Teilchenbestrahlung gegen Prostatakrebs

HIT: Tumortherapie mit Protonen und Schwerionen


Das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) ist weltweit eines der modernsten seiner Art und europaweit einzigartig. Mit enormem finanziellem Aufwand wurden völlig neue – gleichzeitig effektive und schonende – Behandlungsmöglichkeiten für Krebspatienten verwirklicht. Dazu gehören auch Männer mit Prostatakarzinom. In enger Zusammenarbeit zwischen Radioonkologie und Urologie werden die Voraussetzungen für eine Protonentherapie während der ambulanten Vorstellung in einem persönlichen Gespräch geprüft.

 

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Bestrahlung mit positiv geladenen Teilchen (Ionen) das scheinbar Unmögliche erreichen: einen Tumor zu zerstören, ohne dass die umgebenden Gewebe wesentlich betroffen sind.

Konventionelle Bestrahlung mit Lichtteilchen
Im Gegensatz zur Protonentherapie beruht die konventionelle Bestrahlung mit Lichtteilchen (Photonen) darauf, dass die Energie von Lichtteilchen bei ihrer Reise durch das Gewebe fast kontinuierlich abgebaut wird. Würde man nur aus einer Richtung bestrahlen, würde man sprichwörtlich „ein Loch in den Körper brennen“, um den Tumor zu zerstören. Daher muss aus verschiedenen Richtungen bestrahlt werden, um im Tumor selbst die höchste Energie zu erreichen. Trotz dieses grundlegenden Prinzips der modernen Strahlentherapie ist es unvermeidbar, dass auch die gesunde Nachbarumgebung eines Tumors von einer konventionellen Strahlentherapie mit Photonen betroffen ist.

Gewebeschonende Ionenstrahl-Therapie am HIT
Im Gegensatz zu Lichtteilchen belasten zur Bestrahlung eingesetzte positive Teilchen (Protonen, Schwerionen von Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff) das Normalgewebe kaum mit Energie. Bei ihrer Geschwindigkeit von deutlich mehr als 100.000 km pro Sekunde bleibt zu einer Wechselwirkung mit der Umgebung praktisch keine Zeit. Erst wenn die Ionen auf eine bestimmte Geschwindigkeit abgebremst sind, entlädt sich ihr Energiegehalt fast komplett an einem Ort – im Tumor (dieses Phänomen ist der sog. Bragg Peak; benannt nach William Henry Bragg, der 1915 mit dem Nobelpreis für Physik geehrt wurde).

Um diesen scheinbar so einfachen Vorgang überhaupt erst ermöglichen und vor allem präzise steuern zu können, ist ein enormer personeller und technischer Aufwand notwendig. In Heidelberg arbeiten 70 Ärzte, MTR's, Schwestern/Pfleger, Ingenieure, Physiker und Techniker auf den 5027 m2 des Ionenstrahl-Therapiezentrums. Während ihrer kreisförmigen Beschleunigung legen die Ionen im sogenannten Zyklotron beispielsweise eine Strecke zurück, die in etwa einer 40-zigmaligen Umrundung des Erdballs entspricht. Die dazu benötigte Energie von max. 3 Megawatt könnte auch eine Kleinstadt von 10.000 Einwohnern versorgen. Verschiedene Bauteile – von mikroskopisch klein bis viele Tonnen schwer – lenken dabei den Teilchenstrahl auf dem Weg zum Patienten und zum Tumor.

Der Behandlungsbeginn: Kompetente ärztliche Beratung
Bei allen medizinischen und technischen Superlativen der Heidelberger Ionenstrahl-Therapie ist die kompetente ärztliche Beratung – wie für alle Krebspatienten – auch für Männer mit Prostatakarzinom der wichtigste Einstieg in die Planung ihrer Behandlung.
    
Insbesondere, weil es auf der einen Seite zahlreiche Patienten mit wenig aggressiven Tumoren gibt, die außer einer sorgfältigen Überwachung überhaupt keiner weiteren Therapie bedürfen (siehe auch: Active Surveillance). Auf der anderen Seite stehen Männer mit sehr bösartigen Formen des Prostatakrebses. Bei ihnen werden optimalerweise besondere operative Techniken eingesetzt, ggf. in Kombination mit einer nachfolgenden Bestrahlung (adjuvante Radiatio) zur Sicherung des Behandlungserfolgs. Um Patienten individuell in ihrer speziellen Situation zu beraten, werden in Heidelberg interdisziplinäre und Zweitmeinungs-Sprechstunden durchgeführt.