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Pressemitteilung 17/2018 vom 20.02.2018

Wie werden psychische Erkrankungen vererbt?

Wissenschaftler der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg untersuchen im MRT Gehirnaktivität gesunder Angehöriger von Patienten mit Schizophrenie, bipolarer Störung oder Depression / Teilnehmer gesucht


Bei vielen psychischen Erkrankungen sind die Entstehungsmechanismen nur wenig verstanden: Wie kommt es zu den inzwischen gut belegten Veränderungen in der Hirnaktivität? Treten sie auch bei gesunden Verwandten auf? Wenn ja, in welchem Ausmaß? Welche genetischen Faktoren spielen eine Rolle? Diesen Fragen gehen Wissenschaftler der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, Sektion für Experimentelle Psychopathologie und Bildgebung, derzeit in einer "Angehörigen-Studie" nach: Dabei untersuchen sie mittels Magnetresonanztomographie bestimmte Hirnfunktionen bei nicht erkrankten Eltern, Geschwistern oder Kindern von Patienten. Es werden noch Studienteilnehmer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren gesucht.

 

Leichte Veränderung bestimmter Hirnfunktionen vermutlich auch bei nahen Angehörigen

 

Psychische Erkrankungen wie manisch-depressive Störungen, Depression, Schizophrenie und andere gehen mit Veränderungen verschiedener Hirnfunktionen einher. Das kann sich beispielsweise in Störungen des Belohnungssystems oder der Impulskontrolle, aber auch einer leicht verminderten Konzentrations- oder Gedächtnisleistung äußern. Seit einigen Jahren machen Wissenschaftler diese Abweichungen mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) sichtbar. Mit dieser strahlenfreien Untersuchung lässt sich dem Gehirn "beim Denken zuschauen": Die fMRT bildet u.a. die Aktivität von Nervenzellen und damit bestimmter neuronaler Netzwerke und Gehirnstrukturen ab, während der Proband in der Röhre leichte Denksportaufgaben löst, Entscheidungen trifft, Gesichter betrachtet oder Bilder beurteilt.

 

Aus kognitiven Tests mit Angehörigen von Patienten weiß man, dass sie bei bestimmten Aufgaben, die das Arbeitsgedächtnis aktivieren, etwas schlechter als der Durchschnitt der Bevölkerung, aber besser als Patienten abschneiden. Nun soll die aktuelle MRT-Studie der Sektion für Experimentelle Psychopathologie und Bildgebung zeigen, wie sich das auf Ebene der Gehirnfunktionen bemerkbar macht. "Wir erwarten ein ähnliches Muster wie bei Patienten, aber in einem geringeren Ausmaß", erklärt Professor Dr. Oliver Gruber, Leiter der Sektion. "Wir erhoffen uns daraus Hinweise, was auf Ebene der Hirnaktivität den Unterschied zwischen gesund und krank ausmacht." Zusätzlich soll mittels der Auswertung von genetischen Informationen aus einer Speichelprobe der Einfluss genetischer Faktoren auf die Aktivierung einzelner Hirnregionen untersucht werden.

 

Wichtiger Beitrag zum besseren Verständnis psychischer Erkrankungen

 

Ziel der Studie ist es, ausgewählte Gehirnprozesse bei den Angehörigen von Patienten zu untersuchen, um so Erkenntnisse über die Erblichkeit psychischer Erkrankungen zu gewinnen. Konkrete klinische Anwendungen werden sich daraus in absehbarer Zeit zwar nicht ergeben. "Aber die Ergebnisse helfen uns, die Ursachen von schizophrenen und affektiven Störungen besser zu verstehen. Nur durch ein besseres Verständnis der Entstehungsfaktoren können in Zukunft angepasste Therapien für die Patienten weiter entwickelt werden", so Gruber. "Wer sich bereit erklärt, an der Studie teilzunehmen, leistet dazu einen wichtigen Beitrag."

 

Teilnehmen können Eltern, Kinder und Geschwister von Patienten mit diagnostizierter bipolarer Störung, unipolarer Depression, schizoaffektiver Störung oder Schizophrenie. Bei den Studienteilnehmern selbst sollen allerdings keine psychischen oder neurologischen Vorerkrankungen vorliegen. Der Zeitaufwand beträgt maximal vier Stunden, wobei die MRT-Untersuchung rund eine Stunde in Anspruch nimmt. Das angewandte Verfahren ist gut erprobt und es sind keine gesundheitlichen Risiken bekannt.

 

Interessenten wenden sich bitte an:

M. Sc. Jessica Martin

Sektion für Experimentelle Psychopathologie und Bildgebung
Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg

Tel.: 06221 56-5761                                               

E-Mail: AGGruber.PsyCourse@med.uni-heidelberg.de (Betreff: Angehörigenstudie)

 

Weitere Informationen im Internet:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Probandensuche.137815.0.html

 

Publikationen zur Pressemeldung:

Richter A, Petrovic A, Diekhof EK, Trost S, Wolter S, Gruber O.

Hyperresponsivity and impaired prefrontal control of the mesolimbic reward system

in schizophrenia. J Psychiatr Res. 2015 Dec;71:8-15. doi:

10.1016/j.jpsychires.2015.09.005. Epub 2015 Sep 14. PubMed PMID: 26522867.

 

Trost S, Diekhof EK, Zvonik K, Lewandowski M, Usher J, Keil M, Zilles D,

Falkai P, Dechent P, Gruber O. Disturbed anterior prefrontal control of the

mesolimbic reward system and increased impulsivity in bipolar disorder.

Neuropsychopharmacology. 2014 Jul;39(8):1914-23. doi: 10.1038/npp.2014.39. Epub

2014 Feb 18. PubMed PMID: 24535101; PubMed Central PMCID: PMC4059900.

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