Allgemeine Psychiatrie
Zentrum für Psychosoziale Medizin

Sektion Gerontopsychiatrische Forschung


 

Interdisziplinäre Längsschnittstudie des Erwachsenenalters über die Bedingungen gesunden und zufriedenen Älterwerdens (ILSE)

Das Hauptanliegen der Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters (ILSE) besteht darin, individuelle, gesellschaftliche und materielle Bedingungen für ein gesundes, selbstverantwortliches und zufriedenes Älterwerden zu identifizieren. Die ILSE wurde von Prof. Dr. Ursula Lehr und Prof. Dr. Hans Thomae unter Zusammenschluss zahlreicher wissenschaftlicher Disziplinen – namentlich Gerontologie, Psychologie und Medizin schon Anfang der 1990er Jahre ins Leben gerufen und ist als repräsentative, populationsbasierte und interdisziplinäre Längsschnittstudie konzipiert, deren Daten sowohl in Ost- als auch Westdeutschland (Leipzig und Heidelberg/Mannheim/Ludwigshafen) erhoben werden.

 

Die Stichprobe der Studie umfasst mit den Geburtsjahrgängen 1930-1932 bzw. 1950-1952 zwei unterschiedliche Alterskohorten. Dieses Design wurde gewählt, um den Übergang vom mittleren in das hohe Lebensalter differenziert abbilden zu können. Durch das Längsschnittdesign der Studie werden somit nicht nur die Erfassung intraindividueller Entwicklungsverläufe, sondern auch Jahrgangskohortenvergleiche möglich.

 

Für die Rekrutierung der Probanden wurde in Zusammenarbeit mit den Einwohnermeldeämtern eine nach Geschlecht, Kohorte und Wohnort stratifizierte Adressenstichprobe nach dem Zufallsprinzip gezogen, aus denen 500 Teilnehmer der Jahrgangsgruppe 1930/32 sowie 502 Teilnehmer der Jahrgangsgruppe 1950/52 rekrutiert werden konnten. Jeweils die Hälfte der Teilnehmer stammt aus Leipzig, Männer sind gewollt in beiden Kohorten leicht überrepräsentiert (52 % zu 48 %). Bis auf einen leicht höheren Bildungsstand ist die Stichprobe bezüglich Familienstand, Haushaltsnettoeinkommen und Wohnstatus repräsentativ für die deutsch sprechende Bevölkerung der angesprochenen Geburtsjahrgänge. Bislang wurden die Studienteilnehmer zu drei Messzeitpunkten untersucht (1993-1996, 1997-2000, 2005-2008). Ein vierter Messzeitpunkt ist in Planung und wird voraussichtlich im Jahr 2013 beginnen. Dieser vierte Messzeitpunkt ist deswegen besonders hervorzuheben, da die Kohorte K50 zu diesem Zeitpunkt das Alter der Kohorte K30 zum ersten Messzeitpunkt erreichen wird. Somit wird erstmals die Untersuchung von Kohorteneffekten im Altersverlauf möglich.

 

Entsprechend des explizit interdisziplinären Forschungsansatzes der ILSE-Studie, waren zu allen drei Messzeitpunkten zahlreiche Disziplinen an der Erhebung und Auswertung der Daten beteiligt. Neben einer ausführlichen medizinisch-gerontopsychiatrischen Untersuchung wurde ein semistandardisiertes biographisches Interview durchgeführt. Des Weiteren schließen die Untersuchungen insbesondere Angaben zur Lebensentwicklung, zu Familie und Beruf, zur körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, zu Ernährungs- und Freizeitgewohnheiten und zum Gesundheitszustand ein. In diesem Zusammenhang wurden neuropsychologische Testungen, Laboruntersuchungen, bei einer Heidelberger Substichprobe auch eine Magnetresonanztomographie durchgeführt.

 

Abb.: Aufbau und Ablauf der ILSE. Die nächste Untersuchungswelle ist für 2010 vorgesehen.

 

Ergebnisse der ILSE - z. B. zur kognitiven Aktivität, zum Gesundheitszustand, zur Frage möglicher Pflegebedürftigkeit und zum Demenzrisiko – wurden in zahlreichen Publikationen dokumentiert.

