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Seit 1860: Pädiatrie in Heidelberg

Philipp Bamberger

Philipp Bamberger wurde im Dezember 1945 zum Direktor der Heidelberger Kinderklinik ernannt. Ihm traute die medizinische Fakultät zu, den Ruf der Heidelberger Pädiatrie nach der NS-Zeit wieder herzustellen. Als Leiter der Kinderklinik von Königsberg hatte Bamberger bereits vor Kriegsende Ansehen erworben: 1944 organisierte er erfolgreich den Protest von Kinderärzten gegen ein Todesurteil, das über seinen Lehrer, den Hamburger Pädiater Rudolf Degkwitz (1889-1973), wegen regimekritischer Äußerungen verhängt worden war. 1945 hielt Bamberger den Betrieb seiner Kinderklinik auch über die Evakuierung Königsbergs hinaus aufrecht, womit er sich auch bei der sowjetischen Militärverwaltung Respekt erwarb. Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde bezog er mit seinen Stellungnahmen zu den Medizinverbrechen im Nationalsozialismus klare Positionen in einer Debatte, die das Klima der Medizin in den 1960er Jahren bestimmten sollte.

Bamberger hatte Chemie und Medizin studiert. Er leitete bereits das Labor der Münchener Universitätsklinik, bevor er sein Medizinstudium abschloss und sich – inspiriert durch Meinhard von Pfaundler (1872-1947) – der Kinderheilkunde zuwandte. Bamberger gehörte damit derselben traditionsreichen Schule an, wie Ernst Moro. Bambergers wissenschaftliches Renommee gründete sich auf Arbeiten zur Säuglingsernährung. Seine Grundlagenforschung trug dazu bei, das Fach Kinderheilkunde um die Erkenntnisse der modernen Biochemie zu erweitern. Forschungsschwerpunkt in Heidelberg waren die Krampfleiden des Kindesalters.

Erschüttert wurde die Kinderklinik im April 1946, vier Monate nach Amtsantritt ihres neuen Leiters, durch einen Transfusionszwischenfall, bei dem mehrere Kinder mit Syphilis infiziert wurden. Die Aufarbeitung der Ursachen dauerte bin Anfang der 1950er Jahre. Insbesondere bei Schwesternschaft, Eltern und Patienten genoss Bamberger hohes Ansehen. Das 100-jährige Bestehen der Kinderklinik beging er 1960 im Kreis der ehemals aus Deutschland vertriebenen Mitarbeiter Ernst Moros.

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Wolfgang U. Eckart, Philipp Osten,
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin

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