zurück zur Startseite
Zentrale Tel.: 06221-560
Neurologie und Poliklinik

NEUROONKOLOGIE

Wir nehmen eine internationale Spitzenstellung in der Neuroonkologie ein und sind integraler Bestandteil des Hirntumorprogramms des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg. Pro Jahr behandeln wir >3.000 ambulante und >1.000 stationäre Patienten auf einer spezialisierten Station mit 18 Betten. Alleinstellungsmerkmale sind die Angebote innovativer, klinischer Studien, die Option molekularer Stratifizierung und die hohe Dichte an spezialisierten Mitarbeitern, die sich dieser seltenen aber gravierenden Erkrankungen annehmen und in grundlagenwissenschaftlichen Projekten weiterentwickeln.

 

 

STRATEGIE

Der Schwerpunkt Neuroonkologie nimmt bezüglich Patientenzahlen, Grundlagen- und translationaler Forschung, klinischer Studien und Innovation eine international führende Stellung ein. Die Einrichtung zahlreicher neuer Forschungsgruppen in der Neuropathologie, der molekularen und der klinischen Neuroonkologie sowie der Molekulargenetik, bildgebenden Diagnostik und Radioonkologie haben es dem Universitätsklinikum Heidelberg, dem DKFZ und dem NCT ermöglicht, eine kritische Masse zu erreichen und die Neuroonkologie als einen prototypischen, interdisziplinären Profilbereich zu etablieren. Der Schwerpunkt bietet optimale Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten für alle Patienten mit Hirntumoren durch wissenschaftliche Exzellenz und hohe Standards in klinischer Forschung und klinischen Studien. Jedes Jahr werden über 3.000 Patienten mit Tumoren des zentralen Nervensystems beraten und mehr als 1.500 Patienten behandelt. Übergeordnetes Ziel ist die Entwicklung besserer Behandlungsverfahren durch Personalisierte Medizin in molekularer Diagnostik, Immuntherapie und Radioonkologie.

 

ZIELE

  • Entwicklung einer molekular-basierten Hirntumor-Diagnostik in Zusammenarbeit mit der Neuropathologie
  • Generierung einer Datenbank basierend auf genomischen und proteomischen Daten des Gene Glioma Networks des Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK)
  • Definition klinisch relevanter Behandlungsergebnisse für Hirntumor-Patienten mit relativ guter Prognose bezgl. Kognition, Funktionsniveau, und gesundheitsbezogener Lebensqualität, im Rahmen des vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) geförderten IMPROVE-CODEL Konsortiums
  • Translation neuer Forschungsergebnisse in die klinische Praxis im Rahmen von molekular stratifizierten Studien mit zielgerichteten Substanzen, z.B. die von HIPO, dem NCT und der Deutschen Krebshilfe geförderte Umbrella Studie NCT Neuro Master Match (N2M2) bei Patienten mit MGMT unmethyliertem Gioblastom
  • Nachweise der Wirksamkeit und Praxistauglichkeit von personalisierter Immuntherapie, z.B. durch Weiterentwicklung der IDH-gerichteten Immuntherapie

 

 

In einer Phase II Studie wurde eine Re-bestrahlung alleine und zusammen mit dem den CD95-Signalweg blockierenden rekombinanten Protein APG101 verglichen. Epigenetische Untersuchungen haben gezeigt, dass Patienten mit einer schwachen Methylierung des CD95L Promotors einen größeren Nutzen aus der Zugabe von APG101 zur Re-Bestrahlung zu ziehen schienen  . In dieser Gruppe (rote Linie) war das Sterberisiko um 82% reduziert (HR=0.18) (Wick Clin Cancer Res 2014).    

 

 

 

ÜBERBLICK

Der Heidelberger Schwerpunkt Neuroonkologie bietet eine einzigartige, multidisziplinäre Infrastruktur für die Erforschung, Diagnostik und Behandlung von Hirntumoren und neurologischen Erkrankungen von erwachsenen und pädiatrischen Patienten. Über 20 klinische Abteilungen und Forschungsgruppen am Universitätsklinikum Heidelberg sowie am DKFZ und NCT unterstützen den Schwerpunkt. Seit 2007 wurde der Schwerpunkt durch die Einrichtung der Klinischen Kooperationseinheit (KKE) für Neuroimmunologie und Hirntumorimmunologie (M. Platten, in Kooperation mit dem DKFZ), der KKE Neuroonkologie (W. Wick, in Kooperation mit dem DKFZ), der Nachwuchsgruppe für Hirntumor-Metabolismus (C. Opitz, im DKFZ), der Professur für Experimentelle Neuroonkologie (F. Winkler) und der Max-Eder-Nachwuchsgruppe für niedriggradige Gliome (S. Turcan) sowie durch die strategische Entwicklung zahlreicher Forschungsgruppen - einschließlich der Neuroonkologie (W. Wick), Radiologie (M. Bendszus, A. Radbruch), Radioonkologie (J. Debus, A. Abdollahi), Neuropathologie (A. von Deimling), Neurochirurgie (C. Herold-Mende) und Neurobiologie (A. Martin-Villalba) - verstärkt. Initiiert und entwickelt durch die pädiatrische Neuroonkologie bietet der Schwerpunkt Hirntumor-Patienten DNA-Methylierungsanalysen mit 450/850K-Arrays und bei Bedarf Panelsequenzierungen an, was eine präzise molekulare Diagnose inklusive Bewertung wichtiger einzelner Biomarker für prognostische aber auch therapeutische Zwecke ermöglicht.

