Allgemeine Psychiatrie
Zentrum für Psychosoziale Medizin

Sektion Gerontopsychiatrische Forschung


 

Longitudinale offene klinische Multizenter-Studie: "A German multicenter study on Toxoplasma Gondii in first-episode schizophrenia"

Projektleiterin: PD Dr. med. Silke Bachmann, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, MLU Halle-Wittenberg

 

Projektpartner: Prof. Dr. Johannes Pantel, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Johann Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt/Main; Prof. Dr. med. Johannes Schröder, Sektion Gerontopsychiatrie, Klinik für Allgemeine Psychiatrie, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universität Heidelberg

 

Unterstützung: Stanley Medical Research Institute, Bethesda, MD, USA

 

Wissenschaftlicher Hintergrund: Die Schizophrenie ist eine ernsthafte psychiatrische Erkrankung, deren Ursachen noch nicht vollständig aufgeklärt sind. Unter anderem erhöhen Umweltfaktoren das Risiko für das Entstehen einer Schizophrenie (1), hierzu zählen Infektionen, die während der Perinatalzeit oder auch später erworben werden. Einer der infrage kommenden Infektionserreger ist Toxoplasma gondii (TG), dem ein besonderes Interesse gilt, weil er bei Infizierten andauernde  Encephalitiden mit Verhaltensauffälligkeiten hervorrufen kann. Ein Review von Torrey und Yolken (2) fasst die zwischen 1953 und 2003 erschienenen Studien zusammen, die sich mit dem Zusammenhang von TG und Schizophrenie bzw. anderen ernsthaften psychiatrischen Erkrankungen beschäftigten. In 18 von 19 Studien wurden bei Patienten im Vergleich zu Kontrollen höhere Antikörper (AKs) gegen TG gefunden, der Unterschied erwies sich in 11 Studien als statistisch signifikant.

 

Ziele: Das primäre Studienziel ist es, den frühen Verlauf einer TG Infektion in seiner Beziehung zur Psychose bei schizophrenen Erkrankungen (Schizophrenie, schizophreniforme und schizoaffektive Störungen) zu beschreiben. Es werden u. a. entsprechende neurologische Auffälligkeiten, neuropsychologische Verhaltensdaten und die psychopathologische Symptomatik im Verlauf der TG-Infektion analysiert. Zudem interessiert, ob bei einer Subgruppe von Patienten ein Zusammenhang zwischen genetischer Suszeptibilität für die Erkrankung und einer TG-Infektion besteht.

 

Methode: Die Studie wird offen und multizentrisch durchgeführt, hierbei werden in einer größeren Stichprobe schizophren Ersterkrankter (n=173) und alters- und geschlechtsparallelisierter Kontrollen untersucht. Alle Patienten/innen werden zweimal nachuntersucht, nämlich 6 und 12 Monate nach Entlassung aus der Klinik.

StudienortHalleFrankfurt a. M.Heidelberg
Rekrutierbare Patienten/innen im Jahr 2006 (n)404040

Tabelle 1: Rekrutierbare Patienten/innen (n) im Jahr 2006 je Studienort

 

Zur Erfassung der Psychopathologie, der Verlaufsprädiktoren, der Neurologischen Soft Signs, des kognitiven Status sowie der Lebensqualität werden klinische Tests durchgeführt. Zur Diagnosesicherung werden strukturierte klinische Interviews eingesetzt, welche zudem Infekte während der Perinatalzeit oder später abklären sollen. Des Weiteren wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt.

 

Ergebnisse: Das Projekt befindet sich noch in der Durchführungsphase.

 

Liste der beteiligten Einrichtungen:

  • Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
    MLU Halle-Wittenberg
    Julius-Kühn-Str. 7
    06097 Halle

  • Klinik für Allgemeine Psychiatrie
    Zentrum für Psychosoziale Medizin
    Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
    Voss-Str. 4
    69115 Heidelberg

  • Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
    Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität
    Heinrich-Hoffmann-Straße 10
    60528 Frankfurt am Main

 

Literatur:

  1. Mortensen PB, et al.: Effects of family history and place and season of birth on the risk of schizophrenia. N Engl J Med 1999, 340: 603-608
  2. Torrey EF, et al.: Toxoplasma gondii and schizophrenia. Emerg Infect Dis 2003, 9: 1375-1380
  3. Karlsson H., Bachmann S., Schröder J., McArthur J., Fuller Torrey E., Yolken R. H. (2001)    Retroviral RNA identified in the cerebrospinal fluids and brains of individuals with schizophrenia. PNAS 98(8):4634-4639.
  4. Bachmann S., Schröder J., Bottmer C., Torrey E.F., Yolken R.H. (2005) Psychopathology in first-episode schizophrenia and antibodies to toxoplasma gondii. Psychopathology 38(2): 87-90.
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