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Zentrale Tel.: 06221-560
Allgemeine Innere Medizin & Psychosomatik

Station Mitscherlich

Die Station Mitscherlich ist eine psychotherapeutische Station der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik im  Zentrum für Psychosoziale Medizin.

Informationsflyer

 

Warum stationäre Psychotherapie?

Psychotherapie ist ein sinnvoller und anerkannt wirksamer Weg zur Behandlung psychischer Beeinträchtigungen. Voraussetzung für deren Erfolg ist u.a. die freie Entscheidung der Betroffenen für eine Therapie und der Wunsch nach Veränderung.

Stationäre Psychotherapie unterscheidet sich von ambulanter  Psychotherapie (meist 1 Stunde pro Woche) durch eine höhere Dichte, die Vielfalt der therapeutischen Angebote, die Einbindung in eine Gruppe von Mitpatienten und durch die Distanz zum sonstigen Alltag.

Stationäre Therapie wird u.a. empfohlen, wenn sich ambulante Psychotherapie als nicht ausreichend erwiesen hat oder wenn eine sehr zugespitzte akute Belastung vorliegt.

Die Therapie findet unter ständiger oberärztlicher und externer Supervision statt. Entsprechend den geltenden Richtlinien werden die gesetzlichen Anforderungen (Patientenrechtegesetz, Schweigepflicht) beachtet.

 

 

Wer kommt in stationäre Therapie?

 Die Therapie auf Station Mitscherlich konzentriert sich auf Betroffene mit folgenden  Krankheitsbildern: chronifizierter und wiederholte depressive und Angsterkrankungen, Zwangsstörungen, Essstörungen, somatoforme Störungen (d.h. körperliche Beschwerdebilder mit psychischer Verursachung ), körperliche Erkrankungen mit starken psychischen Folgen), Persönlichkeitsstörungen, Posttraumatische Belastungsstörungen und komplexe Traumafolgestörungen. 

 

Wie wird man stationär aufgenommen?

Die Entscheidung über eine mögliche Aufnahme auf die Station Mitscherlich erfolgt in einer gemeinsamen Klärung mit den ärztlichen und psychologischen Mitarbeiter in einer unserer Psychosomatischen Ambulanzen.

Nach der Empfehlung durch die Ambulanz kann der Aufnahmetermin mit der Station vereinbart werden. Einige Tage vor der geplanten Aufnahme  findet ein Vorgesprächstermin auf der Station statt. Dieser beinhaltet eine Besichtigung der Station und das Besprechen der Aufnahmevereinbarung sowie ein kurzes Gespräch mit einem der Stationsärzte. Hier können noch offene Fragen besprochen werden.

Eine Zusammenfassung zu unserem Angebot und zu unseren Erwartungen an bei uns in Therapie befindliche Patienten finden Sie hier    (Download Patientenbroschüre)

 

Das Konzept  der Station

Die Station hat 22 Plätze (3 davon tagesklinisch)  mit  zwei verschiedenen Therapieangeboten ("Settings"). Ein Wechsel von stationärer zu tagesklinischer Behandlung unter Beibehaltung der Mitpatientengruppe ist in einzelnen Fällen möglich und sinnvoll. Auf Station Mitscherlich beträgt die übliche Therapiedauer 8 Wochen, im Einzelfall auch kürzer oder etwas länger.
Durchgeführt werden die Therapien  von einem Team, bestehend aus  Oberarzt, Stationsärzten, Psychologinnen, Pflegekräften,  Gestaltungstherapeutin, Körpertherapeutin und Sozialarbeiterin.

Eine Gruppe ("Mittwochsgruppe") umfasst Patienten, die z.B. körperlich und/oder seelisch besonders "instabil" sind oder bei denen die Gefahr besteht, dass sie durch nicht ausreichend vorbereitete Konfrontation  mit traumatischen Erlebnissen aus der Vergangenheit eher ungünstig belastet werden. Diese werden vor allem im Rahmen eines ressourcenorientierten therapeutischen Vorgehens  (d.h. Stärkung vorhandener aber zu wenig genutzter Bewältigungsfähigkeiten) begleitet.

Die zweite Gruppe ("Montagsgruppe") umfasst Patienten, die meist unter langjährigen belastenden Lebensthemen oder unter stark einschränkenden Symptomen (Depression, Ängste, Zwänge, Ess-Störungen u.a.) leiden. Therapieziel ist zunächst auch die Entlastung von leidvollem Erleben. Dann geht es darum, Dinge zu identifizieren, die die Probleme aufrechterhalten und auch, Einsicht in schwierige  Gefühle zu bekommen um deren bessere Beeinflussung zu erreichen.

 

Erläuterungen zu den Therapiebausteinen

Psychotherapeutische Einzelsitzungen

Diese werden von Ärzten oder Psychologen geleitet. Hier können persönliche Problem- bzw. Krankheitsfaktoren reflektiert und Bewältigungsstrategien erarbeitet werden. In den Einzelsitzungen können ebenso Themen besprochen werden, die sich aus den Erfahrungen in anderen Therapiebereichen ergeben.