 

Die ILSE wird von drei Einrichtungen der Universität Heidelberg getragen

  • Institut für Gerontologie (Prof. Dr. A. Kruse)
    Bergheimer Str. 20 69115 Heidelberg 06221/548181
  • Sektion Gerontopsychiatrie (Prof. Dr. J. Schröder)
    Voss Str. 4 69115 Heidelberg 06221/564403
  • Abt. für Psychologische Alternsforschung (Prof. Dr. H.-W. Wahl)
    Bergheimer Str. 20 69115 Heidelberg 06221/548111

 

Ausgewählte Arbeiten

  • Allemand M., Zimprich D., Hertzog C. (2007). Cross-Sectional Age Differences and Longitudinal Age Changes of Personality in Middle Adulthood and Old Age. Journal of Personality, 75, 323-358.
  • Allemand M., Zimprich D., Martin M. (2008). Long-term correlated change in personality traits in old age. Psychology and Aging, 23, 545-557.
  • Barth S., Voss E., Martin M., Fischer-Cyrulies A., Pantel J., Schröder J. (2002). Depressive Störungen im mittleren und höheren Lebensalter: Erste Ergebnisse einer Längsschnittstudie. Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin, 23, 41-158.
  • Kliegel M. & Zimprich D. (2005). Predictors of cognitive complaints in old age: A mixture regression approach. European Journal of Ageing, 2, 13-23.
  • Kratz B., Pantel J., Schröder J. (2000) Der Zusammenhang von Angststörung und körperlichem Gesundheitszustand bei Probanden der ILSE. In: P. Martin, K. U. Ettrich, U. Lehr, D. Roether, M. Martin. A. Fischer-Cyrulies (Hrsg.). Aspekte der Entwicklung im mittleren und höheren Lebensalter. Ergebnisse der Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters (ILSE) (S. 247-257). Darmstadt: Steinkopff.
  • Kuzma E., Sattler C., Schönknecht P., Schröder J. (2011). Premorbid personality traits and their course in mild cognitive impairment: Results from a prospective population-based study in Germany. Dementia and Geriatric Cognitive Disorders, 32, 171-177.
  • Kuzma E., Knebel M., Kaiser E., Schröder J. (2011). Persönlichkeit und leichte kognitive Beeinträchtigung im höheren Lebensalter. Geriatrie-Report, 2, 41-42.
  • Lamparter H., Seidl U., Schröder J. (2011). Die Kehrseite des Glücks: Werden Depressionen häufiger? In: J. Schröder & F. G. Brecht. Das Glück – Eine interdisziplinäre und klinische Betrachtung (S. 75-96). Heidelberg: AKA.
  • Martin M. & Schmitt M. (2004/2000). Partnerschaftliche Interaktion im mittleren Erwachsenenalter als Prädiktor von Zufriedenheit bei Frauen und Männern in langjährigen Beziehungen: Ergebnisse der Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters (ILSE). In: P. Perrig-Chiello & F. Höpflinger (Hrsg.). Jenseits des Zenits - Frauen und Männer in der zweiten Lebenshälfte (S. 77-98). Bern: Haupt.
  • Pantel J., Kratz B., Essig M., Schröder J. (2003) Parahippocampal Volume Deficits in Subject With Aging-Associated Cognitive Decline. American Journal of Psychiatry 160, 379-382.
  • Sattler C., Erickson K. I., Toro P., Schröder J. (2011). Physical fitness as a protective factor for cognitive impairment in a prospective population-based study in Germany. Journal of Alzheimer’s Disease, 26, 709-718.
  • Sattler C., Toro P., Schönknecht P., Essig M., Pantel J., Wahl H-W., Kruse A., Schröder J. (2011). Kognitive Beeinträchtigungen und Demenzentwicklung: Verlauf und Risikofaktoren im Ost-West-Vergleich. In: O. Dibelius & W. Maier (Hrsg.). Versorgungsforschung für demenziell erkrankte Menschen – Health Services Research for People with Dementia (S. 44-50). Stuttgart: Kohlhammer.
