Seit 1860: Pädiatrie in Heidelberg

Ernst Moro

Ernst Moro wurde 1874 in Ljubljana/Slowenien geboren. Er erhielt seine Ausbildung in Graz bei Theodor Escherich. Durch Erstbeschreibung des Lactobacillus acidophilus erwarb er sich 1900 großes Ansehen. Bei Meinhard von Pfaundler habilitierte er sich 1906 und folgte ihm nach München. Hier führten seine immunologischen Forschungen 1908 zu einem perkutanen Diagnosetest der Tuberkulose im Kindesalter. Die „Moro-Probe“ wurde international bis in die 1960-er Jahre verwandt.

1911 erhielt er den Ruf, als außerordentlicher Professor, die Luisenheilanstalt zu leiten. Er führte zahlreiche organisatorische und bauliche Erweiterungen wie Isolier– und Beobachtungsstation und Dachterrasse zur Lufttherapie ein. Neben vielen experimentell geprüften Ernährungsempfehlungen wie der Karottensuppe, der Apfeldiät, dem „Moro-Brei“ etc., war er ein Meister der klinischen Beobachtung, welche 1918 in der Beschreibung des ersten Trimenons und des „Moro-Reflexes“ mündeten. Die Abgrenzung der umbilikalen Bauchkolik beim Schulkind aus psychosomatischer Ursache geht auf ihn zurück.

1919 wurde er der erste Ordinarius für Kinderheilkunde der Universitätsklinik Heidelberg. Die Luisenheilanstalt wurde 1923 staatliche Institution. Sie wurde mit fast 200 Betten die größte Universitätskinderklinik Deutschlands. Als Forscher und Lehrer machte Moro die Klinik zu einem Zentrum internationaler Begegnung. Mit seinen Schülern Franz Lust, Ernst Freudenberg, Ludwig Tobler, Alfred Adam, Helmut Seckel, Paul György und Walter Keller prägte er eine wissenschaftlich sehr fruchtbare Periode. Verheiratet mit einer Frau jüdischer Herkunft, ließ Moro sich vorzeitig 1936 –  offiziell aus Krankheitsgründen –  emeritieren. Er führte eine hausärztliche Praxis bis 1948.

Mehr über Ernst Moro erfahren Sie Initiates file downloadhier und Informationen zur Geschichte der NS-Zeit Initiates file downloadhier.

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