Paar- und Familiengespräche

Partner und Familienangehörige sind von den Problemen der Patienten unmittelbar mitbetroffen. Paar- und Familiengespräche bieten wir auf Ihren Wunsch und bei Bedarf an. Sie geben die Möglichkeit, gemeinsam mit allen Beteiligten über Belastungen, Konflikte und mögliche Lösungsschritte zu sprechen. 

Psychotherapeutische Pflege

Die Pflegekräfte sind die ersten Ansprechpartner bei Problemen aller Art. Sie bieten pflegerisch-psychotherapeutische Gespräche nach Bedarf an und leiten die Ressourcengruppe, das Stabilisierungstraining, die Progressive Muskelentspannung, die Achtsamkeitsgruppe u.a..

Im Rahmen der Bezugspflege wird Sie eine Person des Pflegeteams über die gesamte Behandlungsdauer begleiten. Je nach Therapiefokus kann dies eine kontinuierliche Begleitung des Therapieverlaufs sein, angepasst an die aktuellen Themen, oder aber auch ein störungsspezifisches Trainingsprogramm (Ängste, Zwänge, Essprobleme etc.).

Visiten

Wöchentlich findet eine therapeutische Visite mit dem zuständigen Einzeltherapeuten, einem Visitenarzt  und mindestens einer Pflegekraft statt. In dieser Visite werden organisatorische Dinge ebenso besprochen, wie Fragen der körperlichen Befindlichkeit, Medikamenteneinnahme sowie soziale Probleme (in Ergänzung zum Kontakt mit der Sozialarbeiterin). Vor allem ist es aber auch ein Ort, an dem Sie rückmelden können, wie Sie von den Therapien profitieren bzw. welche Probleme sich ergeben. Alle 14 Tage ist in der Regel der Oberarzt dabei.

Kriseninterventionen

Definition: „Als Krisenintervention versteht man eine akute und kurzfristige Einflussnahme von außen in einer Situation, die der Patient als psychisch und/oder physisch bedrohlich erlebt. Dabei ist seine Fähigkeit, die Gedanken und Gefühle zu steuern, stark eingeschränkt“. Das Ziel einer Krisenintervention ist es, eine weitere kritische Entwicklung aufzuhalten, die bedrohliche Situation zu entschärfen und dem Patienten Beruhigung zu ermöglichen. Voraussetzung für Kriseninterventionen auf unserer Station ist, dass der Patient absprachefähig ist und sich von Suizidgedanken und -handlungen distanzieren kann.

Psychodynamisch-interaktionelle Gesprächsgruppe (IAG)

Diese tiefenpsychologisch orientierte Gruppe wird ärztlich / psychologisch geleitet. Da psychische Probleme immer in einem sozialen Kontext stehen, bietet Ihnen die interaktionelle Gruppe die Möglichkeit, sich mit Ihren Gefühlen und Gedanken den Anderen mitzuteilen und eine Rückmeldung zu erhalten. So können Sie erfahren, wie Sie auf Andere wirken und auch erleben, wie sich das Verhalten anderer in der Gruppe für Sie selbst anfühlt.

Themenzentriert-interaktionelle Gruppe (TZI)

Auch die Themenzentrierte interaktionelle Gruppentherapie ist eine psychotherapeutisch geleitete Gesprächsgruppe. Sie unterscheidet sich jedoch im Wesentlichen durch eine stärkere Strukturvorgabe und Orientierung an eigenen Ressourcen und Möglichkeiten zur Stabilisierung und Selbststeuerung, während konfliktbezogene therapeutische Elemente eher im Hintergrund stehen.

Gestaltungstherapie (GTH)

Diese Therapieform bietet Ihnen die Möglichkeit sowohl eigene Stimmungen, Gefühle, Gedanken als auch eventuelle Konflikte oder Spannungen bildlich oder plastisch darzustellen. So kann „was Innen ist nach Außen“ gestaltet und sichtbar gemacht werden. Es bedarf hierzu keinerlei künstlerischer Fähigkeiten. In der anschließenden Besprechung, wobei die Gestaltungen des Einzelnen oder auch der Gruppenprozess im Zentrum der Betrachtung stehen, werden die dabei gemachten Erfahrungen reflektiert.

Konzentrative  Bewegungstherapie (KBT)

 „Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare“.

Mit diesem Zitat von Christian Morgenstern wird eindrücklich die enge Verbundenheit zwischen Leib und Seele beschrieben. Allerdings können wir die Sprache des Körpers nicht immer bewusst wahrnehmen oder verstehen. Die KBT trägt als „Übersetzungshilfe“ dazu bei, Körpersignale zu erspüren und in ihrer Bedeutung zuzuordnen. Dies geschieht über eine angeleitete Selbsterfahrung in Ruhe und Bewegung, durch Gegenstände, die eine symbolische Bedeutung bekommen können und im Beziehungserleben mit anderen Menschen. Die Therapeutin bietet einen geschützten Rahmen, in dem Bedürfnisse nach Halt und Geborgenheit, Nähe oder Abgrenzung wahrgenommen und zur Sprache kommen können.

