildet eine Zyste. Dadurch wird die Schwingungsfähigkeit des Stimmbands eingeschränkt, die Stimme wird heiser. Eine Zyste ist nur durch eine Operation zu behandeln. Dabei wird unter hoher mikroskopischer Vergrößerung im Rahmen eines endoskopischen Eingriffs die Zyste so ausgeschält, dass die Schleimhaut des Stimmbands möglichst vollständig erhalten bleibt.

 

Knötchen

Stimmbandknötchen treten typischerweise in Folge einer übermäßigen Stimmbelastung an beiden Stimmbändern auf. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. Eine chirurgische Abtragung ist nur im Ausnahmefall sinnvoll. Die Therapie der Wahl ist zunächst eine intensive Stimmübungsbehandlung (Logopädie) und/oder die Beendigung der Stimmüberlastung.

 

Granulom

Durch ihre Lage im hinteren Anteil der Stimmlippen verursachen Granulome meist keine Heiserkeit. Oft werden Granulome daher nur "zufällig" im Rahmen einer allgemeinen HNO-ärztlichen Untersuchung entdeckt. Ursächlich für Granulome ist häufig ein Rückfluss von saurem Magensaft oder Aufsteigen von säurehaltigen Gasen über die Speiseröhre in den Kehlkopf oder eine chronische Reizung desselben. Die Überproduktion von Magensäure sollte dringend behandelt werden, ggf. wird auch eine gastroenterologische Abklärung empfohlen. Da eine endoskopische und stroboskopische Untersuchung allein nicht mit letzter Sicherheit einen bösartigen Tumor ausschließen kann, ist es sinnvoll ein Granulom mikrochirurgisch im Rahmen eines endoskopischen Eingriffs zu entfernen.

Granulome haben allerdings eine Neigung, nach einer chirurgischen Abtragung erneut aufzutreten. Wiederholte Abtragungen sind bei gesicherter Diagnose daher nicht immer sinnvoll.

 

Leukoplakien der Stimmlippen

 

Als Leukoplakien werden weiße, nicht abwischbare Veränderungen bezeichnet. Sie stellen eine sogenannte Präkanzerose (Veränderung mit einem erhöhten Risiko der Krebsentstehung) dar. Beim Vorliegen solcher Leukoplakien auf den Stimmlippen sollte eine Probeentnahme oder Abtragung in Vollnarkose sowie eine regelmäßige Nachuntersuchung erfolgen.

 

 

 

Stenosen (Einengungen) des Kehlkopfs und der Luftröhre

 

Eine Verengung des Atemwegs im Kehlkopf oder in der Luftröhre führt zur Atemnot beim betroffenen Patienten. Abhängig vom Grad der Stenose ist bereits in Ruhe eine Atemnot spürbar, teilweise ist eine ausreichende Atmung durch Mund und Nase nicht mehr möglich, sodass in manchen Fällen auch ein sogenanntes Tracheostoma (Luftröhrenschnitt) angelegt werden muss. Ein solches Tracheostoma stellt für den betroffenen Patienten jedoch stets ein Handicap dar. Die Gefahr für Infekte im Bereich der Lunge ist erhöht, die sprachliche Kommunikation ist eingeschränkt und auch Funktionen wie das Riechen sind nur noch eingeschränkt möglich.

Es wird daher von jeher versucht, einen Luftröhrenschnitt zu vermeiden bzw. einen Atemweg in ausreichendem Durchmesser auf operative Weise wieder herzustellen.Abhängig von Ausmaß und Lokalisation der Einengung gibt es hierzu verschiedene Möglichkeiten.

 

Glottische Stenosen

 

Bei glottischen Stenosen liegt die Engstelle auf dem Niveau der Stimmlippen. In der Mehrzahl der Fälle wird dies verursacht durch eine beidseitige Lähmung der Stimmbandnerven, wie sie etwa in seltenen Fällen nach Operationen an der Schilddrüse auftreten kann. Die Stimmbänder stehen dauerhaft in "geschlossener" Stellung, so dass eine ausreichende Atmung nicht mehr möglich ist. Die Stimmfunktion ist hingegen meist gut.

Glottische Stenosen könne allerdings auch andere Ursachen haben. Beispielsweise können sie nach Abtragungen am Kehlkopf sowie als Folge einer Bestrahlungbehandlung oder Lagzeitbeatmung auftreten.

 

Heute kann bei einer glottischen Stenose in vielen Fällen ein Luftröhrenschnitt vermieden werden. Zur Erweiterung des Kehlkopfes stehen endoskopische, minimal-invasive Verfahren zur Verfügung, die einen guten Kompromiss zwischen Erhalt der Stimmfunktion und Verbesserung der Atmung erlauben. Diese Eingriffe werden u.a. mit dem CO2-Laser unter Einsatz von Spezialinstrumenten durchgeführt.

 

Subglottische Stenosen

Nach längerer künstlicher Beatmung mit einem Tubus (Beatmungsschlauch), etwa im Rahmen einer intensivmedizinischen Behandlung, kann es zu einer narbigen Verengung im Bereich der oberen Luftröhre kommen. Grund dafür sind meist chronische Entzündungen, die aufgrund von Verletzungen durch den Druck des Beatmungstubus ausgelöst wurden. Kleinkinder sind hier besonders gefährdet und stellen einen verhältnismäßig großen Anteil aller Betroffenen dar.

Hat sich eine solche narbige Stenose entwickelt, ist in aller Regel zunächst ein Luftröhrenschnitt erforderlich. Eine endoskopische Untersuchung in Narkose erlaubt dann eine gründliche Einschätzung des genauen Ausmaßes und der genauen Lokalisation der Stenose. Die Engstelle wird vermessen, gemeinsam mit anderen Befunden kann dann eine geeignete Technik zum Wiederaufbau eines ausreichend weiten Atemwegs gewählt werden.

In seltenen, ausgewählten Fällen kann eine endoskopische Erweiterung mit dem CO2-Laser sinnvoll sein. Allerdings ist hier die Gefahr einer erneuten Stenosierung hoch. Gerade bei Kindern sollte daher der Einsatz des CO2-Lasers auf absolute Einzelfälle beschränkt bleiben.

Auch eine Dehnungsbehandlung mit einem Katheter, kombiniert mit einer lokalen medikamentösen Therapie kann insbesondere in Fällen einer Autoimmunerkrankung diskutiert werden.

In vielen Fällen wird es jedoch notwendig, eine aufwendigere Operation von außen vorzunehmen. Dabei kann entweder ein Aufbau mit körpereigenem Knorpel oder eine vollständige Entfernung der Engstelle erfolgen. Bei letzterem muss die Luftröhre neu an den Kehlkopf angeschlossen werden. Beide Verfahren haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Welches zum Einsatz kommt, ist von vielen Faktoren abhängig,die auf den individuellen Einzelfall abgestimmt werden müssen.

 

Generell gilt jedoch, dass Rekonstruktionsverfahren im Bereich der Luftröhre und des Kehlkopfes komplexe Operationen darstellen, die nicht selten mehrere Schritte erfordern. Regelmäßig wird eine postoperative Überwachung auf einer Intensiv- oder Überwachungsstation notwendig. Insgesamt ist es jedoch heute in den meisten Fällen möglich, den Atemweg so zu rekonstruieren, dass der Luftröhrenschnitt nach erfolgter Ausheilung wieder verschlossen werden kann.

 

 

 

 

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