  • Sattler C. & Schröder J. (im Druck). Kognitive Reserve im Alter – Risiko- und protektive Faktoren im Vorfeld der Alzheimer-Demenz. In: J. Schröder & M. Pohlmann (Hrsg.). Gesund altern – individuelle und gesellschaftliche Herausforderungen. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.
  • Sattler C., Wendelstein B., Schröder J. (im Druck). Prävention demenzieller Erkrankungen im Alter. In: H-W. Wahl & C. Tesch-Römer (Hrsg.). Angewandte Gerontologie in Schlüsselbegriffen. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Schmitt M. (2006). ILSE: Interdisziplinäre Längsschnittstudie des Erwachsenenalters (Interdisciplinary Longitudinal Study of Adult Development). In: W.D. Oswald, U. Lehr, C. Sieber, J. Kornhuber (Hrsg.). Gerontologie. Medizinische, psychologische und sozialwissenschaftliche Grundbegriffe. 3. vollständig überarbeitete Neuauflage (S. 220-224). Stuttgart: Kohlhammer. 
  • Schmitt M. & Weber M. (2004). Ehezufriedenheit und ihre Prädiktoren im mittleren Erwachsenenalter: Ein Ost-West-Vergleich. Zeitschrift für Familienforschung, 3, 244-267.
  • Schönknecht P., Pantel J., Kruse A., Schröder J. (2005) Prevalence and natural course of aging-associated cognitive decline in a population based sample of "young-old" subjects. American Journal of Psychiatry, 11, 2071-2077.
  • Schröder J. & Pantel J. (2011). Die leichte kognitive Beeinträchtigung. Klinik, Diagnostik, Therapie und Prävention im Vorfeld der Alzheimer-Demenz. Stuttgart: Schattauer.
  • Seidl U., Toro P., Schröder J. (2009). Autobiographisches Gedächtnis und Demenz. In: J. Schröder & F. G. Brecht. Das autobiographische Gedächtnis – Grundlagen und Klinik (S. 103-116). Heidelberg: AKA.
  • Thomann P., Wüstenberg T., Pantel J., Essig M., Schröder J. (2006) Structural Changes of the Corpus Callosum in Mild Cognitive Impairment and Alzheimer´s Disease. Dementia and Geriatric Cognitive Disorders, 21, 215-220.
  • Toro P., Schönknecht P., Pantel J., Kruse A., Schröder J. (2009) Prävalenz und Verlauf der leichten kognitiven Beeinträchtigung in der Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters (ILSE): vorläufige Ergebnisse der dritten Untersuchungswelle. In: G. Adler, H. Gutzmann, M. Haupt, R. Kortus, D. K. Wolter  (Hrsg.). Seelische Gesundheit und Lebensqualität im Alter (S. 132-136). Stuttgart: Kohlhammer.
  • Toro P., Schönknecht P., Schröder J. (2009) Type II Diabetes in Mild Cognitive Impairment and Alzheimer’s Disease: Results from a Prospective Population-Based Study in Germany. Journal of Alzheimer’s Disease, 16, 687-691.
  • Voss E., Martin M., Stegmann A. K. (2004). Der Zusammenhang zwischen Angststörungen und aversiven Lebensereignissen im Alter. Psychotherapie im Alter, 2, 87-101.
  • Wendelstein B. & Felder E. (im Druck). Sprache als Orientierungsrahmen und als Defizitindikator: Sprachliche Auffälligkeiten und Alzheimer-Risiko. In: J. Schröder & M. Pohlmann (Hrsg.). Gesund altern – individuelle und gesellschaftliche Herausforderungen. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.
  • Wendelstein B. & Sattler C. (im Druck). Das ILSE-Korpus. Eine korpuslinguistische Perspektive psychologisch-psychiatrischer Forschung am Beispiel der Alzheimer-Demenz. In: E. Felder, M. Müller, F. Vogel (Hrsg.). Korpuspragmatik. Thematische Korpora als Basis diskurslinguistischer Analysen von Texten und Gesprächen. Berlin: de Gruyter.
Print Diese Seite per E-Mail weiterempfehlen