Die PROBASE Studie

Risiko-adaptierte Prostatakarzinom (PCA) - Früherkennung durch eine „Basis“ – PSA Bestimmung bei jungen Männern

Prostatakrebs ist in Deutschland bei Männern der am häufigsten diagnostizierte Krebs und stellt die dritthäufigste Krebs-todesursache bei Männern dar. Bei jedem sechsten Mann über fünfzig wird heute Prostatakrebs festgestellt. Jeder 33. Mann über fünfzig stirbt daran. Die hohe Sterblichkeit hängt unter anderem auch damit zusammen, dass die Erkrankung oft zu spät erkannt wird. Bis heute gibt es allerdings noch kein allgemein anerkanntes Verfahren zur Früherkennung von Prostatakrebs. Durch die Bestimmung des sogenannten PSA-Wertes (PSA ist die Abkürzung für Prostata-spezifisches Antigen) im Blut kann Prostatakrebs schon in einem frühen Stadium entdeckt und die Wahrscheinlichkeit daran zu sterben kann um 30% vermindert werden. Allerdings besteht das Risiko, dass ein erhöhter PSA-Wert zur Diagnose eines Prostatakrebses führt, der für den Betroffenen nicht lebensbedrohend ist. Daher würde eine Reihenuntersuchung mit dem PSA-Test Männer verunsichern, die sonst nie von einer Prostatakrebserkrankung erfahren hätten. Ein generelles PSA – „Screening“ kann daher derzeit nicht empfohlen werden, weil es in einem hohen Maße zur sog. „Überdiagnose“ und häufig auch „Übertherapie“ führt. Diese Studie soll dazu dienen, neue Erkenntnisse über die Früherkennung von Prostatakrebs zu gewinnen und daraus Empfehlungen für künftige Früherkennungsprogramme abzuleiten. Durch Ihre Teilnahme können Sie zu einem besseren Verständnis wirksamer Verfahren der Prostatakrebsfrüherkennung beitragen. Darüber hinaus gibt Ihnen persönlich diese Studie die Möglichkeit, das neue sogenannte „risiko-adaptierte Screening“ unter kontrollierten Bedingungen durchführen zu lassen, das wahrscheinlich in einigen Jahren Standard der Früherkennung werden wird.

Was ist Sinn und Zweck des Vorhabens?
Wie bereits erwähnt, gibt es zurzeit kein zweifelsfrei wirksames Verfahren zur Prostatakrebsfrüherkennung. Ein neuerdings vorgeschlagenes Verfahren ist die Bestimmung des PSA-Wertes in Abhängigkeit vom Risiko einer Person („risiko-adaptiertes Screening“), an einem lebensbedrohenden Prostatakarzinom zu erkranken (Prostatakrebs mit eventuell tödlichem Verlauf). Zwischen der Höhe des PSA-Werts in jungen Jahren und dem Risiko, im weiteren Leben an einem lebensbedrohenden Prostatakarzinom zu erkranken, besteht eine enge Beziehung. Sie könnte es ermöglichen, die Häufigkeit der Früherkennungs-untersuchungen und auch eventuell erforderlicher Folgeunter-suchungen an das persönliche Erkrankungsrisiko anzupassen und damit nachteilige Effekte wie Überdiagnose und Übertherapie zu verringern. Das optimale Alter für die Bestimmung eines ersten „Basis“ PSA-Wertes, die genauen Zeitabstände zur Wiederholung der PSA-Bestimmung und die Höhe eines „kritischen“ PSA-Wertes sind bisher allerdings nicht genau bekannt.
Aufgabe dieses Forschungsvorhabens ist es festzustellen (a) ob eine erste PSA-Bestimmung im Alter von 45 Jahren (Studienarm A) oder mit 50 Jahren (Studienarm B) beginnen soll; die Hypothese ist, dass die Häufigkeit eines lebensbedrohenden Prostatakarzinoms bis zum Alter von 60 Jahren weitgehend gleich ist, unabhängig davon ob mit 45 Jahren oder mit 50 Jahren mit der PSA Bestimmung begonnen wurde und (b) wie die genauen Zeitintervalle/Abstände bei Wiederholung der PSA-Bestimmung sein sollen.

Wie wird die Studie durchgeführt?
Um zu einer objektiven Beurteilung des Verfahrens zu gelangen, werden die Teilnehmer an der Studie nach einem zufälligen Verfahren der PSA-Bestimmung im Alter von 45 Jahren (Studienarm A) oder im Alter von 50 Jahren (Studienarm B) zugeteilt. Durch diese Vorgehensweise soll erreicht werden, dass die Ergebnisse des Vorhabens unbeeinflusst von persönlichen Vorlieben sowohl der Studienteilnehmer als auch der behandelnden Ärzte für oder gegen das Verfahren sind.
Bedingung für eine Beteiligung ist daher, dass sich Personen freiwillig melden, die sich für die Prostatakrebsfrüherkennung durch eine „Basis“ PSA-Bestimmung interessieren und bereit sind, sich auf den beschriebenen Mechanismus der zufälligen Zuordnung zu dem einen oder anderen Studienarm einzulassen.
Die Teilnahmebereitschaft und das Einverständnis, sich an der zugeordneten Untersuchung zu beteiligen, werden durch Unterschrift auf der beiliegenden Einverständniserklärung bekundet. Die Blutentnahme für die PSA-Bestimmung wird im Einzugsbereich der jeweiligen Studienzentren Düsseldorf, Hannover, München und Heidelberg durchgeführt.

