Magnetresonanztomographie des Herzens (Kardio-MRT)

Leitung Klinische Kardiale Bildgebung:

Prof. Dr. med. Sebastian Buß

Leitung wissenschaftl. Kardiale Bildgebung:

Prof. Dr. Matthias Friedrich


 
Wissenschaftliche Assistenten:
Dr. med. Florian André

Dr. med.Fabian aus dem Siepen

Dr. med. Marco Ochs
Philipp Fortner

 

 

Magnetresonanztomographie: Diagnostische Methode der Zukunft bei Herzerkrankungen

Als eine der ersten Kliniken weltweit verfügt die Medizinische Universitätsklinik Heidelberg (Abteilung Kardiologie, Angiologie, Pneumologie) nach ihrem Umzug in das neue Gebäude im Jahr 2003 über einen Hochleistungs-Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT) im Bereich ihres Herzkatheterlabors.

 

Die Magnetresonanztomographie erlaubt sehr genaue, differenzierte Darstellungen von Körpergewebe mit hohem Wassergehalt, u.a. von Gehirn und Herz. Schon geringfügige Veränderungen, z.B. kleine Durchblutungsdefekte, können entdeckt werden. Innerhalb der Kardiologie hat sich die MRT-Diagnostik in den letzten Jahren zu einer wichtigen Ergänzung und für ausgewählte Fälle mit niedriger oder mittlerer Krankheitswahrscheinlichkeit als eine Alternative zum Herzkatheter für die Darstellung von Herzkranzgefässen und Herzmuskel entwickelt. So können mittels pharmakologischen Belastungsuntersuchungen mit Vasodilatatoren (Adenosin) oder mit positiv inotropen Substanzen (Dobutamin) Durchblutungs- bzw. Kinetikstörungen des Herzmuskels identifiziert werden, die für die Planung einer interventionellen oder chirurgischen Versorgung besonders hilfreich sind (Abb. 1). Wir konnten vor kurzem zeigen, dass mittels solcher Messungen der Herzmuskeldurchblutung festgestellt werden kann, ob Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen von Stents oder Bypass-Operationen profitieren (Studienergebnisse des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Herzzentrums Berlin mit rund 3.000 Patienten, veröffentlicht im „Journal of the American College of Cardiology“ (JACC); http://Opens external link in new windowwww.dzhk.de/aktuelles/news/news-detail/article/zuverlaessiger-marker-fuer-herzinfarkt-risiko).

 

Gleichzeitig kann durch so genannte "late enhancement" Aufnahmen eine myokardiale Fibrose (Narbe), wie zum Beispiel nach einem abgelaufenen Myokardinfarkt, dargestellt werden. Dabei zeitg sich das vernarbte Myokard deutlich signalintensiver verglichen mit dem benachbarten gesunden Gewebe.

 

Die aktuellen Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) empfehlen – in Abhängigkeit von der Vortestwahrscheinlichkeit der Patienten für eine KHK – die kardiale Stress-MRT bei symptomatischen Patienten, insbesondere bei denen mit intermediärem Risiko (Evidenzgrad IIaB).

 

 

Abb. 1. Auftreten einer induzierbaren Wandbewegungsstörung im Bereich der Herzspitze (LV-Apex) (gelbe Pfeile in B). Die anschließend durchgeführte Koronarangiographie ergab den Nachweis einer hochgradigen langstreckigen Stenose des Ramus interventricularis anterior (schwarze Pfeile in C).

Auch bei Erkrankungen des Herzmuskels, so genannte Kardiomyopathien, kann die MRT eine genaue und objektive Auskunft über die Funktionsfähigkeit des Herzgewebes, das Ausmaß der Myokardvernarbung und unter Umständen über die Genese der Erkrankung  liefern. Somit zeigt sich bei einer so genannten dilatativen Kardiomyopathie eine Erweiterung der Herzhöhlen sowie eine Einschränkung der Funktionsfähigkeit des Herzmuskels (Abb. 2a). Andererseits zeigen sich bei der so genannten hyperthrophischen Kardiomyopathie oder auch der kardialen Amyloidose eine deutliche Verdickung der Herzwände (Abb. 2b). Zusätzlich lassen sich bei solchen Erkrankungen des Herzmuskels Myokardvernarbung nachweisen, die unabhängig von Durchblutungsstörungen auftreten können (Abb. 2c). Diese seltenen Krankheitsbilder können nur mit Hilfe der MRT präzise charakterisiert und besser beurteilt werden. Für den Patienten ergibt sich eine unmittelbare therapeutische Konsequenz, da durch die MRT eine präzise diagnostische Klassifikation und Auswahl eines geeigneten Therapiekonzeptes im individuellen Fall erfolgt.

 

 

Abb. 2. Patient mit einer dilatativen Kardiomyopathie, der eine Erweiterung der Herzhöhlen und eine deutliche Einschränkung der Funktionsfähigkeit des Herzmuskels zeigt (a). Bei einem Patient mit hyperthrophischen Kardiomyopathie zeigt sich eine deutliche Verdickung der Herzwände (gelbe Pfeile in b). Bei Kardiomyopathien können unabhängig von Durchblutungsstörungen Myokardvernarbung auftreten, die für solche Erkrankungen mitunter charakteristisch sind (gelbe Pfeile in c).

Bei unserem Kardio-MRT handelt es sich um ein Gerät der Firma Philips mit einer Feldstärke von 1,5 Tesla. Durch seine ständig aktualisierte technische Ausstattung – wie schnelle Gradientenschaltung, parallele Bildgebung und Multikanal Empfangsspule sorgt es für hochauflösende und schnelle Bilder. Gegenüber dem Herzkatheter, dem Standardverfahren der Beurteilung von Durchblutungsstörungen in den Herzkranzgefäßen, hat der MRT die Vorteile, dass es sich um ein nicht-invasives Verfahren handelt und auf den Einsatz von jodhaltigem Kontrastmittel verzichtet werden kann. Die Patienten sind zudem keiner Röntgenstrahlung ausgesetzt. Zusätzlich beträgt die örtliche Auflösung der Kernspintomografie ca. 2,0×2,0 mm innerhalb der untersuchten Schicht. Die örtliche Auflösung ist somit um ein Vielfaches höher als bei nuklearmedizinische Verfahren. Dies führt zu einer signifikant höheren Sensitivität und Genauigkeit bei der KHK-Diagnostik. Die ständige Anwesenheit erfahrener Kardiologen erlaubt es zudem, Belastungsuntersuchungen bei Patienten mit einer vermuteten ausgeprägten koronaren Herzerkrankung unter optimaler Überwachung durchzuführen.

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Leitung (klinisch):
Prof. Dr. med. S. Buß

Leitung (wissenschaftl.):

Prof. Dr. med. M. Friedrich

 

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Fax: 06221 56-5513