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Extrakorporale Zirkulation

 


 

 

Die extrakorporale Zirkulation mithilfe der Herz-Lungen-Maschine (HLM) ermöglicht komplexe Eingriffe am offenen Herzen. Der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist heute ein Standardverfahren und wird bei der weit überwiegenden Zahl der Herzoperationen durchgeführt. Die Herz-Lungen-Maschine besteht aus einem Schlauchsystem, das sauerstoffarmes Blut aus dem Körper aufnimmt über eine Pumpe in ein Kapillarsystem weiterleitet, in dem die Sauerstoffaufnahme stattfindet und nach unterschiedlichen Filtersystemen das Blut wieder in die Körperschlagader zurückführt.

Die Geschichte der Herz-Lungen-Maschine ist mit knapp über 50 Jahren noch eine relativ neue Technologie, bei der sich allerdings in dieser kurzen Zeit gewaltige Verbesserungen zur Maximierung der Patientensicherheit erzielen ließen.

 

 

       

In Heidelberg wird der überwiegende Teil der Operationen unter dem Schutz der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Die Eingriffe umfassen Operationen der Herzkranzarterien, der Herzklappen, der großen herznahen Gefäße und angeborene Fehler des Herz- und Gefäßsystems. Der Begriff „Standardverfahren“ täuscht darüber hinweg, dass für jeden, das heißt individuell vom Neugeborenen bis zum älteren Patienten, das Vorgehen zunächst anhand des Körpergewichtes und der Größe unter Berücksichtigung von Nebenerkrankungen grob skizziert und begonnen wird. Im Verlauf der Operation erfolgt die ständige Kontrolle verschiedener Parameter, die den Zustand des Patienten beschreiben. Die präzise, stete Optimierung wird durch spezialisierte KardiotechnikerInnen ermöglicht, die während der gesamten Operation im Team mit dem Operateur und dem Anästhesisten für die Aufrechterhaltung ausreichender Kreislaufverhältnisse über die Herz-Lungen-Maschine verantwortlich sind.

 

 

Viele Eingriffe sind ohne eine Phase, in der das Herz nicht schlägt, unmöglich. Daher umfasst die extrakorporale Zirkulation sehr häufig die Gabe von Substanzen, die die elektromechanische Aktivität des Herzens für eine gewisse Zeit stoppt, ohne den Herzmuskel zu schädigen. Heute sind diese Substanzen im Wesentlichen über evidenzbasierte Daten gefahrlos einsetzbar. Als weitere Maßnahme zum Schutz der Gewebe erfolgt eine Absenkung der Körpertemperatur.

Somit wird über unterschiedliche Stellgrößen die Sauerstoffversorgung und die Durchblutung der Organsysteme aufrechterhalten. Wie bei vielen anderenMaßnahmen, die die natürliche Funktion eines oder mehrerer Organe nachbilden, bleibt auch die Herz-Lungen-Maschine eine Annäherung. Der Körper reagiert auf ihren Einsatz oft mit einer Entzündungsreaktion, die innerhalb weniger Tage abklingt. Daher wird vor planbaren Eingriffen empfohlen, etwaige Infekte zunächst auszuheilen.

 

 

Man nimmt zudem an, dass die Herz-Lungen-Maschine bei älteren Patienten für Verwirrtheitszustände direkt nach der Operation auslösen kann. Allerdings beobachtet man auch bei Herzoperationen ohne extrakorporale Zirkulation derartige Reaktionen. In Heidelberg haben wir seit vielen Jahren Konzepte entwickelt und erfolgreich in der Klinik umgesetzt, um diese Begleitreaktion in ihrem Auftreten, ihrer Ausprägung und Dauer zu minimieren.

     

1 Pumpe; 2 arterieller Filter; 3 venöser Beutel; 4 Oxigenator; 5 Reservoir;

Das Schlauchsystem birgt die Gefahr der Gerinnselbildung, weswegen für die Dauer des Eingriffes kurzwirksame blutverdünnende Medikamente verabreicht werden. Die Gerinnungswerte unterliegen während des Eingriffs einer ständigen Kontrolle, um einerseits Gerinnsel wirksam zu verhindern und andererseits das Blutungsrisiko möglichst gering zu halten.

 

Die Vielzahl der Einflussfaktoren sorgt dafür, dass die extrakorporale Zirkulation noch immer Gegenstand aktueller Forschungen ist. Insgesamt konnte aber schon heute ein Stand erreicht werden, der den risikoarmen Routineeinsatz der Herz-Lungen-Maschine selbst unter extremen Bedingungen erlaubt.

 

 

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