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„Die Opfer aus ihrer Anonymität herausreißen“

08.12.2008
Heidelberger Forschungsarbeit zu Lebensgeschichten von „Euthanasie“-Opfern ausgezeichnet

Eine Forschungsarbeit, an der Wissenschaftler des Instituts für Geschichte der Medizin Heidelberg und der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg beteiligt waren, ist mit einem der Forschungspreise zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus ausgezeichnet worden. Die mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Preise wurden vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zum zweiten Mal ausgeschrieben. Die Preisträger wurden im Rahmen einer Gedenkveranstaltung am 5. November 2008 für die vertriebenen und ermordeten jüdischen Ärzte Berlins in der Neuen Synagoge in Berlin geehrt.

 

Die Gemeinschaftsarbeit von Gerrit Hohendorf, Petra Fuchs, Maike Rotzoll, Ulrich Müller, Paul Richter und weiteren Autoren widmet sich Lebensgeschichten von Opfern des Krankenmordes im Nationalsozialismus, die in der sogenannten „Aktion T4“ in Gaskammern umgebracht wurden. „Diese Pionierarbeit", heißt es in der Begründung der Jury, „reißt die Opfer aus ihrer Anonymität heraus und gibt ihnen durch die Erinnerung an ihr individuelles Schicksal ihre Würde zurück."

 

Über die "Euthanasie"-Opfergruppe ist bislang wenig bekannt. In der öffentlichen Wahrnehmung spielt sie kaum eine Rolle. Knapp die Hälfte der lange verschollen geglaubten Krankenakten der "Euthanasie"-Toten wurden im Zuge der Öffnung der Stasi-Archive Anfang der 1990er Jahre wieder aufgefunden. Diese einzigartige Quelle ermöglichte es, die Opfer des nationalsozialistischen Krankenmordes in ihrer Individualität sichtbar zu machen.

 

Preisgekrönte Arbeit als Buchpublikation

 

Die preisgekrönte Arbeit wurde 2008 in dem Buch „Das Vergessen der Vernichtung ist ein Teil der Vernichtung selbst" veröffentlicht, das 23 Lebensgeschichten versammelt, die auf der Basis von Krankengeschichten rekonstruiert wurden. Exemplarisch erzählen diese von den mehr als 70.000 psychisch kranken und geistig behinderten Frauen, Männern und Kindern, die 1940/41 von Ärzten zur Tötung bestimmt und in sechs eigens dazu errichteten Gasmordanstalten ermordet wurden und geben  den historischen Kontext der deutschen Anstaltspsychiatrie und der NS-"Euthanasie".

 

Das Buch: "Das Vergessen der Vernichtung ist ein Teil der Vernichtung selbst" - Lebensgeschichten von Opfern der nationalsozialistischen "Euthanasie"; hg. von Petra Fuchs, Maike Rotzoll, Ulrich Müller, Paul Richter und Gerrit Hohendorf. 392 S. geb. 29,90 Euro (D), Göttingen Juni 2007; ISBN 978-3-8353-0146-2 (2. Auflage 2008)

 

 

Kontakt:

Dr. Maike Rotzoll

Institut für Geschichte der Medizin der Universität Heidelberg

E-Mail: maike.rotzoll@histmed.uni-heidelberg.de

 

 

Bei Rückfragen von Journalisten:

Dr. Annette Tuffs

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg

und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 672

69120 Heidelberg

Tel.: 06221 / 56 45 36

Fax:  06221 / 56 45 44

E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

 

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