Geschichte der Medizinischen Klinik V

Medizinische Versorgung seit dem Jahr 1805

Vor zweihundert Jahren, am 23. Oktober 1805, wurde unter der Leitung von Jacob Fidelis Ackermann im Gebäude des ehemaligen Dominikanerklosters die Poliklinik als „Institutum Policlinicum Medico-Chirurgicum“ gegründet. Die Kranken der Stadt, vor allem mittellose, unterprivilegierte Bevölkerungsschichten, hatten nun die Möglichkeit, sich bei Hausbesuchen kostenlos behandeln zu lassen. Im Gegenzug dienten als sie Lehrpatienten für die Studenten.
Die Leistungen der Poliklinik waren immer von sehr viel Idealismus geprägt. Sie übernahm Hausarztfunktionen für die Heidelberger Bürger und eröffnete mit der Luisenanstalt gleichzeitig die erste Kinderklinik.
Heute wird die wirtschaftliche Leistungskraft des Universitätsklinikums zu einem wesentlichen Teil von der Abteilung Innere Medizin V mitgetragen. Das war jedoch nicht immer so: Zunächst waren die finanziellen Konsequenzen des einstigen Versorgungsangebots nicht ausreichend durchdacht gewesen. Die kostenlose Versorgung der Bedürftigen mit Medikamenten verschlang enorme Summen, was dazuführte dass die Apotheker auf unbezahlten Rechnungen sitzen blieben; entsprechende Beschwerdebriefe gab es schon 1813. Nur zwei Jahre später, beim Tode des Gründungsdirektors Ackermann, war die Poliklinik finanziell ruiniert. 1856 wurde unter Professor Theodor von Dusch ein Neuanfang gewagt; dennoch stand die Poliklinik „unter dem Damoklesschwert der chronischen Unterfinanzierung“.
Die Medizin gehörte 1386 zu den vier Gründungsfakultäten der Universität Heidelberg. Während in mehreren anderen deutschen Universitätsstädten bereits seit Mitte des 18. Jahrhunderts Kliniken entstanden waren, war die Medizinische Fakultät in Heidelberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts am Boden. Aus heutiger Sicht mag es verwunderlich erscheinen, aber damals wollten nur wenige junge Männer in Heidelberg studieren. Im Jahr 1800 waren gerade einmal fünf angehende Ärzte an der Fakultät immatrikuliert.
Nach der Berufung von Professor Werner Hunstein im Jahr 1972 entwickelte sich die allgemein-internistisch orientierte Poliklinik zu einer Fachabteilung der Universitätsklinik mit den Schwerpunkten Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie. Der heutige Ärztliche Direktor, Professor Anthony Ho, knüpfte in der Ausrichtung der Abteilung an diese Asurichtung der Poliklinik an, als er 1998 die Leitung übernahm. In der Bevölkerung Heidelbergs und der Umgebung ist die Klinik jedoch nach wie vor unter dem Namen „Medizinische Poliklinik“ bekannt.
Seit 2004 ist die ehemalige Poliklinik in einem der modernsten Klinikgebäude Europas untergebracht, räumlich vereinigt mit den anderen Abteilungen der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Vom einstigen „ökonomischen Sorgenkind“ ist heute nichts mehr zu spüren. Die Zahl der Patienten ist inzwischen stetig angestiegen: Heute werden mehr als 10000 Patienten pro Jahr behandelt.
Der Schwerpunkt der klinischen Versorgung liegt heute in der Betreuung von Patienten mit bösartigen Erkrankungen des Blutes und der Lymphknoten, sowie von Patienten mit Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis. Daneben ist eine weitere Hauptaufgabe unserer Klinik die Erforschung neuer Therapien sowie die Untersuchung der Entstehung von Tumorerkrankungen.
Bei den Therapieverfahren stehen die allogene und autologe Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation im Mittelpunkt, bei der die Medizinische Klinik V im Laufe der letzten zwölf Jahre eine Vorreiterrolle eingenommen hat.
Zum Leistungsspektrum zählen zudem Forschungsvorhaben im Bereich der adulten Stammzellen, unter anderem ein Projekt mit mesenchymalen Stammzellen, an dem mehrere deutsche Kliniken beteiligt sind. Ziel ist es, in den nächsten Jahrzehnten eine Technologie zu entwickeln, die Stammzellen für eine regenerative Medizin verfügbar macht. Letztlich könnten so eventuell Alterskrankheiten wie Diabetes, Parkinson oder auch kardiovaskuläre Erkrankungen mit Stammzelltechnologie geheilt werden.

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