Allgemeine Innere Medizin & Psychosomatik

Psychotraumatologie

 

Die Sektion Psychotraumatologie an der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik hat ihren inhaltlichen Arbeitsschwerpunkt im Gebiet der Akut-Psychotraumatologie, der Traumatisierung von Menschen nach Flucht und Vertreibung, der sekundären Traumatisierung von Helfern in unterschiedlichen sozialen Bereichen sowie im Bereich transgenerationaler Traumatisierung.


In der Psychotraumatologischen Ambulanz der Sektion Psychotraumatologie stellen sich im Jahr bis zu 300 Patienten* vor. Im Zentrum stehen Patienten mit Traumafolgestörungen nach Belastungs- und Traumaereignissen, die sich in Form leichterer Anpassungsreaktionen bis hin zu einem Vollbild der Posttraumatischen Belastungsstörung oder auch komplexen Posttraumatischen Belastungsstörungen äußern können. Die Ambulanz wird von Herrn apl. Prof. Dr. med. C. Nikendei, MME als Sektionsleiter oberärztlich betreut. Im Vordergrund stehen Diagnostik, psychosoziale Evaluation und Indikationsstellung einschl. Behandlungsempfehlung; interventionell werden Krisenbehandlungen bei akuten Traumatisierungen und in speziellen Fällen auch Stabilisierungs- und Expositionstherapien durchgeführt. Die Ambulanz arbeitet eng mit niedergelassenen Traumatherapeuten, spezialisierten Fachkliniken und der klinikeigenen psychotraumatologischen Station Mitscherlich zusammen. Die Mitbehandlung von Störungen im Kontext von durch Migration und Asyl entstandenen Belastungen und Traumafolgestörungen bildet aktuell einen weiteren Schwerpunkt (vorbereitende Telefonate jeweils dienstags von 13:30 bis 14:30 Uhr unter 56-5888). 

 

Zusammen mit den anderen Kliniken und Instituten des Psychosozialen Zentrums der Universitätsklinik Heidelberg wird zweimalig in der Woche eine Sprechstunde in der Erstregistrierungsstelle im Patrick-Henry-Village Heidelberg-Kirchheim für traumatisierte und psychisch belastete Flüchtlinge angeboten. Von Februar 2016 bis Februar 2017 fanden in der Psychosozialen Ambulanz des Patrick-Henry-Villages über 1000 Patientenkontakte statt. 

 

Aktuell stellen die Belastungen der Asylsuchenden und Geflüchteten, aber auch der Helfer einen zentralen Forschungsschwerpunkt der Sektion Psychotraumatologie dar. In einem vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg geförderten Projekt mit dem Titel „Entwicklung und Implementierung von Versorgungskonzepten für traumatisierte Flüchtlinge und belastete Helfer“ werden Versorgungsstrukturen und Hilfsangebote für belastete Geflüchtete und Helfer geschaffen. 

 

Weitere Forschungsfelder sind sekundäre Traumatisierung von Personen in der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV; Kooperation mit dem Landesverband Baden-Württemberg des Deutschen Roten Kreuzes), Traumatisierung von Menschen mit körperlichen Erkrankungen (z.B. nach TIA; Kooperation mit der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg oder nach Sehnenfadenabriss im Herzen; Kooperation mit der Universitätsklinik für Kardiologie), sowie die transgenerationale Weitergabe von Traumatisierungen im Rahmen des II: Weltkrieges. 

 

Im Frühjahr des Jahres 2017 wird im Thiemeverlag das Buch „Borcsa M., Nikendei C. (Hrsg.) (2017). Psychotherapie nach Flucht und Vertreibung: eine interprofessionelle Perspektive auf die Hilfe für Flüchtlinge.“ Publiziert werden, bei dem der Sektionsleiter apl. Prof. Dr. med. C. Nikendei, MME Herausgeber ist.

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