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Pressemitteilung 2017/126 vom 16.11.2017

Rapunzel, Zaubertrank und alter Käse – Krankheit und Medizin im deutschen Märchen

Professor Dr. Wolfgang U. Eckart
Professor Dr. Wolfgang U. Eckart

Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Was unsere Märchen uns über das medizinische und medizinisch-magische Volkswissen vergangener Jahrhunderte verraten, erklärt Medizinhistoriker Professor Dr. Wolfgang U. Eckart bei Medizin am Abend am 22. November 2017.


Märchen und Medizin - diese Kombination klingt zunächst etwas abwegig. Wer muss da nicht erst überlegen, welches der als Kind gehörten oder gelesenen Märchen etwas mit Medizin zu tun haben könnte? Ärzte, Apotheker, Krankheiten im eigentlichen Sinne und deren Behandlung kommen jedenfalls nicht vor, allenfalls chirurgisch ambitionierte Jäger oder Geißenmütter. "Das ist zu modern gedacht", sagt der Medizinhistoriker Professor Dr. Wolfgang U. Eckart, ehemaliger Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin: "Märchen enthalten als historische Quellen überaus spannende und wichtige Bezüge zu medizinischen und vor allem magischen Elementen ihrer Entstehungszeit oder zur alten Kräuterheilkunde, die uns auf den ersten Blick gar nicht bewusst werden." Bei seinem Vortrag bei Medizin am Abend am Mittwoch, 22. November 2017, wird er seine Zuhörerinnen und Zuhörer in die Märchenwelt ihrer eigenen Kindheit oder ihrer Enkel entführen und dabei die Aufmerksamkeit auf medizinische und magische Details lenken, die den meisten bisher vermutlich entgangen sein dürften. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400. Universitätsklinikum und Rhein-Neckar-Zeitung laden alle Interessierten herzlich ein.

 

"Die medizingeschichtliche Forschung hat den deutschen Märchenschatz bisher recht stiefmütterlich behandelt. Andere Fächer haben die Märchen schon deutlich früher für sich entdeckt", führt Eckart aus. So lassen sich mit der pädagogischen und psychoanalytischen, aber auch der feministischen oder rechtshistorischen Märchenliteratur Regale füllen. Insbesondere die psychoanalytische Ausdeutung - der Kinderpsychologe Bruno Bettelheimer setzte hier Maßstäbe - ist zur Genüge durchexerziert: Sei es nun Dornröschen, Rapunzel, Hänsel und Gretel, das tapfere Schneiderlein, Froschkönig oder Aschenputtel - fast immer lassen sich verschlüsselte Botschaften verborgener Seelenzustände entdecken, geht es um die meist glückliche Auseinandersetzung mit dem Bösen, Überwindung von Ängsten und Bedrohungen während des Erwachsenwerdens sowie, versinnbildlicht durch verschiedene Märchenfiguren, um unterdrückte, oftmals tabuisierte Sexualität.

 

Manchmal thematisieren Märchen aber auch einen versprochenen oder erhofften Kindersegen - und da ist man schon mittendrin im medizinischen Themenkreis. Man denke an den Däumling alias Daumesdick, einen extrem kleinwüchsigen Knaben von nur Daumenlänge, der dem alten, kinderlos gebliebenen Bauernpaar als Siebenmonatskind geboren wird und später nichts als Schabernack im Kopf hat. Märchen können zudem mit der erstaunlichen Heilung Sterbenskranker mittels eines ominösen "Lebenswassers" sowie mit weiteren höchst wirksamen Zaubertränken und Wundermitteln - hier ist nicht zuletzt alter Käse zu nennen - aufwarten. Und was hat es mit der "Kreide" auf sich, die dem heiseren Wolf eine samtene, hohe Stimme verleiht, und ihm hilft, die ahnungslosen Geißlein auszutricksen?

 

In der Entstehungszeit des Märchens eine durchaus geläufige Maßnahme: Auch heisere Sänger im 17. Jahrhundert griffen zu diesem bekannten Hausmittel. Vom beherzten Biss in die Tafelkreide ist allerdings abzuraten, denn im Märchen ist etwas anderes gemeint, wie Professor Eckart in seinem Vortrag erläutern wird. "Märchen erzählen uns vieles von Körper und Seele in Krankheit und Gesundheit, so wie es in den Vorstellungen der einfachen Menschen präsent war, lange bevor dieses Wissen seinen Weg in die volkskundlichen, medizinischen oder psychologischen Handbücher gefunden hat", sagt er.

 

Weitere Informationen im Internet:

Medizin am Abend

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