Sozialtherapie (STH)

Die Sozialtherapie bietet Ihnen die Möglichkeit bei bestehenden sozialen Problemen sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen und neue Handlungsstrategien zu erarbeiten. Die sozialen Schwierigkeiten können die sozialen Alltagsbereiche Beruf, Wohnen, Finanzen, Freizeit und soziale Kontaktgestaltung betreffen.

Neben individuell vereinbarten Einzelgesprächen nehmen alle Patienten regelmäßig an der Gruppe „Sozialtraining“ teil, in der soziale und kommunikative Kompetenzen reflektiert und geübt werden.

Stabilisierungstraining und Stabilisierungsgruppe

Ziel der Stabilisierungsübungen ist die innere Stabilität, die die Voraussetzung dafür darstellt, mit innerem und äußeren Stress und Belastung gut umgehen zu können. Im Fokus stehen dabei der Ausbau der Selbststeuerungsfähigkeit und die Entwicklung der Fähigkeit zur Selbstberuhigung in belastenden Situationen. Zum täglichen Üben können Sie die dazugehörige Broschüre oder einen USB-Stick bei uns erhalten, um sich die Datei auf Ihr Handy o.ä. zu überspielen.

Das Stabilisierungstraining beinhaltet angeleitete Imaginationsübungen, die vom Pflegepersonal in der Gesamtpatientengruppe durchgeführt werden.

Die Stabilisierungsgruppe hingegen ist ein vertiefendes Therapieelement für Patienten in der ressourcenorientierten Mittwochsgruppe. Hier werden die Imaginationsübungen von einem Psychologen angeleitet und inhaltlich reflektiert.

 

Achtsamkeitsgruppe

Achtsamkeit ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit und das Bemühen um einen guten Kontakt zu sich selbst im Hier und Jetzt. Gemeinsam praktizieren wir  Achtsamkeitsübungen wie den Body-Scan, Sitz- und Gehmeditation, sowie andere Wahrnehmungsübungen. Die Achtsamkeitsgruppe ist ein freiwilliges Gruppenangebot. Es stehen 10 Plätze zur Verfügung. Die Teilnahme ist nach Absprache und einem Vorgespräch möglich.

Ressourcengruppe

Ziel der Ressourcengruppe ist die Selbstaktivierung bzw. Sensibilisierung der Patienten für eigene Selbsthilfestrategien. Es geht darum, seine Ressourcen erkennen, verstehen, benennen und nutzen zu lernen. Zur Aufnahme erhalten Sie ein Formular, in dem Sie Ihre bisherigen Ressourcen für das Vorgespräch notieren. Durch den gemeinsamen Austausch und einer gegenseitigen Inspiration kann eine Erweiterung der persönlichen Kompetenzen stattfinden.

Progressive Muskelentspannung (PMR)

Bei der PMR handelt es sich um eine leicht erlernbare, sehr effektive Entspannungsmethode, die von dem Psychologen Edmund Jacobsen entwickelt wurde. Er stellte den Zusammenhang zwischen emotionaler und muskulärer Anspannung fest. Ziel ist das Erlernen der Fähigkeit, sich bewusst auch in angespannten Situationen entspannen zu können.

 Tiergestützte Therapie (TGT)

Auf unserer Station unterstützt uns an bestimmten Tagen ein Therapiehund mit einer professionellen Fachkraft aus dem Pflegeteam.

In der TGT geht es im Kern um die Beziehungs- und Prozessgestaltung im Beziehungsdreieck Patient-Tier-Bezugsperson. Sie umfasst Methoden, bei denen Patienten mit Tieren interagieren, über Tiere kommunizieren oder für Tiere tätig sind. 

Stationsversammlung

Einmal wöchentlich findet mit allen Patienten und dem therapeutischen Gesamtteam eine Stationsversammlung statt. Hier werden Ihre Anliegen bezogen auf das Zusammenleben in der Stationsgemeinschaft besprochen und Informationen ausgetauscht.

Patientenversammlung

Diese findet ebenfalls einmal wöchentlich statt. Hier können die Patienten untereinander organisatorische Themen besprechen.

Patientensprecher

Dieser wird von der jeweiligen Gruppe für drei Wochen gewählt und kann organisatorische Anliegen und Fragen gebündelt in die Stationsversammlung einbringen. Jedoch kann bzw. sollte jeder Patient auch selbst über Wünsche und Unregelmäßigkeiten außerhalb der Stationsversammlung zeitnah mit uns in Kontakt kommen.

 

Wie geht es nach der Entlassung weiter?

Da die überwiegende Mehrzahl der Patienten nach der Entlassung von der Station weitere ambulante Psychotherapie machen möchte und auch braucht, unterstützen wir die Betreffenden bei der Suche nach einem geeigneten Therapieplatz.

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Stationsstützpunkt

Tel: 06221 56-5877