Was geschieht bei Zuteilung zu Studienarm A (sofortige PSA-Bestimmung)?
Im Studienarm A werden Sie um die Ausfüllung eines Fragebogens unter anderem mit Fragen zur Person, zu Vorerkrankungen und zu Ihrer Gesundheit gebeten. Zusätzlich werden Ihnen 30 ml Blut abgenommen. Die Bereitschaft für eine Blutentnahme ist Voraussetzung zur Teilnahme an dem Vorhaben. Wahlweise können Sie noch eine Urinprobe abgeben. Bei den dem Studienarm A zugeordneten Personen wird sofort der PSA-Wert bestimmt und dient dann der Einordnung in das risikoabhängige Screening. Nach heutigem Kenntnisstand sind die Studienteilnehmer im Studienarm A nicht durch einen zu frühen Beginn der Früherkennungsuntersuchung benachteiligt, weil etwa 90% der Studienteilnehmer einen PSA Wert von kleiner als
1.5 ng/ml aufweisen werden und damit die nächstfolgende PSA Bestimmung 5 Jahre später stattfinden kann.

Was geschieht bei Zuteilung zu Studienarm B (spätere PSA-Bestimmung)?
Die dem Studienarm B zugeordneten Personen werden zu Beginn der Studie registriert (Fragebogen unter anderem zur Person, zu Vorerkrankungen und zur Gesundheit, Blutentnahme, wahlweise eine Urinprobe). Es wird kein PSA-Wert bestimmt. Die Teilnehmer werden jährlich angeschrieben und es wird ihnen die im Rahmen der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchung übliche Tastuntersuchung einmal jährlich angeboten. Der erste PSA Wert wird mit 50 Jahren (5 Jahre später) erstmals bestimmt und dient ab dann der Einordnung in das risikoabhängige Screening. Das heißt, das risiko-adaptierte Screening beginnt im Studienarm B 5 Jahre später. Nach heutigem Kenntnisstand sind die Studienteilnehmer im Studienarm B nicht benachteiligt, weil es zurzeit keinen Hinweis darauf gibt, dass eine Früherkennung unter Verwendung eines Basis-PSA Werts bereits mit 45 Jahren sinnvoll ist.

Was geschieht nach der Bestimmung des PSA-Wertes?
Das risikoabhängige Screening sieht in beiden Gruppen gleich aus. Bei Personen mit einem PSA-Wert kleiner als 1.5 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter Serum) wird alle fünf Jahre der PSA-Wert bestimmt, bei Personen mit einem PSA-Wert zwischen 1.5 ng/ml und 2.99 ng/ml werden alle zwei Jahre PSA Werte bestimmt und bei Personen mit einem Wert ab 3 ng/ml oder auffälligem Befund bei der Tastuntersuchung sind unmittelbar Folgeuntersuchungen erforderlich. Diese umfassen eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata und eine Gewebeentnahme der Prostata („Biopsie“). Eine Prostatabiopsie wird nur in sehr seltenen Fällen erforderlich sein (< 1%). Die Gewebeentnahme kann 40-60 Minuten dauern. In der Regel verläuft die Prostatabiopsie ohne schwerwiegende Komplikationen (> 99%). Das Risiko einer Infektion (akute Prostatitis) ist sehr gering (< 1%). Die Gewebeentnahme aus der Prostata stellt im engeren Sinne keine studienbedingte Prozedur dar, da bei Männern im 5. bzw. 6. Lebensjahrzehnt, die einen PSA-Wert von über 3,0 ng/ml aufweisen, regelmäßig eine Prostatabiopsie durchgeführt wird. Nach der Biopsie können sich kleinere Mengen Blut im Urin, im Samenerguss oder auf dem Stuhl finden.
Bei Personen mit „positivem“ Biopsiebefund liegt eine Prostatakrebserkrankung vor und es muss zur Abklärung des Stadiums der Erkrankung nach den üblichen Verfahren weiter untersucht werden. Über die dann folgende Therapie wird individuell entschieden.
Alle Untersuchungen finden im Studienzentrum statt, von dem aus Sie angeschrieben wurden, dies betrifft auch und vor allem die PSA Bestimmungen. Alle Untersuchungsergebnisse werden von einer Ärztin/einem Arzt beurteilt. Sollten Befunde auffällig sein und sich Handlungsbedarf ergeben, werden Ihnen diese per Post mitgeteilt. Dabei wird Ihnen auch eine Empfehlung, z.B. Kontrolluntersuchung in 3 Monaten, gegeben.