 

Übergeordnetes Ziel unserer Forschung ist es, die Tumorbiologie von Hirntumoren zu verstehen und neue Erkenntnisse zeitnah in die klinische Anwendung zu übersetzen. So haben Arbeiten der Forschungsgruppen von Deimling und Wick zur Entwicklung neuer Biomarker und diagnostischer Tests bei Hirntumoren (Wiestler Acta Neuropathol 2014; Capper Acta Neuropathol 2013; Wiestler Acta Neuropathol 2013; Wick Neurology 2013; Sahm Blood 2012; teilweise durch das DKFZ HIPO-Programm finanziert) geführt. In Zusammenarbeit mit der Abteilung Neuroradiologie (M. Bendszus, S. Heiland, P. Kickingereder, A. Radbruch und vielen anderen) haben wir neuartige MRT-Techniken in die Diagnostik und Nachsorge von Hirntumor-Patienten integriert. In einem weiteren Projekt wurden kürzlich multiparametrische Response Maps erstellt, einschließlich fortgeschrittener Perfusions- und Spektroskopietechniken für molekulare Bildgebung und der Extraktion von Merkmalen aus MRT-Rohdaten. Desweiteren haben Mitarbeiter unserer Abteilung (M. Platten, C. Opitz, W. Wick) erstmals die Bedeutung des Tryptophan Metaboliten Kynurenin als Immunsuppresivum und seine krebsfördernde Wirkung beschrieben, sowie den ersten bekannten endogenen Liganden des Aryl- Hydrocarbon-Rezeptors (Opitz, Litzenburger Nature 2011) entdeckt. Unlängst deckten die Arbeitsgruppen von F: Winkler, W. Wick und M. Platten neue Wachstums- und Resistenzmechanismen in Gliomen auf. Membrane-Nanotubes erwiesen sich als die elementaren Bausteine von infiltrierend wachsenden Gliomen, die ein adaptives, kommunizierendes Tumor-Netzwerk im Gehirn bilden und damit nahelegen, dass Gliome keine fokale, sondern eine Erkrankung des gesamten Gehirns darstellen (Osswald Nature 2015). Weitere Forschungsarbeiten zur klinischen Umsetzung in den Arbeitsgruppen Wick und Platten betreffen die Entwicklung des ersten prädiktiven Biomarkers für ältere Glioblastom-Patienten (Wick Lancet Oncol 2012).

 

Hinsichtlich der Entwicklung innovativer klinischer Studien, hat die Abteilung federführend zu internationalen Studien zur Angiogenese bei malignen Gliomen beigetragen (Chinot, Wick NEJM 2014; Wick ASCO 2016). Desweiteren haben die Klinischen Kooperationseinheiten von M. Platten und W. Wick das mutierte IDH Protein als geeignetes Ziel für eine Immuntherapie identifiziert (Schumacher Nature 2014, Bunse J Clin Invest 2015) und eine First-in-Man Studie mit einem Impfstoff auf Peptidbasis, der sich gegen mutierte IDH bei hoch-malignen Gliomen (WHO Grad III/IV) richtet, entwickelt. Eine Pilotstudie zur Immuntherapie (NOA-16) wurde in Heidelberg und an mehreren Partnerstandorten des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) eingeleitet. Eine weitere in Heidelberg koordinierte Studie nutzt die Peptidentwicklung innerhalb des EU Glioma Actively Personalized Vaccine Consortium (GAPVAC) für personalisierte immuntherapeutische Behandlung. Die APG101 Studie (W. Wick, M. Platten, A. von Deimling, M. Bendzsus) war die erste erfolgreiche kontrollierte Studie bei Glioblastom-Rezidiven bei einer Beobachtungszeit von 10 Jahren. Sie untersuchte den löslichen CD95-Rezeptor in Kombination mit Strahlentherapie und diente als Grundlage für die Entwicklung von Methylierung am CpG2 im CD95 Promoter als prädiktiven Biomarker (Wick Clin Cancer Res 2014).