Gipfeltreffen und Patiententag Haarzell-Leukämie in Heidelberg, 20. bis 21. Mai 2016

Presse-Mitteilung vom 10.06.2016

 

 

Seit 2010 treffen sich einmal im Jahr alle international führenden Wissenschaftler und Ärzte, die sich speziell mit der Haarzell-Leukämie beschäftigen, um ihre neusten Forschungsergebnisse auszutauschen und kooperative Projekte zu planen. Dieses wissenschaftliche Treffen findet zum ersten Mal außerhalb von USA in Heidelberg am 20.05. bis 21.05.2016 statt.

 

Initiiert wurde diese Jahrestagung von der amerikanischen „Hairy Cell Leukemia Foundation (Haarzell-Leukämiestiftung; https://www.hairycellleukemia.org/). Diese entstand aus einer Kooperation zwischen dem internationalen Haarzell-Leukämie-Konsortium (Leiter: Brian Friedman, New York, und Prof. Michael Grever, Columbus, Ohio, USA), und der Haarzell-Leukämie-Wissenschafts-Stiftung (Prof. Harvey Golomb, Chicago, USA) im Jahre 2005. Es kamen am 20.5.2016 insgesamt 49 renommierte Expert-Hämatologen aus allen Erteilen. Siehe Abbildung.

 

Obwohl die Haarzell-Leukämie eine sehr seltene Erkrankung darstellt und erst im Jahr 1958 zum ersten Mal beschrieben wurde, der stetig steigende Therapieerfolg speziell bei diesem Leiden in den letzten 25 Jahren stellt ein hervorragendes Modell für die Entwicklung innovativer Behandlungsstrategien für an­dere Krebsarten dar. Noch vor 1985 hat die Erkrankung als unheilbar gegolten. Mit der Entwicklung einer damals neuen Klasse von Medikamenten, den Purin-analoga, konnte erstmals langfristige Krankheitsfreiheit bei ca. 80% der Patienten sowie eine fast normale Lebenserwartung erzielt werden. Die Medizinische Klinik V war bei der Entwicklung von Pentostatin, einem der wirksamsten Purinanaloga bei Haarzell-Leukämie, unter Federführung von Prof. Anthony D. Ho, damals leitender Oberarzt der Abteilung, entscheidend beteilig.

 

Seit 5 Jahren ist es ist außerdem eine Tradition geworden, dass am 2. Tag dieser Veranstaltung ein Patiententag stattfindet. Diesmal beteiligten sich insgesamt über 80 Patienten an diese Tagung. Experten berichteten in gut verständlicher Form über neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Haarzell-Leukämie. Die Redner zählten zu den führenden internationalen Experten. Diese haben in englischer Sprache vortragen. Englischsprachige Vorträge wurden unmittelbar von einem deutsch sprechenden Arzt simultan ins Deutsche übersetzt. Neben spannenden Vorträgen wurden parallele Patienten-Seminare angeboten, die ebenfalls simultan ins Deutsche übersetzt wurden. Die Patienten nutzten lebhaft die einmalige Gelegenheit für individuelle und direkte Fragen an den Spitzen-Experten. Diese direkte Wechselwirkung zwischen international renommierten Experten, die viele Patienten aus der Weltliteratur kennen, hat zum besseren Verständnis der Forschenden für die Bedürfnisse der betroffenen Pateinten und ihren Angehörigen geführt. Viele Forscher haben bekräftigt, dass diese Begegnung zu völlig neuen, innovativen Therapie-Konzepten geführt haben.

 

Im Augenblick werden Patienten mit Haarzellleukämie mit Purinanaloga, eventuell kombiniert mit anti-CD20 Antikörpern, und Milzentfernung behandelt. In den letzten Jahren sind BRAF-Inhibitoren, Ibrutinib, und Moxie in das moderne Arsenal gegen resistente, fortgeschrittene Haarzell-Leukämie hinzugekommen. Ob die neuen Substanzen Einzug in die Routinebehandlung von Patienten mit Haarzellleukämie finden werden ist zurzeit unklar und Gegenstand klinischer Studien. In Einzelfällen, insbesondere bei Patienten, die nicht auf die Standardtherapie ansprechen, sollte aber auch jetzt schon an diese Möglichkeit gedacht werden

 

Basierend auf Häufigkeit der BRAF Mutation in Position V600E (fast 99%) als charakteristische Genveränderung für Haarzell-Leukämie war die Wirksamkeit dieser Substanzklasse zu vermuten. Unter der Leitung von Dr. Sascha Dietrich, inzwischen Oberarzt der Medizinischen Klinik V und Junior-Professor der Abteilung, gelangt unserer Abteilung im Jahr 2014 die Wirksamkeit eines spezifischen BRAF-Hemmers (Wirkstoff: Vemurafenib) bei Haarzell-Leukämie nachzuweisen. Der Fallbericht wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht.