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Lungenerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

von PD Dr. Olaf Sommerburg, Leiter der Sektion Pädiatrische Pneumologie & Allergologie und des Mukoviszidose-Zentrums in der Angelika-Lautenschläger-Kinderklinik des Universitätsklinikums Heidelberg

 

 

PD Dr. Olaf Sommerburg

 

  

Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale, chronische Bronchitis und Mukoviszidose gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Die Häufigkeit des Asthma bronchiale hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Heute ist in Deutschland etwa jedes zehnte Kind an Asthma erkrankt.

 

Das Asthma bronchiale äußert sich durch wiederkehrende, anfallsartige Hustenbeschwerden, die durch Allergene, aber auch eine Reihe anderer Faktoren wie Atemwegsinfektionen oder körperliche Anstrengung, ausgelöst werden können. Hierbei kommt es im Rahmen einer Atemwegsentzündung zu einer Schleimhautschwellung, gesteigerter Schleimbildung und Verkrampfung der Atemwegsmuskulatur. Dies führt zu einer Verengung der Atemwege, welche zu einer schweren Atemnot führen und eine Notfallbehandlung im Krankenhaus notwendig machen kann. Anders als beim Asthma, wo sich die Beschwerden zwischen den Hustenanfällen wieder bessern, steht bei der chronischen Bronchitis ein anhaltender Husten mit gesteigerter Schleimproduktion und Auswurf im Vordergrund. Entscheidender Risikofaktor für die Entstehung einer chronischen Bronchitis stellt bereits im Kindesalter Zigarettenrauch durch Passivrauchexposition dar.

 

 

Mukoviszidose ist angeboren

 

Während das Asthma bronchiale und die chronische Bronchitis durch Umweltfaktoren ausgelösten werden, stellt die Mukoviszidose die häufigste angeborene chronisch-obstruktive Lungenerkrankung dar. Diese beginnt bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter und führt ohne Therapie zu einer schweren und fortschreitenden Lungenerkrankung mit deutlich verkürzter Lebensdauer und eingeschränkter Lebensqualität. Die Ursache der Mukoviszidose liegt in einem Gendefekt im sog. CFTR-Gen, welcher zu einer Störung des Salz- und Wassertransports der Atemwegsschleimhäute führt. Der in der Lunge gebildete Schleim kann dadurch nicht mehr ausreichend befeuchtet werden, wodurch er zu trocken und zu zäh wird und zur Verstopfung der Atemwege mit Schleimpfropfen führt. Diese behindern nicht nur die Atmung, sondern bieten auch einen Nährboden für Bakterien, welche sich im Schleim einnisten, wiederholt zu Lungenentzündungen führen und dadurch die Lunge chronisch schädigen. Da dieser Basisdefekt auch in anderen Schleimhäuten vorliegt, sind bei Mukoviszidose neben der Lunge oftmals auch andere Organe wie die Bauchspeicheldrüse, der Darm oder die Leber mit betroffen.

 

 

Gezielte Diagnostik notwendig

 

Da Asthma, Bronchitis und Mukoviszidose unbehandelt zu einer irreversiblen Schädigung der Lunge mit Einschränkung der Lungenfunktion führen, sollte bei Kindern mit chronischen Hustenbeschwerden eine gezielte Diagnostik durchgeführt werden. Hierbei kommen neben Untersuchungen der Lungenfunktion, bildgebenden Untersuchungen der Lunge wie Röntgen, Computer- und Kernspintomographie, einer Untersuchung der Atemwege mit Hilfe der Lungenspiegelung, Allergiediagnostik und bei Verdacht auf Mukoviszidose der sog. Schweißtest und die Gendiagnostik zum Einsatz. Um irreversible Spätschäden im Erwachsenenalter vorzubeugen, ist eine Diagnosestellung und ein früher Therapiebeginn bereits im Kindesalter von elementarer Bedeutung.

 

 

Im Frühstadium Immuntherapie bei allergischem Asthma möglich

 

Die Behandlung des Asthma bronchiale beruht im Wesentlichen auf einer Inhalationstherapie mit entzündungshemmenden und atemwegserweiternden Medikamenten. Hierbei wird die Dosierung der Medikamente unter regelmäßiger Kontrolle der Lungenfunktion so eingestellt, dass diese normal ist und die Patienten körperlich normal belastbar sind, d.h. auch aktiv Sport treiben können. Wenn nachgewiesen werden kann, dass das Asthma durch bestimmte Allergene ausgelöst wird, sollten diese nach Möglichkeit gemieden werden. Im Frühstadium des allergischen Asthma bronchiale besteht darüber hinaus die Möglichkeit einer spezifischen Immuntherapie, bei welcher die Patienten über einen längeren Zeitraum mit dem krankheitsverursachenden Allergen behandelt werden. Ziel dieser Hyposensibilisierung ist es, das Immunsystem an die Allergene zu gewöhnen und so die überschießende allergische Entzündungsreaktion dauerhaft abzuschwächen. Die Behandlung bei Mukoviszidose setzt sich aus einer regelmäßigen Inhalationstherapie mit schleimlösenden und schleimverflüssigenden Medikamenten, Atemphysiotherapie sowie der Vorbeugung und Behandlung von Lungenentzündungen mit Antibiotika zusammen. Neben dieser symptomorientierten Therapie werden derzeit die ersten Medikamente zur kausalen Behandlung des Basisdefekts bei Mukoviszidose in klinischen Studien untersucht.

 

Die Sektion für Pädiatrische Pneumologie und Allergologie im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg bietet eine Spezialsprechstunde für die Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen an und verfügt über ein Mukoviszidose-Zentrum zur ambulanten und stationären Behandlung von Patienten mit Mukoviszidose.

 

 

Kontakt:


Universitätsklinikum Heidelberg
Angelika-Lautenschläger-Klinik
Pädiatrische Pneumologie & Allergologie und Mukoviszidose-Zentrum
Klinik für Kinderheilkunde III
Im Neuenheimer Feld 430
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 - 83 45
Ambulanzanmeldung:  Tel.: 06221/56-2318 oder 56-4823

 

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