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Pressemitteilung 2017/132 vom 21.11.2017

Fünf Sterne für Strahlenschutz

Bei Kopf-CTs schützt eine spezielle Kopfschale die empfindliche Linse im Auge vor Streustrahlung.
Bei Kopf-CTs schützt eine spezielle Kopfschale die empfindliche Linse im Auge vor Streustrahlung.

Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Radiologen ermitteln für jeden Patienten individuell eine angemessene Strahlenbelastung abhängig von der erforderlichen Bildgenauigkeit.
Radiologen ermitteln für jeden Patienten individuell eine angemessene Strahlenbelastung abhängig von der erforderlichen Bildgenauigkeit.

Foto: Universitätsklinkum Heidelberg

Universitätsklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie Heidelberg auf die "Wall of Stars" der Strahlenschutz-Initiative "EuroSafe Imaging" aufgenommen / Aufnahmekriterien strenger als gesetzliche Vorgaben / Strahlendosis bei Computertomographie in letzten Jahren durchschnittlich um Hälfte reduziert


Die Universitätsklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie Heidelberg ist für ihr herausragendes Engagement im Bereich des Strahlenschutzes bei Computertomographien ausgezeichnet worden. Sie erhielt fünf Sterne der von der Europäischen Gesellschaft für Radiologie ins Leben gerufenen Initiative "EuroSafe Imaging". Mit der Höchstzahl von fünf "EuroSafe Imaging Stars" werden europaweit radiologische Kliniken und Abteilungen ausgezeichnet, die bestmögliche Strahlenschutzmaßnahmen umsetzen, kontinuierlich an einer weiteren Verbesserung forschen und die strengen und umfangreichen Zertifizierungskriterien der Initiative erfüllen. Dem Heidelberger Radiologen-Team unter Leitung von Professor Dr. Hans-Ulrich Kauczor ist es in den letzten Jahren dank kontinuierlicher Optimierung der Untersuchungsprotokolle und dem Einsatz neuster Technik gelungen, die Strahlenbelastung bei Computertomographien (CT) durchschnittlich um die Hälfte zu reduzieren und die in Deutschland geltenden Grenzwerte deutlich zu unterschreiten. Neben Heidelberg sind das Universitätsklinikum Mainz mit fünf Sternen und die Berliner Charité mit drei Sternen auf der "Wall of Stars" der Strahlenschutz-Initiative gelistet.

 

Bei einer Computertomographie (CT) werden die Patienten einer ungefähr zehnmal größeren Strahlenmenge als bei einem normalen Röntgenbild ausgesetzt. Um die Belastung möglichst gering zu halten, müssen Radiologen bei jeder CT- Untersuchung den Spagat zwischen Bildqualität und Strahlenschutz meistern. Ziel ist es, die jeweils niedrigste Strahlendosis zu wählen, die alles für eine exakte Diagnose Nötige noch ausreichend genau erkennen lässt. Je nach Alter, Gewicht und zu untersuchender Körperregion kann diese Dosis beträchtlich variieren. Die große Herausforderung der diagnostischen Radiologie ist es daher, für jeden Patienten und jede Fragestellung individuell eine angemessene Strahlenbelastung abhängig von der erforderlichen Bildgenauigkeit zu ermitteln. In Heidelberg gibt es darüber hinaus spezielle Verfahrensweisen für Untersuchungen bei Kindern, Schwangeren und, sollen Kontrastmittel zum Einsatz kommen, auch stillenden Müttern. Viele dieser Sicherheitsvorkehrungen sind gesetzlich nicht vorgeschrieben.

 

Kopfschale schützt Augenlinse / CT-System mit "anatomischem Wissen"

 

Im Vorfeld der Zertifizierung durch EuroSafe Imaging wurden die Maßnahmen noch ausgeweitet: Zum Beispiel verfügt die Klinik nun über eine spezielle Kopfschale, die bei Kopf-CTs die empfindliche Linse im Auge vor Streustrahlung schützt. Eine weitere Möglichkeit, die Dosis individuell weiter zu senken verbirgt sich hinter dem Begriff "Dosismodulation". Dabei fertigen die Radiologen zunächst ein Übersichtbild der zu untersuchenden Körperregion mit geringer, ungefähr einer normalen Röntgen-Untersuchung entsprechenden Strahlenintensität an. Daraus errechnet eine Software die niedrigst mögliche Dosis, bei der die abzubildenden Strukturen - Knochen, Organe, Tumoren oder Gefäße - nicht im Hintergrundrauschen verschwinden. Die Modulation erfolgt dann durch die Variation der Stromstärke und der elektrischen Spannung an der CT-Röhre - was jeweils unterschiedliche Effekte zur Folge hat. Eine höhere Dosis wird beispielsweise dann benötigt, wenn Knochen das zu untersuchende Areal abschirmen, eine geringere, wo wie in der Lunge kaum etwas die Röntgenstrahlen abschwächt.  

 

Ein neues Verfahren, das gerade in mehreren Studien weiter verfeinert wird, ist die sogenannte Iterative Rekonstruktion. Die Idee ist die: Das CT-System mit spezieller Software verfügt gewissermaßen über anatomisches Wissen. Es "erwartet" daher bestimmte Strukturen an bestimmten Stellen - zum Beispiel bei einer Querschnittsaufnahme des Bauches Darmschlingen, ein Stück Leber, Aorta und Wirbelsäule - und gleicht das reale Bild des Patienten mit diesem Modell ab. Auf diese Weise ist es in der Lage, auch bei geringem Kontrast die entsprechenden Strukturen zu erkennen und darzustellen. "Wir können mit Hilfe dieses Verfahrens die Strahlendosis so weit senken, dass das Bild für eine Betrachtung ohne diese Bearbeitung schon zu undeutlich wäre", erklärt Kauczor, dessen Team jährlich mehr als 30.000 CT- Untersuchungen durchführt. Derzeit wird das Verfahren noch auf verschiedene Untersuchungsszenarien angepasst, z.B. für das Aufspüren von Tumoren oder für Intensivpatienten mit Zugängen und Schläuchen. Noch gibt es bei der CT-Strahlendosis also Spielraum nach unten. "Ich gehe davon aus, dass wir mit all diesen neuen Methoden, die wir speziell in den letzten anderthalb Jahren bei uns an der Klinik eingeführt haben, die Strahlenbelastung unserer Patienten zukünftig nochmals um 25 Prozent reduzieren können", so der Radiologe.

 

Weitere Informationen:

EuroSafe Imaging Intitiative: www.eurosafeimaging.org/stars/wall-of-stars

 

Universitätsklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie Heidelberg: www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.574.0.html

 

"Durchblick: Wie der Radiologe aus Bildern Wissen macht": Vortrag von Prof. hans-Ulrich Kauczor bei "Medizin am Abend" am28. Juni 2017, mit Videobeitrag: www.klinikum.uni-heidelberg.de/39-Durchblick-Wie-der-Radiologe-aus-Bildern-Wissen-macht.142845.0.html

 

 

 

Kontakt:

Prof. Dr. med. Hans-Ulrich Kauczor

Universitätsklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie Heidelberg

Tel.: +49 (0) 6221 56 6410  

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