Wer hat Vorteile von der Studie?
Folgender Nutzen ergibt sich aus dem Vorhaben:

  1. Die Studienteilnehmer erhalten eine unentgeltliche Bestimmung des PSA-Wertes sowie gegebenenfalls weitere Untersuchungen, bei denen eventuell ein Prostatakrebs früh erkannt wird und dadurch besser behandelt werden kann.
  2. Zukünftig werden alle Personen profitieren, die unter einem erhöhten Risiko stehen, an Prostatakrebs zu erkranken, falls aus der Studie Erkenntnisse über wirksame Methoden der Prostatakrebsfrüherkennung gewonnen werden können.


Die Teilnehmer tragen daher zum medizinischen Erkennt-nisfortschritt bei und können gleichzeitig einen persönlichen Nutzen aus der Teilnahme ziehen.

Welche Risiken ergeben sich aus der Teilnahme?
Ein Risiko besteht darin, dass bei der Untersuchung Auffälligkeiten gefunden werden, die ohne diese Untersuchung nicht entdeckt worden wären und auch nicht zu einer Krankheit geführt hätten, aufgrund ihrer Entdeckung nun aber in weitergehenden Untersuchungen abgeklärt werden müssen sowie eventuell behandelt werden.
Zu den Risiken der Blutabnahme gehört das Entstehen blauer Flecken im Bereich der Einstichstelle. Es besteht das sehr geringe Risiko einer lokalen oder allgemeinen Infektion. In extrem seltenen Fällen kann es zu einer Verletzung eines Hautnervs, eventuell sogar mit chronischem Verlauf, kommen.

Wie lange dauert die Studie?
Die Studie dauert insgesamt 15 Jahre. Sie umfasst je nach Studienarm und Risiko an Prostatakrebs zu erkranken vier bis acht Früherkennungsuntersuchungen (Studienarm A, sofortige PSA-Bestimmung) bzw. drei bis sechs Früherkennungsuntersuchungen (Studienarm B, PSA-Bestimmung im Alter von 50 Jahren) in jeweils zwei bis fünfjährlichen Abständen bis zum 60. Lebensjahr.

Welche Personen können an der Studie teilnehmen?
Teilnehmen können Personen, die die folgenden Kriterien erfüllen:

  1. Männer im Alter von 45 Jahren
  2. Bereitschaft an den regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen teilzunehmen, wobei die Zuordnung zu dem einen oder anderen Verfahren zufällig erfolgt
  3. Bereitschaft sich den entsprechenden Untersuchungen zu unterziehen


Was geschieht mit der Blutprobe, der Urinprobe und der Prostatagewebeprobe?
Die Blutprobe (30 ml) wird zunächst in kleine Portionen aufgeteilt und eingefroren. Die Urinprobe wird ebenfalls eingefroren. Sollte eine Prostatagewebeprobe entnommen werden, wird auch diese eingelagert. Die Proben werden dabei mit einer Teilnehmernummer, aber nicht mit Ihrem Namen versehen. Das heißt, ihre Einlagerung und spätere Verwendung erfolgt pseudonymisiert. Vorrangiger Zweck der Blutprobe ist die Bestimmung des PSA-Wertes. Vorrangiger Zweck der Prostatagewebeprobe ist der Ausschluss eines Prostata-karzinoms. Darüber hinaus sollen Blut-, Urin- und Gewebeprobe für spätere Forschungsvorhaben zur Verfügung stehen, die die Verbesserung der Früherkennung von Prostatakrebs zum Gegenstand haben. Diese Vorhaben schließen biochemisch-genetische Merkmale ein, die es vielleicht ermöglichen Mechanismen, die Einfluss auf die Entstehung, Progression und das klinische Verhalten von Prostatakrebs haben, besser zu verstehen. Alle Forschungsvorhaben werden von einer Ethikkommission geprüft. Die Blut- und Urinproben werden auf unbestimmte Zeit im Studienzentrum gelagert werden, mindestens aber bis 5 Jahre nach Beendigung der Studie.
Die Daten werden regional in Studienzentren gehalten. Für die anonymisierte Auswertung ist eine zentrale Datenhaltung vorgesehen. Nicht an der Studie Beteiligte erhalten keinen Einblick in diese Daten. Die Auswertung der Daten erfolgt anonymisiert, d.h. ohne Namensnennung.


Haben Sie weitere Fragen?
Bitte wenden Sie sich mit Ihren Fragen zur Studie jederzeit an die Studienmitarbeiterin:

Jutta von Kraewel
Tel. Nr. 06221 / 56 36 329
E-Mail Kontakt: Opens window for sending emailprobase@med.uni-heidelberg.de


Studienleiter:
Prof. Dr. med. Boris A. Hadaschik