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In memoriam

Prof. Dr. med. Dr. med. h.c. Christian Herfarth

12. August 1933 – 02. September 2014


Am 2. September diesen Jahres erreichte uns die Nachricht vom Tod Christian Herfarths.

Wir, die Schüler, Wegbegleiter und Freunde waren erschüttert und unser tiefes Mitgefühl lag und liegt bei seiner Familie.

Wir haben einen hervorragenden Chirurgen, einen dynamischen Gestalter chirurgischer Forschung, einen hoch anerkannten Lehrer und Mentor verloren. Christian Herfarth hat wie kaum ein anderer seiner Generation die Geschicke der Chirurgie in unserem Land bestimmt. Wer ihn persönlich kennenlernen durfte, war von seiner Ausstrahlung beeindruckt und hat die Momente der Begegnung im Gedächtnis gespeichert.

Er hatte das, was im chirurgischen Leitungsamt so dringend gefordert wird, nämlich die Persönlichkeit, die den Zuhörer, den Mitarbeiter und den Zeitgenossen in den Bann zieht.

Christian Herfarth wurde am 12. August 1933 in Breslau geboren und teilte die Vaterstadt mit seinen Ordinarien-Vorgängern in Heidelberg, Martin Kirchner und Fritz Linder. Nach dem Medizinstudium in Tübingen, Wien, Hamburg und Heidelberg erfolgte die Promotion im Jahre 1957 (summa cum laude) zur Rolle des Intracapillären Bindegewebes in den Glomerula der Niere. Die Jahre 1958 und 1959 verbrachte er als Assistent in der Pathologie der Universität in Heidelberg. Seine chirurgische Laufbahn begann er 1960 bei seinem Lehrer Max Schwaiger in Marburg, wo er 1965 die Facharztreife für Chirurgie erlangte und 1966 die Habilitation zum Thema „Pathophysiologie der Leber unter besonderer Berücksichtigung des Lebertraumas und der Hypothermie“ erstellte. Mit 33 Jahren in der Chirurgie zu habilitieren war damals durchaus ungewöhnlich. 1968 wechselte er mit seinem Lehrer Max Schwaiger an die Chirurgische Universitätsklinik Freiburg und wurde dort 1970 zum leitenden Oberarzt ernannt.

1973 folgte Christian Herfarth dem Ruf auf das Ordinariat für Allgemeinchirurgie der Universität Ulm. Die Krönung seiner chirurgisch-akademischen Karriere war dann 1981 der Ruf an die Universität Heidelberg und die Ernennung zum Ordentlichen Professor und Direktor der Klinik für Allgemeine Chirurgie, Unfallchirurgie und Poliklinik da selbst.

Christian Herfarth war Pionier und Meister seines Faches zur gleichen Zeit. Sein besonderes klinisches Interesse galt der onkologischen Chirurgie, den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sowie den Erkrankungen der Leber, welche zur Transplantation führen.

Meilensteine in seinem beruflichen Leben waren die Gründung des Tumorzentrums in Ulm (1975), der Aufbau einer psychosozialen Behandlungseinheit für Krebspatienten in Heidelberg (1981), die Etablierung der Lebertransplantation in Heidelberg (1987), die Einrichtung eines chirurgischen Referenzzentrums für chronisch entzündliche Darmerkrankungen in Heidelberg (1990) und die Etablierung einer chirurgisch molekularbiologischen Forschergruppe zum Studium erblicher Tumorerkrankungen (Heidelberg 1990).

Christian Herfarth war Präsident hochangesehener Fachgesellschaften, wie der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungsund Stoffwechselkrankheiten. Er wurde zum Ehrenmitglied prominenter internationaler Chirurgengesellschaften ernannt. Zu nennen sind hier das American College of Surgeons, die Association Francaise de Chirurgie, die American Surgical Association und die Chirurgen-Gesellschaften Griechenlands, Österreichs und Polens.

Christian Herfarth war Herausgeber zahlreicher chirurgischer Zeitschriften. Er hat unser führendes Organ, die Zeitschrift Der Chirurg von 1982 – 2004 in jeder Hinsicht prägend gestaltet.

Im November 2000 wurde Christian Herfarth das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Dies als besondere Würdigung seines akademischen Lebenswerkes. Der Bundespräsident schrieb damals: „Sie, Herr Professor Herfarth, stehen beispielhaft für ein lebenslanges Streben nach der kausalen Analyse chirurgischer Erkrankungen, nach objektiven Kriterien für das eigene Handeln, nach Abstraktion in der Alltagsroutine, sowie nach nie erlahmender Innovation und charismatischer Motivation der jüngeren Chirurgengeneration.“

Christian Herfarth hat die langjährige Tradition der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg mit großem persönlichem Erfolg fortgesetzt. Aus seiner Chirurgenschule sind über 50 Habilitanden, über 30 Chefärzte und 6 Lehrstuhlinhaber hervorgegangen.

1993 durfte ich Christian Herfarth anlässlich einer 2-wöchigen Hospitation an der Chirurgischen Uniklinik Heidelberg kennenlernen. In diesen wenigen Tagen sah ich einen außergewöhnlich eleganten Chirurgen, eine unbestrittene und hocherfahrene FührungspersoÅNnlichkeit und einen Meister der chirurgischen Intuition. Die Mischung aus Disziplin und Humor war damals wegweisend für mich.

Nach seiner Emeritierung im Jahre 2001 hat Christian Herfarth mich sehr wohlwollend in Heidelberg aufgenommen und begleitet. Daraus entstand eine aufrichtige Freundschaft.


Wir blicken zurück auf ein großes chirurgisches Lebenswerk mit Trauer, einem ehrenvollen Gedenken, aber auch mit Freude und Zuversicht über das für die Zukunft der Chirurgie Erreichte.

Markus Büchler

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